Nationalratswahl in Österreich 2019

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Ambox current red.svg Dieser Artikel beschreibt auch die Vorbereitungen auf die nun vorgezogene Wahl. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
Redoutensaal der Wiener Hofburg, aktueller Sitz des Nationalrates

Die 27. Nationalratswahl in Österreich sollte ursprünglich nach der XXVI. Legislaturperiode im Jahr 2022 stattfinden. Am 18. Mai 2019 kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach Rücksprache mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen aufgrund der „Ibiza-Affäre“ um FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache jedoch eine vorgezogene Neuwahl an, die im September 2019 stattfinden soll.[1][2]

Termin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Termin für die vorgezogenen Neuwahl steht noch nicht fest, sie soll laut Erläuterung des am 27. Mai 2019 im Parlament eingebrachten Neuwahlantrags im September 2019 stattfinden.[2] Der Termin ist nach der noch zu erfolgenden Auflösung des Nationalrates durch eine Verordnung der Bundesregierung festzulegen, wobei vorab das Einvernehmen über diesen mit dem Hauptausschuss des Nationalrates erzielt werden muss.[3]Der nur von der Fraktion JETZT nicht befürwortete Neuwahlbeschluss des Nationalrates tritt auf Grund einer im Verfassungsausschuss mit SPÖ-FPÖ-Mehrheit eingefügten Ergänzung am 3. Juli 2019 in Kraft. Unter den wahlbefürwortenden Fraktionen besteht Konsens über eine Wahl im September. Wegen des Fristenlaufes von 82 Tagen ab dem Wahlstichtag, der nach dem Inkrafttreten der Nationalratsauflösung liegen muss, kommt de facto nur der 29. September als Wahltermin in Frage.[4]

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalratswahl 2017
 %
40
30
20
10
0
31,47
26,86
25,97
5,30
4,41
3,80
2,20

Bei der Nationalratswahl 2017 wurde die Österreichische Volkspartei (ÖVP) mit 31,47 % der Stimmen stärkste Kraft, gefolgt von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) mit 26,86 % und der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) mit 25,97 %. Während die SPÖ ihr Niveau von 2013 nur in etwa halten konnte, gewannen ÖVP und FPÖ deutlich an Stimmen hinzu.

Die NEOS verbesserten ihre Zustimmung leicht und kamen auf 5,30 %. Die Liste Peter Pilz zog mit 4,41 % als fünfte Partei in den Nationalrat ein, während die Grünen den Einzug mit 3,80 % knapp verpassten. Alle anderen angetretenen Parteien spielten mit insgesamt 2,20 % der erreichten Stimmen keine Rolle.

Eine Woche nach der Wahl wurde innerhalb des Wahlsiegers ÖVP der Beschluss gefasst, in Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ einzutreten. Nach knapp sechswöchigen Koalitionsverhandlungen wurde die neue Bundesregierung um Kanzler Sebastian Kurz bestehend aus einer Koalition zwischen ÖVP und FPÖ von Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 18. Dezember 2017 ernannt und angelobt.

Am 18. Mai 2019 kündigte Kurz auf Grund der Ibiza-Affäre um FPÖ-Vizekanzler Strache vorgezogene Neuwahlen an, die im September 2019 stattfinden sollen.[2]

Am 22. Mai 2019 wurden vom Bundespräsidenten gemäß Art. 70 Abs. 1 B-VG Innenminister Kickl auf Vorschlag des Bundeskanzlers aus der Regierung entlassen und die Enthebung der weiteren Regierungsmitglieder der FPÖ auf deren Wunsch hin gemäß Art. 74 Abs. 3 vorgenommen. Gleichzeitig mit diesem Formalakt wurde Bundesminister Hartwig Löger (Finanzen, ÖVP) zum Vizekanzler ernannt, wurden von Kurz vorgeschlagene Experten als Bundesminister angelobt und Bundesministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP), zusätzlich zu ihrem bisherigen Ressort, mit den Agenden Beamten und Sport (zuvor bei Vizekanzler Strache angesiedelt) betraut. Ab diesem Tag regierte Bundeskanzler Kurz mit seinem Kabinett als ÖVP-geführte Minderheitsregierung.

Am 27. Mai 2019 um 16:14 Uhr wurde der Regierung Kurz schließlich von der Mehrheit des Nationalrats das Vertrauen versagt.[5] Tags darauf wurde vom Bundespräsidenten die gesamte Regierung Kurz des Amtes enthoben. Gleichzeitig wurde der bisherige Vizekanzler Hartwig Löger mit der Fortführung der Verwaltung und dem Vorsitz in der einstweiligen Bundesregierung Löger (ohne Kurz) betraut, anschließend die bisherigen Minister bis zur Einsetzung einer neuen Regierung mit der Fortführung der Amtsgeschäfte.

