Bunker in Hamburg

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Ehemaliger Flakbunker Heiligengeistfeld
„Zombeck“-Rundbunker am Bahnhof Barmbek
Umgebauter Hochbunker in der Schellingstraße in Eilbek

Auf dem Gebiert der Stadt Hamburg befinden sich ca. 700 Bunker, die meisten unterirdisch. Im Zweiten Weltkrieg wurden in Hamburg mehr Bunker errichtet als in jeder anderen Stadt.[1]

Bunkerbau im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden nur wenige öffentliche Luftschutzräume mit insgesamt 10.000 Plätzen bei einer Einwohnerzahl von etwa 1,7 Millionen. Für den Schutz der Zivilbevölkerung wurden ausgebaute Keller als ausreichend angesehen. Die unterirdischen Großanlagen wie am Spielbudenplatz und am Hauptbahnhof (Westseite: Tiefbunker Steintorwall, 2.486 Plätze in zwei unabhängigen, aber verbundenen Teilanlagen mit je drei Stockwerken) entstanden erst im Zuge des sogenannten „Führer-Sofortprogramms“, das im Oktober 1940 erlassen wurde.[1] Auslöser waren die Luftangriffe auf Berlin und andere deutsche Städte durch die britische Royal Air Force (RAF) nach den ersten Angriffen der deutschen Luftwaffe auf Großbritannien („The Blitz“).

Rundbunker (Zombeck-Türme)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundbunker Vorsetzen

Von 1939 bis 1941 wurden insgesamt elf Luftschutztürme der Bauart „Zombeck“ in Hamburg errichtet, von denen heute noch neun existieren. Diese Türme stehen zumeist in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten wie S-Bahn-Haltestellen und Straßenbrücken. Jeder Zombeck-Turm war für 600 Personen ausgelegt; tatsächlich boten sie bei den Bombenangriffen auf Hamburg aber jeweils über 1000 Menschen Platz.

Durch äußere Verkleidung mit ortstypischen Klinkern wurden die Rundbunker dem Hamburger Stadtbild angepasst. Wegen Material- und Arbeitskräftemangels und begrenzten Transportkapazitäten konnten nicht alle Luftschutzhäuser Hamburgs mit den ortstypischen, roten Ziegelsteinen verkleidet werden.

Fünf der Zombeck-Türme stehen heute unter Denkmalschutz: Der Rundbunker auf der Moorweide am Dammtor, der am Bahnhof Barmbek, die beiden im Norden der Veddel (unweit der Elbbrücken) und der Bunker Vorsetzen. Letzterer, direkt neben der Hochbahnstrecke zwischen Landungsbrücken und Baumwall gelegen, ist der bekannteste. Besonders reich verziert ist der Moorweidenbunker, der heute eine Bar beherbergt. Die anderen vier noch existierenden Rundbunker befinden sich im Westen von Rothenburgsort an der Billhorner Brückenstraße und an den Bahnhöfen Berliner Tor, Sternschanze (Sportgelände im Sternschanzenpark) und Hasselbrook.

Die beiden abgerissenen Rundbunker befanden sich neben dem Museum für Kunst und Gewerbe am Hauptbahnhof (2002 im Rahmen der Erweiterung des Busbahnhofs abgerissen) und an der heutigen Ottenser Hauptstraße (1951 abgerissen, heute Einkaufszentrum Mercado).[2]

Ein zwölfter Hamburger Rundbunker befand sich im Hafen westlich des Rosshafens. Dieser Ringtreppenturm war der einzige seiner Art in Hamburg und war als Werkschutzraum der Howaldtswerke errichtet worden.[2] Er wurde im Jahr 2009 abgerissen.[3][1]

Flaktürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hamburger Flaktürme

U-Boot-Bunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Elbe II und Fink II

Wiederaufrüstung im Kalten Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 kam es zunächst zu einer Phase der sogenannten „Entfestigung“. Auf Veranlassung des Alliierten Kontrollrats sollten alle Bunkeranlagen mit einem Fassungsvermögen von über 100 Personen gesprengt werden. Viele Anlagen wurden jedoch wegen der Kriegszerstörungen als Wohnraum genutzt. Daher wurden solche Bunker von der Zerstörung ausgenommen, „die für die deutsche Zivilbevölkerung notwendig waren“.

Mit der Eskalation des Kalten Krieges durch den Ausbruch des Koreakrieges 1950, der Einbindung der Bundesrepublik in das westliche Bündnis und der damit verbundenen Wiederbewaffnung erfolgte der Aufbau eines neuen Zivilschutzes und damit eine erneute Nutzung der Bunkeranlagen. Dabei entsprachen die „Richtlinien für Schutzraumbauten“ vom 27. Juli 1955 weitgehend denen des „Führer-Sofortprogramms“ von 1940. Ab Oktober 1957 mussten für abgerissene Bunker Ersatzbauten geschaffen werden. Das sogenannte „Schutzbaugesetz“ vom November 1962 forderte schließlich die Wiederherstellung bestehender Luftschutzanlagen und Umstellung auf die Erfordernisse eines etwaigen Atomkrieges.

