Bruttowertschöpfung

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Gesamte BWS in jeweiligen Preisen im Zeitraum 1970–2007 in US-Dollar

Die Bruttowertschöpfung (englisch: gross value added, kurz: BWS) ist eine Kennzahl der Entstehungsrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Sie ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen (Produktionswert), abzüglich des Werts der Vorleistungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichtlich hat sich der Begriff „Wertschöpfung“ im Laufe der Zeit sehr verändert. Bei den Physiokraten war nur die Landwirtschaft wertschöpfend. Die einzige Klasse, die fähig war, Werte zu schaffen, war die produktive Klasse (Landwirte und Pächter). Die sterile Klasse (Handwerker und Handel) hingegen schaffte keine neuen Werte, sondern wandelte diese um. Das heißt die Wertschöpfung der sterilen Klasse deckte nur den Eigenbedarf, trug also nichts zum Sozialprodukt bei.[1]

In der klassischen Ökonomie (insbesondere Adam Smith, David Ricardo) ist gemäß Arbeitswertlehre die menschliche Arbeit, bei Karl Marx Arbeitskraft, wertschöpfend. Einkommensseitig verteilt sich die Wertschöpfung auf die Einkommen aus Arbeit, Kapital und Boden.

Das heutige Verständnis von der Bruttowertschöpfung wird durch die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (engl.: „System of National Accounts“, kurz SNA) als umfangreicher Produktionsbegriff festgelegt, der alle im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen umfasst.[2] Seit 1993 liegt die 3. Auflage des SNA vor, in europäischer Version ESVG 1995 (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen), und bildet die gegenwärtige Grundlage für die Berechnung volkswirtschaftlicher Kennzahlen.

Bewertung der Bruttowertschöpfung[Bearbeiten]

Theoretisch gibt es drei verschiedene Möglichkeiten die Bruttowertschöpfung zu bewerten, und zwar zu Faktorkosten, zu Herstellungspreisen und zu Marktpreisen.

Bewertung zu Faktorkosten[Bearbeiten]

Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten ergibt sich aus der Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen abzüglich Produktionssteuern und zuzüglich Subventionen. Somit ist die Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten frei von Produktionssteuern (insbesondere von Verbrauchssteuern) oder von Subventionen.

Die Summe aller Faktoreinkommen (im Unternehmen, Staat, Privathaushalt) wie Gewinne, Löhne/Gehälter, Zinsen, Miete und Pachten, bilden die Nettowertschöpfung. Die Bruttowertschöpfung entspricht der Nettowertschöpfung zuzüglich Abschreibungen.[3]

Bewertung zu Herstellungspreisen[Bearbeiten]

„Der Herstellungspreis ist der Betrag, den der Produzent je Einheit der von ihm produzierten Waren und Dienstleistungen vom Käufer erhält ohne die auf die produzierten oder verkauften Güter zu zahlenden Steuern (also ohne Gütersteuern), zuzüglich aller empfangenen Subventionen, die auf die produzierte oder verkauften Güter gewährt werden (also einschließlich Gütersubventionen).“[4]

Die Bewertung zu Herstellungspreisen vermeidet die mit den indirekten Steuern und Subventionen verbundene und auf die produzierten und behandelten Waren und Dienstleistungen bezogene Verzerrung der Bruttowertschöpfung. Durch den Übergang auf die Berechnung der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen entfällt die Notwendigkeit zur Berechnung dieser zu Faktorkosten. Dies ist die Standard-Methode, die auf Unternehmens- bzw. Branchenebenen eingesetzt wird.[2]

Bewertung zu Marktpreisen[Bearbeiten]

Die Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen ergibt sich aus der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen zuzüglich Gütersteuern und abzüglich Gütersubventionen.[5]

Bruttowertschöpfung zu Herstellungskosten
+ sonstige Gütersteuern
sonstige Gütersubventionen
= Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen

Bruttowertschöpfung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung[Bearbeiten]

Die Bruttowertschöpfung in der Entstehungsrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) entspricht den in einzelnen Wirtschaftsbereichen erbrachten Leistungen.

