Barbara Weil

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Barbara Weil (* 1933 in Chicago, Illinois) ist eine US-amerikanische Künstlerin, die Beziehungen zwischen Malerei, Skulptur, zeitgenössischer Architektur und Mensch auf ungewöhnliche Weise sichtbar werden lässt. Sie hat in Zusammenarbeit mit Daniel Libeskind das Studio Weil entwickelt und bauen lassen. Das architektonisch bedeutende Gebäude auf Mallorca enthält Arbeits- und Ausstellungsräume der Künstlerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbara Weil wuchs in Chicago auf und besuchte dort das Roosevelt College, dann das Art Institute of Chicago. Während sie eine Familie gründete, lebte und arbeitete sie in Kalifornien und später auf Mallorca.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den ersten Blick erscheint die Malerei als amerikanischer Abstrakter Expressionismus, jedoch anderer Art als die New York School. Tatsächlich untersuchte Barbara Weil am Art Institute of Chicago die Form und Farblehre des Bauhaus.[2]

Bei näherer Betrachtung zeigen sich weitere Zugänge: Bezüge etwa zu anderen Kunststilen und zu Figürlichkeit, kritische Bezüge zu klassisch künstlerischen Themen wie Liebe und weiblicher Körper, oder zu Themen aus Mythologien des Weiblichen[2], wie im Werkzyklus „Mythology of the Moon“ (Mythologie des Mondes) und Arbeiten wie „Super Woman - Back to the Womb“ (Super Woman - Zurück in die Gebärmutter). Im zeichnerischen Werk finden sich Selbstporträts.

Die Künstlerin setzt Kategorien der Malerei, Skulptur und Architektur durch intuitive und rationale Dekonstruktion vorwiegend in Formen des Abstrakten Expressionismus und neuerer Stilentwicklungen um.[3] Es entstehen konsequent neue Wechselbeziehungen: Malerei mit Primärfarben wird zu perspektivischer Rauminstallation, eine Generation von Skulpturen erinnert an zweidimensionale Ausschnitte aus Malerei, andere werden aus Materialien entwickelt, denen wie Karton- und Papierblättern, Zweidimensionalität anhaftet. In ironischer Distanz zu Kunststilen und herkömmlicher Kunstproduktion fügt sich gewöhnlich getrennt Gedachtes zu einem Œevre, in dem alles in mentale, ausnahmsweise sogar physische Bewegung gesetzt wird.[4] Drei Skulpturen, in einem großen gezackten Ausschnitt in der westlichen Seite des Studios der Künstlerin durch Meeresbrisen bewegt, stellen eine neuartige Verbindung zwischen Architektur und Kunst her.[5]

Schon vor dem Bau des Studio Weil enthielt das Werk von Barbara Weil Bezüge zur Architektur der Gegenwart: Ab 1979 begann sie eine Serie von Fiberglas-Skulpturen, die zu einer Zusammenarbeit mit dem fortschrittlichen Architekten und Architekturtheoretiker Stanley Tigerman führte. Tigerman zeigt Werke von Barbara Weil in seinen Ausstellungsräumen.

Studio Weil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei Skulpturen, 2003,
als Teil der Architektur des Studio Weil. Gesamtansicht

Als Barbara Weil 1998 plante, ihr Studio zu bauen, traf sie Daniel Libeskind, und ihre Arbeiten wurden zur Inspiration für seinen architektonischen Entwurf.

Barbara Weil und Daniel Libeskind entwickelten das Studio in Port d’Andratx in enger Zusammenarbeit.[6] Der britische Architekturkritiker Jonathan Glancey erwähnt Gemeinsamkeiten im Umgang mit visueller Form, im Werk der Künstlerin und des Architekten, die bereits bestanden, bevor Libeskind bekannt wurde.[7] Im Gestus der Künstlerin waren Kreisformen eine formale Basis. Libeskinds Beschäftigung mit dem System konzentrischer Kreise, das der mallorquinische Philosoph Ramon Llull als Welterklärung ersonnen hatte, erwies sich als ideale Ergänzung.[8]

Libeskind bezeichnet das Studio im Vergleich zu seinen großen Bauten als Cello-Sonate.[9] Angelegt in der Dimension eines konzentrierten Museums ist es ständiger Ausstellungsort des Œuvres der Künstlerin.

