Bata (Konzern)

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BATA BRANDS S.à r.l., Luxembourg[1]

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Rechtsform Société à responsabilité limitée
Gründung 1894
Sitz Lausanne, Schweiz
(Hauptsitz)
Luxemburg, Luxemburg
(Registriert)
Leitung Sandeep Kataria (CEO)
Mitarbeiterzahl 35.000[2]
Branche Schuhe
Website www.thebatacompany.com
Stand: 18. April 2021

Baťa-Gebäude (1929 von Architekt Ludvík Kysela) am Wenzelsplatz in Prag[3]

Bata (tschechische Originalschreibweise Baťa [ˈbatʲa]) ist ein 1894 in Mähren gegründetes, heute international agierendes Schuhunternehmen in Familienbesitz.[4] Der Hauptsitz befindet sich heute in Lausanne, eingetragen ist das Unternehmen allerdings in Luxemburg. Der Konzern ist weltweit in 70 Ländern mit 5.800 Schuhläden und 22 Produktionsstätten vertreten, mit Indien und Italien als umsatzstärksten Märkten.[2][5] Es gibt fünf Verkaufsregionen: Bata Europe, Bata Asia Pacific-Africa, Bata India, Bata Latin America und Bata Africa.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna, Tomáš und Antonín Baťa, 1894

Die Schuhfabrik Baťa wurde als T. & A. Baťa am 24. August 1894 durch Tomáš Baťa und seine Geschwister Antonín (1874–1908) und Anna (1872–1936) in Zlín gegründet, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Anna führte bis zu ihrer Heirat 1898 die Bücher. Nach Antoníns Tod 1908 übernahm Tomáš das Unternehmen.

Mit der Einführung der Fabrikfertigung und der erstmaligen Belieferung des Einzelhandels revolutionierte Baťa die Schuhherstellung, die zuvor auf kleine Einmannwerkstätten beschränkt gewesen war.

1909 begann das Unternehmen mit dem Export seiner Produkte und expandierte innerhalb weniger Jahre nach Europa, Nordamerika, Asien und Nordafrika. Baťa war eines der wenigen Unternehmen, das während des Ersten Weltkriegs den rasch angestiegenen Bedarf an Militärstiefeln befriedigen konnte. Die Fabriken im Ausland wurden so organisiert, dass sie unabhängig vom Mutterhaus operieren und sich so auf die Marktbedürfnisse in den einzelnen Ländern einstellen konnten.

Baťa in der Tschechoslowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rasch wachsende Konzern hatte für die damalige Zeit ein ausgesprochen soziales Bewusstsein, ließ rund um die Fabriken Siedlungen für die Arbeiter errichten und sorgte für Schulbildung und Wohlfahrtseinrichtungen. Zu diesen Siedlungen zählen:

Um 1930 stieg Baťa zum Weltmarktführer auf. 1931 wurde die Firma umbenannt in BAŤA, akciová společnost. Zu den zahlreichen Ausgründungen im Ausland gehörten unter anderen die Tochtergesellschaften Deutsche Schuh-Aktiengesellschaft Baťa in Ottmuth an der Oder (heute Krapkowice-Otmęt, Polen)[8] und Tvornika Bata im jugoslawischen Vukovar (beide 1931) sowie die Zambia Bata Shoe Company (1937).

1932 starb Tomáš Baťa bei einem Flugzeugabsturz und sein Halbbruder Jan Antonín Baťa (1898–1965) wurde Konzernchef.

