Bewusstseinstrübung

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Bewusstseinstrübung, (englisch clouding of consciousness[1]) oder bzw. brain fog[2] bezeichnet seit jeher das wichtigste pathogenetische Merkmal des Deliriums und ist kennzeichnend für eine Reihe von kognitiven Defiziten. Aufmerksamkeit erhält das Phänomen aktuell im Zusammenhang mit Long COVID (englisch COVID-19 brain fog[3]) insbesondere, da es nicht nur nach schweren Krankheitsverläufen auftritt.[4]

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind: Verdunkelung des Bewusstseins, Gehirnnebel[5] oder Nebel im Gehirn.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1817 führte der Arzt Georg Friedrich Christian Greiner den Begriff „Verdunkelung des Bewusstseins“[7][8] ein. Das „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) verwendet den Begriff historisch in seiner Definition von Delirium. Im DSM-III-R und DSM-IV wurde der Begriff „Bewusstseinseintrübung“ durch „Bewusstseinsstörung“ ersetzt, um die Operationalisierung zu erleichtern, aber es handelt sich grundsätzlich um denselben Zustand.[9]

Der Zustand der Bewusstseinstrübung kann durch eine chronische Entzündung des Nervensystems (chronische Neuroinflammation) ausgelöst werden.[2]

Mögliche Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche Symptome:[6][10][11]

Komorbidität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Ursachen für Bewusstseinstrübungen im Sinne von brain fog, sowie unterschiedliche Erkrankungen, dazu zählen unter anderem:

Es ist jedoch auch möglich, dass ein Teil der genannten Symptome im Zusammenhang mit einer Hormonumstellung (z. B. durch Schwangerschaft oder Menopause), durch Schlafmangel, oder die Einnahme bestimmter Medikamente auftritt.[13]

Gehirnnebel im Zusammenhang mit Long Covid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauen sind öfters von den diffusen Beschwerden, die unter brain fog als Folge von Long Covid zusammengefasst werden, betroffen. Bis zu 80 Prozent der Genesenen haben mit Langzeitfolgen zu kämpfen, die sich über Monate hinziehen können. Eine stationäre Anschlussbehandlung benötigt jedoch nur ein Teil der Patienten.[14]

Die Schwere einer Coronaerkrankung ist nicht ausschlaggebend für die anschließend auftretende Intensität von Bewusstseinstrübungen.[15] Eine direkte Beeinflussung des zentralen Nervensystems in Folge von einer Covid-Erkrankung, ohne schweren Verlauf konnte mittlerweile nachgewiesen werden.[4]

Darüber hinaus gibt es immer mehr Berichte von Betroffenen, die im Zusammenhang mit Long Covid an Gehirnnebel leiden und von umfangreichen Einschränkungen im Alltag, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit berichten.[6][16] Arbeitgeber haben nach längeren Ausfallzeiten ggf. die Möglichkeit eine Förderung für eine Wiedereingliederung in Teilzeit zu beantragen.[17]

Es ist noch unklar, ob sich diese Störungsbilder generell zurückbilden, oder ob auch langfristige kognitive Störungen möglich sind. Erste Studien legen nahe, dass mechanisch beatmete Patienten mit einer insgesamt schwereren Schädigung rechnen müssten. Dieser kann mit einem Leistungsabfall einhergehen, der einer Alterung von 10 Lebensjahren entspricht und liegt somit höher als bei Schlaganfall-Patienten.[12]

Mittlerweile steht jedoch fest, dass es in Folge einer COVID-19-Erkrankung auch bei relativ jungen Menschen zu kognitiven Störungen kommen kann, die ein halbes Jahr oder länger anhalten können. Unter anderem reagierten die Testpersonen langsamer, drückten sich weniger flüssig aus und hatten Probleme bei Abrufung und Abspeicherung von Informationen im Gedächtnis.[11]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Experten der Harvard Medical School sind der Ansicht, dass Aktivitäten, die sich generell positiv auf neurologische Fähigkeiten auswirken, auch im Fall von Bewusstseinstrübungen im Zusammenhang mit Long COVID zu einer Besserung führen können, sie nennen folgende Maßnahmen:[3]

  • Bewegung, leichter Ausdauersport (Aerobic, Yoga etc.)
  • Ausgewogene Ernährung
  • Verzicht auf Alkohol und Genussgifte
  • Ausreichend Schlaf

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. George Stein, Greg Wilkinson: Seminars in General Adult Psychiatry. RCPsych Publications, 2007, ISBN 978-1-904671-44-2 (google.com [abgerufen am 30. April 2021]).
  2. a b Thomas Müller (2021): Long COVID - Langzeitfolgen durch chronische Neuroinflammation?. DNP. 2021; 22(3): 16–18. PMC 8158075 (freier Volltext), doi:10.1007/s15202-021-4692-8 (open access)
  3. a b c What is COVID-19 brain fog — and how can you clear it? Harvard Medical School, aufgerufen am 20. November 2021
  4. a b c Ameres, M., Brandstetter, S., Toncheva, A.A. et al. (2020): Association of neuronal injury blood marker neurofilament light chain with mild-to-moderate COVID-19 J Neurol 267, 3476–3478. doi:10.1007/s00415-020-10050-y (open access)
  5. Corona-Langzeitfolgen: "Wer Fatigue hat, schafft es oft kaum noch, ins Badezimmer zu gehen". In: Zeit Online. 28. April 2021, abgerufen am 30. April 2021.
  6. a b c Nebel im Hirn - Long Covid – wenn der Alltag zum Alptraum wird SRF, aufgerufen am 20. November 2021
  7. Greiner: Der Traum und das fieberhafte Irreseyn: ein physiologisch-psychologischer Versuch. F.A. Brockhaus, 1817 (google.de [abgerufen am 30. April 2021]).
  8. Augusto Caraceni, Luigi Grassi: Delirium: Acute Confusional States in Palliative Medicine. OUP Oxford, 2011, ISBN 978-0-19-957205-2 (google.com [abgerufen am 30. April 2021]).
  9. Evidence for the Diagnostic Criteria of Delirium: An Update. Abgerufen am 30. April 2021 (englisch).
  10. a b c d e Neurovirologie: Was Sars-CoV-2 im Gehirn anrichtet Spektrum der Wissenschaft, aufgerufen am 20. November 2021
  11. a b c Medizin. Post COVID: Viele Genesene haben Schwächen in kognitiven Tests, Ärzteblatt aufgerufen am 20. November 2021
  12. a b Medizin. Long COVID: Hinterlässt die Erkrankung langfristige kognitive Störungen?, Ärzteblatt aufgerufen am 20. November 2021
  13. a b c d e f Brain & Nervous System. Reasons You May Have Brain Fog, aufgerufen am 20. November 2021
  14. „ÄrzteTag“-Podcast. Wie „brain fog“ Patienten nach COVID-19 das Leben schwer macht, Ärztezeitung aufgerufen am 20. November 2021
  15. Medizin. Studie: Neuroaxonale Schäden durch COVID-19 auch bei leichteren Verläufen, Ärzteblatt aufgerufen am 20. November 2021
  16. Ich hatte nach Covid-19 „Gehirnnebel“. So fühlte es sich an – und dieser Rat des Arztes half mir, Business Insider aufgerufen am 20. November 2021
  17. Ich hatte nach Covid-19 „Gehirnnebel“. So fühlte es sich an – und dieser Rat des Arztes half mir, Das Österreichische Industriemagazin aufgerufen am 20. November 2021