Biosphärenpark Wienerwald

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Koordinaten: 48° 8′ 28″ N, 16° 4′ 56″ O

Reliefkarte: Niederösterreich
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Biosphärenpark Wienerwald
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Niederösterreich

Der Biosphärenpark Wienerwald ist ein Biosphärenreservat in den österreichischen Bundesländern Wien und Niederösterreich. Der Biosphärenpark befindet sich im gleichnamigen Wienerwald.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willkommenstafel in Pfaffstätten für den Biosphärenpark

Westlich und südwestlich von Wien erstreckt sich der Biosphärenpark nach Süden bis zum Triestingtal und Gölsental. Im Westen wird er durch die Große Tulln begrenzt. Im Norden endet er direkt an der Donau. Im Osten bildet der Bergfuß des Wienerwalds die Grenze zum Wiener Becken. Dadurchliegen alle höhergelegenen Siedlungsräume Wiens und seiner Umgebungsorte im Biosphärenreservat.

Innerhalb des Biosphärenparks liegen 51 Gemeinden in Niederösterreich sowie Teile von sieben Wiener Gemeindebezirken. Gemeinden an den Rändern des Parks sind meist nur teilweise miteinbezogen. Von den 51 Gemeinden haben drei mehr als 20.000 Einwohner. Es sind dies Baden, Klosterneuburg und Mödling. Auf dem weitaus größeren Flächenanteil der einzelnen Gemeinden leben insgesamt etwa 282.000 Einwohner. Durch den Anteil der Wiener Bezirke erhöht sich die Bevölkerung jedoch auf ungefähr 750.000 Einwohner, knapp ein 110 der Bevölkerung Österreichs. Damit ist er das sozioökonomisch weitaus bedeutendste Biosphärenreservat.

Durch das Gebiet führen mehrere zentrale Verkehrsachsen, nämlich die West Autobahn A1 und die Wiener Außenring Autobahn A21 straßenbezogen und die Westbahn und die Südbahn schienenbezogen.

Die Größe beträgt 105.645 Hektar und erstreckt sich über eine Höhe von 160 m ü. A. bis 893 m ü. A. mit dem Schöpfl als höchster Erhebung.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wienerwald war von jeher durch die Nähe der Großstadt Wien einem großen Nutzungsdruck ausgesetzt. Bereits im 19. Jahrhundert war der Wienerwald einerseits zu Beginn der Industrialisierung durch seinen Holzreichtum stark gefährdet, wurde aber andererseits durch Adelshäuser wie das Haus Liechtenstein und politische Initiativen wie jene durch Joseph Schöffel vor weitreichenden Zerstörungen bewahrt. Von der Stadt Wien wurde 1905 das Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel im westlichen und südlichen Stadtgebiet beschlossen.[1]

Ähnliche Bemühungen gab es Ende des 20. Jahrhunderts. So wurde in der Wienerwald-Deklaration 1987 von den beiden Landesregierungen Wien und Niederösterreich ein klares Bekenntnis zum Schutz des Wienerwaldes abgelegt.[1]

Im Jahr 1994 wurde die Wienerwald-Konferenz abgehalten, wo bereits die ersten Schutzmaßnahmen festgelegt wurden, denen sich die meisten Gemeinden freiwillig unterwarfen.

In der Wienerwalddeklaration 2002 wurden die ersten durchgeführten Maßnahmen dargestellt und weitere festgelegt. Außerdem wurde im Auftrag der Länder Wien und Niederösterreich eine Machbarkeitsstudie begonnen, anhand derer festgestellt werden sollte, welche der beiden Schutzmaßnahmen Nationalpark oder Biosphärenpark für den Wienerwald zielführender sei. Mit dem Ergebnis, das aufgrund der vielfältigen Nutzung der Region für den Biosphärenpark und gegen einen Nationalpark sprach, wurde mit den ersten Zoneneinteilungen begonnen.

Im Jahr 2003 wurde das provisorische Biosphärenpark Wienerwald Management beim Verein Niederösterreich-Wien eingesetzt. Dank der intensiven Vorarbeiten wurde der Biosphärenpark im Jahr 2005 von der UNESCO anerkannt. Am 28. November 2006 wurde die Urkunde offiziell überreicht. 2006 wurde von den beiden Ländern die Biosphärenpark Wienerwald Management GmbH errichtet, deren Aufgaben und Finanzierung vertraglich geregelt sind. Es folgten Biosphärenpark-Gesetze in Wien und Niederösterreich.

Zoneneinteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kernzonen, die laut UNESCO einen weiterreichenden Schutz haben, betreffen ausschließlich Waldgebiete und setzen sich aus 37 Teilflächen zusammen, die in Summe eine Fläche von mehr als 5000 Hektar (Anteil an der Gesamtfläche 5 %) ergeben. Die Auswahl und Abgrenzung der Kernzonen erfolgte in Abstimmung mit den Grundeigentümern auf freiwilliger Basis, wodurch eine hohe Akzeptanz der Grundeigentümer erreicht wurde. Der Schutz der Kernzonen erfolgt aufgrund von Verträgen zwischen den Ländern und den Eigentümern sowie durch Erklärung zu Naturschutzgebieten in Niederösterreich und zu Landschaftsschutzgebieten in Wien. In diese Zonen wird auf die forstliche Nutzung verzichtet.[2]
  • Die Pflegezone (Anteil 19 %) umfasst die offene Kulturlandschaft, also Wiesen, Weiden, Äcker und Weingärten, sowie Gewässer. Die Pflegezone prägt das Landschaftsbild des Wienerwaldes und ist in einem hohen Maß für die Lebensraum- und Artenvielfalt verantwortlich. Durch Best Practice Modelle soll hier die nachhaltige, naturverträgliche Landwirtschaft erhalten und weiter entwickelt werden. Außerdem ist in der Pflegezone keine Umwidmung auf Bauland möglich.[2]
  • In den Entwicklungszonen (Anteil 76 %) liegt der Lebens- und Wirtschaftsraum der Bewohner. Aus der Wirtschaftsperspektive soll hier eine nachhaltige, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaft in allen Sparten sowie die Vermarktung nachhaltig produzierter, regionaler Produkte stattfinden. Die Landwirtschaft ist vielfältig – von Obstprodukten über Heu für Pferde, Reitställe und klassischer Viehwirtschaft besteht, ist auch der an der Thermenlinie, aber auch im Norden des Gebietes beheimatete Weinbau zu erwähnen.[2]

Schutzgebiete im Biosphärenpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Teile des Biosphärenparks sind Europaschutzgebiet nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie (GGB/BSG).

Dabei wird der Niederösterreichische Teil der Alpinen biogeographischen Region zugerechnet, der Wiener Teil – aus systematischen Gründen[5] – der Kontinentalen biogeographischen Region.

Alle Flächen der Kernzone sind in Niederösterreich als Naturschutzgebiete deklariert. Außer diesen sind noch der Eichkogel bei Mödling, der Teufelstein und Glaslauterriegel−Heferlberg ausgewiesen (→Liste). In Wien ist der Lainzer Tiergarten Naturschutzgebiet.

Der ganze niederösterreichische Teil des Parks ist auch als Landschaftsschutzgebiet Wienerwald (Nr. 18, 105.000 ha) ausgewiesen.

Auch Naturparks, die teilweise schon länger bestehen, sind im Biosphärenpark angelegt, und zwar:

Daneben sind zahlreiche Naturdenkmäler wie Wasserfälle, Quellen, Felsbildungen, Bäume oder damit verbundene seltene Lebensräume geschützt. Dort dürfen keine Eingriffe oder Veränderungen vorgenommen werden. In Wien existieren auch flächige Naturdenkmäler wie die Himmelswiese bei Kalksburg, wo Eingriffe ebenfalls verboten sind. Weiters gibt es einige Naturwaldreservate. Zu den geschützten Objekten zählen auch manche Höhlen, die aus wissenschaftlichen Gründen oder zum Schutz der Fledermäuse unter Schutz gestellt wurden (Höhlen stehen in Österreich prinzipiell unter Schutz).

Angrenzend liegt im Norden am anderen Donauufer das Europaschutzgebiet Tullnerfelder Donau-Auen (GGB AT1216000/BSG AT1216V00), im Süden das Europaschutzgebiet Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand–Schneeberg–Rax (GGB AT1212A00) und das Landschaftsschutzgebiet Enzesfeld–Lindabrunn–Hernstein (Nr. 18). Von dort zieht sich ein Schutzgebietsnetzwerk am Alpenrand geschlossen bis in die Steiermark und in die zentralen Ostalpen. Auch im Norden ist der Biosphärenpark mit den Donauschutzgebieten an einen wichtigen Korridor angebunden.

Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Biosphärenpark werden die meisten Wälder von größeren Grundeigentümern bewirtschaftet:[6]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den bestehenden Weinbau ist besonders der Wettbewerb "DER WEIN" [9] hervorzuheben, bei dem alljährlich Winzerinnen und Winzer aus dem Biosphärenpark Wienerwald zur Verkostung und Prämierung einreichen können. Um die ökologische Nachhaltigkeit zu betonen, sind nur Weine aus BIO- oder Kontrolliert Integrierter Produktion (KIP) teilnahmeberechtigt, neben der Ergebnissen der Blindverkostung werden für die Prämierung auch weitere Nachhaltigkeitskriterien als Zusatzpunkte bewertet.

