Johann Anton Wilhelm von Carstenn

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Das Ehrengrab J.A.W. von Carstenn-Lichterfelde
Gutshaus Lichterfelde, das sogenannte Carstenn-Schlösschen
Villa am Kadettenweg /Ecke Ringstraße in Lichterfelde-West
Curtius-/Baseler Straße: Haus von Paul Emisch (1873–1956) am Bahnhof in Lichterfelde-West

Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde (* 12. Dezember 1822 in Neverstaven, Holstein; † 20. Dezember 1896 in Schöneberg) war ein Kaufmann, Unternehmer und Stadtentwickler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carstenn erwarb 1854 den gräflichen Anteil des Adligen Gutes Wandsbek bei Hamburg. Er wandelte dieses Gebiet in die Villenkolonie in Marienthal um. 1855 erwarb er den – vom Adligen Gut Tralau abgetrennten – Meierhof Neverstaven, seinen Geburtsort, verkaufte ihn aber bereits nach einem Jahr wieder.

Mitte des 19. Jahrhunderts brachte er die Idee der Villenkolonie aus England nach Berlin. Für notwendige Erweiterungen der expandierenden Reichshauptstadt schlug er eine durchgehende Stadtlandschaft im Südwesten entlang der Bahnlinien zwischen Berlin und Potsdam vor, die aus einzelnen, in die Grün- und Wasserflächen des Grunewalds eingebetteten Wohngebieten bestehen sollte. Im Jahr 1865 erwarb Carstenn mit den Gewinnen aus Wandsbek die bei Berlin gelegenen Güter Lichterfelde und Giesensdorf sowie das Rittergut Wilmersdorf und Friedenau, um darauf ausgedehnte Villenkolonien zu gründen. Für die beiden letztgenannten Villenorte entwickelte und verwirklichte er die nach ihm benannte Carstenn-Figur, eine regelmäßige Anordnung von Straßen und Plätzen in Form einer städtebaulichen Figur.

Im Jahr 1871 schenkte er dem preußischen Militärfiskus rund 20 Hektar Land in der von ihm mit großem Aufwand entwickelten Villenkolonie Lichterfelde-West zum Bau der Preußischen Haupt-Kadettenanstalt, die wegen Platzmangels aus Berlin ins Umland verlegt werden musste. Carstenn erhoffte sich dadurch eine weitere Steigerung der Attraktivität seiner Villenkolonien im Berliner Südwesten. Insbesondere Lichterfelde-West entwickelte sich in der Folge zu einem bevorzugten Wohnort von Offizieren aus dem preußischen Adel.

Wegen der umfangreichen finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem preußischen Staat, die Carstenn im Zusammenhang mit Bau und Schenkung der Kadettenanstalt eingehen musste, verarmte der Unternehmer trotz des Erfolges seiner Villenkolonien. Carstenn erhielt für seine Verdienste von Kaiser Wilhelm I. den Adelstitel von Carstenn-Lichterfelde und einen Ehrensold als Lebensunterhalt bis zu seinem Tode, der ihm ein bescheidenes Auskommen sicherte. 1896 starb Carstenn in einer Nervenheilanstalt im heutigen Ortsteil Schöneberg.

Während die Siedlungen in Friedenau und Wilmersdorf überwiegend späterer Mietsbebauung zum Opfer fielen, ist die als exemplarisch geltende Kolonie Lichterfelde-West bis heute weitgehend erhalten und kann besichtigt werden. Sein ehemaliges Gutshaus am Schlosspark Lichterfelde (Hindenburgdamm 28) wird Carstenn-Schlösschen genannt und heute für kulturelle Zwecke genutzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1873 wurde er in den Adelsstand erhoben.
  • Von 1872 bis 1874 trug die Charlottenburger Straße im „Gründerviertel“ von Berlin-Weißensee seinen Namen.[1]
  • Er erhielt ein Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Alten Dorfkirchhof der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Lichterfelde (Hindenburgdamm 101) in der Nähe seines ehemaligen Gutshauses.
  • In Lichterfelde wurde nach ihm die Carstennstraße (1899)[2] und die Grundschule Carstenn (Bezirk Steglitz, bis in die 1980er Jahre) benannt. Außerdem erhielt er 1989 eine Berliner Gedenktafel an seinem ehemaligen Gutshaus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Lieberknecht, Karl-Heinz Metzger u. a.: Von der Wilhelmsaue zur Carstenn-Figur. 120 Jahre Stadtentwicklung in Wilmersdorf. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1987
  • Hermann Ebling, Evelyn Weissberg: Friedenau erzählt: Geschichten aus einem Berliner Vorort – 1871 bis 1914, edition Friedenauer Brücke, Berlin 2007. ISBN 978-3-9811242-1-7
  • Hans Walden: Carstenn, Wilhelm. In: Hamburgische Biografie. Band 3, Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 3-8353-0081-4, S. 73–74.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carstennstraße (Weißensee). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Carstennstraße (Lichterfelde). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)