Basaltkreuz

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Ein typisches Basaltkreuz

Die Basaltkreuze der Eifel sind ein Beweis der Frömmigkeit der früheren Bewohner. Sie geben Zeugnis von Glauben und Aberglauben sowie Wohlstand und Ansehen der Errichter. Hinweise auf Unglücke sowie Berufsangaben und Gnadensbitten sind in diesem extrem witterungsbeständigen Material dauerhaft überliefert. Die Verbreitung hat ihren Mittelpunkt in den Basalt-Steinbrüchen von Mayen und Mendig. Das Gebiet umfasst einen Radius von ca. 30 km zwischen Rhein, Ahr und Mosel. Die genaue Anzahl der Mäler ist nicht bekannt. Der Heimatforscher Kurt Müller-Veltin geht von einem Bestand von ca. 4500 Wegkreuzen und ca. 6000 Grabkreuzen aus. Für den Erhalt dieser Flurdenkmäler setzt sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege ein.

Frühzeit[Bearbeiten]

Wegmale, die aufgrund ihrer Form auch als Schöpflöffel bezeichnet werden, sind bis zum 16. Jahrhundert entstanden. Es handelt sich dabei um einen mehr oder weniger hohen Schaft, auf dem ein Nischengehäuse sitzt, der Schaft steckt oft in einem Mühlstein, was ihm sicheren Stand verschafft. Der Nischenstock ist aus dem Schöpflöffel hervorgegangen und enthält bereits das Kreuz als Attribut, es wurde häufig als Bekrönung der Nische angebracht. Die Nische des Schöpflöffels diente ursprünglich zum Abstellen der Pyxis, einem Behälter mit einer konsekrierten Hostie bei Prozessionen. Später entstanden Kreuze mit einer Nische, die so flach ist, dass gar nichts hineingestellt werden kann - vermutlich hatte sich die Nische schließlich zu einem reinen Symbol für das Allerheiligste entwickelt Im Volksmund werden allerdings auch Schöpflöffel, selbst wenn sie gar keine Kreuzdarstellung aufweisen, als Kreuz bezeichnet.

Die ursprüngliche Funktion der Nische des Schöpflöffels ist heute bei der Bevölkerung meist nicht mehr bekannt, oft wird angenommen, die Nische hätte ursprünglich zum Aufstellen einer Figur oder von Kerzen gedient. Daher werden Schöpflöffel heute manchmal für diese Zwecke umfunktioniert.

Datierungen[Bearbeiten]

Die frühesten datierten und mit einer ausführlichen Inschrift versehenen Mäler (in Schöpflöffelform gehalten) stammen von dem Stifter Clais Beligen, das älteste von ihnen trägt die Jahreszahl 1461. Viele Stücke sind jedoch undatiert; aufgrund ihrer groben Bearbeitung kann das Alter auch kaum geschätzt werden. Da schon in römischer Zeit die Verwendung von Basalt für religiöse Weihesteine üblich war, können sie durchaus deutlich älter als die ersten datierten Stücke sein.

Segensteine[Bearbeiten]

Viele Kreuze waren Bestandteil der früher üblichen Feldprozessionen, bei denen das Allerheiligste mitgeführt und an bestimmten Stellen der Segen erteilt wurde. Zur Aufnahme des Allerheiligsten (Hostie) sind die Nischen in der Tradition der Schöpflöffel (siehe oben) mehr oder weniger ausgeprägt. Es gibt aber auch richtiggehende Kreuze ohne Nische, dafür aber mit einer Konsole, auf der die Monstranz abgestellt wurde. Sie entstanden vermutlich nachdem im 18. Jahrhundert auch in kleineren Pfarreien auf dem Land große Monstranzen üblich wurden, die nicht mehr in die Nischen der Schöpflöffel passten. Manchmal wurden auch Schöpflöffel mit einem davorstehenden "Tisch" aus Basalt ergänzt, auf den die Monstranz gestellt werden konnte.

Friedhofskreuze und Grabkreuze[Bearbeiten]

Große Kreuze (mit einer Höhe von zwei Metern oder mehr) sind als Kennzeichen des Friedhofs seit dem Spätmittelalter überliefert. Auch sie wurden aus Basalt hergestellt, manchmal fertigte man aber auch nur den Sockel als Basalt, das Kreuz selbst wurde dann aus Holz hergestellt. Sie sind zu unterscheiden von Grabkreuzen, die das jeweilige Grab markierten. Diese kleineren Kreuze wurden in großer Zahl angefertigt und sogar (zusammen mit den im Basaltgebiet um Mayen/Mendig produzierten Mühlsteinen) exportiert. Besonders eindrucksvolle Grabkreuze aus dem 18. Jahrhundert sind in Mayschoß und in Dümpelfeld erhalten. Die Bildseite zeigt Christuskorpus und Symbole, die Schriftseite gibt Aufschluss über den Verstorbenen. Manche Grabkreuze wurden auch später aufs Feld versetzt und damit gewissermaßen als Wegkreuz weiterverwendet.