Seit der Revision der VGR 2005 werden die erzeugten Waren und Dienstleistungen aller Wirtschaftssektoren nicht mehr zu Marktpreisen, sondern zu Herstellungspreisen bewertet. Damit wird der Einfluss des Staates auf die Preise aus der Bewertung entfernt.

Bei den Nicht-Marktproduzenten (Staat, Non-Profit-Organisationen) ergibt sich die Bruttowertschöpfung aus der Summe der einzelnen Aufwandsposten, beispielsweise Arbeitnehmerentgelt und Abschreibungen.

Die Bruttowertschöpfung der Kreditinstituten und Versicherungsunternehmen berücksichtigt neben den Verkäufen von Dienstleistungen, Provisionen und Gebühren auch eine unterstellte Bankgebühr, da die Zinsen und Versicherungsprämien nicht als Verkäufe von Dienstleistungen angesehen werden.[2]

Allgemeine Formel[Bearbeiten]

Um die Bruttowertschöpfung der einzelnen Wirtschaftsbereiche zu berechnen, muss von dem Bruttoproduktionswert des jeweiligen Sektors oder Branche die für die Produktion erbrachten Vorleistungen abgezogen werden:


Bruttowertsch\ddot opfung=Bruttoproduktionswert-Vorleistungen [2].


Der Bruttoproduktionswert (oder auch Produktionswert) ist die Summe aller produzierten bzw. hergestellten Güter und Dienstleistungen einer Wirtschaftseinheit (Unternehmen, Staat oder private Haushalte) bzw. einer Volkswirtschaft. Aus der Sicht des Unternehmens und der gesamten Volkswirtschaft besteht der Bruttoproduktionswert aus allen eingesetzten Produktionsfaktoren (Faktorleistungen), die für die Produktion benötigt wurden.[2]

Der Bruttoproduktionswert wird in der VGR zu Herstellungspreisen ermittelt. Bei den Nicht-Marktproduzenten wird der Bruttoproduktionswert über die Kosten berechnet, wobei es bei den Marktproduzenten über Ihre Verkäufe geschieht. Bruttoproduktionswert als Kennzahl ist für die Beurteilung der Wirtschaftsleistung eines Sektors oder einer Volkswirtschaft nur bedingt geeignet, da er die Vorleistungen enthält. Um dies zu vermeiden, werden die Bruttoproduktionswerte abzüglich der Vorleistungen betrachtet.

Die Vorleistungen sind (englisch: intermediate consumption) alle von den anderen Wirtschaftssubjekten bezogenen und im Produktionsprozess umgewandelte bzw. verarbeitete Güter und Dienstleistungen, die für die eigene Leistungserbringung notwendig sind. Somit bleiben die Vorleistungen als eigenständige Produkte unberücksichtigt. Sie erhöhen aber im Laufe des gesamten Produktionsprozesses den Wert des Endproduktes. Einige Beispiele für die Vorleistungen sind sowohl Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Zwischen- und Halbfertigprodukten, als auch Reparaturaufwand anderer Unternehmen, Zinsen für Bankkrediten, Provisionen, Mieten und Pachten. Im Rahmen der VGR sind Vorleistungen zu Anschaffungspreisen zu bewerten.[2]

In den Produktionskonten gehören die Vorleistungen zu den sogenannten Aufwandsposten, deren Größe von der Art der Wirtschaftseinheit abhängig ist, d. h. ob es ein Produktionskonto eines Unternehmens, des Staates oder eines privaten Haushaltes ist. Da die Vorleistungen bei den Unternehmen höher sind, als die bei dem Staat und gar bei den Privathaushalten.[2] Das Produktionskonto eines Unternehmens, Staates oder Haushaltes sieht folgendermaßen aus:

Aufwand Ertrag
Vorleistungen 42 € Produktionswert 142 €
Bruttowertschöpfung 100 €
Summe 142 € Summe 142 €

Als Resultat ergibt sich zunächst die unbereinigte Bruttowertschöpfung, in der die unterstellte Bankgebühr noch enthalten ist. Diese besteht aus den Entgelten für die Bankdienstleistungen. Sie sind untergestellt, damit die wertschöpferische Tätigkeit der Kreditinstitute gegenüber anderen Wirtschaftssubjekten nachgewiesen werden kann. Nach Abzug der unterstellten Bankgebühr von der unbereinigten Bruttowertschöpfung erhält man bereinigte Bruttowertschöpfung.[2]

