Bierpartei (Österreich)

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Die Bierpartei (BIER)
Logo der Bierpartei
Parteivorsitzender Marco Pogo
Gründung 2015
Gründungsort Simmering (Wien)
Hauptsitz Hollabrunn, (Bundesbüro: Simmering)[1]
Nationalratsmandate
0/183
Bundesratsmandate
0/61
Sitze in Landtagen
0/440
Staatliche Zuschüsse keine
Mindestalter 16 Jahre[1]
Ausrichtung Satire
persiflierter Populismus
Bierokratie (Bier-Demokratie)
Farbe Gelb und Blau
Website www.bierpartei.eu

Die Bierpartei (BIER) ist eine 2015 gegründete österreichische Kleinstpartei. Ihre Aktivität ist auf Wien beschränkt, wo sie bei der Nationalratswahl 2019 erstmals wählbar war,[2] den Einzug ins Parlament allerdings verfehlte. Bei der Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2020 trat die Bierpartei erneut an.[3] Die Partei ist in Form einer reinen Bundesorganisation ohne Landesparteien verfasst. Ursprünglich unter dem Kürzel BPÖ (BierPartei Österreich) bekanntgeworden, heißt die Partei nach einer Satzungsänderung 2020 nur mehr "Die Bierpartei", das offizielle Wahlkürzel lautet BIER.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei wurde im Jahr 2015 von Marco Pogo, dem Frontmann der Wiener Punkrock-Band Turbobier, gegründet. Pogo, der mit bürgerlichem Namen Dominik Wlazny heißt, war laut Medienberichten praktizierender Arzt, bevor der Erfolg der Band ihn zu einem Karrierewechsel bewog.[5][6] Bierparteien existieren bzw. existierten in einigen (vor allem osteuropäischen) Ländern. Wenngleich sie in Einzelfällen auch ernste Ziele verfolgten (so war die Polnische Partei der Bier-Freunde rund zwei Jahre im dortigen Parlament vertreten) handelte es sich in der Regel doch um Spaßparteien mit eher satirischem Anspruch.[7] Entstanden ist das Projekt aus einer Laune heraus, basierend auf dem Lied "Die Bierpartei" des Debütalbums der Band "Irokesentango"[8]

Nationalratswahl 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bierpartei (damals noch BPÖ) nahm in den ersten vier Jahren ihres Bestehens an keiner Wahl teil, ein erstes Antreten erfolgte bei der vorgezogenen Nationalratswahl 2019. Die Partei nutzte das satirische Potential der Ibiza-Affäre und warb mit Freibier um Unterstützungserklärungen. Als Motivation für die Kandidatur gab die Partei an, dass man „bsoffene Gschichten“ – eine Anspielung auf eine Aussage Heinz-Christian Straches – besser den Profis überlassen sollte.[9] An ein bundesweites Antreten war nicht zu denken, jedoch konnte die Bierpartei genug Stimmen sammeln, um zumindest in Wien unter dem Namen BIER auf den Wahlzetteln vertreten zu sein.[10] Laut einer Online-Umfrage im Auftrag des Boulevardportals oe24.at im Juli 2019 erklärten 23 % der Befragten, sich vorstellen zu können, unter Umständen die Bierpartei zu wählen.[11] Bei der Wahl erhielt die Partei schließlich 4.946 Stimmen (entspricht 0,6 % in Wien und 0,1 % bundesweit).[12]

Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar nach der Verkündung der Ergebnisse der Nationalratswahl kündigte die Bierpartei an, auch bei der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl im Oktober 2020 antreten zu wollen.[13] Im Vorfeld beklagte man, dass das Sammeln der 1800 nötigen Unterstützungserklärungen wegen der geltenden Ausgangsbeschränkungen während der COVID-19-Pandemie in Österreich insbesondere für Kleinstparteien, die auf direkten Wählerkontakt setzen müssen, erschwert sei.[14] Dennoch konnten auch ohne externe Sponsoren genug Unterstützer gefunden werden, sodass die Partei mit dem Slogan „Make Wien dicht again“ (eine Anspielung auf den ehemaligen Bürgermeister Michael Häupl und die ihm nachgesagte Weinseligkeit[15][16]) wienweit kandidieren durfte.[3][17] Für die parallel stattfindende Bezirksvertretungswahl 2020 brachte die Bierpartei für alle Bezirksvertretungen mit Ausnahme des 1. Bezirks Wahlvorschläge ein.[18] Den Wahlkampfauftakt bildete eine Bier-Rallye des Spitzenkandidaten samt seiner Funktionäre durch alle 23 Wiener Gemeindebezirke,[5] als „Leuchtturmprojekt“ unter den Wahlversprechen sollte der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz durch einen Bierbrunnen ersetzt werden. Zu den ernsthafteren Zielen zählte Unterstützung für den durch die Coronakrise schwer geschädigten Kulturbetrieb.[19] Durch die geschickte Vermarktung solcher Aktionen über die sozialen Netzwerke erlangte die Bierpartei ohne nennenswerten Kostenaufwand Reichweiten, für die andere Parteien fünfstellige Summen in Werbung investierten,[20] mit Niko Alm konnte auch ein ehemaliger Nationalratsabgeordneter als Unterstützer gewonnen werden. Mit 1,80 % der Stimmen gelang der Einzug in den Landtag nicht,[21] jedoch errang BIER einzelne Mandate in insgesamt 11 Bezirksvertretungen.[22] Da die Partei insgesamt nur sechs Kandidaten zur Wahl aufgestellt hatte mussten Personen nachnominiert werden. Als Ziel für die Zukunft nannte Parteigründer Pogo die voraussichtlich 2022 abgehaltene Bundespräsidentenwahl.[23]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß ihrer Satzung versteht sich die Bierpartei als „bierokratische Bewegung“. In einer „Bierokratie“ gehe die Macht vom Bier aus. Die Partei bekennt sich zur Meinungsfreiheit wie zur freien Wahl des Bieres. Dessen Konsum solle offen zur Schau gestellt werden, „trinktechnisch weniger begabte Menschen“ bedürften besonderer Förderung. Vielfalt und Individualität in der Braukultur seien eine Bereicherung des Lebens, folglich müsse fremden Bieren gegenüber Toleranz geübt werden.[24]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Satzung der Bierpartei. Die Bierpartei, abgerufen am 25. September 2020.
  2. Kandidaten für die Nationalratswahl stehen fest. In: derStandard.at. 2. August 2019, abgerufen am 21. August 2020.
  3. a b Wien-Wahl: Was wollen die Bierpartei, Liste Kurz und Co. In: kurier.at. 18. August 2020, abgerufen am 21. August 2020.
  4. Parteienverzeichnis. Innenministerium Österreich, abgerufen am 1. September 2020.
  5. a b Bier, Punk und Bürgermeister: Marco Pogos Bierpartei tritt in ganz Wien an. In: derStandard.at. 30. August 2020, abgerufen am 30. August 2020.
  6. Dominik Wlazny. In: meineabgeordneten.at. Abgerufen am 28. September 2020.
  7. Klaus von Beyme: Parteiensysteme im Demokratisierungsprozeß Osteuropas. In: Geschichte und Gesellschaft. 18. Jahrgang, Heft 3. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, S. 277, JSTOR:40185548.
  8. TURBOBIER: TURBOBIER | Musik | Irokesentango. Abgerufen am 1. September 2020.
  9. "Bierpartei" sammelt mit Freibier Unterschriften für Kandidatur. In: kurier.at. 12. Juli 2019, abgerufen am 21. August 2020.
  10. Die Bierpartei am Wahlzettel: "Wir wollen Österreich zukunftsfett machen!" In: meinbezirk.at. 8. August 2019, abgerufen am 21. August 2020.
  11. 23 Prozent würden Kreuz bei der Bierpartei machen. In: oe24.at. 21. Juli 2019, abgerufen am 21. August 2020.
  12. Österreich - Nationalratswahl 2019. In: bmi.gv.at. Bundesministerium für Inneres, abgerufen am 21. August 2020.
  13. Das sind die skurrilsten Wahl-Ergebnisse. In: oe24.at. 30. September 2019, abgerufen am 21. August 2020.
  14. Wien-Wahl: Bierpartei prangert unfaire Voraussetzungen an. In: kurier.at. 22. April 2020, abgerufen am 21. August 2020.
  15. Diverse Kleinparteien wollen bei der Wien-Wahl auf den Stimmzettel. In: vienna.at. 14. Juli 2020, abgerufen am 21. August 2020.
  16. Bierpartei: BIERPARTEI: Make Wien dicht again! 🍺✊🏻 - YouTube. In: Youtube. 10. Juli 2020, abgerufen am 1. September 2020.
  17. Wien-Wahl: Diese neun Parteien treten wienweit an. In: kurier.at. 14. August 2020, abgerufen am 1. September 2020.
  18. Wien-Wahl 2020: Wahlvorschläge wurden eingebracht. In: wien.gv.at. 14. August 2020, abgerufen am 21. August 2020.
  19. Bierbrunnen & Co.: Ideen der Kleinparteien. In: wien.orf.at. 30. September 2020, abgerufen am 2. Oktober 2020.
  20. Wien-Wahl: Bierpartei auf Social Media auf Platz 2. In: vienna.at. 2. September 2020, abgerufen am 6. September 2020.
  21. Gemeinderatswahlen 2020, Ergebnisse der Wiener Wahlbehörden. In: wien.gv.at. 13. Oktober 2020, abgerufen am 13. Oktober 2020.
  22. Bezirksvertretungswahlen 2020, Ergebnisse der Wiener Wahlbehörden. In: wien.gv.at. Abgerufen am 15. Oktober 2020.
  23. Kleinparteien ganz groß: Was Links, SÖZ, Bier und Strache planen. In: derStandard.at. 15. Oktober 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020.
  24. Satzung der Bierpartei. In: bierpartei.eu. Abgerufen am 21. August 2020.