Blaukappenamazilie

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Blaukappenamazilie
Blaukappenamazilie (Amazilia cyanifrons)

Blaukappenamazilie (Amazilia cyanifrons)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Amazilia-Kolibris (Amazilia)
Art: Blaukappenamazilie
Wissenschaftlicher Name
Amazilia cyanifrons
(Bourcier, 1843)

Die Blaukappenamazilie (Amazilia cyanifrons), auch Indigostirnamazilie bzw. Indigostirnchen, ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art ist endemisch in Kolumbien. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Blaukappenamazilien
(Lithografie von Henry Constantine Richter nach einer Zeichnung von John Gould, 1856)

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blaukappenamazilie erreicht eine Körperlänge von etwa 9,1 cm, wobei der gerade Schnabel 1,8 cm lang ist. Der Unterschnabel ist überwiegend rot. Der Oberkopf des Männchens ist indigoblau, der Rest der Oberseite schimmert grün, geht aber am Bürzel in kupferbronzene Färbung über. Die gesamte Unterseite glitzert grün. An den Beinen hat sie kleine weiße Büschel. Der blau-schwarze Schwanz ist leicht gegabelt. Die Färbung der Weibchen wirkt etwas trüber.[1]

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Blumen, die sich in den unterschiedlichsten Straten befinden können, geben sich die Vögel äußerst streitfreudig. Meist sammeln sie in den blühenden Baumkronen, die bis zu 18 Meter hoch sein können. Sie gelten als kampflustig und territorial.[2] Unter anderem fliegen sie die Blüten der zu den Bromeliengewächsen gehörenden Gattung Guzmania an.[3] Sehr gerne halten sie sich in der Nähe von Kirschmyrten auf. David William Snow und Barbara Kathleen Snow beobachteten, wie sie mit relativ wenig Erfolg Zuckervögel (Coereba flaveola) und mit deutlich mehr Erfolg Andenamazilien (Amazilia franciae) angriffen. Einen Schwarzbrust-Mangokolibri (Anthracothorax nigricollis), der auch in ihrem Revier Futter suchte, ließen sie in Ruhe.[4] Nach der Dämmerung sieht man sie gelegentlich auf Zweigen sitzen und singen. Dabei jagen sie gelegentlich Insekten.[5]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melbourne Armstrong Carriker beobachtete im April im Südwesten von Huila sechs Weibchen und im Juli in Popayán vier weitere Weibchen in Brutstimmung.[2] Bei Togüí wurden die Vögel im August beim Nestbau beobachtet.[6]

Lautäußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blaukappenamazilie äußert einsilbige sip- bzw. sick-Töne.[4]

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) der Blaukappenamazilie

Sie bewegen sich normalerweise in Höhenlagen von 400 bis 1200 Meter. Dabei sind sie vom Mittel- bis zum Oberlauf des Río Magdalena über Togüí im Westen des Departamento de Boyacá bis in den Süden und Südwesten des Departamento de Huila und am Oberlauf des Río Cauca nahe Popayán sowie im Osten der Anden des Departamento de Norte de Santander verbreitet.[2]

