Sowjetische Besetzung Ostpolens

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Sowjetische Besetzung Ostpolens
Parade der Roten Armee in Lemberg (Lwow) 1939
Parade der Roten Armee in Lemberg (Lwow) 1939
Datum 17. September 1939 bis Juni 1941
Ort Polen, Litauen, Sowjetunion: Weißrussland, Ukraine
Casus Belli Hitler-Stalin-Pakt
Ausgang Eroberung durch deutsche Truppen im Deutsch-Sowjetischen Krieg
Folgen Eingliederung Ostpolens in die Sowjetunion und Rückgabe des Wilna-Gebietes an Litauen
Konfliktparteien
Polen 1944Polen
Polen
Sowjetunion 1923Sowjetunion
Sowjetunion
Befehlshaber
Edward Rydz-Śmigły Michail Kowaljow (Weißrussische Front),
Semjon Timoschenko (Ukrainische Front)
Truppenstärke
20.000 Soldaten des Grenzschutzkorps der polnischen Armee 620.000–800.000 Soldaten
4.700 Panzer
3.300 Flugzeuge
Verluste
3.000 – 7.000 Tote und Vermisste
20.000 Verwundete
230.000 – 452.500 Kriegsgefangene[1]
3.000 Tote
10.000 Verwundete[2]

Die sowjetische Besetzung Ostpolens, der Kresy, begann mit dem Angriff der Roten Armee am 17. September 1939 um 3:00 Uhr, dem keine Kriegserklärung vorausgegangen war. Kämpfe und militärische Besetzung endeten am 6. Oktober 1941. Mit dem Vormarsch deutscher Truppen im Deutsch-Sowjetischen Krieg im Juni 1941 wurde die Kresy wieder zum Kriegsgebiet. Großbritannien und Frankreich hatten für den Fall eines Angriffs einer europäischen Macht eine Garantie für die Unabhängigkeit Polens abgegeben. In einem geheimen Zusatzprotokoll war diese Garantie allerdings auf den Angriff des Deutschen Reiches beschränkt worden.

Dem sowjetischen Angriff war am 1. September 1939 der Überfall der deutschen Wehrmacht vorausgegangen. Im geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 war eine Demarkationslinie vereinbart worden, die die jeweiligen Interessengebiete trennte. Im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 wurde die Demarkationslinie etwas verändert, um eine klarere ethnische Aufteilung der Gebiete zu erreichen.

Josef Stalin erklärte, der Einmarsch sowjetischer Truppen diene dem Schutz der dort lebenden Ukrainer und Weißrussen vor dem deutschen Einmarsch. Die Sowjetunion gewann ein Gebiet von 200.000 km². Es umfasste 52,1 Prozent des gesamten polnischen Staates.[3] Polen und Ukrainer waren größere, Weißrussen und Juden kleinere Ethnien, die dort lebten. Außerdem lebten Russen, Tataren, Armenier, Deutsche, Tschechen und andere dort. Insgesamt waren es 13,2 Millionen Menschen.

In der Besatzungszeit wurden Teile des besetzten Territoriums in die weißrussische und die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik eingegliedert. Von 1939 bis 1941 wurde der Großgrundbesitz enteignet, die Landwirtschaft kollektiviert und Land an Bauern verteilt. Industrie, Handel und Banken wurden verstaatlicht, die Währung auf Rubel umgestellt und das sowjetische Rechts- und Wirtschaftssystem eingeführt. Dadurch wurde die Besetzung auch zu einer gesellschaftlichen Umwälzung.[4]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Curzonlinie und polnische Landgewinne durch Krieg und Verträge 1919–1922