Produktionswerte zu Herstellungskosten der Wirtschaftsbereiche im Inland
Vorleistungen
= Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen (unbereinigt)
Unterstellte Entgelte für Bankdienstleistungen
= Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen (bereinigt)

Beispiel[Bearbeiten]

Die Berechnung der Bruttowertschöpfung verdeutlicht das folgende Beispiel.[6]

Die Herstellung und Verkauf des Orangensafts erfolgt auf drei Stufen:

  1. Der Landwirt „produziert“ und verkauft Orangen an die Getränkefabrik.
  2. In der Getränkefabrik werden die Orangen zu Orangensaft weiterverarbeitet und an den Supermarkt verkauft.
  3. Der Supermarkt verkauft den Orangensaft an die Endverbraucher.
Wertschöpfungskette am Beispiel der Orangensaftherstellung

Auf jeder Stufe der Produktion entsteht eine Wertschöpfung, die dem Umsatz dieser Stufe entspricht. Also,

  1. Landwirt mit Umsatz von 60.000 €
  2. Getränkefabrik mit Umsatz von 100.000 €
  3. Supermarkt mit Umsatz von 170.000 €

Also entspricht die Produktion (Produktionswert) eines Unternehmens gleichzeitig den Vorleistungen des in der Kette folgenden Unternehmens. Die vom Landwirt gelieferten Orangen werden für die Getränkefabrik als Vorleistungen gezählt, da sie als Rohstoff für die Herstellung des Orangensaftes dienen. Der Produktionswert der Getränkefabrik ist wiederum die Vorleistung für den Verkauf im Supermarkt.

Akteur Bruttoproduktionswert – Vorleistungen Saldo
Landwirt 60.000 € – 0 € = 60.000 €
Getränkefabrik 100.000 € – 60.000 € = 40.000 €
Supermarkt 170.000 € – 100.000 € = 70.000 €
Gesamte Bruttowertschöpfung = 170.000 €

Die Bruttowertschöpfung beziehungsweise das BIP beträgt 170.000 € und entspricht dem Wert des Umsatzes der letzten Stufe.

Bruttowertschöpfung der Welt[Bearbeiten]

Bruttowertschöpfung ist ein Maß für die Beurteilung der wirtschaftlichen Leistung einer Wirtschaftseinheit, d. h. eines Unternehmens, eines Staates, eines privaten Haushaltes, aber auch einer Branche, einer Region oder Bundeslandes.

BWS in jeweiligen Preisen in ausgewählten Ländern im Jahr 2007 in US-Dollar

Die Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen weltweit betrug im Jahr 2007 knapp 51.784 Mrd. US-Dollar. Das war eine Steigung um etwa 11,75 % im Vergleich zum Vorjahr. Die sechs leistungsmäßig sechs größten Volkswirtschaften – USA mit 13.799 Mrd., Japan mit 4.535 Mrd., China mit 3.242 Mrd., Deutschland 2.973 Mrd., UK 2.563 Mrd. und Frankreich mit 2.280 Mrd. US-Dollar – erreichen zusammen 29.391 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einem Anteil an der Welt-Bruttowertschöpfung von 56,8 %, wobei die USA etwa 26,6 % erreichen.

BWS der Welt in jeweiligen Preisen nach Wirtschaftssektoren im Zeitraum 1970–2007 in US-Dollar

Die Bruttowertschöpfung der Welt im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei in jeweiligen Preisen lag im Jahr 2007 bei 2.030 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht 3,92 % Anteil an der Welt-Bruttowertschöpfung. Den größten Beitrag leisteten Staaten wie China mit 380 Mrd. US-Dollar, Indien mit 189 Mrd. US-Dollar, Vereinigten Staaten mit 146 Mrd. US-Dollar, Brasilien mit 72 Mrd. US-Dollar und Japan mit 67 Mrd. US-Dollar.[7].