Schutz, Abwehr und Sühne[Bearbeiten]

Im frühen und hohen Mittelalter schrieb man den Kreuzen Schutz vor Blitz, Hagel und sonstigen Naturschäden zu. Zur Genugtuung nach Totschlägen und sonstigen Schwerverbrechen wurden mancherorts Sühnekreuze errichtet. Auch besondere Unfälle waren häufig ein Grund zur Kreuzstiftung, ähnlich wie heute noch an vielen Straßen Holzkreuze an Opfer von Verkehrsunfällen erinnern.

Inschriften und Hausmarken[Bearbeiten]

Die Inschriften sind in der Regel in Deutsch mit mundartlichem Einfluss gehalten. Jahreszahlen wurden anfänglich in römischen Ziffern, später in arabischen Ziffern dargestellt. Eine häufig benutzte Abkürzung lautet D.S.G.G. (Der Seele Gott Gnade). Das Foto zeigt ein Beispiel der optimalen Einsparung in der Schriftart z.B. MARIA

MAR_I_A

Hausmarken sind Kenn- und Eigentumszeichen der Sippen oder Hofzugehörigkeit. Durch diese Darstellung ist es möglich die Male dem Verstorbenen oder Stiftern zuordnen.

Werkstätten[Bearbeiten]

Ursprünglich wurden die Kreuze nicht in Spezialwerkstätten hergestellt, sondern waren Nebenprodukte anderer Steinmetzbetriebe, z. B. bei der Herstellung von Mühlsteinen. Um 1630 beginnt die Zeit der Kreuzwerkstätten und häufig können Kreuze durch die Handschrift der Meister einer bestimmten Werkstatt zugeordnet werden, vor allem im 18. Jahrhundert lassen sich einige Werkstätten mit einer sehr umfangreichen Produktion feststellen die teilweise etwa ein Menschenalter lang produzierten. Allerdings ist keiner dieser Meister bislang namentlich sicher bekannt, zumal die Kreuze keine Signatur o. Ä. tragen. Kurt Müller-Veltin führte daher in seinem Standardwerk (siehe Abschnitt Literatur) eine Bezeichnung der Werkstätten mit Buchstaben ("Werkstatt A" usw.) ein.

Brauchtum und Sagen[Bearbeiten]

Viele Basaltkreuze waren ursprünglich in bestimmte religiöse Bräuche eingebunden die heute meist untergegangen sind. Neben den schon erwähnten Feldprozessionen gab es die Sitte des "Sieben Kreuze Beten": Wenn jemand im Sterben lag, gingen die Angehörigen zu sieben Kreuzen in der Umgebung der Gemeinde und beteten dort, um dem Sterbenden den Tod zu erleichtern. Dieser Brauch war noch nach dem Zweiten Weltkrieg vereinzelt üblich, ist aber heute, wie die meisten Bräuche dieser Art, verschwunden. Manche Kreuze hatten zugleich eine juristische Funktion, sie markierten Gemeinde- oder Gerichtsgrenzen und waren daher oft in entsprechende Bräuche eingebunden. An viele Kreuze knüpfen sich heute Sagen, deren Alter nicht genau zu bestimmen ist. Auch wenn sie oft als "uralt" gelten, lassen sich viele jedoch nur bis in die Zeit der Romantik zurückverfolgen. Manche dieser Sagen entstanden ganz offensichtlich, weil man die Darstellungen auf dem Kreuz nicht mehr zu deuten wusste: Bei einem Kreuz mit der Darstellung von Ackergeräten erzählt man, es sei an der Stelle aufgestellt worden, wo eine Bäuerin die andere erschlagen habe. Tatsächlich handelt es sich aber um ein gewöhnliches Grabkreuz, das später auf den Acker versetzt wurde.

Steinmaterial[Bearbeiten]

Fachlich betrachtet handelt es sich bei den Lavagesteinen aus den Steinbrüchen zwischen Mayen und Mendig nicht um Basalt, sondern um eine sogenannte Tephritlava. Diese wissenschaftliche Unterscheidung hat sich jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt, wie ehedem werden hier alle schwarzen, vulkanischen Gesteine als "Basalt" bezeichnet. Das Gestein ist wegen seiner groben Poren relativ leicht zu bearbeiten, aber trotzdem so verwitterungsfest, dass es die Jahrhunderte ohne Veränderungen übersteht. Manche Kreuze waren ursprünglich bemalt, durch die Verwitterung sind aber nur in wenigen Fällen sichtbare Reste von Farbe zurückgeblieben. Man kann aber annehmen, dass zumindest die Inschriften farbig hervorgehoben waren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Friedrich Amendt: Rheinische Wegkreuze (Bildstöcke). Geheimnisvolle Zeugen mittelalterlichen Denkens. Edition Lempertz, Königswinter 2010, ISBN 978-3-941557-52-9.
  • Kurt Müller-Veltin: Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2001, ISBN 3-88094-570-5.
  • Elke Lehmann-Brauns: Himmel, Hölle, Pest und Wölfe. Basaltlava-Kreuze der Eifel. 3. Auflage. Bachem, Köln 1996, ISBN 3-7616-1193-5.
  • Manfred Mehlhop: Alte Steinkreuze im Gebiet der Verbandsgemeinde Brohltal. Mit einer Einführung von Kurt Müller-Veltin. Verbandsgemeinde, Brohltal 1993.

Weblinks[Bearbeiten]