Am 3. Juni wurde die Bundesregierung Bierlein vom Bundespräsidenten angelobt. Als Beamtenregierung bzw. Übergangsregierung soll sie bis zur Angelobung einer neuen Regierung nach der vorgezogenen Nationalratswahl im Herbst 2019 die Amtsgeschäfte der Bundesministerien weiterführen.

Parteien und Spitzenkandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Politiker wurden bereits von ihren Parteien als Spitzenkandidat für die Wahl deklariert. Neben den Parlamentsparteien und den Grünen plant auch das BZÖ eine Kandidatur.[6]

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Market-Umfrage vom 6. Juni 2019
im Vergleich zur Wahl 2017 (auf halbe %-Punkte gerundet)
 %
40
30
20
10
0
38
(+6,5)
22
(-5)
19
(-7)
10
(+6)
9
(+3,5)
1
(-3,5)
1
(-1)
2017

2019

Sitzverteilung laut Unique Research-Umfrage vom 5. Juni 2019
     
Insgesamt 183 Sitze

Aktuelle Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Institut Datum ÖVP SPÖ FPÖ NEOS JETZT GRÜNE Sonst.
Market[7] 06.06.2019 38 % 22 % 19 % 9 % 1 % 10 % 1 %
Unique Research[8] 05.06.2019 37 % 20 % 21 % 10 % 1 % 10 % 1 %
Research Affairs[9] 04.06.2019 38 % 23 % 17 % 9 % 1 % 9 % 3 %
Research Affairs[10] 31.05.2019 38 % 23 % 17 % 10 % 1 % 8 % 3 %
Unique Research[11] 31.05.2019 38 % 21 % 19 % 10 % 1 % 10 % 1 %
OGM[12] 29.05.2019 36 % 22 % 21 % 8 % 1,5 % 10 % 1,5 %
Demox Research[13] 29.05.2019 37,5 % 22,5 % 18,5 % 10,5 % n.a. 8,5 % 2 %
Research Affairs[14] 20.05.2019 38 % 26 % 18 % 9 % 2 % 5 % 2 %
Research Affairs[15] 15.05.2019 34 % 25 % 23 % 8 % 2 % 5 % 3 %
Demox Research[16] 02.05.2019 34 % 27 % 22 % 8 % 2 % 6 % 1 %
Research Affairs[17] 01.05.2019 34 % 25 % 22 % 9 % 2 % 5 % 3 %
Nationalratswahl 2017 15.10.2017 31,5 % 26,9 % 26,0 % 5,3 % 4,4 % 3,8 % 2,2 %

Ältere Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jänner – April 2019
Institut Datum ÖVP SPÖ FPÖ NEOS JETZT GRÜNE Sonst.
Research Affairs[18] 17.04.2019 34 % 24 % 23 % 9 % 2 % 5 % 3 %
Market[19] 15.04.2019 34 % 28 % 22 % 7 % 2 % 5 % 2 %
Unique Research[20][21] 12.04.2019 34 % 28 % 22 % 7 % 2 % 5 % 3 %
Demox Research[22] 11.04.2019 33 % 27 % 24 % 7 % 2 % 6 % 1 %
Research Affairs[23] 03.04.2019 34 % 24 % 23 % 8 % 3 % 5 % 3 %
Research Affairs[24] 20.03.2019 34 % 24 % 25 % 7 % 3 % 5 % 2 %
Unique Research[25] 15.03.2019 34 % 25 % 24 % 8 % 2 % 5 % 2 %
Unique Research[26] 07.03.2019 33 % 27 % 24 % 7 % 2 % 6 % 1 %
Research Affairs[27] 06.03.2019 34 % 24 % 24 % 7 % 3 % 6 % 2 %
Hajek[28] 28.02.2019 34 % 27 % 23 % 8 % 1 % 6 % 1 %
Research Affairs[29] 20.02.2019 34 % 25 % 24 % 7 % 2 % 6 % 2 %
Unique Research[30] 15.02.2019 32 % 26 % 25 % 8 % 1 % 6 % 2 %
Demox Research[31] 08.02.2019 34 % 27 % 22 % 8,5 % 1,5 % 5 % 2 %
Research Affairs[32] 06.02.2019 34 % 25 % 23 % 7 % 3 % 5 % 3 %
Research Affairs[33] 23.01.2019 34 % 26 % 23 % 7 % 2 % 6 % 2 %
OGM[34] 17.01.2019 35 % 27 % 24 % 7 % 2 % 5 % 0 %
Unique Research[35] 12.01.2019 35 % 27 % 21 % 8 % 2 % 6 % 1 %
Research Affairs[36] 09.01.2019 34 % 26 % 24 % 7 % 2 % 5 % 2 %
Nationalratswahl 2017 15.10.2017 31,5 % 26,9 % 26,0 % 5,3 % 4,4 % 3,8 % 2,2 %

