Hans Ulrich von Schaffgotsch (General)

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Hans Ulrich von Schaffgotsch

Hans Ulrich von Schaffgotsch, genannt Semperfrei von und zu Kynast und Greiffenstein, Freiherr von Trachenberg auf Warmbrunn (* 28. August 1595[1] auf Burg Greiffenstein; † 23. Juli 1635 in Regensburg) war im Dreißigjährigen Krieg, obwohl Protestant, ein General Kaiser Ferdinands II. Schaffgotsch war 1634 in den Sturz Wallensteins verwickelt, wurde verhaftet und vom Kaiser des Hochverrats beschuldigt. Ohne dass Schaffgotschs Schuld erwiesen oder von ihm unter der Folter eingestanden worden war, ließ der Kaiser ihn 1635 hinrichten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Ulrich von Schaffgotsch entstammte dem reichen und bedeutenden schlesischen Adelsgeschlecht derer von Schaffgotsch. Er war ein Sohn Christophs von Schaffgotsch (1552–1601), Reichsfreiherr von Kynast]] und Greiffenstein, aus dessen zweiter Ehe mit Eleonore von Promnitz (1576–1611).[2] Hans Ulrich war das jüngste von fünf Kindern.

Ab 1609 besuchte Schaffgotsch die Universitäten Tübingen, Altdorf und Leipzig. In den Jahren 1611–1614 absolvierte er seine Grand Tour durch Italien, Spanien, Frankreich, England und die Niederlande. Dann übernahm er selbständig die Verwaltung seines umfangreichen Besitzes. Er hatte den Stammbesitz seines Vaters, die Herrschaften Kynast und Greiffenstein, mit der von dessen Vetter erworbenen Herrschaft Trachenberg und Besitzungen seiner kinderlosen Onkel, Alt Kemnitz, Hertwigswalde, Prausnitz und Schmiedeberg vereinigt.

Am 18. Oktober 1620 heiratete er Barbara Agnes von Brieg (* 24. Februar 1593 in Ohlau; † 24. Juli 1631), eine Tochter des Herzogs von Brieg, Joachim Friedrich. Der Ehe entsprangen zehn Kinder.

Nachdem die Stände Böhmens König Ferdinand II. abgesetzt hatten, wählte ihre Böhmische Konföderation Schaffgotsch zu einem der Defensoren des Protestantismus in Schlesien. Die Niederlage Friedrichs V. von der Pfalz in der Schlacht am Weißen Berge hatte die Wiedereinsetzung Kaiser Ferdinands II. als König in Böhmen und damit als Landesherr in Schlesien zur Folge. Am schwor Schaffgotsch seinem Vertreter in Breslau die Treue. Als 1626 feindliche Truppen unter Ernst von Mansfeld und Christian von Dänemark in Schlesien einfielen, trat ihnen auf Wunsch des Kaisers Schaffgotsch mit angeworbenen Truppen entgegen. Im kaiserlichen Heer stieg er zum General auf und gehörte zum Umkreis des Oberfeldherren Wallenstein.

Im Jahr 1627 verlieh Kaiser Ferdinand II. Schaffgotsch und seinen Nachfahren den Titel Semperfrei mit allen Rechten eines schlesischen Fürsten.

In unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Ermordung Wallensteins fiel Schaffgotsch bei Ferdinand II. in Ungnade. Dies ist zurückzuführen auf die enge, persönliche Bindung an den Generalissimus, manifestiert in den Pilsener Schlüssen vom 12. Januar und 19. Februar 1634. Der erste Pilsener Schluss war ein von Wallenstein durch Inaussichtstellung seines Rücktritts initiiertes Treuegelöbnis „bis zum Tode“ seiner Offiziere ihm gegenüber, der zweite eine halbherzige Relativierung, die jedoch den Verdacht des Hochverrats gegen den Kaiser nicht mehr entschärfen konnte.[3]

Schaffgotsch wurde am 24. Februar 1634, einen Tag vor Wallensteins Tod, in Ohlau durch den kaiserlichen Obristen des Feldmarschalls und Grafen Colloredo gefangen genommen.[4] Anschließend wurde er über Glaß nach Budweis in Böhmen und dann nach Wien gebracht, um dort verhört zu werden. Nach Regensburg überstellt erfolgte die Anklage wegen Hochverrats.[5] Trotz tagelanger und wiederholter Folter[6] legte er kein (erzwungenes) Geständnis der Kollaboration ab. Entgegen den damaligen Gepflogenheiten, die für diesen Fall die Freilassung des Gefolterten vorsahen, wurde Schaffgotsch dennoch zum Tode verurteilt. Das am 5. Juli 1635 abgefasste Todesurteil wurde zwar im Namen des Kaisers ausgefertigt, aber nicht von ihm selbst unterschrieben. 18 Tage danach wurde er auf dem Regensburger Haidplatz enthauptet.