Polens Revisionismus nach 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg waren das Russische Reich und die Österreichisch-Ungarische Monarchie zerschlagen worden. Die Staaten im Osten und Südosten Europas versuchten, das entstandene Machtvakuum für ihre jeweiligen Interessen und Neuformierungen auszunutzen. Der neu geschaffenen Staat Polen akzeptierte seine Ostgrenze nicht, die vom Obersten Rat der Alliierten Mächte (Großbritannien, Frankreich, Italien) in einer Deklaration am 8. Dezember 1919 provisorisch festgelegt worden war, während der Versailler Vertrag sie noch unbestimmt gelassen hatte. Sie wurde später allgemein als Curzon-Linie bekannt. Es nutzte die Schwäche des in den Russischen Bürgerkrieg verwickelten Sowjetrussland und griff es an, um im Osten Gebiete zu erobern, die zu Zeiten der Adelsrepublik Polen unter polnischer Herrschaft gestanden hatten. Es entwickelte sich der Polnisch-Sowjetische Krieg. Im Frieden von Riga von 1921 musste Sowjetrussland auf die Westukraine und West-Weißrussland verzichten. Sie wurden als „Östliche Grenzmarken“ (Kresy Wschodnie) ein Teil des polnischen Staatsgebietes, obwohl die polnische Bevölkerungsgruppe dort nur eine Minderheit darstellte. „Ostpolen“, im Mittelalter russisches Territorium und Teil der Kiewer Rus, durch die erste polnische Teilung im Jahr 1772 von Katharina II. gewonnen, bereits Zankapfel im Zeitalter von Alexander I., war wiederum polnisch geworden. Im nächsten Jahr, am 24. März 1922, annektierte Polen das besetzte Gebiet um die heutige litauische Hauptstadt Vilnius, das als Mittellitauen angeblich eine souveräne staatliche Existenz geführt hatte.[5]

In den Jahren nach 1930 verfolgte der sowjetische Außenminister Maxim Litwinow die Politik, die Sowjetunion in ein enges Netz von Verträgen mit west- und osteuropäischen Staaten einzubinden. Auch zwischen Polen und der Sowjetunion entwickelte sich eine Politik der Entspannung und des Interessenausgleichs, so dass am 9. Februar 1929 das Litwinow-Protokoll und am 23. Januar 1932 der polnisch-sowjetische Nichtangriffspakt unterzeichnet werden konnten. In dessen Zusatzbestimmung vom Juni 1932 verpflichtete sich die UdSSR, keine gegen Polen gerichteten Bündnisse mit Deutschland einzugehen.

Sowjetisches Ziel des Paktes mit Hitler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Wjatscheslaw Molotow verfolgte die sowjetische Außenpolitik eine erneute Annäherung an das Deutsche Reich, die in dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes, des sogenannten Hitler-Stalin-Pakts, am 23. August 1939 gipfelte. In einem geheimen Zusatzprotokoll beschlossen die Vertragspartner die Aufteilung Nordost- und Südosteuropas in Interessensphären. Polen sollte entlang einer Demarkationslinie aufgeteilt werden, deren Verlauf in groben Zügen der Curzon-Linie entsprach. Die im Friedensvertrag von Riga von der Sowjetunion an Polen abgetretenen Gebiete sollten wieder sowjetisch werden.
Welche übergeordneten Ziele die Sowjetunion mit dem Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts verfolgte, ist in der Forschung bis heute umstritten. Die Historikerin Ingeborg Fleischhauer sieht darin eine eher defensive Realpolitik, zu der Stalin angesichts der Isolation, in die sein Land seit dem Münchner Abkommen 1938 geraten war, kaum eine realistische Alternative gehabt habe.[6] Andere Forscher vermuten hinter der sowjetischen Teilnahme an der vierten Teilung Polens die ideologisch geprägte Absicht, einen weiteren Weltkrieg zwischen den imperialistischen Mächten zu provozieren. Das Ergebnis eines solchen Krieges wäre, so hatte Lenin es 1916 in seiner Schrift Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus vorhergesagt, die Weltrevolution.[7]

Militärische Operationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetische Angriffsvorbereitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende August 1939 begann der Generalstabschef der Roten Armee, Boris Schaposchnikow, einen sowjetischen Angriffsplan auszuarbeiten. Am 30. August, nach der polnischen Generalmobilmachung, gab die sowjetische Nachrichtenagentur TASS den Plan bekannt, den zahlenmäßigen Bestand der Garnisonen an den westlichen Grenzen der UdSSR erheblich zu verstärken. Nach dem Angriff der Wehrmacht am 1. September 1939 begannen die sowjetischen Streitkräfte, den Einmarsch praktisch vorzubereiten. Am 3. September befahl Volkskommissar Kliment Woroschilow den Truppen in Weißrussland und der Ukraine, sich in Kampfbereitschaft zu halten. Am 6. September wurde in der Sowjetunion die Generalmobilmachung ausgerufen; vom 8. bis 13. September wurden sodann die sowjetischen Truppen an die Grenze verlegt und in zwei Hauptangriffsgruppen (Fronten) gruppiert.