In seinem 1933 erstmals publizierten Roman Botostroj (dt. Schuh-Werk)[9] nahm der ehemalige Bata-Angestellte T. Svatopluk Anleihen bei den damaligen sozialen Verhältnissen in den Bata-Werken und beschrieb den Chef des Schuh-Werks als unumschränkten Diktator, der seinen Reichtum ausschließlich der hemmungslosen Ausbeutung der vorwiegend unter 26-jährigen Arbeiter zu verdanken habe.[10]

Die Tschechoslowakei war bis zur Okkupation durch das Deutsche Reich im Jahr 1939 das Zentrum der Konzernaktivitäten. Neben Schuhen produzierte Baťa unter anderem auch Reifen der Marke Barum, Spielzeug und Plastikfasern. Während des Zweiten Weltkriegs profitierten mehrere Bata-Fabriken von Zwangsarbeit: So wurde ein Außenlager von Auschwitz-Birkenau 1942 in Chelmek für Bata eingerichtet[11] und in Radom wurden seit 1941 über 800 Personen zur Arbeit gezwungen.[12]

Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei am 15. März 1939 wurde Jan Antonín Baťa verhaftet, jedoch bald entlassen. Er flüchtete mit seiner Familie. Nach einem kurzen Aufenthalt in den USA ließen sie sich in Brasilien nieder. Er baute den Konzern aus den ausländischen Teilen neu auf. Jan Antonín Baťa gründete auch mehrere Städte, unter ihnen: Batayporã, Bataguassu, Batatuba, Anaurilândia und Mariaopolis.

1945 wurde der tschechoslowakische Teil verstaatlicht. Zu diesem Zweck wurde ein Schauprozess veranstaltet, in dem aber das Gericht den der Kollaboration mit den Nationalsozialisten beschuldigten Konzernchef Jan Antonín Baťa vollumfänglich freisprach. So mussten schnell zwei andere „Schuldbeweise“ konstruiert werden, die zur „Verurteilung“ führten.

Das Unternehmen erhielt den Namen Svit (Dt.: Lichtschein) und die kommunistische Regierung versuchte, sämtliche Erinnerungen an Tomáš und Jan Antonín Baťa und ihre Errungenschaften zu unterdrücken. Die Baťas wurden als rücksichtslose Kapitalisten dargestellt, die für höhere Profite ihre Arbeiter ausgebeutet hatten. Das Stammhaus in Zlín trat bis zum Bankrott unter dem Namen Svit a.s. als Konkurrent von Baťa auf.

Internationaler Neubeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn Tomáš Baťas, Tomáš Jan Baťa bzw. Thomas J. Bata (1914–2008), fing bereits während des Zweiten Weltkrieges mit eigener Geschäftstätigkeit in Kanada an. Eigentlich hätte er die dortige Filiale leiten sollen. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg war die Familie jahrzehntelang in langwierige, auch gerichtliche Streitereien um das Unternehmenserbe verstrickt. Jan Antonín Baťa starb 1965 und Thomas J. Bata baute den Baťa-Konzern aus.

Nach der Samtenen Revolution 1989 besuchte Thomas J. Bata die Tschechoslowakei. Im Dezember wurde ihm von der Bevölkerung und der Regierung ein warmer Empfang bereitet. Er verhandelte über eine Restitution. Allerdings konnte er die verstaatlichten Teile nicht in den Konzern übernehmen, er kaufte einige der Reste des ursprünglichen Unternehmens zurück. Er gründete die Baťa a.s., diesmal vor allem als eine Vertriebsorganisation der inzwischen in Billiglohnländern hergestellten Produkte. Obwohl Baťa a.s. hauptsächlich eine Verkaufsgesellschaft ist, besitzt sie eine kleine Fabrik in Dolní Němčí und ein Schuhmuseum in Zlín. In den 2010er Jahren schloss Bata unter dem Drucks des Onlinehandels zahlreiche Filialen in Frankreich und der Schweiz.[13][14]

