Bahnstrecke Schlömen–Bischofsgrün

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Abzw Schlömen–Bischofsgrün
Bahnhof Bischofsgrün, 1987
Streckennummer:5006
Kursbuchstrecke (DB):818
Streckenlänge:18,3 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 33 
von Neuenmarkt-Wirsberg
2,85 Abzw Schlömen
nach Bayreuth Hbf
Straße Schlömen - Himmelkron
Weißer Main
4,80 Himmelkron
Weißer Main
6,80 Lanzendorf
Bundesautobahn A 9
Bundesstraße 2
10,91 (Bad) Berneck im Fichtelgebirge
Ölschnitz
Weißer Main
13,05 Goldmühl
13,10 Anst Goldmühl
14,00 Anst Hartsteinwerk
15,10 Röhrenhof
21,00 Bischofsgrün

Quellen: [1][2][3]

Die Bahnstrecke Schlömen–Bischofsgrün war eine Nebenbahn in Bayern. Sie zweigte bei Neuenmarkt-Wirsberg am Abzweig Schlömen aus der Bahnstrecke Bayreuth–Neuenmarkt-Wirsberg ab und führte nach Bischofsgrün. Sie war eine der sieben Bahnstrecken, die früher das Fichtelgebirge erschlossen.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzweig Schlömen (vom Bischofsgrüner Gleis aus gesehen)
Bahnhof Bad Berneck, 1987
Abzweig Schlömen (Weiche mit Betonschwellen): rechts des Gleises nach Bayreuth das Stellwerk

Die Strecke begann im Bahnhof Neuenmarkt-Wirsberg (50° 5′ 35,1″ N, 11° 34′ 54,1″ O) und nutzte zunächst das Gleis der Pachtbahn in Richtung Bayreuth. Bei Schlömen zweigte sie nach Südosten ab, dafür war am Ortsrand ein Stellwerk (mit Blockstelle) (50° 4′ 32,5″ N, 11° 34′ 41″ O) errichtet worden. Danach folgte die Strecke grob dem Verlauf des Weißen Mains. Von Bad Berneck bis Bischofsgrün verlief sie mit starker Steigung parallel zum Fluss. Die Höhendifferenz zwischen Himmelkron und Bischofsgrün betrug 266 Meter, der Anstieg ab Röhrenhof übertraf mit 33 ‰ den der Schiefen Ebene bei weitem.[4] Der Endbahnhof Bischofsgrün (50° 3′ 14,1″ N, 11° 46′ 28,5″ O) lag im Gemeindeteil Glasermühle über einen Kilometer außerhalb und gut 50 Höhenmeter unterhalb des Hauptorts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke wurde in drei Abschnitten gebaut. Am 28. November 1896 erreichte die Eisenbahn das Kurstädtchen und ehemalige Bezirksamt Berneck, im Jahr darauf Goldmühl und am 20. Oktober 1898 schließlich den Bahnhof Bischofsgrün. Dort wurde ein Lokbahnhof zur Unterhaltung und Wartung der Dampflokomotiven eingerichtet. Güteranschlussgleise gab es zu einem Betrieb in Goldmühl und für Schottertransporte zu einem Hartsteinwerk in Röhrenhof.

Der Personenverkehr auf der gesamten Strecke wurde am 26. Mai 1974 eingestellt, der Güterverkehr zwischen Röhrenhof und Bischofsgrün am 31. Mai 1986. Die Teilstrecke Goldmühl–Anschluss Hartsteinwerk Röhrenhof wurde seitdem als Anschlussgleis geführt.[4] Am 22. Juli 1992 wurde nach einem Dammrutsch zwischen Lanzendorf und Bad Berneck, der die Strecke in Mitleidenschaft zog, der Güterverkehr auch östlich von Lanzendorf eingestellt, die Stilllegung des Abschnitts erfolgte zum 31. Dezember 1993.[5] Am 5. Januar 1993 waren noch die Wagen von dem aufgegebenen Streckenstück abgeholt worden, die dort wegen des Dammrutsches ein halbes Jahr eingeschlossen waren. Der Abschnitt von Schlömen nach Lanzendorf wurde schließlich am 30. Juni 2006 stillgelegt. Die Bahntrasse wurde komplett demontiert.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Dampflokzeit ist der Einsatz der Baureihe GtL 4/4 (spätere 98.8) dokumentiert, die auf der steilen Strecke auch Personenzüge zog.[5] Die „Verdieselung“ erfolgte mit Schienenbussen des Typs VT 95 im Personen- und Lokomotiven der Baureihe V 60 im Güterverkehr. Kurz vor der Stilllegung kamen auch Triebzüge der Baureihe 614 auf die Strecke. Am 28. September 1985 fuhr mit einem zwölf Waggons umfassenden Sonderzug der vermutlich längste Personenzug der Streckengeschichte von Goldmühl über Neuenmarkt nach Heidelberg und zurück.[6] Am 9. März 1986 wurde die Strecke von der V 36 235 der Dampfbahn Fränkische Schweiz mit zwei historischen Reisezugwagen (Donnerbüchsen) befahren.[5] Den letzten Güterzug nach Bischofsgrün, der für Eisenbahnfans einen vierachsigen Umbauwagen mitführte, bespannte am 30. Mai 1986 mit der 211 294 ausnahmsweise eine Lok der Baureihe V 100.[7]

Die Strecke heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke ist weitgehend abgebaut, die Trasse wurde beim Neubau der A 9 nicht freigehalten. In Bad Berneck wurde der Bahnhof (50° 2′ 36,2″ N, 11° 39′ 53″ O) abgerissen, auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände verläuft heute die neue B 303. Östlich von Bad Berneck wird die Trasse als Fahrradweg genutzt. Die Gebäude des Bahnhofs Bischofsgrün sind erhalten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Schmitt / Gerald Hoch: Nebenbahnen in Oberfranken. Michael Resch, Coburg 1999, ISBN 3-9805967-4-5.
  • Kerstin Schäfer: Die Hochbauten der oberfränkischen Nebenbahnen. Geschichte, Bestand und Umnutzung. Eisenbahn-Fachbuch-Verlag, 2013, ISBN 978-3-944237-05-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. Informationen und Bilder zu den Tunneln der Strecke 5840 auf eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
  3. Bundesbahndirektion Nürnberg. Karte im Maßstab 1:400000. Ausgabe B. Karten- und Luftbildstelle der Deutschen Bundesbahn, Mai 1985 (blocksignal.de [abgerufen am 3. April 2022]).
  4. a b Bernd Schmitt / Gerald Hoch: Nebenbahnen in Oberfranken, S. 153
  5. a b c Bahnbetrieb im Weißmaintal, auf escherlich.de
  6. Nordbayerischer Kurier vom 30. September 1985
  7. Bernd Schmitt / Gerald Hoch: Nebenbahnen in Oberfranken, S. 153 ff