Bahnhof Lietzow (Rügen)

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Lietzow (Rügen)
Zugang zu den Bahnsteigen
Zugang zu den Bahnsteigen
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung WLI[1]
IBNR 8010210[2]
Preisklasse 6[3]
Eröffnung 1. Juli 1891
Profil auf Bahnhof.de Lietzow__Ruegen_
Lage
Stadt/Gemeinde Lietzow
Land Mecklenburg-Vorpommern
Staat Deutschland
Koordinaten 54° 28′ 52″ N, 13° 30′ 36″ OKoordinaten: 54° 28′ 52″ N, 13° 30′ 36″ O
Höhe (SO) m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Mecklenburg-Vorpommern
i16i18

Der Bahnhof Lietzow (Rügen) ist der Bahnhof der Gemeinde Lietzow im Landkreis Vorpommern-Rügen. 1891 ging er zunächst als Haltepunkt an der Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz in Betrieb und wurde später zum Bahnhof. Außerdem zweigt in Lietzow seit 1939 eine Strecke nach Binz ab. 2009/10 wurde die Betriebsstelle umfangreich um- und zurückgebaut.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lietzower Bahnhof befindet sich südlich des Ortes unmittelbar am Kleinen Jasmunder Bodden. Angrenzende Straße sind Am Bahnhof und Spitzer Ort. Der nächste Bahnhof in Richtung Westen ist der etwa neun Kilometer Luftlinie entfernte Bahnhof Bergen. In Richtung Osten ist der Bahnhof Prora etwa sechs Kilometer entfernt, der Bahnhof Sargard sieben Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Fertigstellung des Streckenabschnitts Bergen–Sassnitz wurde in Lietzow zunächst ein einfacher Haltepunkt errichtet. Für die Reisenden war lediglich ein Bahnsteig und ein kleines Empfangsgebäude vorgesehen. Einige Monate später baute man die Betriebsstelle zu einem Bahnhof aus. Auch ein weiteres Bahnsteiggleis wurde ergänzt. Hinzu kamen nun eine Güterabfertigung und ein Ladegleis. Am 1. November 1891 wurde der Güterverkehr offiziell eröffnet.

1939 ging der Abschnitt zwischen Lietzow und Binz, an der das Seebad Prora errichtet werden sollte, in Betrieb. Die Strecke zwischen Bergen und Lietzow wurde zweigleisig ausgebaut und die Bahnanlagen in Lietzow wurden erweitert. Dafür wurden auch Bereiche des Kleinen Jasmunder Boddens aufgeschüttet. Ein neuer Bahnsteig, eine 370 m lange Ladestraße, drei Stellwerke und ein neuer Schrankenposten wurden erbaut.

Damals war kurzzeitig ein Hafen im Großen Jasmunder Bodden geplant. Dies hätte dem Bahnhof noch eine größere Bedeutung zukommen lassen. Zur Umsetzung dieses Projektes kam es jedoch nie.

Die Strecke zwischen Lietzow und Binz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst demontiert. Doch 1952 wurde die Strecke nach Wiederaufbau schon wieder in Betrieb genommen. Das Wärterstellwerk Low wurde nun zum Befehlsstellwerk B2. Die neue Bezeichnung Lietzow (Rügen) erhielt der Bahnhof im Jahre 1957. Um höheren Belastungen gerecht zu werden, gab es Mitte der 1960er Jahre Umbaupläne, die allerdings nicht umgesetzt wurden. Mit der Ausweitung des Fährverkehrs zwischen Sassnitz und Trelleborg wurden die Pläne wieder ins Auge gefasst. Im Fährbahnhof Sassnitz war nicht genug Platz für die Zugbildung. Aus diesem Grund suchte die Reichsbahndirektion Greifswald dafür einen anderen geeigneten Bahnhof. Es wurden Bergen und Lietzow in Erwägung gezogen, man entschied sich für Lietzow. Die damals geplante Umstellung der Signaltechnik auf Lichtsignale wurde erst mit der Elektrifizierung im Jahre 1989 verwirklicht. 1969 wurde bei Oberbauarbeiten das Ladegleis entfernt. 1971 folgte ein weiterer Umbau. Jedoch waren die Bahnanlagen in Lietzow auch begrenzt, so dass eine exakte Planung notwendig war, welche und wie viele Züge gebildet werden konnten.