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Umfragewerte

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Standard: Strache und Gudenus treten zurück, Kurz und Van der Bellen kündigen Neuwahlen an, 18. Mai 2019
  2. a b c Parlamentskorrespondenz Nr. 591 vom 27. Mai 2019: Neuwahlantrag im Parlament eingelangt
  3. ORF at/Agenturen red: „Nur verwaltend“: Politische Fallen für die Übergangsregierung. 31. Mai 2019, abgerufen am 31. Mai 2019.
  4. Parlamentskorrespondenz: Nationalrat: Neuwahlen am 29. September sind so gut wie fix. 12. Juni 2019, abgerufen am 12. Juni 2019.
  5. Aus für Regierung Kurz. In: ORF.at. 27. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  6. Fabian Schmid: Das BZÖ will zur Nationalratswahl wiederauferstehen. 12. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019.
  7. Nur Kurz schlägt Bierlein in der Kanzlerfrage, auf derstandard.at
  8. Umfrage: Övp baut Vorsprung aus, Kurz verliert an Strahlkraft. 5. Juni 2019, abgerufen am 6. Juni 2019.
  9. Umfrage-Beben: 59% wollen Kurz als Kanzler. 5. Juni 2019, abgerufen am 9. Juni 2019.
  10. Wen wählen Sie? Umfrage-Rekord für Kurz. 31. Mai 2019, abgerufen am 1. Juni 2019.
  11. Kanzlerfrage: Exklusiv-Umfrage: Kurz hebt ab, SPÖ bricht ein. 31. Mai 2019, abgerufen am 1. Juni 2019.
  12. OGM-Umfrage: Jeder Dritte will Türkis-Neos-Grün. 1. Juni 2019, abgerufen am 1. Juni 2019.
  13. Warten auf das Kabinett Bierlein, auf diepresse.com
  14. 1. Umfrage: FPÖ stürzt brutal ab. 20. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  15. Was bedeutet Strache-Beben für EU-Wahl. 15. Mai 2019, abgerufen am 9. Mai 2019.
  16. Rechte Skandale helfen nicht SPÖ, sondern ÖVP, auf krone.at
  17. Strache verliert, Vilimsky legt zu. 1. Mai 2019, abgerufen am 3. Mai 2019.
  18. Run auf EU-Wahl: ÖVP Klar vorn, SPÖ holt auf, FPÖ Dritte. 17. April 2019, abgerufen am 6. April 2019.
  19. Jeder Zweite meint, dass die Regierung die Gesellschaft spaltet, auf derstandard.at
  20. Kanzlerfrage: Kurz zieht davon, profitiert von Identitären-Machtwort. 13. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  21. Umfrage: Kanzler Kurz dank Identitären Skandal mit Plus. 13. April 2019, abgerufen am 13. April 2019.
  22. Rechte Skandale helfen nicht SPÖ, sondern ÖVP, auf krone.at
  23. Umfrage: Identitäre schaden der FPÖ. 3. April 2019, abgerufen am 3. April 2019.
  24. FPÖ überholt SPÖ. 20. März 2019, abgerufen am 22. März 2019.
  25. Kanzlerfrage: Kurz zieht davon. 15. März 2019, abgerufen am 16. März 2019.
  26. Kurz fliegt allen davon,Grüne wiedergeboren. 7. März 2019, abgerufen am 7. März 2019.
  27. Rendi rutscht ab FPÖ schon Zweite. 8. März 2019, abgerufen am 8. März 2019.
  28. ATV Österreich Trend März, auf ots.at
  29. Strache gewinnt nach Papa-Monat. 20. Januar 2019, abgerufen am 20. Januar 2019.
  30. ÖVP verliert, SPÖ stabil, FPÖ erholt sich. 12. Januar 2019, abgerufen am 12. Januar 2019.
  31. Övp voran, Fpö verliert, Spö stabil, auf diepresse.com
  32. Umfrage: EU-Wahl wird zum Krimi, auf oe24.at
  33. 75% für mehr Abschiebungen, auf oe24.at
  34. Langschläfer Kritik an Wien, Mehrheit gibt Kanzler Kurz Recht, auf kurier.at
  35. Umfrage: Kurz in Kanzlerfrage noch deutlicher voran. 12. Januar 2019, abgerufen am 12. Januar 2019.
  36. 54% Mit der Regierung zufrieden, auf oe24.at