Burg Chojnik

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Burg Chojnik
Die Kynastburg im frühen 20. Jahrhundert

Die Kynastburg im frühen 20. Jahrhundert

Alternativname(n): Kynastburg
Entstehungszeit: 1292
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Jelenia Góra
Geographische Lage 50° 49′ 59″ N, 15° 38′ 48″ OKoordinaten: 50° 49′ 59″ N, 15° 38′ 48″ O
Höhe: 627 m
Burg Chojnik (Polen)
Burg Chojnik

Die Ruine der Burg Chojnik (deutsch Kynastburg, auch der Kynast) ist eine ehemalige Burganlage bei Sobieszów (Hermsdorf unterm Kynast), heute Stadtteil von Jelenia Góra (Hirschberg). Sie gehörte zum Herzogtum Schweidnitz-Jauer und war ab 1825 ein Teil der Standesherrschaft Kynast. Die Sagen und Mythen über die Burg Kynast dienten mehreren Schriftstellern als Schreibvorlage.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Kynast um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Burg Chojnik befindet sich Hirschberger Tal am Fuß des Riesengebirges. Sie liegt auf der Kuppe des bewaldeten Chojnik (Kynast), einem 627 m hohen Granitfelsen. Auf dessen südöstlicher Seite befindet sich ein 150 m abfallender Steilhang hinunter ins sogenannte Höllental. Die Burg gehört zum Gebiet eines Naturreservats, das eine Exklave des Nationalparks Riesengebirge (Karkonoski Park Narodowy) bildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kynastburg in einer Zeichnung aus dem Jahr 1908
Burg Chojnik im Winter, heutiger Zustand
Grundriss der Burg Chojnik
Burg Chojnik im Winter, heutiger Zustand

Die Burg Chojnik wurde vermutlich 1292 vom Schweidnitzer Herzog Bolko I. als Grenzfestung gegenüber Böhmen errichtet. Dessen Enkel Bolko II. erbaute hier in den 1350er Jahren eine steinerne Burg. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1364 als „Kinast“. Damals gehörte sie als Pfand dem späteren Landeshauptmann von Breslau Thimo III. von Colditz, fiel jedoch nach kurzer Zeit wieder an Herzog Bolko II. zurück. Nach seinem Tod 1368 fiel das Herzogtum Schweidnitz erbrechtlich an die Krone Böhmen, wobei seiner Witwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zustand. Sie übergab die Kynastburg vermutlich 1381 dem Ritter Gotsche Schoff, dem Begründer des Geschlechts der Schaffgotsch, als Lehen. Er soll sowohl bei Herzog Bolko II. als auch bei der Herzogin Agnes in hoher Gunst gestanden haben und hatte bereits 1375 von der Herzogin die Hirschberger Landvogtei erhalten. Die Schaffgotsch waren eine der mächtigsten Adelsfamilien in Schlesien und Böhmen. Zur Herrschaft Kynast gehörten später 16 Güter, u. a. Hermsdorf, Herischdorf, Petersdorf, Schreiberhau und Warmbrunn.

Schon um das Jahr 1393 begann Gotsche Schoff mit dem Bau der Burgkapelle aus rotem Sandstein, die einen Erker über der Toreinfahrt bildete. Der Bau wurde vermutlich im Jahre 1405 beendet und kurz danach der weitere Ausbau der Festung begonnen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden von der Burg aus die Angriffe der einfallenden Hussiten wirksam zurückgeschlagen. Kurze Zeit später war die Burg ein berüchtigtes Raubritternest. Von ihr aus wurde die Bevölkerung der Umgebung sowie die vorbeiziehenden Kaufleute ausgeplündert. Ulrich von Schaffgotsch († 1543) vereinigte im Jahre 1511 die Herrschaften Kynast und Greiffenstein.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgte unter Hans Ulrich von Schaffgotsch ein Ausbau der Burg, die gleichzeitig befestigt wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges diente Hans Ulrich von Schaffgotsch als General in der Kaiserlichen Armee Albrecht von Wallensteins. Als der Kaiser das Vertrauen in seinen General verlor, wurde Hans Ulrich 1634 arrestiert und ein Jahr später wegen Verrats enthauptet. Alle Güter der Familie Schaffgotsch wurden konfisziert. Noch vor Ende des Krieges besetzten die Kaiserlichen unter dem Kommando von Rudolf Hieronymus Eusebius von Colloredo-Waldsee die Burg Kynast, der sie gegen die Angriffe der Schweden verteidigte. Nach dem Ende des Krieges 1648 wurde Hans Ulrichs Sohn Christoph Leopold von Schaffgotsch 1649 von Kaiser Ferdinand III. zum schlesischen Oberamtsrat ernannt. Ein Jahr später bekam er seine Besitzungen zurück. Während eines Unwetters am 31. August 1675 traf ein Blitzschlag die Burg, die damals vollständig ausbrannte. Ein Wiederaufbau wurde nicht unternommen, so dass die Ruinen der Burg verödeten. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel die Kynsburg zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.

Da die Ruine schon im frühen 19. Jahrhundert zur Touristenattraktion wurde (unter diesen die preußische Königsfamilie, Heinrich von Kleist, Johann Wolfgang von Goethe und Theodor Körner), bauten die Schaffgotschs 1822 eine Gaststätte und eine Bergführer-Basis an. Drei Jahre später errichteten sie den Turm wieder.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel die Ruine der Kynastburg 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen. Die Familie Schaffgotsch wurde enteignet. 1960 wurde in der umgebauten Nordbastei die Baude des Polnischen Verbands für Touristik und Landeskunde eröffnet, die bis heute in Betrieb ist. 1964 wurde die Burg von Grund auf instand gesetzt. Seit Anfang der 1990er Jahre dient die Festung als Sitz der Ritterbrüderschaft der Burg Chojnik.

Burganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verteidigungsbauwerk wurde auf einer viereckigen Grundfläche mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 10 m gebaut. Der nordwestliche Teil wurde gänzlich vom Wohngebäude eingenommen, von dem aus sich der von Mauern umgebene Burghof nach Osten hinzog. Die Gesamtanlage schlossen vom Osten der runde Wehrturm und auf der Nordseite die Toreinfahrt ab.

Um 1405 legte Gotsche Schoff II. den Grundstein für die Kapelle des heiligen Georg und der heiligen Katharina, die in Gestalt eines Erkers über der Toreinfahrt erbaut worden war. Noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der Burghof bedeutend erweitert: In der Mitte des Burghofes stand eine gemauerte Staupsäule, die in das Jahr 1410 datiert wird und die bis heute erhalten ist. Die nächsten Erweiterungen folgten zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Auf der nordöstlichen Seite entstand eine ausgedehnte Unterburg, die hauptsächlich durch Wirtschaftsgebäude eingenommen wurde.

Die Unterkünfte für die Besatzung sowie die Küche grenzten an den Ostteil der Mauern; in der Nordecke wurde der Debattiersaal errichtet. Auf dem Terrain der Burg gab es keine Möglichkeit, einen Burgbrunnen zu graben, weswegen sowohl auf dem unteren als auch dem oberen Burghof Felsenzisternen zum Auffangen von Regenwasser errichtet wurden. 1560 wurde die langgestreckte Nordbastei erbaut und etwa zur gleichen Zeit Haupttor mit der Zugbrücke; dicht am Tor befand sich der Stall. Das Mauerwerk wurde mit einer Renaissanceattika verschönert.

In den 1740er, als die Burg von der kaiserlichen Armee eingenommen wurde, erfolgten weitere Befestigungen. Im nordwestlichen Teil entstand eine Bastion, die die nächste Linie von Verteidigungsmauern sowie die Torbastei auf der westlichen Seite bildete. Auf dem oben erwähnten Burghof wurde neben dem Haupttor ein Quartier für den Kommandanten errichtet.

Sagen und Mythen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Höllental, Aufnahme von 1926

Die bekannteste Sage, die mit der Kynastburg verbunden ist, ist die Geschichte von der schönen Prinzessin Kunigunde, der Tochter des wohlhabenden Burgherrn. Um ihre Hand hielten viele bedeutende Ritter an, die auf die Burg kamen, doch die Prinzessin stellte jedem Bewerber eine Bedingung. Sie würde dessen Frau werden, der in voller Rüstung auf seinem Pferd um die Burgmauern reitet. Alle wussten, dass diese Forderung wegen des Steilhanges des Berges fast unerfüllbar war, doch so mancher Ritter hatte seine Kräfte erprobt. Alle kamen um, da sie in den Abgrund fielen, und die klügeren verzichteten rechtzeitig.

Viele Jahre vergingen und viele junge Männer verloren ihr Leben, bis der Landgraf von Thüringen auf der Burg erschien, der Kunigunde sofort gefiel. Sie wollte sogar seinetwegen auf die tödliche Probe verzichten, aber der stolze Wagehals nahm, im Sattel sitzend, die Herausforderung an. Er umritt die Burg, und sein Pferd hielt sich auf dem steilen Weg. Es ertönten die Fanfaren und die Prinzessin lief hinaus, um ihm um den Hals zu fallen. Dieser jedoch erwiderte, dass er längst vermählt sei und ihre blutige Hand niemals anrühren würde. Daraufhin ritt er fort und die Prinzessin stürzte sich selbst in den bergigen Abgrund, da sie die Demütigung nicht ertragen konnte. Nach einer zweiten Version der Sage ging sie in ein Kloster und starb nach kurzer Zeit an gebrochenem Herzen, nach einer dritten Version heiratete sie auf Empfehlung des Landgrafen Ritter Hugo von Erbach, ließ die Mauer abbrechen und sühnte ihren Frevel.

Überliefert ist die Sage u. a. in den Sammlungen von Johann Gustav Büsching („Volkssagen, Märchen und Legenden“, 1812), Ludwig Bechstein („Deutsches Sagenbuch“, 1853) und Johann Georg Theodor Grässe („Sagenbuch des Preußischen Staats“, 1868/1871). Die Sage nahmen Ludwig Bechstein („Der Mauerritt“), Theodor Körner („Der Kynast“) und Friedrich Rückert („Die Begrüßung auf dem Kynast“) als Vorlage zu Balladen. In dem Gedicht „Auf dem Kynast“ stellt die Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters Kunigunde als emanzipierte Frau dar.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von den „Ruinen des Kynast“ (u ruin Kynastu) schrieb 1872 Adam Chodyński in seinem Gedicht W zwaliskach („in Trümmern“).[1]
  • Seit 1991 findet auf der Burg jährlich ein Armbrustturnier mit dem Titel O Złoty Bełt Zamku Chojnik („Um den goldenen Bolzen der Kynastburg“) statt, das seit 1993 von dem Bractwo Rycerskie Zamku Chojnik („Bruderschaft der Ritter der Kynastburg“) veranstaltet wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Chojnik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adam Chodyński (1832–1902): W zwaliskach