Bernhard Degenhart

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Bernhard Degenhart (* 4. Mai 1907 in München; † 3. September 1999 ebenda) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Degenhart studierte Kunstgeschichte in München und begann 1931 eine Dissertation zu den Schülern von Lorenzo di Credi bei August Liebmann Mayer. Nach dem Rücktritt Mayers wegen antisemitischer Ressentiments beendete Degenhart seine Promotion bei Wilhelm Pinder. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Staatsgemäldesammlungen München. 1932/33 erhielt er ein Stipendium für das Kunsthistorische Institut in Florenz und dann von Oktober 1933 bis August 1939 eine Assistentenstelle an der Bibliotheca Hertziana in Rom. Am Kunsthistorischen Institut lernte Degenhart 1935 seine erste Frau, die Fotografin und Kunsthistorikerin Hilde Lotz-Bauer kennen, die Ehe hielt aber nur bis 1939.

Degenhart spezialisierte sich in der Folgezeit auf die Künstler des Quattrocento. Ab 1941 widmete sich Degenhart intensiv Pisanello. Zwischen 1939 und 1945 war er Registrar an der Albertina in Wien. In Wien traf er die konvertierte Jüdin Adelgunde Krippel, die er 1943 heiratete. Durch sie lernte er wichtige Persönlichkeiten der österreichischen Kunstszene kennen, darunter Kajetan Mühlmann, einen der wichtigsten Kunsträuber der Nationalsozialisten. Degenhart war 1940/41 Mitglied einer Gruppe von Kunsthistorikern unter der Führung Mühlmanns („Dienststelle Mühlmann“ in Den Haag), die an der Beschlagnahmung und Verwertung von Kunstwerken aus jüdischem Besitz in den Niederlanden mitwirkten. Ab 1943 war er bei der Waffenstillstandskommission in Turin eingesetzt Im April 1945 war er für den deutschen Kunstschutz in Italien tätig.

Im Dezember 1949 wurde Degenhart Kurator an der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Zum 1. Dezember 1965 wurde er Direktor der Sammlung. In den 1950er Jahren begann Degenhart das Corpus der italienischen Zeichnungen 1300−1450. Mit Annegrit Schmitt, die er später heiratete, publizierte Degenhart mehrere Bände zu italienischen Zeichnungen zwischen 1300 und 1450. Zum 31. Dezember 1970 ging Degenhart in den Ruhestand.

Degenharts Spezialgebiet waren die Zeichnungen der italienischen Frührenaissance, insbesondere auch Antonio Pisanello.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio Pisanello. A. Schroll & Co., Wien 1940
  • Europäische Handzeichnungen: Aus 5 Jahrhunderten. Atlantis-Verlag, Berlin, Zürich 1943
  • Italienische Zeichnungen des frühen 15. Jahrhunderts. Amerbach-Verlag, Basel 1949
  • Furtwängler: Arbeitsskizzen eines Bildhauers. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1954
  • Italienische Zeichner der Gegenwart. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1956
  • Marcello Mascherini. Städtische Galerie, München 1957
  • mit Peter Halm, Wolfgang Wegner: Hundert Meister-Zeichnungen aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Prestel, München 1958
  • mit Theodor Heuss: Hans von Marées: Die Fresken in Neapel. Prestel, München 1958
  • mit Karl-Heinz Hering und Ewald Rathke: Italienische Aquarelle und Zeichnungen der Gegenwart. Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1960
  • Emilio Greco: Kupferberg, Berlin/Mainz 1960
  • mit Annegrit Schmitt: Jacopo Bellini: Die Zeichnungen. Prestel, München 1984, ISBN 3-7913-0669-3.
  • mit Annegrit Schmitt: Pisanello und Bono da Ferrara. Hirmer, München 1995, ISBN 3-7774-6580-1.
  • mit Annegrit Schmitt: Corpus der italienischen Zeichnungen 1300−1450. Biering & Brinkmann, München

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Fuhrmeister, Susanne Kienlechner: Tatort Nizza: Kunstgeschichte zwischen Kunsthandel, Kunstraub und Verfolgung. Zur Vita von August Liebmann Mayer, mit einem Exkurs zu Bernhard Degenhart und Bemerkungen zu Erhard Göpel und Lohse. In: Ruth Heftrig, Olaf Peters, Barbara Schellewald (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken. Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 405–429, bes. S. 422ff. (Digitalisat).
  • Sabine Wölfel: Biographien. In: Michael Semff, Kurt Zeitler (Hrsg.): Künstler zeichnen – Sammler stiften. 250 Jahre Staatliche Graphische Sammlung München. Hatje Cantz, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7757-2179-0, Bd. 3, 142–143.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedseintrag von Bernhard Degenhart (mit Link zu einem Nachruf) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 24. Januar 2017.