Bischofsgrün

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bischofsgrün
Bischofsgrün
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bischofsgrün hervorgehoben
Koordinaten: 50° 3′ N, 11° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Höhe: 676 m ü. NHN
Fläche: 8,39 km²
Einwohner: 1885 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 225 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95493
Vorwahl: 09276
Kfz-Kennzeichen: BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 121
Gemeindegliederung: 15 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Bischofsgrün
Jägerstraße 9
95493 Bischofsgrün
Webpräsenz: www.bischofsgruen.de
Bürgermeister: Stephan Unglaub (SPD)
Lage der Gemeinde Bischofsgrün im Landkreis Bayreuth
Landkreis Nürnberger Land Bayreuth Bayreuth Landkreis Hof Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Kulmbach Landkreis Lichtenfels Landkreis Bamberg Landkreis Forchheim Landkreis Tirschenreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Amberg-Sulzbach Prüll Warmensteinacher Forst-Nord Waidacher Forst Waidacher Forst Veldensteiner Forst Neubauer Forst-Nord Waischenfeld Lindenhardter Forst-Südost Lindenhardter Forst-Nordwest Langweiler Wald Bayreuth Heinersreuther Forst Goldkronacher Forst Glashüttener Forst Forst Neustädtlein am Forst Gemeindefreies Gebiet Fichtelberg Emtmannsberg Haag (Oberfranken) Seybothenreuth Creußen Warmensteinach Weidenberg Schnabelwaid Prebitz Plech Mistelgau Mistelbach (Oberfranken) Hummeltal Hummeltal Heinersreuth Goldkronach Glashütten (Oberfranken) Gesees Gefrees Eckersdorf Bischofsgrün Bischofsgrün Bindlach Betzenstein Bad Berneck im Fichtelgebirge Speichersdorf Kirchenpingarten Waischenfeld Plankenfels Pegnitz (Stadt) Mehlmeisel Hollfeld Fichtelberg (Oberfranken) Aufseß Ahorntal Bischofsgrüner Forst Pottenstein (Oberfranken)Karte
Über dieses Bild

Bischofsgrün ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischofsgrün liegt zwischen Ochsenkopf und Schneeberg im Hochtal des Weißen Mains im Fichtelgebirge an der Bundesstraße 303. Im Südosten liegt der Karchesweiher.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzige direkt angrenzende Nachbargemeinde ist Gefrees.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischofsgrün besteht aus insgesamt 15 Ortsteilen[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die frühesten Daten der Bischofsgrüner Geschichte gibt es leider keine Belege. So wird zwar in einer Urkunde des Bamberger Bischofs Otto aus dem Jahre 1242 der Ort Bischofesgrune erwähnt, aber in diesem Jahr regierte Bischof Heinrich I. in Bamberg. Ein Bischof Otto ist für diese Zeit nicht belegt.[3] Eine Pfarrkirche soll schon 1204 an der Stelle der heutigen Kirche existiert haben, was auf eine größere Siedlung hinweist, aber dazu gibt es nur einen Hinweis eines evangelischen Pfarrers aus dem 19. Jahrhundert.[4] Nach alten Überlieferung, die aber nicht historisch belegt sind, soll sich hier um 900 eine Glashütte befunden haben. Erste gesicherte Erkenntnisse liegen aus dem Jahre 1317 vor, als die Grafen von Hirschberg den Rudolfstein zusammen mit den umliegenden Dörfern (darunter Bischofsgrün) als Lehen von Kaiser Ludwig dem Bayern bekamen. 1340 wird eine „Glasmacherei“ erstmals erwähnt.[5] Die Herrschaft der Herren von Hirschberg kam 1360 an die Burggrafen von Nürnberg, den späteren Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. 1421 wird der Zinnabbau am Ochsenkopf durch italienische Experten erwähnt; 1536 von einer Glashütte berichtet. Der Ort hatte damals 39 Häuser. 1616 kauften Mitglieder der Glasmacherfamilie Greiner die abgebrannte Glashütte auf und führten sie zu neuer Blüte. 1473 kommt Bischofsgrün an die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach. 1496 ist die Existenz einer ersten Kirche belegt, die Catharinenkapelle, die wahrscheinlich im 11. Jahrhundert errichtet wurde. Ab 1500 lag Bischofsgrün im Fränkischen Reichskreis. Durch seine abgeschiedene Lage blieb Bischofsgrün von den Hussitenkriegen 1419–1434, den Bauernkriegen 1525 und den Glaubenskriegen von 1552 bis 1555 verschont.