Nach der Wende stellte man auf Hl-Signale um. Der Güterverkehr nahm nach 1990 rapide ab. Viele Gleisanlagen blieben ungenutzt. 2009 wurden viele Anlagen zurückgebaut. Fast alle Nebengleise wurden entfernt und das Quertragwerk der Oberleitung wurde den neuen Gegebenheiten angepasst. 2010 wurde die Betriebsstelle so umgebaut, dass die äußeren Bahnsteiggleise entfielen und es heute nur noch zwei Haupt- und Nebengleise gibt. Ein neuer Mittelbahnsteig wurde errichtet. Personal zur Reisendensicherung ist seitdem nicht mehr notwendig, der Reisendenübergang wird technisch gesichert. Einige Monate später blieb noch eine Fahrleitungsanlage stehen, die dann auch schnell entfernt wurde. Die Signaltechnik wurde auf Ks-Signale umgestellt und im alten Stellwerksgebäude wurde das neue elektronische Stellwerk eingerichtet. Außer dem Fahrdienstleiter wurden alle Eisenbahner im Jahre 2011 abgezogen.

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliger Güterschuppen

Bahnsteige und Gleise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Umbau hatte der Bahnhof Lietzow drei Bahnsteiggleise. Die Nummern dieser Gleise waren 4, 20 und 22. Das Gleis 22 befand sich vor dem Empfangsgebäude. Hier fuhren hauptsächlich die Züge nach Binz. Ausfahrten nach Sassnitz und Bergen waren ebenso möglich. Der Bahnsteig an dem Gleis war 220 Meter lang. Auf Gleis 20 fuhren die Personenzüge nach Stralsund. Für Ausfahrten nach Binz und Sassnitz konnte es auch genutzt werden. Für den Lokumlauf der Binzer Personenzüge wurde es auch genutzt. 300 Meter war der Bahnsteig lang. Gleis 4 war ebenso 300 Meter lang. Es wurde für Ausfahrten in alle Richtungen und Zugdurchfahrten genutzt.

Neben den Bahnsteiggleisen existierten in Lietzow noch andere Gleisanlagen. Gleis 2 war ein durchgehendes Hauptgleis, wo Fahrten in alle Richtungen stattfanden. Gleis 1 war ein Kreuzungs- und Überholgleis. Die Gleise 5, 7, 9, 11 und 13 waren Abstellgleise. Zugleich war das dreizehnte Gleis auch Ladegleis und hatte eine Länge von 670 Metern. An der Ausfahrt in Richtung Bergen lag Gleis 17, an dem meist eine Schiebelok abgestellt war. In Richtung Binz lag das Ausziehgleis 15. Dieses endete am Saiser Bach.

Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Empfangsgebäude steht heute leer. Durch einen brennenden Müllcontainer wurde es schon einmal beschädigt.

Neben dem Gebäude stand auf dem ehemaligen Ladegleis ein Triebwagen, der als Ferienwohnung genutzt wurde. Nachdem das Gleis entfernt wurde, stellte man ihn auf einem Gleisjoch in der Nähe des Güterschuppens ab. 1992 wurde der Triebwagen verschrottet.

Sicherungstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Lage war der Lietzower Bahnhof in drei Fahrwegprüfbezirke eingeteilt. Fahrdienstleiter, Weichenwärter und Schrankenposten bildeten jeweils einen Prüfbezirk. Über das Schließen eines Schlüssels mussten Weichen- und Schrankenwärter dem Fahrdienstleiter das Freisein ihres jeweiligen Bezirkes mitteilen.

Bis nach 1990 war der Bahnhof mit über Drahtzüge gestellten Formsignalen und Weichen ausgestattet, die vom mechanischen Stellwerk B2 an der östlichen Ausfahrt bedient wurden. Später erhielt Lietzow Lichtsignale in Form von Hl-Signalen. Seit den Umbaumaßnahmen in den Jahren 2009/10 werden die Signalanlagen einschließlich der Weichen durch ein elektronisches Stellwerk gestellt. Die Signale sind seitdem Ks-Signale. Der westliche Bahnübergang wurde durch eine mechanische Vollschranke gesichert. Seit dem Umbau ist diese rechnergesteuert.

Rangierbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lietzow hatte keine dort stationierte Rangierlok, aber einen Rangierer vor Ort. Für die Rangierarbeiten wurden Lokomotiven von außen geholt.

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regional-Express RE9, auch Hanse-Express genannt, bedient Lietzow aus Richtung Stralsund und Bergen im Stundentakt, alle zwei Stunden kommen die Züge bereits von Rostock. Die Züge fahren abwechselnd nach Sassnitz und Binz weiter, zum jeweils anderen Ziel fahren Anschlusszüge ab Lietzow.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnhof Lietzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abkürzungsverzeichnis auf michaeldittrich.de, abgerufen am 31. Mai 2015
  2. IBNR-Verzeichnis auf michaeldittrich.de, abgerufen am 31. Mai 2015
  3. Stationspreisliste (Memento vom 22. Februar 2015 im Internet Archive) auf deutschebahn.com, abgerufen am 31. Mai 2015