Bentonit

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Bentonit aus Wyoming

Bentonit, benannt nach der Benton-Formation in den Fort-Benton-Tonen von Montana[1] (USA),[2] ist ein Gestein, das eine Mischung aus verschiedenen Tonmineralien ist und als wichtigsten Bestandteil Montmorillonit (60 % bis 80 %) enthält, was seine starke Wasseraufnahme- und Quellfähigkeit erklärt. Weitere Begleitmineralien sind Quarz, Glimmer, Feldspat, Pyrit oder auch Calcit. Es entsteht durch Verwitterung aus vulkanischer Asche.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die innere Oberfläche eines Gramms beträgt 400 m² bis 600 m² (normaler Ton: 2 m²).[3] Er bildet deswegen besonders wertvolle Ton-Humus-Komplexe, so dass unbelasteter Bentonit auch eine gute Zugabe zum Kompost darstellt.

Wird Bentonit in Wasser eingerührt, entwickelt sich ein Nichtnewtonsches Fluid mit thixotropen Eigenschaften. Es verhält sich wie eine Flüssigkeit, solange es geschüttelt oder umgerührt wird, verändert sich aber in Ruhe zu einem festen Gebilde. Aufgrund dieser Eigenschaft werden Bentonit-Wasser-Gemische unter anderem im Tiefbau als Stützflüssigkeit bei der Erstellung von Schlitzwänden verwendet. Ebenso eignet es sich zum Abstützen von unverrohrten Bohrpfählen oder für den Schildvortrieb im Tunnelbau.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bentonitlagerstätten gibt es immer dort, wo (nicht nur) vulkanische Asche durch hydrothermale Aktivitäten und Säuren verändert wurde. Eines der größten europäischen Vorkommen befindet sich auf der griechischen Insel Milos.[4] Dort kommen Bentonit, Quarz und Perlit in abbauwürdigen Mengen vor. Auch damit verbundene Goldvorkommen sind festgestellt worden.

In Deutschland finden sich abbauwürdige Vorkommen in Niederbayern (Mainburg, Landshut und südlich Landau an der Isar) und im östlichen Oberbayern sowie bei Thannhausen und im Herborner Ortsteil Schönbach. Laut Baier stünden diese Vorkommen im Zusammenhang mit dem Ries-Ereignis und wurden aus impaktbedingten Gläsern gebildet;[5][6] laut Unger hingegen seien die Bentonite in Ostbayern durch Vulkanismus in der Pannonischen Tiefebene entstanden.[7]

Der globale Abbau von Bentonit betrug im Jahr 2020 ungefähr 18,2 Mio. t, die global vorhandenen Reserven werden als extrem groß angesehen.[8] Die Abbaumengen verteilten sich dabei, wie folgt:

Land 2019[9] 2020[8]
(in Tonnen)
Brasilien Brasilien 610.000 217.000
China Volksrepublik Volksrepublik China 2.000.000 2.500.000
Deutschland Deutschland 395.000 360.000
Griechenland Griechenland 1.300.000 1.300.000
Indien Indien 1.700.000 3.500.000
Iran Iran 360.000 425.000
Mexiko Mexiko 250.000 25.000
Spanien Spanien 160.000 221.000
Turkei Türkei 1.300.000 1.500.000
Ukraine Ukraine 180.000 180.000
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 4.490.000 4.240.000
Andere Länder 3.150.000 3.480.000
Gesamt (gerundet) 16.300.000 18.200.000

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bautechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bentonit findet eine wichtige Anwendung in der Bautechnik, unter anderem bei Bauwerksabdichtungen und im Deichbau. Aufgrund ihrer Farbe werden solche Abdichtungen auch als Braune Wanne bezeichnet. Bentonit dient als Gleitmittel beim Vortrieb von Tunneln und Rohren sowie beim Einvibrieren von Schmalwänden. Bei der Gewinnung von Wärme aus Erdwärme durch die Verwendung von Wärmepumpen werden die Kollektorrohre der Erdwärmesonden oft mit Bentonit ummantelt, weil dieser das Wasser bindet und die Entstehung von Hohlräumen beim Gefrieren verhindert. Bentonit ist ein mineralisches Dichtungsmittel mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten[10] wie die Immobilisierung von Schadstoffen und Einkapselung von Altlasten.

Bergbau- und Bohrtechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bohrspülungen bei Bohrungen und in Stützflüssigkeiten bei ungestützten Schlitzwänden.

Lebensmittelzusatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Getränkeindustrie (bei der Weinherstellung und bei der Herstellung von Fruchtsäften) sowie bei Kakaobutter wird Bentonit als Schönungsmittel (das heißt als Klär- und Fällmittel) eingesetzt (im Endprodukt nicht mehr vorhanden). In Lebensmitteln wird er als Trennmittel zugesetzt. Er ist auch als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 558 bekannt. Seit dem 31. Mai 2013 ist E 558 in der EU nicht mehr zugelassen, da es „nach Aussagen von Lebensmittelherstellern nicht mehr verwendet“ wird.[11]

Gartenteiche und Aquarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tonmineral Montmorillonit ist ein wichtiger Bestandteil in Aquarien und Gartenteichen, besonders für Koi. Das Mineral wird in Form von speziellem getrockneten und gemahlenen Lehmpulver in den Teich gestreut. Während das verteilte Lehmpulver im Teich zu Boden sinkt, nimmt es Schwermetalle, Giftstoffe und sonstige Schwebstoffe auf und bindet diese. Der Lehmschlamm kann von Zeit zu Zeit abgesaugt werden.

Kosmetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bentonit, als natürliches Tonmineralgemisch, ist Grundstoff vieler Kosmetika, da er durch seine starke Quell- und Wasseraufnahmefähigkeit in Emulsionen eine stabilisierende Wirkung übernimmt. Die INCI-Bezeichnung ist Bentonite.

Keramik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Keramik wird Bentonit in geringen Anteilen (bis ca. 5 %) als Zuschlag verwendet, um ansonsten sehr mageren Massen bildsame Eigenschaften („Plastizität“) zu verleihen.

Sonstige Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind durch die Verwendung als Adsorptionsmittel gegeben, als da sind:

  • Öl- und Getränkeraffinierung
  • Gießereiadditive
  • Papieradditive und Spezialitäten
  • Gartenbau, zur Verbesserung von sandigen Böden
  • Hoch- und Tiefbau
  • Waschmitteladditive
  • Abwasserbehandlung
  • Pharmazie und Diagnostik / Elektronik und Logistik
  • Lacke und Farben
  • Plastik-Additive
  • Nanotechnologie – Oberflächenbeschichtungen
  • Katzenstreu
  • Trocknungsmittel, z. B. als Trockenbeutel in Verpackungen

Bei einigen dieser Anwendungen wird mit quartären Ammoniumverbindungen behandelter Bentonit verwendet. Weiterhin wird Bentonit als künstliche Barriere bei der Endlagerung von radioaktiven Abfällen eingesetzt[12].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R.E. Grim, N. Güven: Bentonites – geology, mineralogy and uses. Developments in Sedimentology. In: Elsevier. Amsterdam 24. ISSN 0922-3444
  • Decher, Andreas; Friedrich, Günther (1991) Bentonite der Cabo de Gata. Die Geowissenschaften; 9, 10; 305–316; doi:10.2312/geowissenschaften.1991.9.305.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas A. Drean: Wyoming State Geological Survey. (PDF) Abgerufen am 4. Dezember 2019 (englisch).
  2. Mindat – Bentonite und Typlokalität Fort Benton shales, Wyoming, USA
  3. Alwin Seifert: Gärtnern – Ackern ohne Gift.
  4. Milos: Wo Griechenland noch steinreich ist, abgerufen am 18. April 2015
  5. Johannes Baier: Die Auswurfprodukte des Ries-Impakts, Deutschland in Documenta Naturae, Vol. 162, München, 2007; ISBN 978-3-86544-162-1.
  6. Johannes Baier: Zur Herkunft und Bedeutung der Ries-Auswurfprodukte für den Impakt-Mechanismus. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. 91, 2009, S. 9–29, doi:10.1127/jmogv/91/2009/9.
  7. Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, 4. neubearbeitete Auflage, Herausgeber und Verlag: Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1996. Dort das Kapitel 4.4.4, Unterpunkt „Bentonite der Ostmolasse“, von Heinz Josef Unger.
  8. a b CLAYS, U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2022: BENTONITE.
  9. U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2021: BENTONITE.
  10. Bentonit
  11. EU-Verordnung Nr. 380/2012 der Kommission vom 3. Mai 2012 hinsichtlich der für aluminiumhaltige Lebensmittelzusatzstoffe geltenden Verwendungsbedingungen und -mengen (PDF)
  12. Interview mit Janne Mokka, Interviewführung: SEBASTIAN BALZTER: ATOM-PIONIER FINNLAND: „Unser Endlager ist bald fertig“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. Juni 2020 (Finnland baut das erste Atommüll-Endlager der Welt. Die Anwohner sind zufrieden damit, sogar die Kosten haben die Finnen im Griff. Ein Gespräch mit Janne Mokka, Chef der Betreibergesellschaft.).