Blue Whale Challenge

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Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt das Thema Suizid. Er dient nicht als Anleitung. Für Betroffene existiert ein breites Netz an Hilfsangeboten, bei welchen Alternativen aufgezeigt werden. So sind in akuten Notfällen die Telefonseelsorge wie auch der Euronotruf 112 durchgängig und kostenlos erreichbar. Nach einer ersten Krisenintervention erfolgt eine qualifizierte Weitervermittlung zu geeigneten Beratungsstellen.

Die Blue Whale Challenge, auch Blue Whale Game genannt, ist ein Internetphänomen, das Ende 2016 zunächst in Russland und Mitte 2017 auch im europäischen Raum bekannt wurde. Bei der Challenge wird dem Teilnehmer an fünfzig Tagen jeweils eine Aufgabe täglich gestellt, am Ende soll der Suizid des Teilnehmers stehen. Es handelte sich vermutlich zunächst um einen Hoax, der dann jedoch über diverse Medienberichte zu einem realen Phänomen wurde.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes berichtete die Journalistin Galina Mursalijewa in der russischen Zeitung Nowaja Gaseta über das Internetphänomen.[1] Das Spiel soll über verschiedene Soziale Medien gespielt werden und sich aus verschiedenen sogenannten „death groups“, also Foren, die sich mit Tod und Suizid beschäftigen, entwickelt haben. In ihrem Artikel beschrieb Mursalijewa die Gruppe „F57“, die auf dem sozialen Netzwerk VKontakte aktiv war und angeblich etwa 130 Teenager in den Selbstmord getrieben haben soll.[2] Als Erkennungsmerkmal wird ein Blauwal verwendet, den sich die Teilnehmer einritzen sollen. Dem Teilnehmer werden dann über 50 Tage lang Anweisungen von einem „Administrator“ gegeben, die befolgt werden müssen. Diese fangen harmlos an (stehe um 4:20 Uhr auf, sieh dir einen Horrorfilm an) und steigern sich bis zu selbstverletzenden Handlungen unterschiedlicher Ausprägung. Am Ende soll der Tod der Hauptperson stehen. Versucht der Teilnehmer auszusteigen, wird ihm oder seiner Familie gedroht.[3]

Die Herkunft des Namens ist unklar. So wird als Herleitung oft ein Lied der russischen Band Lumen erwähnt, in dem das Bild eines Blauwals vorkommt, der nicht aus dem Netz entschlüpfen kann.[2] Eine weitere Herleitung ist die angebliche Praxis der Blauwale, einen Strand aufzusuchen, um sich willentlich selbst zu töten.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Berichte aus Russland basierten wahrscheinlich auf einem ernstgenommenen und stark übertriebenen Hoax. So basierten die Todeszahlen, die Mursalijewa in ihrem Bericht nannte, auf Schätzungen und hielten einer näheren Überprüfung nicht stand. Doch der Bericht verbreitete sich in Russland rasant und erreichte auch weitere Länder. So kam es zu Nachahmungstaten, Trittbrettfahrern und der Adaption des Spielprinzips in anderen sozialen Medien. Weitere Berichte sorgten für eine weltweite Verbreitung des Phänomens.[5][6][7][8]

Bekannt gewordene Fälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach offiziellen Angaben wurden bis März 2017 etwa 130 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Challenge geführt. Es kam zu mindestens drei Todesfällen. So töteten sich in Irkutsk in Sibirien zwei Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren, nachdem sie 50 Aufgaben erledigt hatten. Die beiden begingen gemeinschaftlich Selbstmord, indem sie sich von einem Gebäude stürzten.[9] Ein anderes 14-jähriges Mädchen warf sich vor einen Zug.[10]

2016 wurde der 21-jährige ehemalige Psychologiestudent Philipp Budeikin festgenommen, der behauptete, das Spiel 2013 erfunden zu haben. Angeblich wollte er die Gesellschaft von unwürdigen Individuen säubern. Er wurde im Kresty-Gefängnis in Untersuchungshaft gehalten. Zunächst behauptete er, unschuldig zu sein, vor Gericht legte er allerdings ein Geständnis ab und gab an, in 16 Fällen Mädchen im Teenager-Alter zum Suizid angestiftet zu haben.[11] Verurteilt wurde er 2017 schließlich wegen zwei Vorfällen zu drei Jahren und vier Monaten Haft.[12]

Im Juni 2017 wurde Ilja Sidorow festgenommen, der behauptete, 32 Kinder und Jugendliche in seiner Gruppe dazu gebracht zu haben, seinen Anweisungen zu folgen.[13]

