Biuro Szyfrów

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Das Sächsische Palais (poln. Pałac Saski) in Warschau war Sitz des Biuro Szyfrów

Das Biuro Szyfrów (BS) (['bjurɔ 'ʃɨfruf], anhören?/i, deutsch: „Chiffrier-Büro“) war eine Abteilung des polnischen Geheimdienstes zur Entzifferung des geheimen ausländischen Nachrichtenverkehrs. Ihm gelang im Jahr 1920 während des Polnisch-Sowjetischen Krieges die Entzifferung des russischen und des deutschen Funkverkehrs. Im Jahr 1932 wurden vom Biuro Szyfrów zum ersten Mal Funksprüche der deutschen Reichswehr gebrochen, die mit der Rotor-Schlüsselmaschine ENIGMA verschlüsselt waren. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, am 24. und 25. Juli 1939,[1] wurden die gesamten Erkenntnisse über die ENIGMA bei einem geheimen Treffen im Wald von Pyry, etwa 30 km südöstlich von Warschau, von den polnischen Codeknackern an den britischen und französischen Geheimdienst übergeben[2].

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Beim legendären Treffen in Pyry übergaben die polnischen Kryptoanalytiker um Marian Rejewski den verblüfften Briten und Franzosen auch Nachbauten der deutschen ENIGMA

Nach dem Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 sollte das Biuro Szyfrów in das damals polnische Brest evakuiert werden. Dieser Plan scheiterte jedoch durch den Angriff der Sowjetunion am 17. September 1939 und der folgenden sowjetischen Besetzung Ostpolens. Somit entstand der neue Plan, nach Frankreich zu evakuieren. Mit Hilfe der französischen Botschaft gelangten die meisten Mitarbeiter des Biuro Szyfrów nach Paris und setzten ihre Arbeit dort unter dem Namen Ekipa Z fort. Mitarbeiter des Biuro Szyfrów waren Marian Rejewski, Jerzy Różycki und Henryk Zygalski.

Nachdem im Jahr 1940 auch Frankreich von deutschen Truppen besetzt worden war, evakuierte das Personal des Biuro Szyfrów erst nach Afrika und von dort aus nach Großbritannien, wo es in der Nähe von London als Sekcja kryptologiczna batalionu radiowego Sztabu Naczelnego Wodza (deutsch: „Kryptologische Sektion des Funkbataillons des Stabs des Oberbefehlshabers“) der Polnischen Exilregierung weiterarbeitete.

Währenddessen befassten sich britische Kryptoanalytiker im englischen Bletchley Park, etwa 70 km nordwestlich von London, auf der Basis der polnischen Vorkriegserkenntnisse, die sie nutzen und weiter ausbauen konnten, unter dem Codenamen Ultra erfolgreich mit der Entzifferung deutscher ENIGMA-Funksprüche. Nach dem Krieg bekannte einer von ihnen, Gordon Welchman, dass „Ultra would never have gotten off the ground if we had not learned from the Poles, in the nick of time, the details both of the German military's […] Enigma machine, and of the operating procedures that were in use“ (deutsch: „Ultra hätte niemals Fahrt aufnehmen können, wenn wir nicht von den Polen in der Kürze der Zeit sowohl die Einzelheiten der Enigma-Maschine der deutschen Wehrmacht als auch die Verfahrensvorschriften gelernt hätten“).[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biuro Szyfrów – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Kahn: Seizing the Enigma – The Race to Break the German U-Boat Codes, 1939 –1943. Naval Institute Press, Annapolis, MD, USA, 2012, S. 92f. ISBN 978-1-59114-807-4
  2. David Kahn: Seizing the Enigma Barnes & Noble, New York 2001, ISBN 0-7607-0863-0. S. 79-80
  3. Gordon Welchman: The Hut Six Story – Breaking the Enigma Codes. Allen Lane, London 1982; Cleobury Mortimer M&M, Baldwin Shropshire 2000, S. 289. ISBN 0-947712-34-8