Besetzung der Großen Moschee 1979

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Koordinaten: 21° 25′ 19″ N, 39° 49′ 33″ O

Die Große Moschee mit der Kaaba

Die Besetzung der Großen Moschee war eine terroristische Aktion im Jahr 1979, bei der rund 500 militante Islamisten die Große Moschee in Mekka in ihre Gewalt brachten und viele Pilger als Geiseln nahmen. Die Besetzung unter der Führung von Dschuhaiman al-Utaibi wurde blutig niedergeschlagen und viele Besetzer wurden hingerichtet. Die Besetzung gilt als ein wichtiges Ereignis für die Entwicklung des islamistischen Terrorismus.

Dschuhaiman al-Utaibi

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 20. November 1979, des Neujahrstags des Jahres 1400 nach islamischer Zeitrechnung, stürmte eine bis zu 500 Personen zählende Gruppe schwer bewaffneter radikaler Islamisten aus verschiedenen arabischen Ländern die Große Moschee in Mekka und nahm tausende versammelte Gläubige als Geiseln. Anführer der Gruppe war Dschuhaiman al-Utaibi, ein fundamentalistischer Prediger. Die von eschatologischen Vorstellungen angetriebenen Aufständischen erklärten, dass das Ende der Welt bevorstehe und der Mahdi in Gestalt von Muhammad ibn Abdullah al-Qahtani gekommen sei. Sie riefen zur Übernahme islamischer Rechtsordnungen in allen muslimischen Ländern, zum Sturz des saudischen Königshauses und zum Bruch der diplomatischen Beziehungen mit westlichen Ländern auf[1][2] und verlangten, dass kein Erdöl mehr in die USA geliefert werde.

Gefangengenommene Besetzer (ca. 1980)

König Khalid ließ die Landesgrenzen schließen. Am Nachmittag des 20. November 1979 wurde die Moschee umstellt und die Stromzufuhr unterbrochen. Ein großer Teil der Geiseln wurde nach und nach freigelassen. Die saudische Regierung erwirkte eine Fatwa der obersten Theologen, die die Anwendung von Gewalt in der heiligen Stadt erlaubte. Erst nach langwierigen und verlustreichen Kämpfen im labyrinthischen Gebäude gelang es nach mehr als zweiwöchiger Besetzung, unter Mitwirkung der Anti-Terroreinheit der französischen Gendarmerie GIGN, die überlebenden Aufständischen zur Aufgabe zu zwingen. Dass der saudische König „Ungläubige“ in die heilige Stadt Mekka rief, war für das Empfinden vieler Muslime eine nicht wieder gut zu machende Schande,[3] auch wenn im Nachhinein behauptet wurde, die französischen Gendarmen seien vor ihrem Einsatz noch schnell zum Islam konvertiert.[4]

Die Besetzung forderte 330 Todesopfer unter den Geiselnehmern, den Geiseln und den Sicherheitskräften. 63 Aufständische, darunter al-Utaibi, wurden am 8. Januar 1980 in einer Massenexekution in acht verschiedenen Städten Saudi-Arabiens enthauptet.[5][6][7]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini verbreitete in einer Radiobotschaft, dass US-Amerikaner für die Besetzung verantwortlich seien. Daraufhin wurde schon am 21. November in Islamabad die amerikanische Botschaft von einem Mob niedergebrannt. Weitere antiamerikanische Proteste gab es auf den Philippinen, in der Türkei, Bangladesch, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Libyen.[8]

Für die Fatwa sollen die saudi-arabischen Religionsgelehrten Milliarden gefordert haben, um damit die wahhabitische Missionierung im Ausland zu intensivieren. Diese Bemühungen werden später Grundlage für die Radikalisierung der Muslime in einigen Nachbarländern.[9]

Archäologischer Fund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Gefechte wurde bei der Explosion einer Bombe der Boden der Kaaba aufgerissen. Darunter kamen mehrere (vorislamische) Idole zum Vorschein, die die saudischen Behörden schnell beseitigten. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Förster: Anschlag in Mekka 1979 Die Blutspur des Terrors. In: Spiegel Online. 7. Januar 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden, S. 112.
  2. Jonathan Randal: Osama, S. 64–65.
  3. Sonja Zekri: Phantomschmerz. Früher waren sie die Herren, aber seit fast hundert Jahren läuft es nur noch schief für die Sunniten. In: Süddeutsche Zeitung, 9. Januar 2016, S. 11.
  4. Olivier Da Lage: Géopolitique de l’Arabie Saoudite. Éditions Complexe, Brüssel 1996, ISBN 2-87027-622-2, S. 34.
  5. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. S. 112–117.
  6. Es begann in Mekka. In: Die Zeit, 9. Februar 2006.
  7. Sabine Korsukéwitz: 1979 präsentierten schiitische Häretiker den Endzeit-Propheten der Welt. In: DeutschlandRadio Berlin, 20. November 2004.
  8. 1979: Mob destroys US embassy in Pakistan. In: BBC (englisch).
  9. Erich Follath, Das Duell der Auserwählten, Der Spiegel, 39/2015, S. 94, online
  10. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 9, S. 5 (sanam)