Skulpturen und Installationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Under the Moon 3.0m, bemalte Eisenskulptur. Teil der Expo Sevilla 1992. Seit 2006 im Zentrum für zeitgenössische Kunst Andalusien im Monasterio de la Cartuja. Sevilla, Spanien
  • Allegro 3.5m, Bootsbauplatte, Autolack. Verbier Festival, 2002. Verbier, Schweiz
  • Siurell de Libertad 3.0m, Fiberglas, Autolack. Conservatorio de Musica Andratx, 1998. Andratx, Mallorca, Spanien
  • Over the Moon 4.0m, Fiberglas, Autolack. Paseo Maritimo, Puerto de Andratx, 1995. Puerto de Andratx, Mallorca, Spanien
  • City of the Big Shoulders temporäre Installation mit 11 Wandskulpturen, Polyurethan Farbe auf Fiberglas, und einer stehenden Skulptur, Polyurethan auf Fiberglas. 1993 im Three Illinois Center. Chicago, Illinois (siehe Katalog [10]). Arbeiten aus der Installation befinden sich seit 1993 bei Stanley Tigerman, Archeworks, Chicago:
  • Weibliche Skulptur 3.5m, 1993, Wandskulptur
  • Männliche Skulptur 2.4m, 1993, Wandskulptur
  • So Is She 140 cm, 1993, stehende Skulptur

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mnemonic cartwheels: Daniel Libeskind’s Studio Weil and the work of Barbara Weil; Ausstellungskatalog. Kristin Feireiss (Autor), Kristin Feireiss u. Hans-Jürgen Commerell (Hg.). Berlin: Aedes West, 2000. deutsch, englisch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Weblink Studio Weil
  2. a b Helen McNeil, Barbara Weil: Barbara Weil : Mythology of the Moon. Recent works : february 20-march 14, 1992. Institute of North American Studies, Badalona 1992 (englisch, katalanisch, spanisch, studioweil.comhttp://cataleg.bnc.cat:2082/record=b1413922~S13 Bibliotheca de Catalunya).
  3. Jonathan Glancey: So where’s the kitchen? The Guardian, 29. September 2003, S. 1, 7, abgerufen am 19. Januar 2011 (englisch): „Was I a deconstructivist before I knew the word?“
  4. Quelle: „[…] certain fragments of the painting demanded at a given moment, a particular physical projection in space, and so, without abandoning the original two dimension - yet not limited by this, since Barbara Weil's former sculpture had not needed to be intensified by color - they initiated a gentle flight towards ingravity, obtaining finally the dream of eternal movement […].“
    Vergleiche: „[…] bestimmte Teile des Gemäldes forderten in einem gegebenen Moment eine bestimmte physische Projektion im Raum. Und so, ohne die ursprüngliche Zweidimenisonalität zu verleugnen - noch durch diese begrenzt zu sein, da Barbara Weils vormalige Skulpturen keine Intensivierung durch Farbe benötigten - leiteten sie einen sanften Flug in die Schwerelosigkeit ein, um endlich den Traum von der ewigen Bewegung zu verwirklichen […].“ Joan Carles Gomis: Barbara Weil. Hrsg.: Galería Barbara Botz, Puerto Andratx. Palma de Mallorca 1995, S. nicht nummeriert.(spanisch, englisch)
  5. Jonathan Glancey: So where’s the kitchen? The Guardian, 29. September 2003, S. 1, 9, abgerufen am 19. Januar 2011 (englisch): „These dangle inside an open gallery cut through the western end of the building, a theatrical gesture many architects would dismiss, yet one that makes the building very much Weil's own.“
  6. Biography. Studio Weil, abgerufen am 18. Januar 2011 (englisch): „Weil was planning to build a studio when she met Daniel Libeskind. The shared intuition of the architect and the artist resulted in a studio space where Weils’s art is the inspiration for Libeskind’s design.“
  7. Jonathan Glancey: So wher's the kitchen. The Guardian, 29. September 2003, S. 1, 6, abgerufen am 19. Januar 2011 (englisch).
  8. vgl. Mnemonic cartwheels: Daniel Libeskind’s Studio Weil and the work of Barbara Weil; Ausstellungskatalog. Kristin Feireiss (Autor), Kristin Feireiss u. Hans-Jürgen Commerell (Hg.). Berlin: Aedes West, 2000. englisch
  9. Giles Worsley: Beauty without tears. The Telegraph, 5. Januar 2004, S. 1,14, abgerufen am 25. Januar 2011 (englisch).
  10. Galería Barbara Botz, Puerto Andratx (Hrsg.): Barbara Weil. Text von Carlos Gomis: Forest of the Senses. Palma de Mallorca 1995, S. nicht nummeriert (Mit Fotografien: City of the Big Shoulders(Installation); So is She; Siurell de Libertad (unter anderem Namen); Encima de La Luna; u.a.).(englisch, spanisch)