Mehrzweckanlagen (MZA)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MZA Drosselstraße in Hamburg-Barmbek-Nord
ABC-Filter U-Bahn-Haltestelle Niendorf-Nord

Bereits zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges hat man Schutzräume gebaut, die auch in Friedenszeiten eine Aufgabe haben, wie zum Beispiel die Tiefgarage am Spielbudenplatz im Stadtteil St. Pauli.

Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden einige neue Schnellbahnstationen als sogenannte Mehrzweckanlagen errichtet. Im Kriegsfall wären diese Anlagen innerhalb kurzer Zeit zu Schutzräumen für bis zu 5.000 Menschen umfunktioniert worden. In den S-Bahn-Stationen sollten Züge als Aufenthaltsräume dienen, und auf den Bahnsteigen sollten Betten aufgebaut werden.

Auch die Ladenpassage über der Station Jungfernstieg (Zwischenebene) sollte im Kriegsfall als Schutzraum dienen.

Als Tiefgaragen genutzte Mehrzweckanlagen befinden sich in den Stadtteilen Neustadt, Barmbek, Bergedorf und Rahlstedt. Wegen mangelnder Finanzmittel werden dort seit ca. dem Jahr 2000 nur noch dringend notwendige bauliche Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Museen und Führungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bunkermuseum Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hamburg-Hamm wurde zwischen 1940 und 1941 ein Röhrenbunker in dem unbebauten Gelände hinter der Wichernkirche erbaut. Der Eingang liegt versteckt hinter der 1954 nach Kriegszerstörung neu aufgebauten Kirche am Wichernsweg 16.[4] Dieser Bunker besteht aus einem Eingangsbauwerk mit Treppe und Gasschleuse, einem Notausgangsbauwerk und vier Betonröhren. Die Sohle liegt etwa fünf Meter unter der Erde, die Röhren sind jeweils 17 Meter lang, zwei Meter breit, und weisen eine lichte Höhe von 2,25 Metern auf. Jede der Röhren war für etwa 50 Personen vorgesehen, sie boten also insgesamt Raum für 200 Menschen. Vorgesehen waren Trockentoiletten, Beheizung und Beleuchtung sowie eine handbetriebene Lüftungsmaschine. Wandbeschriftungen sind im Innern erhalten. Oberirdisch sind nur Eingangs- und Notausgangsbauwerk erkennbar. Im Jahr 1997 wurde in diesem Bauwerk das Bunkermuseum eingerichtet, in dem neben Ausstattungsgegenständen auch Dokumente zum Thema Luftschutz und den verschiedenen Luftschutzbauten des Zweiten Weltkriegs ausgestellt werden.[5] Gezeigt werden außerdem Berichte von Zeitzeugen, die den Hamburger Feuersturm 1943 in Hamburg-Hamm miterlebt haben. Der Röhrenbunker wird vom Stadtteilarchiv Hamm betreut und ist seit Oktober 2002 in die Hamburger Denkmalliste eingetragen.[4]

Verein Hamburger Unterwelten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gemeinnützige Verein „Hamburger Unterwelten e. V.“ besteht seit Januar 2006 und hat sich die Erforschung, Erhaltung und Dokumentation unterirdischer Bauwerke in Hamburg zum Ziel gesetzt. Der Verein bietet in regelmäßigen Abständen Führungen durch unterschiedliche Bauwerke an, darunter der Tiefbunker Steintorwall direkt am Hauptbahnhof und das Hilfskrankenhaus Wedel unter dem Johann-Rist-Gymnasium.

Verein Unter Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde im Januar 2006 gegründet und hat sich die Erforschung unterirdischer Bauwerke in Hamburg zum Ziel gesetzt. Satzungsgemäßer Zweck ist die Dokumentation und kritische Aufarbeitung der Geschichte dieser Bauwerke. Der Verein nutzt den Tiefbunker am Berliner Tor für öffentliche Rundgänge. Auf Initiative des Vereins wurde der Bunker des ehemaligen Reichsstatthalters Karl Kaufmann im Jahre 2010 unter Denkmalschutz gestellt. Neben den Bunkern sind auch andere unterirdische Bauwerke wie Tunnel und Kanäle im Fokus, die sonst der Öffentlichkeit entzogen sind.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bunkers in Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jochen Lambernd: Hamburg ist Bunker-Hochburg. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 20. Dezember 2016, abgerufen am 21. Februar 2017.
  2. a b Michael Grube: Luftschutztürme - Bauarten und -typen. In: geschichtsspuren.de. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  3. Michael und Christel Grube: Ringtreppenturm Rosshafen. Ein Luftschutzturm in Hamburg. In: Schriftenreihe. Hamburger Unterwelten e. V., 4. April 2014, abgerufen am 21. Februar 2017 (PDF; 6,6 MB, kostenloses eBook zum Download).
  4. a b Das Bunkermuseum Hamburg. In: hh-hamm.de, Stadtteilarchiv. Stadtteilinitiative Hamm für Freizeit und Kultur e.V., abgerufen am 20. Mai 2011.
  5. Bunkermuseum Hamburg. Air-Raid Shelter Museum Hamburg. Stadtteilinitiative Hamm, 17. Januar 2014, abgerufen am 21. Februar 2017 (PDF; 295 kB, de, en).