Hinrichtung, Begräbnis, Grabstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Hinrichtung ließ Schaffgotsch sämtliche Samtvorräte der Stadt aufkaufen und das Hinrichtungspodest damit verkleiden. Außerdem erkaufte er sich beim Regensburger Henker mit dem für die damalige Zeit hohen Geldbetrag von drei Dukaten das Recht, im Freien, auf einem Stuhl sitzend geköpft zu werden.
Am Tag der Hinrichtung, morgens um acht Uhr, wurde er in einer elenden Gutschn auf den Richtplatz verbracht und nahm mit einem Schemel auf dem Blutgerüst Platz. Nach der Enthauptung legten seine Diener den Leichnam in den bereitgestellten Sarg aus Lindenholz, welcher mit einem Fenster ausgestattet war. Im nahegelegenen Gasthof „Zum Blauen Krebs“ in der Krebsgasse 6 wurde er zwei Tage lang zur Schau gestellt. Schaffgotsch hatte ausdrücklich befohlen, das Blut an seinem Körper nicht abzuwaschen und den Kopf nicht anzunähen.[7]

Das bei der Enthauptung gebrauchte neue Richtschwert verkaufte der Scharfrichter an den Offizier Albrecht Freiberg[8] aus dem ehemaligen Regiment Schaffgotsch. Der Henker versprach ihm angeblich, sein Gewerbe nun aufzugeben, da er bereits hundert Köpfe abgehauen habe. Doch scheint er nicht Wort gehalten zu haben, denn fünf Jahre später, als ihm bei der Enthauptung einer Kindsmörderin der Streich misslang, wurde er von der aufgebrachten Volksmenge erschlagen.

Am 25. Juli 1635, abends 11 Uhr, wurde Schaffgotsch, so wie er es gewünscht hatte, ohne größere Zeremonie nur bei Fackelschein auf dem schmalen Gang neben der neu erbauten, Ende 1631 fertig gestellten protestantischen Kirche bestattet, die damals noch „Neue Kirche“ genannt wurde. Schon vor Schaffgotsch waren dort einige schwedische Offiziere begraben worden, die 1633–1634 bei den Kämpfen um Regensburg ums Leben gekommen waren. Die Schaffgotsch-Grabstätte war mit einer schlichten, kleinen Grabplatte mit Namen und Wappen bedeckt. Seine Grabplatte und auch die Grabplatten der anderen Offiziere sind nicht erhalten, jedoch sind die genauen Lagen der Grabstätten und die Namen der Offiziere aus den Eintragungen in einem Plan von 1671 bekannt. Die Schaffgotsch-Grabstätte ist auf dem Plan abgekürzt bezeichnet mit Hr Graf Schafgotzky.[9]

Heute wird der schmale südliche Kirchhof neben der Dreieinigkeitskirche als „Gesandtenfriedhof“ bezeichnet, weil dort schon ab 1641 weitere Begräbnisse von Gesandten zu Reichstagen stattfanden, die ab 1653 aus hygienischen Gründen in gemauerten Ziegelgruften erfolgten, wobei die Grabstätten meist mit prunkvollen Grabplatten und Grabdenkmälern geschmückt wurden.

Schaffgotsch hinterließ eine Tochter und vier Söhne,[10] diese verloren die Stammherrschaft Trachenberg und erhielten erst nach ihrem Übertritt zum Katholizismus (1636) die Güter am Riesengebirge 1641 und 1650 zurück. Bereits am 11. März 1634 erschien der Landeshauptmann der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer, Georg Ludwig Reichsgraf von Starhemberg, und konfiszierte im Namen des Kaisers die bis dahin von dem General Freiherrn Johann Ulrich v. Schaffgotsch besessenen Herrschaften.

„Mag v. Schaffgotsch in einigen Stücken vielleicht nicht vorsichtig genug gehandelt haben, so war er doch sicher kein Verbrecher, und fiel nur als ein bedauernswerthes Opfer seiner Feinde, der Jesuiten und ihrer Parthei, welche zu jener argen Zeit am kaiserlichen Hofe leider einen sehr bedeutenden Einfluß behaupteten. Für diese Behauptung: daß nur Neid, besonders aber Religionshaß die Hauptursachen seines traurigen Endes waren, sprechen zwei Thatsachen: 1) die Einziehung seiner sämmtlichen Güter zur kaiserlichen Kammer, und 2) die Erziehung seiner evangelischen Kinder durch Jesuiten in der römisch-katholischen Confession, auf Befehl Kaiser Ferdinand II.Schon zu Ende des verflossenen Jahrhunderts ließ der edle Kaiser Joseph II, die Acten dieses Prozesses durch eine Commission untersuchen, welche dahin entschied:
»daß General Schaffgotsch völlig schuldlos gewesen, ungerecht verurtheilt und als Opfer einer Intrigue gefallen sei.«“

Vaterländische Bilder... Glogau 1837, S. 455.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogie Schaffgotsch
  2. Vaterländische Bilder … S.450, Glogau 1837; GoogleBooks S. 450 (Weitere genealogische Daten S. 447 ff)
  3. Vergl. Martin Heckel: Deutsche Geschichte Bd. 5 Deutschland im konfessionellen Zeitalter
  4. Schaffgotsch. In: Meyers Konversations-Lexikon 1905 auf zeno.org
  5. Vaterländische Bilder... S. 453
  6. Die elfmalige Anwendung der Wippe und dreistündige Folterung brachte keine neuen Belastungsmomente zu Tage (ADB)
  7. Nach Chronik HV Ms. R 2 wurde jedoch der Kopf an den Rumpf genäht.
  8. Henkel, Schaffgotsch, S. 136 und Biographie Albrecht von Freiberg
  9. Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 161.
  10. a b Vaterländische Bilder... S. 455
  11. Breslau, Leipzig 1757@1@2Vorlage:Toter Link/emdbs2.fho-emden.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Landschaftsbibliothek Aurich