Bingenheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bingenheim
Gemeinde Echzell
Koordinaten: 50° 22′ 20″ N, 8° 53′ 45″ O
Höhe: 128 (122–164) m ü. NHN
Fläche: 8,23 km²[1]
Einwohner: 1380 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 168 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61209
Vorwahl: 06035

Bingenheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Echzell im hessischen Wetteraukreis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Besiedlungen sind durch archäologische Funde und Hügelgräber im Bingenheimer Wald für die Zeit der Michelsberger Kultur nachgewiesen. Bingenheim liegt am Obergermanisch-Raetischen Limes. Südlich des Ortes befand sich in der Römerzeit das Kleinkastell Lochberg.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Meisner/ Eberhard Kieser: Thesaurus Philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein (1630) mit Schloss und Ort Bingenheim.[3]

Im Jahre 817 schenkte Ludwig der Fromme dem Kloster Fulda die bei Echzell gelegene kleine Burg Bingenheim. Echzell und die Burg bildeten vermutlich eine kleine Mark; die Zahl der dazugehörigen Güter ist mit ungefähr 187 angegeben.[4] Um diese Keimzelle herum schuf sich die Abtei im Laufe der folgenden Jahrhunderte die sogenannte Fuldische Mark. Die Burg Bingenheim blieb fuldischer Eigenbesitz, die Vogtei über die Fuldische Mark dagegen wurde als Lehen an weltliche Herren gegeben. Anfangs war die Vogtei möglicherweise in der Hand der Grafen von Nürings, kam aber um die Mitte des 11. Jahrhunderts an Volkold I. von Malsburg, der damit zum Begründer des Geschlechts der Grafen von Nidda wurde.

Die älteste erhaltene Erwähnung von Bingenheim stammt aus der Zeit zwischen 1015 und etwa 1025 und findet sich im Codex Eberhardi.[5]

1357 erhielt der Fuldaer Abt Heinrich von Kranlucken von Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, vor seiner Burg Bingenheim eine Stadt zu gründen, sie zu befestigen und dort einmal wöchentlich einen Markt abzuhalten; später erscheint Bingenheim jedoch wieder als Dorf.[4] Es war Sitz des gleichnamigen Amtes Bingenheim.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der frühen Neuzeit fanden Hexenprozesse statt. Das erste Opfer war 1652 ein gewisser Hans Rau aus Berstadt, der diesem Hexenwahn zum Opfer fiel. Gerichtsakten dazu liegen noch heute im Staatsarchiv Darmstadt. Ein Roman von Georg Schäfer greift dieses Thema unter Benutzung dieser vorhandenen Originalakten auf. Zu der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Echzell 1982 wurde das Stück „Die Hexe von Bingenheim“ unter der Leitung von Gitta von Zittwitz und Ursula Koch mit sehr großen Erfolg uraufgeführt.

Die Ämter-Struktur wurde im Großherzogtum Hessen 1821 aufgelöst.

Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen.[6] Bingenheim kam so zum Landratsbezirk Nidda und zum Landgericht Nidda. Die gerichtliche Zuständigkeit wechselte 1879 zum Amtsgericht Nidda.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 1. August 1972 kraft Landesgesetz die bis dahin selbständige Gemeinde Bingenheim als Ortsteil in die Gemeinde Echzell eingegliedert.[7][8] Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung

Bingenheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
674
1840
  
681
1846
  
735
1852
  
770
1858
  
738
1864
  
689
1871
  
669
1875
  
681
1885
  
650
1895
  
630
1905
  
622
1910
  
659
1925
  
657
1939
  
685
1946
  
1.003
1950
  
954
1956
  
935
1961
  
905
1967
  
1.008
1970
  
966
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.380
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[2]

Religionszugehörigkeit

• 1961: 695 evangelische (= 76,80 %), 143 katholische (= 15,80 %) Einwohner[1]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Bingenheim

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im ehemaligen Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist seit 1950 die Lebensgemeinschaft Bingenheim, eine anthroposophische Einrichtung mit Schule für Behinderte, untergebracht. Im Jahre 1991 wurde ein Bürgerzentrum errichtet.
  • Im Ort gibt es sowohl eine evangelische wie auch eine neuapostolische Kirche. Für die jungen Einwohner stehen zwei Kindergärten mit je zwei Gruppen zur Verfügung, nämlich der gemeindliche Kindergarten Lilliput und der Waldorf-Kindergarten.
  • Durch Bingenheim verläuft die Landesstraße 3188.
  • Im Jahr 1877 begann man in Bingenheim mit dem industriellen Abbau von Basalt. Noch heute wird im südlichen Bereich in einem Steinbruch Basalt abgebaut. Alte Abbauwände in den nahe gelegenen Wäldern deuten aber darauf hin, dass bereits zur Zeit der römischen Besiedlung Basaltgestein primitiv gewonnen wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bingenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bingenheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  3. Daniel Meisner/ Eberhard Kieser: Thesaurus Philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein Bd. 2, Faksimile-Neudruck der Ausgabe Frankfurt/ Main 1625-1626 u. 1627-1631, Nördlingen 1992, Buch 5, Nr. 7.
  4. a b Johann Ernst Christian Schmidt: Geschichte des Großherzogthums Hessen. Heyer, 1819, S. 112–113. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi. Marburg 1995-2007, Bd. 2, Nr. 35, S. 260.
  6. Verordnung Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 14. Juli 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 33 vom 20. Juli 1821, S. 403–415.
  7. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 353.