Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller

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Gedenktafel am Haus Sophienstraße 18 in Berlin-Mitte

Der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands, gegründet am 19. Oktober 1928 in Berlin, wurde 1929 oder 1930 ins Vereinsregister eingetragen.[1][2] Der Schriftstellerverband stand der KPD in der Weimarer Republik nahe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder des Bundes bestanden aus zwei Gruppen. Einerseits waren es „bürgerliche“ Schriftsteller, die sich innerhalb der KPD engagierten und offen für neue experimentelle Literaturformen waren. Andererseits gab es echte Arbeiter, wie Hans Marchwitza, Willi Bredel und Kurt Held, die über die Arbeiterkorrespondenzbewegung der KPD zum Schreiben gekommen waren und jetzt nach Publikationsmöglichkeiten suchten.

Die Machtkämpfe zwischen beiden Gruppen bestimmten die Entwicklung des Bundes. Die bürgerlichen Schriftsteller warfen den Proletariern die mangelnde Qualität ihrer Produkte vor; die Arbeiterschriftsteller behaupteten, Bürgerliche könnten überhaupt keine proletarische Literatur verfassen.

1931 griff Georg Lukács in die Diskussionen des BPRS ein. Er lehnte dabei die Formexperimente der bürgerlichen Autoren ebenso ab wie die Werke der proletarischen Autoren, die ihn sprachlich und formal allzu penetrant an den Stil kommunistischer Schulungsunterlagen erinnerten. Beiden Gruppen stellte er die bürgerliche Literatur des 19. Jahrhunderts als Vorbild gegenüber.
Lukács wurde damit zu einem der ersten theoretischen Begründer des sozialistischen Realismus, doch wurde seine Position erst in der Zeit des Exils verbindlich.

Die Mitgliederzeitschrift war die Die Linkskurve[3], deren letzte Ausgabe am 1. Dezember 1932 erschien[4] Nach der Machtergreifung bestand der Bund noch einige Zeit weiter, so in Prag, Paris, Wien, wo im Frühjahr 1930 der Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs gegründet worden war, und in der Schweiz.[5]

Organisation des Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sekretär fungierte Ludwig Renn, der auch presserechtlich für die Zeitschrift verantwortlich zeichnete. Die Abonnentenbeiträge wurden auf das Konto von Karl Paul Körner überwiesen. Der monatliche Beitrag belief sich auf 75 Pfenning im Monat.[6] In Bochum leitete Paul Knoop die Ortsgruppe, in Braunschweig Walter Grünhagen, in Bremen Hans Weile, in Breslau Johann Aust, in Dortmund August Heimann bzw. Emil Kostburg bzw. Hans Kwella, in Dresden Richard Sprengler, in Duisburg-Hamborn Heinz Bähr, in Düsseldorf Alfred Fuhrmann, in Erfurt Herbert Barth, in Hamm Otto Matzek, in Essen Hans Marchwitza bzw. Artur Jopp, in Frankfurt am Main das IFA Büro bzw. P. W. Eschenbam, in Halle an der Saale Wolf Schütze, in Hamborn Hans Marchwitza, in Hamburg Emil Kritzky bzw. Heinz Liepmann bzw. Georg Erich Block, in Hannover Gustav Schenk, in Hindenburg in Oberschlesien Wilhelm Tkaczyk bzw. Gerhart Baron bzw. Berta Schilder, in Krefeld H. Brackelmanns, in Leipzig Wilhelm Tucholke bzw. Johann Kirsche, in Magdeburg Erich Reinhardt, in München Rudolf Singer, in Oldenburg Fanny Mütze-Specht[7], in Oppeln Josef Wiesalla, in Stuttgart Anni Geiger-Gog und in Wiesbaden Georg W. Manfred bzw. Friedrich Röstel.

Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Österreichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In April Heft 1930 schrieb die Links-Kurve über die Gründung der österreichischen Gruppe. „1. Vorsitzender : Ernst Fabri 2. Vorsitzender: Hans Maier 1. Schriftführer: Lili Körber 2. Schriftführer: Fritz Bartl 1. Kassierer Franz Millik 2. Kassierer: Max Lazarowitsch Beisitzer Hilde Wertheim Paul Antl Franz Hladik Erwin Zucker.“[8] Am 7. März 1934 wurde der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Österreichs formell aufgelöst.[9]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktiv im Bund war zudem die Bibliothekarin Hertha Block[11]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Linkskurve. Eine literarisch-kritische Zeitschrift