Armee/Front[8] Soldaten Artillerie Panzer
3. Armee 121.968 752 743
11. Armee 90.000* 520* 265
Mechanisierte Kavalleriegruppe 65.595 1.234 834
10. Armee 42.135 330 28
4. Armee 40.365 184 508
Selbstständiges 23. Schützenkorps 18.547 147 28
Weißrussische Front 378.610 3.167 2.406
5. Armee 80.844 635 522
6. Armee 80.834 630 675
12. Armee 77.300 527 1.133
Ukrainische Front 238.978 1.792 2.330
Alle Zusammen 617.588 4.959 4.736

*) geschätzte Zahlen

Militärische Besetzung durch die Rote Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Überfall auf Polen hatte am 1. September 1939 begonnen. Am 3. September folgten die Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens an Deutschland. Der deutsche Außenminister Ribbentrop forderte die sowjetische Regierung am selben Tag auf, die Rote Armee gegen Polen in Bewegung zu setzen, um deutsche Truppen bald an die entblößte Westgrenze verlegen zu können. Die sowjetischen Truppen sollten das ihr im Geheimprotokoll zugesicherte Gebiet besetzen. Die deutsche Regierung drängte die Sowjetunion mehrfach zum Eingreifen. Am 15. September 1939 konnte in Moskau ein Neutralitätspakt mit Japan unterzeichnet werden, der die Kämpfe im Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt beendete. Damit bekam die Sowjetunion freie Hand im Westen. Sie begann den Einmarsch aber erst nach der deutschen Meldung vom unmittelbar bevorstehenden Fall Warschaus am 15. September. Dahinter steckte die Überlegung, erst zu intervenieren, wenn der Einmarsch keinen militärischen Charakter mehr tragen würde. Aus Rücksicht auf die öffentliche Meinung im In- und Ausland sollte er zuerst mit dem „Schutz der weißrussischen und ukrainischen Bevölkerung vor den deutschen Eroberern“ gerechtfertigt werden. Nach einem Protest des deutschen Botschafters dagegen wurde er allgemein damit begründet, dass die Rote Armee somit die „ostslawischen Brüdervölker“ schützen müsse, da jede staatliche Ordnung in Polen infolge des Krieges zu bestehen aufgehört habe. Schließlich kündigte Außenminister Molotow dem polnischen Botschafter in Moskau Wacław Grzybowski gegenüber alle Verträge im Zusammenhang mit dem Auseinanderbrechen des polnischen Staates auf.

Am 17. September überschritten sowjetische Truppen die polnische Ostgrenze.

Geheimes Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt
Sowjetischer Aufruf an polnische Soldaten vom 17. September 1939, in dem die Schuld am Krieg der polnischen Regierung zugeschoben wird
Europa nach dem 28. September 1939
Siegesparade, Heinz Guderian und Semjon Kriwoschein in Brest-Litowsk, 22. September 1939
Polnische Kriegsgefangene der Roten Armee

Die Truppen der Roten Armee waren in zwei Fronten gegliedert, die über 25 Schützendivisionen, 16 Kavalleriedivisionen und 12 Tank-Brigaden verfügten. Die Gesamtstärke belief sich auf 466.516 Mann,[9] 3.739 Panzer, 380 Panzerwagen und etwa 2.000 Kampfflugzeuge.[10]

  • Hauptangriffsrichtungen der Weißrussischen Front:

WilnaBaranowiczeWołkowyskGrodnoSuwałkiBrest-Litowsk, wobei Wilna, Grodno und Brest zwischen dem 20. und 22. September und Suwałki am 24. September erreicht wurden.

  • Hauptangriffsrichtungen der Ukrainischen Front:

DubnoŁuckWladimir WolinskChełmZamośćLublin, TarnopolLembergCzortkówStanislauStryjSambor und Kolomea.

Die Rote Armee erreichte Lemberg am 19. September, Lublin am 28. September. Insgesamt waren die Einheiten der Ukrainischen Front bis Anfang Oktober in verschiedene Kampfhandlungen verwickelt.

Am 22. September 1939 nahmen General der Panzertruppe Heinz Guderian und Brigadekommandeur Semjon Kriwoschein die erste gemeinsame deutsch-sowjetische Militärparade in Polen ab, tauschten feierlich Hakenkreuz gegen Rote Fahne, verwundete, von sowjetischen Ärzten versorgte versprengte Soldaten der Wehrmacht wurden übergeben. Während der Parade an der Demarkationslinie in der Stadt Brest-Litowsk, die zwischen den zwei verbündeten Aggressoren geteilt wurde, gratulierte Kriwoschein im Namen der sowjetischen Führung den Deutschen zu ihren Kriegserfolgen und erklärte, die Deutschen nach ihrem bevorstehenden Sieg über Großbritannien in Moskau begrüßen zu wollen.