Bei der Landwirtschaft wurde im Wienerwald ab 2005 das markenrechtlich geschützte Wienerwald Weiderind entwickelt. Ab 2012 wurden aufgrund der großen Nachfrage das Produktionsgebiet um Gemeinden aus dem Alpenvorland erweitert und in dieser Region zusätzliche Produktionsbetriebe gewonnen. Im Jahr 2013 wurde dieser Gebietserweiterung mit dem neuen Namen "Weiderind Wienerwald-Alpenvorland" auch nach außen hin Rechnung getragen.[10]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Biosphärenpark Wienerwald werden zahlreiche Forschungs- und Umsetzungsprojekte vom Management durchgeführt oder unterstützt. Die Themen sind über alle Lebensbereiche im Wienerwald gestreut.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltung im Norbertinum

Für die Verwaltung des Biosphärenparks Wienerwald wurde eine gemeinnützige GesmbH. von den beiden Bundesländern gegründet, wobei die Generalversammlung von den beiden zuständigen Landesräten gebildet wird. Sie befindet sich gemeinsam mit verschiedenen Schulen im Norbertinum in Tullnerbach.

Der Geschäftsführung sind vier Fachbereiche untergeordnet. Diese sind:

  • Naturraummanagement und Naturschutz
  • Aufbau von Grundlagen und Forschung
  • Kommunikation und Bildung
  • Regionalmanagement und Kooperationen mit Partnern

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2007 bis 2010 war der Biosphärenpark Schwerpunktregion des Klimabündnisses Niederösterreich mit seinen Mitgliedsgemeinden.[11]

Zweimal jährlich erscheint die kostenlose Zeitung Das Blatt, das über die Aktivitäten im Biosphärenpark informiert.

Im Herbst 2015 findet das temporäre Ausstellungsprojekt MISSION W statt, in dem Künstler die Biosphäre Wienerwald zum Gegenstand ihrer künstlerischen Auseinandersetzung machen.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Biosphärenpark Wienerwald Management GmbH: Tätigkeitsberichte. Purkersdorf, 2009 ff.

Rechtsquellen:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biosphärenpark Wienerwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Utl.: PGO-Fachenquete "Zukunft Wienerwald" – Wienerwalddeklaration 2002" in der Rathauskorrespondenz vom 14. Oktober 2002 abgerufen am 2. Juni 2010
  2. a b c Zonierung im Biosphärenpark Wienerwald. Webseite des Biosphärenparks
  3. LGBl. 5500/6-2, 6. Novelle NÖ Naturschutzgesetz 2000.
    AT1302000 Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten, Natura 2000 – Standard Data Form, natura2000.eea.europa.eu;
    Land Niederösterreich (Hrsg.): Managementplan Europaschutzgebiete „Wienerwald–Thermenregion“. Mai 2007 (pdf [abgerufen am 18. Juni 2010]).
  4. Verordnung der Wiener Landesregierung betreffend die Erklärung des Nationalparks Donau-Auen, des Naturschutzgebietes Lainzer Tiergarten, des Landschaftsschutzgebietes Liesing (Teile A, B, C) und von Teilen des Bisamberges zu Europaschutzgebieten (Europaschutzgebietsverordnung). LGBl. für Wien Nr. 38/2007 (i.d.g.F. online, wien.gv.at);
    zu den genannten Verordnungen siehe Gebietsschutz auf Basis des Wiener Naturschutzgesetzes und des Wiener Nationalparkgesetzes – Wichtige Verordnungen, wien.gv.at
  5. Die Grenzen der Biogeographischen Regionen der Europäischen Union folgen teils nur den politischen Grenzen, hier den Landesgrenzen. Beim EU-Beitritt Österreichs waren keine neuen Regionen für den Alpenraum notwendig, die Pannonische biogeographische Region wurde erst mit den Beitritt Ungarns und der Nachbarländer eingeführt, sodass das Vorland im Osten bis zur Staatsgrenze kontinental ausgewiesen ist.
  6. Große Forstbetriebe im Biosphärenpark (PDF; 863 kB) auf der Seite der Österreichischen Akademie der Wissenschaften abgerufen am 2. Juni 2010
  7. Wälder und Landwirtschaft. In: wien.gv.at. Stadt Wien, abgerufen am 31. August 2017.
  8. Guts und Forstbetrieb Wilfersdorf (Memento vom 23. September 2010 im Internet Archive) abgerufen am 2. Juni 2010
  9. [1]
  10. [2]
  11. Klimabündnis Wienerwald abgerufen am 2. Juni 2010
  12. http://www.mission-w.net/#info