Von 1984 bis Anfang der 1990er Jahre und erneut von 2001 bis 2008 führte Thomas George Bata (* 1949), Sohn von Thomas J. Bata, als CEO das Unternehmen, bis 2015 stand er dem Unternehmen als Präsident vor.[15][4] 2016 wurde Alexis Nasard, zuvor bei Heineken, zum CEO ernannt.[16] Die Position des Präsidenten wurde durch einen siebenköpfigen Vorstand ersetzt, der aus vier Externen und drei Familienmitgliedern besteht. Daneben gibt es einen inoffiziellen Familienrat, der sich zwei bis drei Mal im Jahr trifft.[4] Ab 2011 übernahm Thomas Archer Bata (* 1988), Sohn von Thomas George Bata, verschiedene Positionen im Unternehmen, unter anderem als Vorstandsmitglied.[17] 2020 wurde Sandeep Kataria CEO des Konzerns, er hatte diese Position vorher bei Bata India inne.[2][5]

Die Baťa-Familie und der Konzern engagieren sich sozial, unter anderem durch die Thomas Bata Foundation. In Toronto steht das Bata Shoe Museum. Thomas J. Bata unterstützte die Trent University in Peterborough, die dortige Universitätsbibliothek wurde nach ihm „Thomas J. Bata Library“ benannt.

Unternehmen in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schweizer Handelsregister sind folgende Bata-Unternehmen eingetragen:

  • Bata Brands Sàrl, Luxemburg, Zweigniederlassung Lausanne – Zweck: Prise et gestion de participations (Erwerb und Verwaltung von Beteiligungen).
  • Bata Schuh AG/Chaussures Bata SA, heute in Pratteln – Zweck: Handel (Detail und Engros) mit Schuhen, Schuhbestandteilen, Bekleidung und Zubehören aller Art; die Gesellschaft kann Schuhreparaturwerkstätten und Abteilungen für Fusspflege und Orthopädie betreiben, Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften errichten, sich an anderen Unternehmungen beteiligen, Grundeigentum erwerben, belasten, verwalten und veräußern sowie mit Wertschriften handeln.
  • Bata Schuh Stiftung / Bata Shoe Foundation, St. Moritz – Zweck: Verwaltung und Verwendung des Stiftungsvermögens und -ertrags, zur Förderung der Fabrikation und des Vertriebes von Schuhwerk und damit verwandter Produkte in allen Erdteilen, hauptsächlich durch die von Thomas Bata sel. ins Leben gerufene Industriegruppe, hiernach Bata Schuh Organisation (BSO) genannt, durch finanzielle Unterstützung einzelner, diesen Zweck erstrebender Unternehmungen, Forschungsarbeiten, Personaltraining usw., sowie zur Förderung von wissenschaftlichen, kulturellen, erzieherischen, künstlerischen und philanthropischen Unternehmungen und Tätigkeiten, insbesondere in der Schweiz, im weitesten Sinne in allen ihren möglichen Formen.
  • Bata Westhold AG, Zürich – Zweck: Beratung von Gesellschaften der Bata-Gruppe, Tätigung von Finanzgeschäften aller Art sowie Erwerb, Verwaltung und Verwertung von Markenrechten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bata Shoes Head Office in Toronto
    Tobias Ehrenbold: Bata, Schuhe für die Welt. Geschichten aus der Schweiz. Hier + Jetzt, Baden 2012, ISBN 978-3-03919-256-4.[18]
  • Eugen Erdély: Thomas Bata. Ein Schuster erobert die Welt. Interna, Bonn 2004, ISBN 978-3-934662-84-1 (Nachdruck der Ausgabe Kahler, Leipzig 1932).
  • Kerstin Gust: A Utopia of Modernity: Zlín. revisiting Bata's functional city. A book by Zipp, German-Czech cultural projects, an initiative of the German Federal Cultural Foundation. Hrsg.: Katrin Klingan. Jovis, Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-034-0 (englisch, this anthology is based on the Symposium „A Utopia of Modernity: Zlín“, which took place in May 2009 in Zlín and Prague).
  • Egon Erwin Kisch: Schuhwerk. In: Bodo Uhse, Gisela Kisch (Hrsg.): Prager Pitaval – Späte Reportagen – Gesammelte Werke in Einzelausgaben II/2. Aufbau, Berlin 1969, S. 415–428.
  • Ladislava Hornáková, Radomíra Sedláková: Zlín – Modellstadt der Moderne. Hrsg.: Winfried Nerdinger. Jovis, Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-051-7 (Anlässlich der Ausstellung Zlín – Modellstadt der Moderne im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, 19. November 2009 – 21. Februar 2010, in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Prag und der Bezirksgalerie für Bildende Kunst in Zlín).
  • Mariusz Szczygiel: Kein Schritt ohne Bata. In: Gottland. Reportagen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-41966-3, S. 7–50 (Originalausgabe (polnisch) Wołowiec 2006, tschechisch: Prag 2007).

Archivalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Firmenarchiv «Bata Schuh Organisation», Verwaltungszentrum Zürich (Einlieferer). Bata Brands, Bestandsbildner, 1923–2012. 40 lfd. Meter. Standort: Universitätsbibliothek Basel, Bereich Wirtschaft, Schweizerisches Wirtschaftsarchiv SWA. Beschreibung in Kalliope

Ausstellungen und Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bata – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Handelsregister des Kanton Waadt. Archiviert vom Original; abgerufen am 5. Dezember 2018.
  2. a b c Lucia Lot: Bata Shoe Organization Appoints Sandeep Kataria as New CEO - Pressemitteilung. In: thebatacompany.com. 30. November 2020, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  3. Lonely Planet Reiseführer Prag & Tschechische Republik in der Google-Buchsuche
  4. a b c Pavel Kalouš: Baťa i po 125 letech obouvá svět. Jak funguje nejslavnější podnikatelská rodina z Česka? In: forbes.cz. 21. September 2019, abgerufen am 18. April 2021 (tschechisch).
  5. a b Salil Panchal: How Bata's Sandeep Kataria Clinched The Global CEO Post. In: forbesindia.com. 10. Dezember 2020, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  6. Bata Global Management. In: thebatacompany.com. 19. September 2017, abgerufen am 18. April 2021.
  7. Die Schuhmacher und ihre 80 Fabrikstädte. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14. August 2011, S. 32.
  8. Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 37. Ausgabe 1932, S. 4201 f.
  9. Svatopluk Turek: Botostro. Sfinx, Praha 1933.
  10. Vgl. auch die dt. Übersetzung, Svatopluk Turek: Der Chef. Roman. Sachsenverlag, Dresden 1953, http://slubdd.de/katalog?libero_mab216507900.
  11. Chelmek / Auschwitz sub-camps. In: auschwitz.org. Abgerufen am 18. April 2021.
  12. Jewish Workers of the Bata Shoe Company in Radom, Poland. In: Holocaust Survivors and Victims Database. ushmm.org, abgerufen am 18. April 2021.
  13. Jean-Paul Leroy: Bata France ceases payment. In: fashionnetwork.com. 21. November 2014, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  14. AFP: Bata closes its 29 Swiss stores. In: fashionnetwork.com. 21. April 2016, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  15. Aneta Ščotková: Nejmladší a poslední Baťa ve firmě končí na postu šéfa marketingu a odchází z Prahy. In: e15.cz. 13. September 2018, abgerufen am 18. April 2021 (tschechisch).
  16. Barbara Santamaria: Swiss shoemaker Bata names new CEO. In: fashionnetwork.com. 7. April 2016, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  17. Jan Vašenda: Interview with Thomas Bata: "My grandad always taught me that happiness and positivity is a choice in life". In: Trade-off. 30. März 2020, abgerufen am 18. April 2021 (tschechisch).
  18. Kaspar Surber: Der Schuster und seine Satelliten. In: WOZ Die Wochenzeitung 48/2012 vom 29. November 2012
  19. CITY INC. Bata cities - Corporate Towns // Stiftung Bauhaus Dessau Exhibition 2011. 26. Juni 2011, abgerufen am 18. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  20. Road film follows shoe empire. 28. August 2005 (bbc.co.uk [abgerufen am 18. April 2021]).