BWS Deutschlands nach Wirtschaftssektoren in jeweiligen Preisen in 1970–2007 in US-Dollar
BWS in Japan nach Wirtschaftssektoren in jeweiligen Preisen 1970–2007 in US-Dollar
BWS in USA nach Wirtschaftssektoren in jeweiligen Preisen 1970–2007 in US-Dollar

Aufgrund der Erweiterung des Binnenmarktes nahm in der Europäischen Union die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung in den letzten 26 Jahren stärker zu als in den USA oder Japan. Zwischen 1970 und 1986 stieg die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung in Europa um das 4,5fache und zwischen 1986 und 1996 um das 1,2fache. Diese Ergebnisse wurden jedoch durch die Beitritte neuer Länder in die EU beeinflusst.[8]

In einem entwickelten Industriesektor ist das Wachstum der Bruttowertschöpfung viel ausgeprägter als das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Wachstum 2007 bei 13,4 %. Die industrielle Bruttowertschöpfung der Welt in jeweiligen Preisen betrug im Jahr 2007 fast 9.224 Mrd. US-Dollar, was etwa 17,8 % der gesamten Welt-Bruttowertschöpfung entspricht.

Die Staaten mit höchster industrieller Bruttowertschöpfung sind USA mit 1.831. Mrd. US-Dollar, China mit 1.106 Mrd. US-Dollar, Japan mit 926 Mrd. US-Dollar in jeweiligen Preisen- was allein schon 41,8 % der industriellen Welt-Bruttowertschöpfung ausmacht.

Auch im Bergbau im Jahr 2007 sind USA, China, Japan, Deutschland und UK an der Spitze mit entsprechend 2.357 Mrd., 1.411 Mrd., 1.036 Mrd., 747 Mrd. und 444 Mrd. US-Dollar (in jeweiligen Preisen). Die Bruttowertschöpfung der Welt betrug 12.316 Mrd. US-Dollar.

Im Baugewerbe lag USA mit 22,9 % von der Welt-Bruttowertschöpfung im Bereich der Bauwirtschaft bei 661 Mrd. US-Dollar.

Die Finanz-, Versicherungs-, Sozial- und andere Dienstleistungsaktivitäten der Welt in jeweiligen Preisen betrugen im Jahr 2007 fast 45,4 % von der Welt-Bruttowertschöpfung, was 23.510 Mrd. US-Dollar entspricht. Davon fielen 7.725 Mrd. US-Dollar auf die USA.

Bruttowertschöpfung pro Kopf und je Erwerbstätigem[Bearbeiten]

Bruttowertschöpfung pro Kopf ist eine der Möglichkeiten, die Produktivität der verschiedenen Regionen beziehungsweise Volkswirtschaften zu vergleichen. Allerdings werden in diesem Vergleich die unterschiedlichen Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte, wie die Erwerbsquote, der Anteil der Menschen oder die Teilzeitarbeiten nicht berücksichtigt.

BWS pro Kopf in ausgewählten Ländern im Jahr 2007 in jeweiligen Preisen 1970–2007 in Euro pro Person

Die Bruttowertschöpfung allein als Maß der wirtschaftlichen Leistung ist nicht geeignet, da das Volumen der Wirtschaftsleistung von der Größe des Landes und von der Einwohnerzahl abhängt. Das höchste bedeutet nicht automatisch das produktivste Volumen. Der größte Anteil an der Welt-Bruttowertschöpfung gehört den Vereinigten Staaten. Nach Zahlen einer Reihe internationaler Organisationen erreichen Länder wie Luxemburg und Bermudas die höchste Bruttowertschöpfung pro Kopf. Im Falle Luxemburgs sind diese Zahlen jedoch regelmäßig deutlich zu hoch, da sie die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Landes enorm hohe Zahl von 145.000 Pendlern aus den drei Nachbarländern, die zur Wertschöpfung im Lande beitragen, bei der Berechnung der Bruttowertschöpfung pro Kopf nicht berücksichtigen. Die Wirtschaft Luxemburgs zählt dennoch zu einer der erfolgreichsten der EU, aufgrund des stark entwickelten Finanzsektors.