Das hohe Tempo der sowjetischen Vorstöße hatte mehrere Gründe: Zum einen waren das die Kriegserfolge der Wehrmacht im Westen Polens, aber auch die Tatsache, dass der sowjetische Angriff völlig überraschend kam und somit die polnische Armee weder richtig aufgestellt war, um einen Angriff aus dem Osten abzuwehren, noch klare Kampfbefehle gegen die Rote Armee hatte. Der Marschall Edward Rydz-Śmigły gab am 17. September 1939 nur einen Befehl aus:

„[…] allgemeiner Rückzug nach Rumänien und Ungarn. […] Mit Bolschewiken nicht kämpfen, es sei denn, beim Entwaffnungsversuch oder Angriff ihrerseits.“

Darüber hinaus gab es auch rein militärische Gründe: Beide Aggressoren waren sowohl zahlenmäßig als auch hinsichtlich ihrer Ausstattung mit modernen Waffen wie Panzern und Kampfflugzeugen den polnischen Truppen weit überlegen. Die polnische Armee war einem Zweifrontenkrieg schlicht nicht gewachsen.

Am 22. September 1939 einigten Deutschland und die Sowjetunion sich darauf, ihre Truppen hinter einer Demarkationslinie aufzustellen, die durch die Flüsse Pisa, Narew, Weichsel und San gebildet wurde. Sie entsprach ungefähr der Curzon-Linie von 1919, deren Verlauf teils durch historische, teils durch ethnische Gesichtspunkte bestimmt worden war.

Militärverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Reaktion auf den Einmarsch deklarierte die Polnische Exilregierung am 18. Dezember 1939 den Kriegszustand mit der Sowjetunion. Die Besatzungszeit dauerte bis zum Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 an.

Wie im Völkerrecht für besetzte Länder vorgesehen richteten die beiden sowjetischen Armeen Besatzungsbehörden ein, die die oberste zivile und politische Gewalt innehatten. Ab dem 3. Oktober 1939 wurden in Städten und größeren Orten Militärkommandanturen eingerichtet. Sie stellten nach einigen Wochen von Plünderungen und Morden, ausgeübt von ortsansässigen Weißrussen und Ukrainern, von Soldaten der Roten Armee und von Funktionären des NKWD, die Ordnung wieder her. Dass außerdem die Woiwodschaften, die staatlichen polnischen Verwaltungen und Selbstverwaltungsorgane aufgelöst und durch Bezirksverwaltungen nach sowjetischem Muster ersetzt wurden, widersprach allerdings dem Völkerrecht.[11] Bereits am 1. Oktober 1939 hatte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei befohlen, Volksversammlungen über die staatliche Zugehörigkeit abzuhalten. Am 22. Oktober 1939 fanden die Wahlen zur Volksversammlung der Westukraine statt. Nach offiziellen Angaben nahmen 4.433.000 (92,83 %) Wähler an der Wahl teil und 90,93 % hätten für die „Kandidaten des Blocks von Arbeitern, Bauern und der Intelligenz“ gestimmt.[12] Die Volksversammlung begann ihre Arbeit am 26. Oktober und bereits am 27. Oktober 1939 verkündete sie die „Deklaration über das Eintreten der Westukraine in die UdSSR.“

Eingegliedert in Ukrainische und Weißrussische SSR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsgefangene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sowjetunion nahm mehr als 240.000 polnische Soldaten gefangen. Etwa 42.400 einfache Soldaten und Unteroffiziere wurden innerhalb der ersten drei Wochen wieder entlassen, weitere 43.000 der deutschen Wehrmacht überstellt, weil ihr Wohnort im Westteil Polens lag, der vom Deutschen Reich im Polenfeldzug erobert worden war.[13]

Hauptartikel: Massaker von Katyn

Im April 1940 wurden 22.000 bis 25.000 Berufs- und Reserveoffiziere, Polizisten und andere Staatsbürger Polens erschossen. Die Familienmitglieder der erschossenen Offiziere und Polizisten wurden nach Kasachstan deportiert und dort der Leichtindustrie oder metallerzeugenden Unternehmen als Arbeitskräfte zugewiesen.[14]

