Großes Walsertal

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Großes Walsertal
Blick südwestwärts vom Fuße der Blasenka über den Seewaldsee, dem einzigen See des Tals, seltsam am Grat liegend, und das untere Großwalsertal

Blick südwestwärts vom Fuße der Blasenka über den Seewaldsee, dem einzigen See des Tals, seltsam am Grat liegend, und das untere Großwalsertal

Lage Vorarlberg, Österreich
Gebirge Nördliche Kalkalpen
Geographische Lage 47° 14′ 29″ N, 9° 56′ 22″ O47.2413888888899.9394444444444Koordinaten: 47° 14′ 29″ N, 9° 56′ 22″ O
Großes Walsertal (Vorarlberg)
Großes Walsertal
Typ Kerbtal
Länge 25 km
Gewässer Lutz
Das Große Walsertal im mittleren Abschnitt mit den Ortschaften Sonntag und Fontanella vom Hohen Fraßen aus gesehen, Blick nordwärts auf Glatthornstock und Blasenka.

Das Große Walsertal befindet sich im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Es ist ein Seitental des Walgaues und erstreckt sich von diesem in nördlicher Richtung zum gebirgigen Zentrum des Landes. Der Talabschluss grenzt an den Bregenzerwald.

Der Name des Tales kommt von den Walsern, die im 13. Jahrhundert aus dem Wallis hierher zogen.

Geographie[Bearbeiten]

Lage und Landschaft[Bearbeiten]

Das Große Walsertal befindet sich in den nördlichen Kalkalpen zwischen den Untergruppen des Bregenzerwaldgebirges (im Norden) und des Lechquellengebirges (im Süden und Osten).

Das etwa 25 km lange alpine Kerbtal – vom Volksmund auch als „durchtobeltes Tobel mit vielen Tobeln“ charakterisiert – wird vom Lutz-Bach durchflossen. Besonders der Norden, der noch zur Flyschzone gehört, zeigt die typischen kleinförmig-rundkuppigen Taltröge und Nebentälchen.

Gemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinden liegen fast alle auf dem Sonnhang, der Nordseite des Tals. Vom Talbeginn her sind dies:

Südlich der Lutz liegt:

Nachbarregionen[Bearbeiten]

(Die umliegenden Gebirgsgruppen sind kursiv gesetzt)
Laternsertal
Walserkamm
Hinterer Bregenzerwald
Zitterklapfen-Gruppe
Nachbargemeinden Tannbergregion

Lechquellen-Gebirge · Arlberg
Walgau Lechquellen-Gebirge
Bludenzer Becken
Lechquellen-Gebirge
Klostertal

Verkehr[Bearbeiten]

In westlicher Hanglage führt auch die gut ausgebaute Faschina Straße (früher Bundesstraße 193, jetzt L 193) durch das Tal. Beim Faschinajoch in 1485 Meter Seehöhe verlässt sie das Tal und führt über Damüls nach Au in den Bregenzerwald hinunter.

Über den Schadonapass am Talschluss (Biberacher Hütte) führt nur ein Wanderweg in den Hinterwald bei Rehmen (Gemeinde Au).

Geschichte[Bearbeiten]

Karte Vorarlbergs (von 1783); mitte unten grün, rot und blau Hft. S. Gerold, Damüls und Blumeneck

Das Große Walsertal wurde im 14. Jahrhundert von den Walsern besiedelt. Diese wanderten aus dem Gebiet des heutigen Schweizer Kanton Wallis aus und besiedelten auch Regionen im heutigen Kanton Graubünden sowie im Fürstentum Liechtenstein und im heutigen Bundesland Vorarlberg (Laternsertal, Kleinwalsertal).

Die Habsburger regierten ab dem 15. Jahrhundert Vorarlberg und damit auch die Orte im Großwalsertal, wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus, von Innsbruck aus auch noch nach 1867, als Vorarlberg Kronland wurde. Die Gemeinden des Großwalsertal waren vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert auf verschiedene Herrschaften verteilt, Raggal und Sonntag gehörten zur Herrschaft Blumenegg (Sitz bei Thüringen), Sankt Gerold, Blons und der Thüringerberg, seinerzeit noch keine Gemeinde, bildeten die zeitweise verliehene Herrschaft Sankt Gerold, und Fontanella gehörte zur Herrschaft Damüls.

Von 1805 bis 1814 gehörte das Großwalsertal zum Königreich Bayern, ab 1814 dann wieder zu Österreich. Mit der Neuordnung der Vorarlberger Gerichtssprengel im Jahre 1806 wurde das ganze Großwalsertal dem neu installierten Landgericht Sonnenberg mit Sitz in Bludenz unterstellt,[1] aus dem sich der heutige politische Bezirk entwickelt hat. Dabei wurde die aufgelöste Herrschaft Damüls vollständig halbiert, sodass zum Großwalsertaler Gemeindegebiet Fontanella auch die ganze Südseite des oberen Damülsertales hinter dem Faschinajoch – landschaftlich Bregenzerwald – gehört.

Das Großwalsertal war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Heute wohnen im Großen Walsertal ca. 3500 Menschen.

Biosphärenpark Großes Walsertal[Bearbeiten]

Die Gemeinden des Großen Walsertals haben sich zum Biosphärenpark Großes Walsertal zusammengeschlossen, Vorarlbergs erstem Naturpark, der ein von der UNESCO ausgezeichnetes Biosphärenreservat darstellt. Auch innerhalb des Biosphärenprogramms der UNESCO, Man and Biosphere (MAB), stellt ein Biosphärenpark auf kommunaler Basis eine weltweite Besonderheit dar, entspricht aber genau dem Konzept einer örtlichen Akzeptanzbasis und der engen Verflechtung von Siedlungs- und Naturraum als Gesamtheit: Rechtsträger des Biosphärenpark ist der Verein Regionalplanungsgemeinschaft Großes Walsertal (REGIO), in dem Land, Bezirk und Gemeinden vertreten sind.[2]

Die Akzeptanz in der Bevölkerung, wie sie die UNESCO im Kontext der Lokalen Agenda 21 für Biosphärenparks fordert, ist ausgezeichnet.[3] Das Projekt konnte auch zahlreiche Auszeichnungen erzielen, so den Hauptpreis beim Europäischen Dorferneuerungspreis 2002, den EDEN-Award (European Destinations of Excellence) 2009 und den European Energy Award in Silber 2010.[4]

Kultur[Bearbeiten]

Seit 2004 findet im Zweijahresrhythmus das Kulturfestival Walserherbst statt. Drei Wochen lang ermöglicht das Festival mitten im Großen Walsertal Begegnungen mit zeitgenössischem Kunst- und Kulturschaffen. Das dichte Programm umfasst Literatur, Film, Musik, Theater, Ausstellungen und Workshops.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großes Walsertal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferry Orschulik (Webgestaltung): Herrschaften im Walgau. Bild 29. In: Schulmediencenter Vorarlberg: Bildreihen → Walgau. S. Weiterführende Information, abgerufen am 7. Juli 2011 (Startseite Schulmediencenter ).
  2. Organisation, walsertal.at
  3. Peter Alexander Rumpolt (Institut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien): Das Selbstbild im Biosphärenpark Großes Walsertal. In: alpine space - man & environment, Vol. 10: Der Biosphärenpark als regionales Leitinstrument, innsbruck university press, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-902719-20-1 (pdf, uibk.ac.at).
  4. Auszeichnungen, walsertal.at