Produktionsprozess

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Produktionsprozesse bilden den Schwerpunkt betrieblicher Leistungserstellung. Ein Produktionsprozess im engeren Sinne ist eine standardisierte Fertigungsmethode, mit der in einem Industriebetrieb durch die maschinelle und/oder manuelle Be- und Verarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten ein verwertbares Produkt hervorgebracht wird (wobei meist mehrere Prozesse involviert sind).

Mit standardisiert ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass in der Regel jede Methode in Hinblick auf bestimmte Qualitätskriterien freigegeben (meist intern, teilweise vom Kunden) wird. Die Arbeitsplanung hat somit ein Pool an Fertigungsmethoden zur Auswahl, aus denen die am besten geeignete für die Erstellung des Arbeitsplans herangezogen wird. (Beispiel: Um elektrische Bauteile zu löten kann ein Handlötkolben oder Zinnbad, etc. verwendet werden. Die Methoden erfüllen unterschiedliche Qualitätsanforderungen. Genügen mehrere Methoden den Anforderungen eines Produktes, so wird die kostengünstigere zu Tragen kommen.)

Produktionsprozesse stehen in engem Zusammenhang mit anderen Funktionen eines Betriebs wie Forschung und Entwicklung, Management oder Service. Besonders eng verbunden sind Produktionsprozesse mit logistischen Prozessen, die der Beschaffung, dem Materialfluss und der Distribution dienen.

Merkmale von Produktionsprozessen[Bearbeiten]

Produktionsprozesse sind sehr vielfältig. Sie können anhand vieler Merkmale, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können, unterschieden werden:

Ein Beispiel für den Ablauf eines chemischen Produktionsprozesses (Isoliermittel):

  • Die Arbeitsvorbereitung plant die SOLL-Produktionsdaten
  • Die Planwerte werden an den Produktionsbereich weitergegeben
  • Die Produktion beginnt mit dem Vermischen mehrerer Rohstoffe
  • Diese werden von einem Betriebsmittel in Formen gepresst
  • Über ein Band werden die Rohstoffe zum Hochofen transportiert
  • Bei über 1000 Grad C erfolgt der Schmelzprozess im Hochofen
  • Über Platindüsen erfolgt die weitere Bearbeitung
  • Im Schacht wird Bindemittel beigegeben
  • Über den Schacht fallen die Isolierfasern auf das Band
  • Es entsteht ein Isoliermittelflies, das nach Maß geschnitten wird
  • Die Produktionskontrolle prüft die IST-Produktionsdaten
  • Sie nimmt einen SOLL-IST-Vergleich vor
  • Bei Unregelmäßigkeiten in der Produktion ist nachzusteuern

Weitere Stichworte:

  • Unterschiede klassische und moderne „intelligente“ Produktionsprozesse
  • Unterschiedliche Sichtweisen auf Produktionsprozesse (u. a. (betriebs)wirtschaftlich, arbeitswissenschaftlich, (industrie)soziologisch)

Produktionsprozesse und Produktionsnetzwerke[Bearbeiten]

Im Rahmen der Globalisierung werden die Produktionsprozesse bei weltweit operierenden Unternehmen auf viele unterschiedliche und spezialisierte Fertigungswerke aufgeteilt. Dadurch entstehen globale Produktionsnetzwerke, zwischen denen ein Fertigungs- und Lieferverbund besteht, der genau zu planen und zu steuern ist. Dies gilt z. B. für die Automobilindustrie, wo einzelne Automobilkonzerne über einhundert Produktionsstätten besitzen [1]. Zudem haben die Automobilhersteller wie Toyota, Mercedes oder Volkswagen ein eigenes Produktionssystem (Unternehmen) entwickelt, um die Produktionsprozesse zu vereinheitlichen und damit besser beherrschbar zu machen und um weltweit eine einheitliche Produktqualität sicherzustellen (s. a. Toyota-Produktionssystem).

Quellen[Bearbeiten]

  1. Herlyn, "PPS im Automobilbau", Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-41370-2, S. 136

Literatur[Bearbeiten]

  • Piore, M. J., Sabel, Ch. F.: Das Ende der Massenproduktion. Frankfurt a.M.: Fischer, 1989.
  • Schneeweiß, Ch., Einführung in die Produktionswirtschaft, 8. Aufl., Berlin 2002
  • Spur, G.: Vom Wandel der industriellen Welt durch Werkzeugmaschinen. München, Wien: Hanser, 1991.
  • Wangenheim, S.: Planung und Steuerung des Serienanlaufs komplexer Produkte. Dargestellt am Beispiel der Automobilindustrie. Frankfurt a.M., Berlin, Bern, u. a.: Peter Lang, 1998.

Siehe auch[Bearbeiten]