BWS je Erwerbstätigen in Deutschland in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und Fischzucht in jeweiligen Preisen 1970-2008 in Euro

Die Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen wird als Arbeitsproduktivität bezeichnet. Also:

Arbeitsproduktivit\ddot at=Bruttowertsch\ddot opfung/Besch\ddot aftigung


Die Entwicklung der Zahl der Beschäftigten in der Industrie und im Dienstleistungsbereich hängt beispielsweise sehr stark von der Vorperiode ab. Wenn die Bruttowertschöpfung und die Reallöhne in der Vorperiode sich deutlich erhöhen, dann steigt die Beschäftigung in der Industrie und in dem Dienstleistungsbereich auch. Die Beschäftigung steigt aber nur kurz- bis mittelfristig. Langfristig fällt die Beschäftigung jedoch auf das Ausgangsniveau zurück.[9]

Bruttowertschöpfung und ihre Bedeutung[Bearbeiten]

Bruttowertschöpfung ist einer der wichtigsten Indikatoren in den wirtschaftlichen Statistiken, die auf der Grundlage der VGR erstellt werden. Diese Kennzahl bildet eine Grundlage für die wichtigsten makroökonomischen Indikatoren, wie z. B. für das Bruttoinlandsprodukt.

Die Bruttowertschöpfung besagt nichts über den Wert einer Sache, nur über ihren Preis. Maßgeblich ist hierbei nicht, ob etwas Brauchbares geschaffen wurde, sondern ob es gehandelt wird, und der Preis, zu dem es gehandelt wird. Darüber hinaus schöpft nicht die Produktion die Werte, sondern der Handel.

Bruttowertschöpfung steigt mit der Anzahl der Umverteilungen in der Produktkette, von der Produktion der Rohstoffe bis zur Realisierung des Endprodukts. Deshalb führen gründliche Verarbeitung von landwirtschaftlichen Rohstoffen und die Diversifizierung der Produktion zu einem Anstieg der Bruttowertschöpfung und des Endproduktpreises.

Ein wichtiger Faktor für das Wachstum der Wertschöpfung ist eine starke effektive Nachfrage nach Gütern bzw. Dienstleistungen, die Priorität in allen wirtschaftlichen und politischen Situationen haben.

Neue Wertschöpfungswachstumschancen sind in der Wirtschaft mit dem Einsatz der modernen Mittel der Kommunikation verbunden. Das schnelle Wachstum der Wertschöpfung ist auch eng mit der Attraktivität für Investitionen des Industriesektors verknüpft.

Die Daten von VGR werden beispielsweise verwendet, um den Entwicklungsgrad, den Reichtum und die Wohlfahrt der Länder festzustellen. Die Bruttowertschöpfungs-, sowie die Nettowertschöpfungsdaten, bilden eine wesentliche Grundlage für die Bestimmung des Produktivitätsniveaus und der Produktivitätsdynamik eines Wirtschaftsbereiches.[2]

Zusammenhang zwischen BWS und BIP[Bearbeiten]

Die Summe der Bruttowertschöpfung der Sektoren abzüglich einiger Korrekturposten von untergestellten Bankgebühren zuzüglich Gütersteuern und abzüglich Gütersubventionen wird als Bruttoinlandsprodukt definiert.

Summe\ der\ Bruttowertsch\ddot opfung\ aller\ Sektoren=Bruttoinlandsprodukt

Die Bruttowertschöpfung zeigt die Bedeutung der Wirtschaftsbereiche und stellt somit eine wichtige Kenngröße für die Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dar, die die Wirtschaftsentwicklung aller Wirtschaftseinheiten analysiert.[10]

Produktionswert (Herstellkosten, PW)
Vorleistungen (ohne importierte VL)
Importe
= Bruttowertschöpfung (unbereinigt)
unterstellte Bankgebühr
= Bruttowertschöpfung (bereinigt)
+ Gütersteuern (T^{ind})
Gütersubventionen (Z)
= Bruttoinlandsprodukt (BIP)
+ Saldo der Primäreinkommen mit der übrigen Welt
= Bruttonationaleinkommen
Abschreibungen
= Nettonationaleinkommen (Primäreinkommen)
Produktion- und Importabgaben an die Staatskasse
+ Subventionen aus der Staatskasse
= Volkseinkommen

Kritikpunkte[Bearbeiten]