1536 wurde die Reformation in Bischofsgrün eingeführt und die katholische Ägidienkirche evangelisch. Ab 1604 gehörte Bischofsgrün zum Oberland des Fürstentum Bayreuth. Am 16. Mai 1612 verwüstete ein Großbrand den Ort mit der Kirche und eine neue Kirche wurde errichtet. 1682 wurde eine zweite Glashütte erbaut und Bischofsgrün wurde für seine Hohlglasproduktion bekannt. 1699 wurde die schadhafte Ägidienkirche abgerissen und bis 1702 als Matthäuskirche wieder aufgebaut. Bischofsgrün hatte damals zwischen 400 und 500 Einwohner.[6]

Während des Siebenjährigen Krieges wurden durch Soldaten Seuchen eingeschleppt, so dass durch zahlreiche Todesfälle die Aufwärtsentwicklung des Ortes unterbrochen wurde. 1791 wurde Bischofsgrün als Teil des 1792 preußisch gewordenen hohenzollernschen Fürstentums Bayreuth von Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander an Preußen verkauft. 1807 wurde das Gebiet im Rahmen der napoleonischen Kriege im Frieden von Tilsit französisch und 1810 von Napoleon an das Königreich Bayern veräußert. Im Zuge der Verwaltungsreformen entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde Bischofsgrün. Am 18. September 1887 wurde bei einem Großbrand fast der ganze Ort zerstört, nur vier Steinhäuser und das Schulhaus blieben stehen. Bischofsgrün wurde wieder aufgebaut und 1892 wurde die im neugotischen Stil errichtete Matthäuskirche eingeweiht.

Schneemann Jakob

1898 wurde Bischofsgrün an das bayerische Eisenbahnnetz angeschlossen und damit begann auch der Tourismus am Ochsenkopf und in Bischofsgrün. Bischofsgrün ist schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit zahlreichen Skipisten und einer Skischule touristisch geprägt. 1909 wurde der erste Skiklub gegründet und 1957 eine Skischanze errichtet. 1958 erfolgte die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Die Übernachtungszahlen stiegen von 50.000 im Jahre 1952 auf fast 250.000 im Jahre 1972 an. Der Höhepunkt im Fremdenverkehr wurde 1991 mit über 326.000 Übernachtungen erreicht.[7] Seit 1975 ist die Gemeinde Bischofsgrün die Patengemeinde der GSG 9 der Bundespolizei. Die Patenschaft wird durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt. 1976 erfolgte im Zuge der Gebietsreform die Eingemeindung von Wülfersreuth. Die Bahnlinie nach Bayreuth wurde 1982 eingestellt. Seit 1992 ist Bischofsgrün ein heilklimatischer Kurort; 1995 erfolgte die Ernennung zum „Kleinzentrum“ im Bayerischen Regionalplan. Im Fasching findet das sogenannte Schneemannfest statt, zu dem jedes Jahr der größte Schneemann Deutschlands („Jakob“) gebaut wird (siehe Bilder und Bilder im Zeitraffer vom Bau des Rekordschneemanns 2015).

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Gemeinde Bischofsgrün St. Matthäus gehört zum Dekanat Bad Berneck und hat etwa 1500 Mitglieder.[8] Als Gotteshaus dient die neugotische Matthäuskirche aus dem Jahre 1892. Die Kirchengemeinde betreut auch den Kindergarten in Bischofsgrün.

Die katholischen Christen werden von der Pfarrei Oberwarmensteinach aus betreut; Messen finden in der Kirche Maria Himmelfahrt in Bischofsgrün statt. Bischofsgrün gehört zum Dekanat Kemnath-Wunsiedel im Bistum Regensburg.

Die zuständige Pfarrei für Altkatholiken befindet sich in Weidenberg.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1976 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wülfersreuth (bis 1875 Wilfersreuth[9]) eingegliedert[10], die mit 703 m über NN die höchstgelegene Ortschaft Oberfrankens ist.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in weiten Teilen Ostoberfrankens geht die Einwohnerzahl auch in Bischofsgrün zurück. Auffällig ist auch die geringe Anzahl Jugendlicher, so dass sich das demographische Problem in Zukunft noch verstärken wird. 386 Bürger waren 2011 mit Zweitwohnsitz in Bischofsgrün gemeldet.

