Bingenheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bingenheim
Gemeinde Echzell
Koordinaten: 50° 22′ 20″ N, 8° 53′ 45″ O
Höhe: 128 (122–164) m ü. NHN
Fläche: 8,23 km² [LAGIS]
Einwohner: 1580 (30. Jun. 2011)
Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61209
Vorwahl: 06035

Bingenheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Echzell im hessischen Wetteraukreis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quellen unter[1])

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Besiedlungen sind durch archäologische Funde und Hügelgräber im Bingenheimer Wald für die Zeit der Michelsberger Kultur nachgewiesen. Bingenheim liegt am Obergermanisch-Raetischen Limes. Südlich des Ortes befand sich in der Römerzeit das Kleinkastell Lochberg.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 817 schenkte Ludwig der Fromme dem Kloster Fulda die bei Echzell gelegene kleine Burg Bingenheim. Echzell und die Burg bildeten vermutlich eine kleine Mark; die Zahl der dazugehörigen Güter ist mit ungefähr 187 angegeben.[2] Um diese Keimzelle herum schuf sich die Abtei im Laufe der folgenden Jahrhunderte die sogenannte Fuldische Mark. Die Burg Bingenheim blieb fuldischer Eigenbesitz, die Vogtei über die Fuldische Mark dagegen wurde als Lehen an weltliche Herren gegeben. Anfangs war die Vogtei möglicherweise in der Hand der Grafen von Nürings, kam aber um die Mitte des 11. Jahrhunderts an Volkold I. von Malsburg, der damit zum Begründer des Geschlechts der Grafen von Nidda wurde.

Daniel Meisner/ Eberhard Kieser: Thesaurus Philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein (1630) mit Schloss und Ort Bingenheim.[3]

Zwischen 1015 und etwa 1025 wird Bingenheim im Codex Eberhardi erstmals urkundlich erwähnt.[4]

Im Jahr 1357 erhielt der Fuldaer Abt Heinrich von Kranlucken von Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, vor seiner Burg Bingenheim eine Stadt zu gründen, sie zu befestigen und dort einmal wöchentlich einen Markt abzuhalten; später erscheint Bingenheim jedoch wieder als Dorf.[2]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der frühen Neuzeit finden Hexenprozesse statt. Das erste Opfer war 1652 ein gewisser Hans Rau aus Berstadt, der diesem Hexenwahn zum Opfer fiel. Gerichtsakten dazu liegen noch heute im Staatsarchiv Darmstadt. Ein Roman von Georg Schäfer greift dieses Thema unter Benutzung dieser vorhandenen Originalakten auf. Zu der 1200-Jahr-Feier im Jahre 1982 der Gemeinde Echzell wurde das Stück „Die Hexe von Bingenheim“ unter der Leitung von Gitta von Zittwitz und Ursula Koch mit sehr großen Erfolg uraufgeführt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. August 1972 kraft Landesgesetz die Gemeinde Bingenheim in die Gemeinde Echzell eingegliedert.[5][6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im ehemaligen Schloss aus dem 17. Jahrhundert ist seit 1950 die Lebensgemeinschaft Bingenheim, eine anthroposophische Einrichtung mit Schule für Behinderte, untergebracht. Im Jahre 1991 wurde ein Bürgerzentrum errichtet.
  • Im Ort gibt es sowohl eine evangelische wie auch eine neuapostolische Kirche. Für die jungen Einwohner stehen zwei Kindergärten mit je zwei Gruppen zur Verfügung, nämlich der gemeindliche Kindergarten Lilliput und der Waldorf-Kindergarten.
  • Durch Bingenheim verläuft die Landesstraße 3188.
  • Im Jahr 1877 begann man in Bingenheim mit dem industriellen Abbau von Basalt. Noch heute wird im südlichen Bereich in einem Steinbruch Basalt abgebaut. Alte Abbauwände in den nahe gelegenen Wäldern deuten aber darauf hin, dass bereits zur Zeit der römischen Besiedlung Basaltgestein primitiv gewonnen wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik Bingenheims
  2. a b Johann Ernst Christian Schmidt: Geschichte des Großherzogthums Hessen. Heyer, 1819, S. 112–113. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Daniel Meisner/ Eberhard Kieser: Thesaurus Philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein Bd. 2, Faksimile-Neudruck der Ausgabe Frankfurt/ Main 1625-1626 u. 1627-1631, Nördlingen 1992, Buch 5, Nr. 7.
  4. Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi. Marburg 1995-2007, Bd. 2, Nr. 35, S. 260.
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 353.