Beschreibung literarisch, politische Zeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag Internationaler Arbeiterverlag G.m.b.H., Berlin
Erstausgabe 1. August 1929
Einstellung 31. Dezember 1932
Erscheinungsweise monatlich
Chefredakteur Ludwig Renn
Herausgeber Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller Deutschlands
  • Johannes R. Becher, Kurt Kläber, Hans Marchwitza, Erich Weinert, Ludwig Renn (Hrsg.) Die Links-Kurve. Internationaler Arbeiterverlag, Berlin 1929–1932.
  • Johannes R. Becher, Kurt Kläber, Hans Marchwitza, Erich Weinert, Ludwig Renn (Hrsg.) Die Links-Kurve. 4 Bände. Druck-Verlags-Vertriebs-Kooperative, Frankfurt 1971. (= Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus Band 8–11)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. In: Lexikon sozialistischer deutscher Literatur bis 1945. Monographisch-biographische Darstellungen.. Bibliographisches Institut, Leipzig 1964, S. 130–135 mit Bibliografie, S. 135.
  • Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland. Eine Auswahl von Dokumenten. 2. durchges. u. erw. Aufl. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1967.
  • Literatur der Arbeiterklasse. Aufsätze über die Herausbildung der deutschen sozialistischen Literatur (1918–1933). Bd. 1. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1971.
  • Aktionen – Bekenntnisse – Perspektiven, Berichte und Dokumente vom Kampf um die Freiheit des literarischen Schaffens in der Weimarer Republik, hrsg. von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, Sektion Dichtkunst und Sprachpflege, bearbeitet von Alfred Klein, Berlin und Weimar (Aufbau) 1966.
  • Helga Gallas: Marxistische Literaturtheorie – Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, Neuwied (Luchterhand) 1971. ISBN 3-472-61019-0
  • Alfred Klein: Im Auftrag ihrer Klasse. Weg und Leistung der deutschen Arbeiterschriftsteller 1918–1933. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1972.
  • Der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) 1929–1933. (=Kunst und Gesellschaft Heft 11/12). Kunst und Gesellschaft, Tübingen 1972.
  • Sammlung proletarisch-revolutionärer Erzählungen. Hrsg. Walter Fähnders, Helga Karrenbrock u. Martin Rector. Luchterhand, Darmstadt, Neuwied 1973.
  • Arbeiterdichtung. Analysen – Bekenntnisse – Dokumentationen, hrsg. von der Österr. Gesellschaft für Kulturpolitik. Hammer, Wuppertal 1973. ISBN 3-87294-041-4
  • Günter Heintz (Hrsg.): Texte der proletarisch-revolutionären Literatur Deutschlands 1919–1933. Reclam, Stuttgart 1974. ISBN 3-15-009707-X
  • Wolfgang Rothe (Hrsg.): Die deutsche Literatur in der Weimarer Republik. Reclam, Stuttgart 1974.
  • Walter Fähnders: Proletarisch-revolutionäre Literatur der Weimarer Republik. Metzler, Stuttgart 1977.
  • Christoph M. Hein: Der „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands“, Biographie eines kulturpolitischen Experiments in der Weimarer Republik, Münster (Westf.), 1990. (Univ., Diss., 1990)
  • Rüdiger Safranski, Walter Fähnders: Proletarisch-revolutionäre Literatur. In: Literatur der Weimarer Republik 1918–1933. Hrsg. Bernd Weyergraf. München 1995, S. 174–231.
  • Walter Fähnders: Zur Erforschung proletarischer Literaturtraditionen. Am Beispiel eines Lexikons. In: Literaturtheorie und Geschichte. Zur Diskussion materialistischer Literaturwissenschaft. Hrsg. Rüdiger Scholz u. Klaus-Michael Bogdal. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, S. 254–266.
  • Dieter Schiller: Über Ottwalt, Herzfelde und den Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller in Prag. Studien und Dokumente (= Pankower Vorträge 44), Helle Panke e.V. Berlin 2002.
  • Dieter Schiller: Zur Arbeit des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftstellerim Pariser Exil. In: UTOPIE kreativ, H. 102 (April) 1999, S. 57–63. Digitalisat
  • Christian Dietrich Literarisches Profil und politisches Programm. Zur Konzeptualisierung der Monatszeitschrift "Die Linkskurve", in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft I/2017. Metropol Berlin 2017, S. 7–21. ISSN 2366-2387

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Achtung! Alle Manuskripte und Zuschften an den Bund und an die ‚Linkskurve‘ sind bis zur Eintragung des Bundes ins Vereinsregister nur an Ludwig Renn, Charlottenburg 4, Mommsenstraße 51, zu richten“. In: Die Linkskurve. 1. Jg. Nr. 4. November 1929, S. 31.
  2. Im Januar oder Februar 1930 wurde der „Bundesvorstand“ gewählt. „1. Vorsitzender: Joh. R. Becher 2. Vorsitzender: Paul Körner 3. Vorsitzender Karl Grünberg 1. Schriftführer Georg W. Pijet 2. Schriftführer Kurt Steffen 1. Sekretär: Ludig Renn 2. Sekretär Berta Lask Kassierer: Willy Adam 1. Beisitzer: Alexander Abusch 2. Beisitzer: K. A. Wittvogel 3. Beisitzer: Kurt Peterson Leiter der Arbeitsgemeinschaften Andor Gabor“. In: Die Linkskurve. 2. Jg. Nr. 2. Februar 1930, S. 32.
  3. Ein Einzelheft kostete 30 Pfennige, das Jahresabonnement 3,00 Mark.
  4. Vgl. Christian Dietrich Literarisches Profil und politisches Programm. Zur Konzeptualisierung der Monatszeitschrift "Die Linkskurve", in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft I/2017, S. 7–21.
  5. Johannes R. Becher: Bericht über die Tätigkeit während meiner Reise vom 5. Juli bis 27. September 1933. In: Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland, S. 570 ff.
  6. Die Links-Kurve. 1. Jg. Nr. 1. 1. August 1929, S. 36.
  7. Erika Schwarz: Das nahezu vergessene, aber denkwürdige Leben der Fanny Mütze-Specht (1896–1979). In: Rassismus, Faschismus, Antifaschismus gewidmet Kurt Pätzold zum 70. Geburtstag/ hrsg. Manfred Weißbecker und Reinhard Kühnl unter Mitw. von Erika Schwarz. PapyRossa-Hochschulschriften, 32, Köln 2000. ISBN 3-89438-199-X
  8. Die Links-Kurve. 2. Jg. Nr. 4. April 1930, S. 32.
  9. BPRS Österreich. Zugriff am 12. Dezember 2015
  10. Literatur zur deutschsprachigen Presse. Eine Bibliographie von den Anfängen bis 1970. Band 10, Biographische Literatur. A–E. Saur, Berlin 1999, S. 65.
  11. , die im SA-Gefängnis Papestraße eingekerkert wurde. Zum Gedenken an Block wurde die 2012 eröffnete Hertha-Block-Promenade in Berlin nach ihr benannt.