Kriegsverbrechen und Verbrechen an der Zivilbevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Eroberung des ostpolnischen Gebietes hat sich die Rote Armee zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Der Historiker Andrzej Friszke beziffert die Opfer auf 2500 ermordete Kriegsgefangene (Soldaten und Polizisten) und mehrere Hundert Zivilisten. Gleichzeitig rief die sowjetische Militärführung die ukrainische und weißrussische Zivilbevölkerung zu Mord und Gewalt an Polen auf.[15] Die am meisten bekannt gewordenen Verbrechen fanden in Katyn, Rohatyn, Grodno,[16] Nowogródek, Sarny, Tarnopol, Wołkowysk, Oszmiana, Świsłocz, Mołodeczno und Kosów Poleski statt.[17][18][19]

Zusammenarbeit mit den Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den an die Sowjetunion gefallenen polnischen Gebieten lebten 1939 ca. 13 Millionen Menschen. Davon waren knapp 40 Prozent Polen und 8,3 Prozent Juden. Die übrigen sieben Millionen Menschen (52 Prozent) waren mehrheitlich Ukrainer und Weißrussen, aber auch Lemken, Bojken, Huzulen, Poleschuken, Russen, Litauer, Tschechen, Deutsche und weitere ethnische Minderheiten.[20] Mehrheitlich polnisch – mit einem hohen Anteil an jüdischer Bevölkerung – waren die meisten Städte, wie Białystok, Wilna, Lemberg.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen folgte eine weitere deutsch-sowjetische Zusammenarbeit. Außenpolitisch unterstützte die Sowjetunion die Friedensbemühungen Hitlers, die dieser nach Ende des Polenfeldzuges anstrengte. Stalin betonte, dass Frankreich und England die eigentlichen Aggressoren seien, weil sie eine Fortsetzung des Krieges wollten.[21] Molotow wies darauf hin, dass die Deutschen sich um Friedensverhandlungen bemüht hätten, was aber von den „englisch-französischen Imperialisten“ zurückgewiesen worden sei.[22]

Massenverhaftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massenverhaftungen gehörten zu den ersten Repressionen, die nach dem sowjetischen Einmarsch gegen die „Klassenfeinde- und Volksfeinde“ eingesetzt wurden. Im Zeitraum von 1939 bis 1941 wurden in Ostpolen insgesamt etwa 110.000 Personen verhaftet. Das Schicksal der Häftlinge verlief unterschiedlich und ist teils nicht vollständig bekannt. Die bekannten Opfer sind z. B. ca. 40.000 Personen, die in das Arbeitslager in Workuta verschleppt wurden, eine andere Gruppe, ca. 7300 Zivilisten, wurde nach ein paar Monaten in Gefängnissen in Weißrussland und der Ukraine, im Frühling 1940 in Bykiwnja (bei Kiew) und in Kurapaty (bei Minsk) ermordet. Weitere ca. 10.000 wurden im Sommer 1941 bei der Evakuierung der Gefängnisse ermordet.

Deportationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnmal in Warschau (2015)

Dem Historiker Aleksandr Gurjanow zufolge wurden etwa 108.000 Menschen aus Ostpolen in die Lager des Gulags sowie 32.000 Menschen nach Russland (Fernosten) oder Kasachstan verschleppt.[23][24] Nach Schätzung der polnischen Exilregierung gab es während der sowjetischen Besetzung polnischer Gebiete 1940–1941 vier große Deportationswellen, denen über 600.000 Menschen zum Opfer fielen. Am härtesten traf die sowjetische Terrorpolitik die Polen.[25]

Ein Teil der deportierten Polen wurde bis April 1944 wieder freigelassen und kehrte in die Ukraine zurück.

Nach Ansicht des deutschen Historikers Arno Lustiger waren von 1939–1941 im Osten Polens, das unter sowjetischer Besatzung stand, ungefähr 500.000 Menschen Repressalien unterworfen, was mehr gewesen wären als zur selben Zeit im von deutschen Truppen besetzten Westpolen.[26] Ungefähr 50 % der Verfolgten waren Polen, 30 % Juden, 20 % Ukrainer und Weißrussen.[27] Nach Michail Semiraga betrug die Sterblichkeit der Verschleppten 16 %. Während dieser Kampagne ignorierte der NKWD jegliche rechtliche Normen. Die ersten Deportierten aus der westlichen Ukraine und aus dem westlichen Weißrussland wurden gemäß dem Erlass vom 17. Juli 1937 als „unzuverlässiges Element, das in den verbotenen (grenznahen) Zonen lebt“, ‚umgesiedelt‘. Ebenso wurde die Verordnung des NKWD vom 30. Juli 1937 verwendet, die die Zwangsumsiedlung der „Familienmitglieder der Trotzkisten und Diversanten, die aktiv an der antisowjetischen Aktivität teilnahmen“, vorsah.[28]