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Nominatform wurde lange der von Cecil Frank Underwood (1867–1943) am Miravalles gesammelte Balg als weitere Unterart Amazilia cyanifrons alfaroana behandelt.[7] Im Jahr 2002 untersuchte André-Alexander Weller das einzig existierende Typusexemplar im Natural History Museum at Tring und kam zu dem Schluss, dass dieser Unterart wegen ihrer einzigartigen Färbung Artstatus zuerkannt werden sollte.[8] Das North American Classification Committee erkannte zwar an, dass der Status einer Unterart von Amazilia cyanifrons nicht gerechtfertigt sei, mahnte aber an, dass es sich eventuell um eine Hybride handeln könnte und daher weitere Forschungen erforderlich seien.[9]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jules Bourcier beschrieb die Blaukappenamazilie unter dem Namen Trochilus cyanifrons. Das Typusexemplar stammte aus Ibagué im damaligen Vizekönigreich Neugranada.[10] Im selben Jahr führte René Primevère Lesson den Gattungsnamen Amazilia für die Bronzekopfamazilie (Amazilia candida) ein.[11] Später wurde die Grünbauchamazilie dieser Gattung zugeordnet. Der Name stammt aus Jean-François Marmontels Roman Les Incas, Ou La Destruction De L'Empire Du Pérou, in dem eine Inka-Heldin namens Amazili vorkommt.[12] Das Artepitheton »cyanifrons« setzt sich aus dem lateinischen »cyaneus« bzw. griechischen »kyaneos κυανεος« für »dunkelbau« und »frons, frontis« für »Vorderkopf, Stirn« zusammen.[13] »Alfaroana« ist Anastasio Alfaro (1865–1951) gewidmet.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steven Leon Hilty, William Leroy Brown: A guide to the birds of Colombia. Princeton University Press, Princeton 1986, ISBN 978-0-691-08372-8 (books.google.de [abgerufen am 22. Januar 2014]).
  • André-Alexander Weller: On types of trochilids in the Natural History Museum, Tring III. Amazilia alfaroana Underwood (1896), with notes on biogeography and geographical variation in the Saucerottia saucerrottei superspecies. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club. Band 121, Nr. 2, 2001, S. 98–107 (biodiversitylibrary.org [abgerufen am 22. Januar 2015]).
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Jules Bourcier: Oiseaux-mouches nouveaux. In: Revue Zoologique par La Société Cuvierienne. Band 6, 1843, S. 99–104 (biodiversitylibrary.org [abgerufen am 22. Januar 2015]).
  • René Primevère Lesson: Complément à l’histoire naturelle des oiseaux-mouches. In: L’Echo du Monde Savant. Serie 2, Band 10, Nr. 32, 1843, S. 755–758.
  • René Primevère Lesson, Prosper Garnot: Voyage autour du monde exécuté par Ordre du Roi, sur la Corvette de Sa Majesté, La Coquille pendant les années 1822, 1823, 1824 et 1825, sous le ministère et conformément aux instructions de S. E. M. Marquis de Clermont-Tonnerre, ministre de la marine; et publié sou les auspices de son excellence Mgr le Cte de Chabrol, ministre de la Marine et des colonies, par M. L. Dupppery, capitaine de frégate. chevalier de Saint-Louis et membre de la legion d'honaire, commandant de l’expédition. Band 1: Zoologie, Nr. 2. Arthus Bertrand, Paris 1828 (biodiversitylibrary.org [abgerufen am 22. Januar 2015]).
  • Cecil Frank Underwood: A List of Birds collected or observed on the Lower, Southern, and South-western Slopes of the Volcano of Miravalles and on the lower lands extending to Bagaces in Costa Rica, with a few Observations on their Habit. In: The Ibis. Serie 7, Band 2, Nr. 8, 1896, S. 431–451 (biodiversitylibrary.org [abgerufen am 22. Januar 2015]).
  • Richard Charles Banks, Carla Cicero, Jon Lloyd Dunn, Andrew Ward Kratter, Pamela Cecile Rasmussen, James Vanderbeek Remsen Jr., James David Rising, Douglas Forrester Stotz: Forty-third supplement to the American Ornithologists' Union Check-list of North American Birds. In: The Auk. Band 119, Nr. 3, 2002, S. 897–906 (aou.org [PDF; 111 kB; abgerufen am 22. Januar 2015]).
  • David William Snow, Barbara Kathleen Snow: Relationships between hummingbirds and flowers in the Andes of Colombia. In: Bulletin of the British Museum of Natural History. Band 38, Nr. 2, 1980, S. 105–139 (archive.org [PDF; 13,8 MB; abgerufen am 22. Januar 2015]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blaukappenamazilie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Steven Leon Hilty u. a., S. 273.
  2. a b c Steven Leon Hilty u. a., S. 274.
  3. David William Snow u. a., S. 128.
  4. a b David William Snow u. a., S. 131.
  5. David William Snow u. a., S. 132.
  6. David William Snow u. a., S. 130.
  7. Cecil Frank Underwood, S. 441.
  8. André-Alexander Weller, S. 103.
  9. Richard Charles Banks u. a., S. 901.
  10. Jules Bourcier, S. 100
  11. René Primevère Lesson u. a. (1843), Spalte 757
  12. René Primevère Lesson u. a. (1827), S. 683 (Tafel 3)
  13. James A. Jobling, S. 403.
  14. Cecil Frank Underwood, S. 442.