Bangladesch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berichte über das Spiel verbreiteten sich in ganz Bangladesch. Bisher wurden keine offiziellen Angaben gemacht, doch gingen zwei Fälle durch die Medien: Im Oktober 2017 erhängte sich ein Mädchen, das das Spiel gespielt haben soll.[14] Ein Student in Chittagong spielte vier Level des Spiels, bevor die Polizei ihn nach einem Tipp eines Mitstudenten aufgriff. In Bangladesch ist ein Suizidversuch strafbar und kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden.[15]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde bislang ein Fall bekannt, der mit dem Spiel in Verbindung stand. Im Sommer 2017 ritzte sich nach Medienberichten ein 13-jähriges Mädchen in Radevormwald einen Blauwal in die Arme. Das Spiel wurde auf dem Handy des Kindes entdeckt.[4] Bekannt wurde das Phänomen in Deutschland vor allem durch einen Bericht in der Bildzeitung sowie ein YouTube-Video des YouTubers LeFloid, dessen Clip innerhalb kürzester Zeit eine Million Nutzer erreichte.[16]

Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Indien soll es mehrere Fälle im Zusammenhang mit Blue Whale gegeben haben, offiziell wurde allerdings noch kein Fall bestätigt. Tatsächlich ist die Suizidrate in Indien unter Kindern und Jugendlichen recht hoch, so dass die Challenge auf fruchtbaren Boden fiel.[6] Das zuständige Ministerium für Informationstechnologie verbot allen größeren Providern, unter anderem auch Google, Yahoo und Facebook, Links zu dem Spiel bereitzustellen.[17]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Italien soll es zwischen 40 und 70 Fälle geben, die laut der Polizei mit der Blue Whale Challenge in Verbindung stehen. Auf ihrer Internetseite warnt die Polizei vor dem Spiel.[18][19]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Russland, wo das Phänomen am verbreitetsten ist, erließ die Duma ein Gesetz, das die Gründung eines Selbstmord-Forums oder einer Gruppe unter Strafe stellt.[20] Präsident Putin unterzeichnete das Gesetz am 7. Juni 2017. Das Gesetz sieht eine Strafe von bis zu sechs Jahren Haft vor.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Galina Mursaliyeva: Группы смерти (18+). In: Novayagazeta.ru. Новая газета, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  2. a b Why the Russian Suicide Game Went Global. In: Bloomberg.com. 25. April 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  3. Blue Whale Challenge: Was ist das? Einfach erklärt. In: Chip.de. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  4. a b Christian Schwerdtfeger: 'Blue Whale': Mädchen in Radevormwald ritzt sich bei Suizid-'Spiel' Arm auf. In: RP Online. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  5. Teen 'Suicide Games' Send Shudders Through Russian-Speaking World. In: Rferl.org. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  6. a b Aparna Alluri: Why is 'Blue Whale' hysteria gripping India? In: BBC News. 19. September 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  7. The Truth About 'Blue Whale,' an Online Game That Tells Teens to Self Harm. In: Motherboard.vice.com. 22. Mai 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  8. Пять главных вопросов к материалу «Новой газеты» о подростковых суицидах. In: Meduza.io. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  9. Jogo em rede social russa leva adolescentes a cometer suicídio. In: Último Segundo. 7. April 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  10. Teenagers are taking their own lives 'because of social media game blue whale'. In: Metro.co.uk. 28. Februar 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  11. Blue whale challenge administrator pleads guilty to inciting suicide. In: BBC Newsbeat. 5. November 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017 (britisches Englisch).
  12. Founder of Online ‘Blue Whale’ Suicide Group Sentenced. In: themoscowtimes.com. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  13. Marc Bennetts Moscow: Russian postman lured teenagers into his Blue Whale internet suicide game. In: The Times. 12. Juni 2017, ISSN 0140-0460 (thetimes.co.uk [abgerufen am 20. Dezember 2017]).
  14. Teenager girl in Bangladesh hanged herself in Blue Whale suicide bid. (Nicht mehr online verfügbar.) In: ntvbd.com. 11. Oktober 2017, archiviert vom Original am 11. Oktober 2017; abgerufen am 20. Dezember 2017 (englisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/en.ntvbd.com
  15. CU student detained for playing the Blue Whale Challenge. In: Dhaka Tribune. Abgerufen am 20. Dezember 2017 (amerikanisches Englisch).
  16. WhatsApp-Spiel „Blue Whale-Challenge“: Polizei warnt vor Panikmache. In: tz.de. 30. Juni 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  17. Parents fear a suicide game is gripping India. In: The Independent. 19. September 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  18. Polizia Postale: BLUE WHALE - CONSIGLI. Abgerufen am 20. Dezember 2017 (englisch).
  19. La blue whale arriva nel Napoletano: la Procura di Torre Annunziata apre un'inchiesta. In: Il Mattino. 26. Mai 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  20. Russian lawmakers vote to ban pro-suicide social media groups. In: The Calvert Journal. Abgerufen am 20. Dezember 2017.
  21. Putin signs law imposing criminal penalties for inducing minors to suicide. In: TASS. Abgerufen am 20. Dezember 2017.