Polnische Exilregierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Deutsch-Sowjetischen Krieg sah die Polnische Exilregierung in der Sowjetunion einen Kriegsgegner. Sie forderte die Aufkündigung der sowjetischen Verträge mit Deutschland vom 23. August und 28. September 1939, sowie die Bekräftigung des Friedensvertrages von Riga 1921. Am 30. Juli 1941 kam schließlich mit britischer Hilfe das Sikorski-Maiski-Abkommen zustande. Darin erklärte die Sowjetunion anzuerkennen, dass die deutsch-sowjetischen Verträge „betreffend die territorialen Änderungen in Polen außer Kraft getreten sind“. Auf dem Gebiet der Sowjetunion könne eine polnische Armee gebildet werden.[29]

Ende 1942 stimmte die britische Regierung einer territorialen Entschädigung Polens auf Kosten Deutschlands „für wahrscheinliche Verluste im Osten“ zu. Die polnische Exilregierung sah nun ihre Forderung hinsichtlich der polnisch-sowjetischen Grenzziehung nicht mehr als anerkannt an. Auf der Konferenz von Teheran Ende 1943, bei der sich die Regierungschefs der drei Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion trafen, setzte Stalin die Annexion der früheren polnischen Ostgebiete durch. 1944 eroberte die Rote Armee Ostpolen erneut.[30]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grenzverläufe Polens zwischen 1918 und 1945.
Grüne Linie: von den Westalliierten am 8. Dezember 1919 als Demarkationslinie zwischen Sowjetrussland und der Zweiten Republik Polen verkündete, auf dem ethnographischen Prinzip basierende Curzon-Linie.
Blaue Linie: nach Ende des Ersten Weltkriegs bis 1922 durch Eroberungen Polens unter General Józef Piłsudski (Galizien 1919, Wolynien 1921 und Wilna-Gebiet 1922) jenseits der Curzon-Linie zustande gekommene Grenze, die bis zum 1. September 1939 Bestand hatte.
Braune Linie: deutsch-sowjetische Demarkationslinie vom 28. September 1939.
Rote Linie: heutige Staatsgrenze Polens; links die Oder-Neiße-Linie.
Türkisfarbene Fläche: von Polen nach Ende des Ersten Weltkriegs bis 1922 vorgenommene Gebietserweiterung, die zuvor von der Sowjetunion anerkannt worden war.
Gelbe Fläche: von Stalin als Kompensation für den Verlust der polnischen Gebiete östlich der Curzon-Linie geltend gemachte Ostgebiete des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 („Westverschiebung“).

Die Annexion polnischer Gebiete wurde in der Sowjetunion und wird in Weißrussland bis heute als die „Wiedervereinigung des westlichen Weißrussland mit der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik“ gefeiert, der Einmarsch sowjetischer Truppen heißt offiziell „Befreiungsfeldzug der Roten Armee“. Dieser Ansicht schloss sich bis 1989 auch die offizielle Lehrmeinung in der DDR an: Die sowjetischen Truppen seien nur einmarschiert, um Leben und Freiheit der 1920 unter polnische Herrschaft gefallenen Weißrussen und Ukrainer vor den deutschen Truppen zu schützen, nachdem Polens Widerstand gegen die Wehrmacht zusammengebrochen war. Der vollkommenen Leugnung des Hitler-Stalin-Paktes stand jedoch der auch in sowjetischen und DDR-Geschichtsbüchern sichtbare Umstand entgegen, dass die auf die Städte Białystok, Brest und Lwów vorgerückten deutschen Truppen diese bereits eroberten Gebiete kampf- und konfrontationslos an die Rote Armee übergeben hatten.

Bis heute wird die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges von Polen und Russland unterschiedlich interpretiert. Wegen des sowjetischen Einmarsches 17 Tage nach der Invasion der Wehrmacht im Westen und wegen des Massakers von Katyn wird in Polen die Sowjetunion als Aggressorstaat wahrgenommen. Die russische Staatspropaganda suggerierte hingegen 2009, Polen habe sich mit Deutschland zu einem Angriff auf die Sowjetunion verabredet. Der Präsident Russlands Putin äußerte zwar 2009 noch Kritik am Hitler-Stalin-Pakt, betonte aber gleichzeitig, dass Polen schon 1934 einen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich abgeschlossen und sich nach dem Münchner Abkommen das Olsagebiet der Tschechoslowakei angeeignet hatte.[31] Im Jahr 2014 stellte Putin den Hitler-Stalin Pakt als gut dar, als Wille der Russen, nicht kämpfen zu wollen.[32] Manchmal wird in der russischen Geschichtsschreibung noch die These vertreten, man habe 1939 die sowjetischen Truppen überall als Befreier empfangen. So z. B. stimmt Michail Meltjuchow mit Michail Semirjaga überein, der schrieb, dass „die Ergebnisse der Wahlen [im sowjetbesetzten Polen 1939] zeigten, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dieser Regionen mit der Einführung der sowjetischen Macht und der Vereinigung mit der Sowjetunion übereinstimmte“.[33] – wobei aber völlig ausgeblendet wird, wie Wahlen in der Sowjetunion organisiert und durchgeführt wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sowjetische Besetzung Ostpolens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. I. Mel’tyuhov: Stalin’s lost chance. The Soviet Union and the struggle for Europe 1939–1941. S. 132. (М. И. Мельтюхов: Упущенный шанс Сталина. Советский Союз и борьба за Европу: 1939–1941 (Документы, факты, суждения). — М.: Вече, 2000.)
  2. The Sovietisation of East Poland. In: George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. Routledge, London 2005, ISBN 0-415-33873-5 (online)
  3. Wanda Krystyna Roman: Die sowjetische Okkupation der polnischen Ostgebiete 1939–1941. In: Bernhard Chiari (Hrsg.), Jerzy Kochanowski: Die polnische Heimatarmee: Geschichte und Mythos der Armia Krajowa seit dem Zweiten Weltkrieg. (= Beiträge zur Militärgeschichte. Band 57). München 2003, ISBN 3-486-56715-2, S. 87–110.
  4. Marek Wierzbicki: Soviet Economic Policy in Annexed Eastern Poland 1939–1941. In: Timothy Snyder, Ray Brandon (Hrsg.): Stalin and Europe: Imitation and Domination, 1928–1953. Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0-19-994558-0, S. 114–137.
  5. Kai von Jena: Polnische Ostpolitik nach dem Ersten Weltkrieg. Das Problem der Beziehungen zu Sowjetrußland nach dem Rigaer Frieden von 1921. (= Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 40). DVA Stuttgart 1980, ISBN 3-421-01965-7, S. 34.
  6. Ingeborg Fleischhauer: Die sowjetische Außenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. In: Bernd Wegner (Hrsg.): Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum Unternehmen Barbarossa. Piper Verlag, München/ Zürich 1991, S. 19–39.
  7. Bianka Pietrow-Ennker: Stalinismus – Sicherheit – Offensive. Das Dritte Reich in der Konzeption der sowjetischen Außenpolitik 1933 bis 1941. In: Kasseler Forschungen zur Zeitgeschichte. Band II, Melsungen 1983, S. 127 ff.
  8. Мельтюхов: Советско-польские… Часть третья. Сентябрь 1939 года. Таблица 28. Численность советских войск на 17 сентября 1939 г. S. 299.
  9. G.F. Krivosheev (Hrsg.): Soviet Casulties and Combat Losses in the Twentieth Century. London 1997, ISBN 1-85367-280-7, S. 57.
  10. Steven J. Zaloga, Howard Gerrard: Poland 1939: The Birth of Blitzkrieg. Osprey, Oxford 2002, ISBN 1-84176-408-6, S. 80.
  11. Wanda Krystyna Roman: Die sowjetische Okkupation der polnischen Ostgebiete 1939–1941. In: Bernhard Chiari (Hrsg.), Jerzy Kochanowski: Die polnische Heimatarmee: Geschichte und Mythos der Armia Krajowa seit dem Zweiten Weltkrieg. (= Beiträge zur Militärgeschichte. Band 57). München 2003, ISBN 3-486-56715-2, S. 92ff.