Jahr 1970 1987 1996 2000 2005 2011 2012 2014
Einwohner 2168 1985 2147 2109 2057 1970 1921 1923

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2002, 2008 und 2014 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

2002 2008 2014
CSU/Überparteiliche Wählergemeinschaft ab 2014: CSU 06 04 03
SPD 05 07 06
Freie Wählergemeinschaft Bischofsgrün 03 03 02
Überparteiliche Wählergemeinschaft Bischofsgrün 0 0 03
Gesamt 14 14 14

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit November 2003 Stephan Unglaub (SPD). Er wurde 2014 ohne Gegenkandidat mit 95 % der Stimmen wieder gewählt

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wintersport in Bischofsgrün[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am 1. August 2007 neueröffnete Ochsenkopfschanze auf dem Hügelfelsen oberhalb des Ortes hat die sportliche Bedeutung von Bischofsgrün noch gesteigert. Es sind jährlich die internationale Damenelite zu einem Sommersprungwettkampf der FIS und die Nationalmannschaften der Spezial- und Kombinationsspringer des Deutschen Skiverbandes (DSV) zur Saisonvorbereitung zu Gast. Alpiner Wintersport ist ebenfalls möglich. 2007 wurde dazu die Nordabfahrt des Ochsenkopfes (Länge 2,3 km) mit einer Beschneiungsanlage ausgestattet, an zwei Schleppliften kann bei Flutlicht gefahren werden. Die Skischule Nordbayern an der Talstation Nord des Ochsenkopf bietet Kurse für Ski- und Snowboardfahren an. Bei entsprechenden Schneeverhältnissen werden rund um Bischofsgrün Langlaufloipen gespurt. Winterwanderwege werden in großer Zahl vorgehalten. Geführte Schneeschuhwanderungen werden regelmäßig angeboten. Ausrüstungen für alle Wintersportarten können in zwei Geschäften entsprechend ausgeliehen werden. Schlittschuhfahren und Eisstockschießen ist auf der Eislaufbahn an der Talstation Nord des Ochsenkopfes unter Anleitung und auch bei Flutlicht möglich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe keine und im Bereich Handel und Verkehr 54 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 427 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 677. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sieben Betriebe, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 1999 14 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 215 Hektar, davon waren 72 Hektar Ackerfläche und 143 Hektar Dauergrünfläche. Haupterwerbszweig ist der ganzjährige Fremdenverkehr. Die größten Arbeitgeber sind im Bereich Fremdenverkehr, Kur, Gesundheit und Pflege angesiedelt, namentlich die Höhenklinik der Deutschen Rentenversicherung sowie das Pflegezentrum Bischofsgrün, welches aufgrund innovativer Konzepte im Bereich der Altenpflege deutschlandweite Bekanntheit genießt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2013):

  • Kindergarten: 50 Kindergartenplätze; zusätzlich Kleinstkindbetreuung ab einem Jahr
  • Volksschule: Grundschule 1. bis 4. Klasse mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Herrmann, Helmut Süssmann: Fichtelgebirge, Bayerisches Vogtland, Steinwald, Bayreuther Land. Lexikon. Ackermannverlag, Hof (Saale) 2000, ISBN 3-929364-18-2.
  • Herrmann, Dietmar: Der Ochsenkopf im Fichtelgebirge, Band 17/2009 der Schriftenreihe des Fichtelgebirgsvereins Das Fichtelgebirge


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111030/115334&attr=OBJ&val=1146
  3. http://erzdioezese.kirche-bamberg.de/bistum-allgemein/bischoefe/lebens--und-regierungszeiten/index.html
  4. http://evangelisch-bischofsgrün.de/kirche-und-altar
  5. http://www.gemeinde.bischofsgruen.de/Chronik.bischofsgruen8.0.html
  6. http://evangelisch-bischofsgrün.de/kirche-und-altar
  7. http://www.gemeinde.bischofsgruen.de/Chronik.bischofsgruen8.0.html
  8. http://www.dekanat-badberneck.de/324.php
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 434.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 675.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bischofsgrün – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bischofsgrün – Reiseführer