Die vorgeschlagene Methode zur Berechnung der Bruttowertschöpfung hat eine Reihe von Nachteilen. Vor allem sind folgende negative Aspekte zu nennen:

  • In der vorgeschlagenen Regelung der Berechnung werden die sogenannten „Umbewertungsgewinne“ nicht berücksichtigt. Diese können den wahren Wert der Produktion und Vorleistungen bei der längeren Lagerung von Fertigprodukten und Rohstoffen wegen der Rohstoffpreiserhöhungen verfälschen.
  • In VGR werden nur marktgerechte Güter und Dienstleistungen erfasst. Ein niedrigerer Ausweis der Wirtschaftsleistung führt zu Ungenauigkeit der Ermittlung des BIPs und des Wohlstandes einer Volkswirtschaft. Dies ist aufgrund von Schwarzmarkt, Schattenwirtschaft, Subsistenzwirtschaft oder Erbringung der sozialen Leistungen ohne Gegenleistung (Nachbarhilfe, Hausarbeit) möglich. Somit kann diese Ungenauigkeit beim Vergleich der gesamtwirtschaftlichen Leistung der Volkswirtschaften zur Verfälschung der tatsächlichen Ergebnisse führen.
  • Darüber hinaus ist die Bedeutung der nicht ausgewiesenen Posten unterschiedlich stark. Was für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft von Bedeutung ist, beispielsweise beim Vergleich der Industrie- und Entwicklungsländer.[2][11]
  • Auch Preisniveauänderungen spielen bei der Bewertung der Bruttowertschöpfung eine wichtige Rolle. Diese verändern zwar das BIP, aber nicht die Wertschöpfung selbst.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Felderer: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9. Auflage, Springer Verlag, Berlin 2005, S. 33–34, ISBN 3-540-25020-4
  2. a b c d e f g h i j Dieter Brümmerhoff: „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“, 8. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-486-58335-9, S. 40ff.
  3. Reiner Clement und Wiltrut Terlau: Grundlagen der angewandten Makroökonomie, Vahlen Verlag, München, 1998, ISBN 3-8006-2274-2, S. 21ff.
  4. Europäische System volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG) 1995, Abgerufen 20. November 2009
  5. Wirtschaftslexikon, 11. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden, 1983
  6. Lothar Wildman:“Makroökonomie, Geld und Währung“, Band 2, Oldenbourg Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-486-58196-6, S. 31–33.
  7. Alle Daten sind aus United Nations Database (UNdata)
  8. Europäische Kommission, Abrufen am 20. November 2009
  9. ‚‚Statistisches Landesamt Baden-Württemberg‘‘. Abgerufen am 14. November 2009.
  10. [ http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/essay.asp?xYear=2005&xMonth=10&eNr=08 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg], Abgerufen am 19. November 2009
  11. Heinz-Peter Hardes, Frieder Schmitz und Alexandra Uhly:‘‘ Grundzüge der Volkswirtschaftslehre‘‘, 8. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 2002, ISBN 3-486-25919-9

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Felderer: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9. Auflage, Springer Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-540-25020-4
  • Reiner Clement und Wiltrut Terlau: Grundlagen der angewandten Makroökonomie, Vahlen Verlag, München, 1998, ISBN 3-8006-2274-2
  • Dieter Brümmerhoff: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 8. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-486-58335-9
  • Gerold Blümle und Wolfgang Patzig: Grundzüge der Makroökonomie, 4. Auflage, Rudolf Haufe Verlag, Freiburg,1999, ISBN 3-448-01878-3
  • Lothar Wildman: Makroökonomie, Geld und Währung, Band 2, Oldenbourg Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-486-58196-6
  • Reiner Fischbach und Klaus Wollenberg: Volkswirtschaftslehre I Einführung und Grundlagen, 13. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-486-58307-6
  • Heinz-Dieter Hardes, Frieder Schmitz und Alexandra Uhly: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 8. Auflage, Oldenbourg Verlag, München, 2002, ISBN 3-486-25919-9
  • Otmar Issing: Geschichte der Nationalökonomie, 2. Auflage, Vahlen Verlag, München, 1988, ISBN 3-8006-1256-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bruttowertschöpfung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen