Bisses

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Bisses
Gemeinde Echzell
Koordinaten: 50° 23′ 48″ N, 8° 54′ 10″ O
Höhe: 130 (124–138) m ü. NHN
Fläche: 2,31 km² [LAGIS]
Einwohner: 707 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 306 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 61209
Vorwahl: 06008

Bisses ist ein Ortsteil der Gemeinde Echzell im hessischen Wetteraukreis. Der Ort liegt nordöstlich von Echzell in der Wetterau. In der Nähe des Ortes fließt die Horloff.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Limes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Limes verlief am westlichen Ortsrand vorbei. Etwa 800 m entfernt von dem südlichen Siedlungsrand des damaligen Dorfes wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Reste eines römischen Kastells auf der "Haselheck" entdeckt.[1]

Ortsname und Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde wahrscheinlich um 800 bis 900 n. Chr. besiedelt. Der Ortsname Bisses wird hergeleitet von „Biso.“[2] Demnach bedeutet Bisses „Heim des Biso.“[3] Allerdings hat Karl Weigand den Namen Bisses von mhd. „biscz“ abgeleitet und als „unfruchtbaren unergiebigen Boden“ und „Misswachs“ gedeutet.[4]

Das Dorf soll im 12. Jahrhundert gegründet worden sein.[5]

Urkundlich wird Bisses am 24. Juli 1361 erstmals erwähnt. Der Edelknecht „Wernher von Byeses“ und seine Frau Else verkauften dem Propst Rudolf Rule zu Wetzlar an diesem Tag Güter in Rendel.[6]

Aus dieser Zeit stammte wahrscheinlich die Wasserburg Bisses am östlichen Rand des Dorfes. Diese Burg spätestens nach dem Dreißigjährigen Krieg zerstört war.

Am 23. Mai 1384 bekannte der Edelknecht Friedrich von Echzell eine Stiftung für sich und seine verstorbene Frau Gude von einem Hof zu Bisses. Der wurde „Bunenhof“ genannt und lag neben dem Hof von Rupiln Zymmermann.[7]

Fuldische Mark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter gehörte Bisses zur Fuldischen Mark und lag im Gebiet des Echzeller Forsts[8] Die nordöstliche Grenze der Fuldischen Mark bildete die Landwehr an der Grenze zu Utphe, „einen bedeutenden Graben, welcher sich zwischen der Grund-Schwalheimer, Echzeller und Bisher Gemarkungsgrenzen, in einer gleich bleibenden Breite von etwa 8 Klaftern hinzieht.“ Um 1830 soll der Graben noch mit „Gebüsch und uralten Bäumen bewachsen gewesen sein.“[9]

Im Dreißigjährigen Krieg litt das Dorf wie auch die übrige Fuldische Mark besonders 1622 unter den Truppen des Peter Ernst II. von Mansfeld. Das Mansfeldsche Kriegsschadensregister nennt allein 36 betroffene Personen in Bisses.

Burglehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das fuldische Burglehen befand sich vom Ende des 14. bis Mitte des 15. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Lüder, kam dann in den Besitz der Herren von Doernberg, bevor es die Familie von Buchenau am Anfang des 17. Jahrhunderts übernahm. Danach kam es durch Einheirat an die Herren von Nagel. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ein Teil des Burggutes von den Freiherren von Sell ererbt.[10] Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde im Dorf ein großes Haus von den Besitzern des Burggutes erbaut, das seine Sonderstellung schon dadurch erhält, dass es traufseitig zur Straße steht, während die übrigen Häuser giebelseitig gebaut wurden. Bis 1781 hatten die Freiherren von Nagel die Patrimonialgerichtsbarkeit über Bisses.[11] Das Burggut wurde am 12. Mai 1783 von der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt für 23.600 Gulden gekauft.[12]

1830 lebten im Dorf 323 Einwohner, von denen 41 jüdischen Glaubens waren, alle anderen evangelisch. 29 waren Bauern, 19 andere „Professionisten.“ Der Ort bestand aus 54 Häusern.[13]

Hexenverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hexenverfolgung im Amt Bingenheim geschah während der Regentschaft von Landgraf Wilhelm Christoph (Hessen-Homburg). Darüber berichtet eine zeitgenössische Chronik: „Erster Brandt der Schweinhirt von Bisses, welchem der bös feeindt den Halß zerbrochen im gefängniß.“ Dies geschah am 9. November 1652.[14] Im gleichen Jahr wurde „der Jud Löw von Bisses lebendig verbrannt.“[15] Eine Frau starb im Sommer 1653 während der Folter.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Schule bestand in Bisses vermutlich seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts. Seit 1651 sind Lehrer in Bisses nachweisbar.[16] Nach dem Weggang der Familie von Nagel wurde die große Stube in ihrem Haus zur Schulzwecken bis 1881 genutzt. In diesem Jahr wurde die neue Schule eingeweiht.[17] Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten bis zur Eingemeindung nach Echzell auch die Kinder aus Grund-Schwalheim die Schule in Bisses.

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spätmittelalter waren Bisses, Grund-Schwalheim, Gettenau, Reichelsheim mit Bingenheim Teil des Kirchensprengels Echzell.[18] "Echzel cum Bisses" (Echzell mit Bisses) gehörte zum Archidiakonat St. Maria ad Gradus (Mainz).[19]

Die Evangelische Kirche Bisses wurde 1503 in der Spätgotik erbaut.[20]

Von 1552 bis 1857 war Bisses eine Filiale der Kirche Echzell. Die Diakone aus Echzell betreuten die Gemeinde in Bisses. Dann wurde Bisses eigenständige Kirchengemeinde. Aber bereits ab dem Jahre 1900 wurde die Gemeinde nur noch im Spezialvikariat verwaltet. 1983 wurden Bisses und Gettenau pfarramtlich verbunden. Seit 2007 werden die evangelischen Kirchengemeinden in Echzell und Bisses wieder von einem gemeinsamen Pfarrer betreut. Bis zu seinem Ruhestand 2014 war dies Pfarrer Heinz Weber.

Evangelische Kirche in Bisses. Im Dachreiter (Glockenturm) befindet sich eine silberne Glocke, die sich auch im Ortswappen wiederfindet.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird ein Jude in Bisses 1575 erwähnt. Auch 1624 lebten Juden hier. Von den jüdischen Einrichtungen im Dorf blieb der Friedhof, der 1886 erweitert wurde, erhalten. Hier war auch im 19. Jahrhundert die Begräbnisstätte für Juden aus Berstadt.[21] Der jüdische Friedhof befindet sich am Ostrand des Dorfes.[22] Außerdem gab es in Bisses eine jüdische Schule und eine Synagoge. Diese wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Echzell verlegt. Im Ersten Weltkrieg dienten neun jüdische Mitbürger als Soldaten, zwei fielen. 21 jüdische Mitbürger aus Bisses wurden in Konzentrationslagern ermordet.[23] Nur eine jüdische Familie konnte rechtzeitig emigrieren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • evangelische Kirche Bisses
  • Jüdischer Friedhof
  • Straßendorf mit giebelständigen Häuserreihen
  • Die ehemaligen Gebäude der Familie von Nagel.[24]
  • Dorfteich

Kreiszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisses gehörte seit 1832 zum Kreis Nidda und kam 1874 nach einer Verwaltungsreform zum Landkreis Büdingen. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen fusionierte der Landkreis Büdingen mit dem Landkreis Friedberg (Hessen) zum Wetteraukreis.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854: 1255 Morgen, davon 990 Äcker, 265 Wiesen[25]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854: 350 Einwohner[26]

Das moderne Bisses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde Bisses in die Gemeinde Echzell eingegliedert.[27] Im Ort gibt es eine Seniorenresidenz. Noch immer hat Bisses seinen Charakter als Straßendorf erhalten, obwohl es seit den 1970er Jahren erhebliche Änderungen im Dorfbild gab.[28]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Bisses
  • Apfelweinverein „Äppelwoifreunde Bisses“
  • Rollerclub Bisses

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Koch, Der Ortsteil Bisses. In: 1200 Jahre Echzell. 782–1982. Ursprung, Epochen und Strukturen einer Dörfergemeinschaft. Echzell 1982. ISBN 3-921142-45-8, S. 345–350.
  • Petra Stöppler, Walter Stoll, Familienbuch der evangelischen Kirchengemeinden Gettenau und Echzell. Gettenau und Bisses 2001. = Deutsche Ortssippenbücher hrsg. von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte. Bd. 639. ISBN 978-3-86424-011-9.
  • Heinrich Wagner, Kunstdenkmäler im Großherzogthum Hessen. Provinz Oberhessen. Kreis Büdingen. Darmstadt 1890. Zu Bisses: S. 23 f.
  • Literatur über Bisses in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bisses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Wagner, Kunstdenkmäler im Großherzogthum Hessen. Provinz Oberhessen. Kreis Büdingen. Darmstadt 1890, S. 24.
  2. Wilhelm Christoph Friedrich Arnold, Ansiedlungen und Wanderungen Deutscher Stämme zumeist nach hessischen Ortsnamen. 1. Theil Marburg 1875, S. 428.
  3. Hugo Koch, Der Ortsteil Bisses, S. 345.
  4. Karl Ludwig Weigand, Oberhessische Ortsnamen. In: Archiv für hessische Geschichte VII, 1853, S. 247–332, S. 326.
  5. Karl Christian August Hoffmann, Ueber Echzell und die Fuldische Mark aus dem Nachlaß des verstorbenen Kirchenraths und ersten Pfarrers zu Echzell Dr. theol. Christian August Hoffmann zu Darmstadt. In: Archiv für Hessische Geschichte VII, 1856, S. 379–425, die Fuldische Mark, S. 394.
  6. Ludwig Baur, Arnsburger Urkundenbuch, Nr. 892, S. 546 f.
  7. Ludwig Baur, Hessische Urkunden. Bd. 1–5. Darmstadt 1860–1873, Bd. I, S. 790, Nr. 1184.
  8. Georg Landau, Beschreibung des Gaues Gaues Wettereiba. Kassel 1855, S. 12 f.
  9. Karl Christian August Hoffmann, Ueber Echzell und die Fuldische Mark aus dem Nachlaß des verstorbenen Kirchenraths und ersten Pfarrers zu Echzell Dr. theol. Christian August Hoffmann zu Darmstadt. In: Archiv für Hessische Geschichte VII, 1856, S. 379–425, die Fuldische Mark, S. 388.
  10. Hugo Koch, Bisses, ‚S. 346.
  11. Georg Wilhelm Justin Wagner, Statisch=topographisch=historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen. Bd. 3 Oberhessen. Darmstadt 1830, S. 30 f.
  12. Hugo Koch, Bisses, S. 346.
  13. Georg W. Wagner, Beschreibung, S. 30 f.
  14. Georg Schäfer, Die Hexe von Bingenheim. Oberhessischer Volksroman aus den Zeiten der Hexenprozesse mit Benutzung der vorhandenen Originaltexten (1652–1660). Lauterbach 1898, darin Verzeichnis des Schultheiß Schöffer, S. 64.
  15. Reiner Isheim, Verzeichnis der Hexenprozesse in der Landgrafschaft Hessen-Bingenheim. In: Echzeller Geschichtshefte 10, 1997, S. 3–17, S. 4 f.
  16. Wilhelm Diehl, Hassia sacra, Bd. X, S. 148.
  17. Hugo Koch, Bisses, S. 347.
  18. Gerhard Kleinfedt, Hans Weirich, Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen und Nassau. = Schriften des Instituts für gesch. Landeskunde. Stück XVI. Marburg 1937, S. 126.
  19. Stephan Alexander Würdtwein, Dioecesis Moguntia in Archidiaconatus distincta. Bd. I-IV. 1767 – 1790. III.
  20. Georg Dehio, Ernst Gall, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Südliches Hessen., S. 78.
  21. Eugen Rieß, Willy Roth. Berstadt. 2 Bde. Rockenberg 2005. ISBN 3-923907-08-7, Bd. 2, S. 71 f.
  22. Bisses. In: Denkmaltopographie Wetteraukreis I, S. 209–214.
  23. Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang – Untergang – Neubeginn. 1971. Bd. I, S. 147 f; Dietrich Lucius, Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Echzell und Bisses. In: 1200 Jahre Echzell. 782–1982. Ursprung, Epochen und Strukturen einer Dörfergemeinschaft. Echzell 1982 S. 208–211.
  24. Heinrich Wagner, Kunstdenkmäler, S. 24.
  25. Philipp Alexander Ferdinand Walther, Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Darmstadt 1854, S. 450.
  26. Philipp Alexander F. Walther, Das Großherzogthum Hessen, S. 450.
  27. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352.
  28. Hugo Koch, Bisses, S. 350.