  12. Воссоединение украинского народа в едином Украинском Советском государстве, Сборник документов и материалов. — К., 1949.
  13. Natalia Sergeevna Lebedeva: The Deportation of the Polish Population to the USSR, 1939–41. In: Alfred J. Rieber (Hrsg.): Forced Migration in Central and Eastern Europe, 1939–1950. London/ New York 2000, ISBN 0-7146-5132-X.
  14. Natalia Sergeevna Lebedeva: The Deportation of the Polish Population to the USSR, 1939–41. In: Alfred J. Rieber (Hrsg.): Forced Migration in Central and Eastern Europe, 1939–1950. London/ New York 2000, ISBN 0-7146-5132-X, S. 40.
  15. „Mit Waffen, Sensen, Mistgabeln und Äxten schlägt eure Erzfeinde – polnische Herren.“ (Originaltext eines der Mordaufrufe an die ukrainische Zivilbevölkerung) In: Andrzej Friszke: Polska. Losy państwa i narodu 1939–1989. ISBN 83-207-1711-6, S. 25.
  16. „[…] Dem Terror und Morden in eroberten Grodno fielen 130 Schüler und Kadetten. Verletzte Verteidiger wurden erschlagen, der 12-jährige Tadzik Jasiński wurde an einen Panzer festgebunden und über die Straßenpflaster gezogen. Es fanden auch zahlreiche Exekutionen statt […]“ In: Julian Siedlecki: Losy Polaków w ZSRR w latach 1939–1986. London 1988, S. 32–34.
  17. Wojciech Roszkowski: Najnowsza historia Polski 1914–1945. Warschau 2003, ISBN 83-7311-991-4, S. 410.
  18. Władysław Pobóg-Malinowski: Najnowsza historia polityczna Polski. 1939–1945. Band 3, Krakau 2004, ISBN 83-89711-10-9, S. 107.
  19. Witold Pronobis: Świat i Polska w XX wieku. Warschau 1996, ISBN 83-86802-11-1, S. 196.
  20. Polnisches Informationsministerium: Kurzes statistisches Jahrbuch Polens. London, Juni 1941, S. 9–10.
  21. Zu einer Lügenmeldung der Nachrichtenagentur Havas. In: Prawda. 30. November 1939. Deutsche Übersetzung in: Der Eisbrecher. Klett-Cotta, Stuttgart 1989.
  22. „Es ist allgemein bewusst, hingegen, dass die britische und französische Regierung die deutschen Friedensbemühungen abgelehnt haben, veröffentlicht von Deutschland bereits am Ende des letzten Jahres, welche seinerseits auf den Vorbereitungen den Krieg zu eskalieren basierte.“ Molotows Bericht, 29. März 1940.
  23. Anne Applebaum: Gulag: A History. Doubleday 2003, ISBN 0-7679-0056-1, Kap. 20.
  24. Aleksandr Gurjanow: Repressii protiv Poljakov i polskih graždan. S. 4–9.
  25. Die sowjetische Herrschaft 1939–1941. In: Bogdan Musial: Sowjetische Partisanen in Weißrußland. Oldenbourg, München 2004, ISBN 3-486-64588-9 (online)
  26. Lustiger, Arno: Rotbuch: Stalin und die Juden. Berlin 1998. Zitiert nach Е. Беркович.
  27. Е. Беркович: Между молотом и наковальней. Положение восточноевропейских евреев во времена союза Гитлера и Сталина. Вестник Online, № 3 (288), 31. Januar 2002.
  28. Семиряга Михаил Иванович: Тайны сталинской дипломатии 1939–1941. S. 104.
  29. Abkommen zwischen der Regierung der UdSSR und der polnischen Regierung In: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Vol.11 1942/43, S. 100: Dokumente betreffend das Sowjetrussisch-Polnisches Abkommen vom 30. Juli 1941 (online)
  30. Michael Schwartz: Ethnische „Säuberung“ als Kriegsfolge In: Rolf-Dieter Müller (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 10/2: Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 und die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Teilband 2: Die Auflösung der Wehrmacht und die Auswirkungen des Krieges. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-04338-2, S. 542ff.
  31. „Unendliches Leid über die Welt gebracht“, FAZ, 2. September 2009.
  32. Nichtangriffspakt: Putin verteidigt Hitler-Stalin-Pakt, Spiegel, 7. November 2014.
  33. Zit. n. M.I. Mel’tjuchov: Sovetsko-pol’skie vojny: Voenno-politicheskoe protivostojanie 1918–1939 gg. Veche, Moskau 2001, S. 383.