Brandsteig

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Der Diana Abnoba geweihter Altar von der Fundstelle Brandsteig (Nachbildung)

Der Brandsteig ist das Toponym für einen Ort in der Nähe des Dorfes Rötenberg, das zur Gemeinde Aichhalden gehört. Er ist bekannt als archäologische Fundstelle einer römischen Anlage, deren Charakter unklar ist.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brandsteig liegt am Rande des Gemeindegebiets von Aichhalden, direkt an der Grenze zur Gemeinde Schenkenzell. Früher verlief an dieser Stelle die Grenze zwischen Baden und Württemberg, und sie bildet zugleich den deutlich sichtbaren Übergang zwischen dem Oberen Kinzigtal und der sich östlich anschließenden Gäulandschaft. Das Kinzigtal als Teil des Schwarzwaldes war in der Antike eine schwer zugängliche, kaum besiedelte Landschaft, wogegen die Hochfläche des Gäugebiets ein landwirtschaftlich fruchtbarer, zunächst von Kelten bewohnter Landstrich war. In römischer Zeit war die Region Teil des Dekumatlandes. Die nahegelegenen Kastelle von Waldmössingen und Sulz sowie das Municipium Arae Flaviae als Vorgänger des heutigen Rottweil zeugen von der Erschließung der Gäuflächen in der Antike.

Frühe Grabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Reste der Anlage wurden spätestens 1770 entdeckt. Einige Steine aus dem Fundgebiet sind heute in Rötenberger Häusern verbaut. In einer frühen Karte von 1836 ist der Fundort als Villa bezeichnet, wurde also als landwirtschaftlicher Betrieb aus römischer Zeit interpretiert. 1841 wurde von Wilhelm Brandecker, dem Gründer des Schwarzwälder Boten, dem Geologen Friedrich von Alberti und anderen örtlichen Honoratioren ein Altertumsverein gegründet, der sich zum ersten Mal wissenschaftlich mit den Funden auseinandersetzte.

Straßenstation im provinzialrömischen Wegenetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Areal deutlich zu erkennen waren die Umfassungsmauer und der Grundriss eines Tempels. Der Fund eines der Abnoba, der Schutzgöttin des Schwarzwaldes, gewidmeten Altars aus dem 1. Jahrhundert sowie die Lage an einer Süßwasserquelle direkt am Aufstieg aus dem Kinzigtal legten den Schluss nahe, dass die Fundstelle an der in den Jahren 73 und 74 unter Vespasian angelegten Kinzigtalstraße von Straßburg nach Rottweil gelegen haben muss. Noch heute führt am Brandsteig eine kleine Straße vom Tal hinauf. Eugen Nägele interpretierte den Ort als Mansio, eine römische Straßenstation mit Unterkunft von Verpflegung für die Reisenden. Für Philipp Filtzinger war die Anlage genauer ein Benefiziarier-Posten, also mit einer ständigen Besatzung römischer Straßenpolizei versehen.

Gallo-römischer Tempelbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umgangstempel, Nachbau im Römermuseum Schwarzenacker

Diese Interpretation wurde 2001 in Frage gestellt[1] und im Januar 2013 eine ausführliche geomagnetische Untersuchung des Areals vorgenommen.[2] Dabei wurden die Überreste von mindestens sieben Umgangstempeln im Boden dokumentiert. Es scheint sich also weniger um einen militärisch gesicherten Straßenposten als um einen gallo-romanischen Tempelbezirk, ähnlich jenen in Tawern oder in Hochscheid zu handeln. Wenn hier die Reisenden für die geglückte Durchquerung des Schwarzwaldes dankten, sind die im 19. Jahrhundert dokumentierten Münzfunde als Votivgaben zu erklären.

Fundstücke und Erhaltungszustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbildung des Merkur-Reliefs

Das bedeutendste überlieferte Fundstück ist der Abnoba-Altar aus dem 1. Jahrhundert. Der Altar wurde laut Inschrift von einem Zenturio der XXII. Legion als Einlösung eines Gelübdes gestiftet und muss wegen des Namenszusatzes der Legion D(omitianae) vor 96 n. Chr. geschaffen worden sein. Das Original wurde 1944 im Stuttgarter Lapidarium zerstört, es steht aber heute noch eine Nachbildung am Fundort.

Dort befindet sich ebenfalls eine künstlerische Adaption des 1983 in der Nähe gefundenen Merkur-Reliefs, eines dem Schutzgott der Händler gewidmeten Steins. Das Original befindet sich im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Freiburg.

Außerdem sind zwei antike Säulen ausgestellt und auf einer Infotafel ein (seit der Untersuchung von 2013 allerdings überholter) Plan des Fundgebiets.

Heute liegt der Brandsteig direkt am Schwarzwald-Ostweg, auf der Etappe zwischen Alpirsbach und Schramberg. Die Ortsbezeichnung "Brandsteig" bezieht sich auch auf die beiden anliegenden Höfe, und auf den oberen Teil der asphaltierten Straße vom Tal hinauf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald von der Osten-Woldenburg/Ute Seidel/Daniela Tränkle/Florian Tränkle: Neues aus „claßischem Boden“. Ein römischer Tempelbezirk am „Brandsteig“ bei Aichhalden-Rötenberg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 42 (2013), Nr. 4, S. 208–212

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann-Christoph Wulfmeier: Das "Schänzle" auf dem Brandsteig – ein Beneficiarierposten im mittleren Schwarzwald?. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher 53 (2001), S. 179–189.
  2. RP Freiburg / Christoph Steinacker: Archäologen erkunden die römische Straßenstation Aichhalden. In: Archäologie Online. archaeomedia Brunn, Jordan & Steinacker GbR, 25. Januar 2013, abgerufen am 2. November 2014.

Koordinaten: 48° 17′ 55″ N, 8° 23′ 49,2″ O