Burg Meistersel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burg Meistersel
Mauerrest des Palas in der Oberburg

Mauerrest des Palas in der Oberburg

Alternativname(n): Burg Modeneck, Modenbacher Schloss
Entstehungszeit: 1000 bis 1100
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Umfassungsmauern
Ständische Stellung: Klerikale, Adlige
Ort: Ramberg
Geographische Lage 49° 16′ 32″ N, 8° 1′ 30″ OKoordinaten: 49° 16′ 32″ N, 8° 1′ 30″ O
Höhe: 492 m ü. NHN
Burg Meistersel (Rheinland-Pfalz)
Burg Meistersel

Die Burg Meistersel (auch Burg Modeneck oder Modenbacher Schloss genannt) ist die Ruine einer Felsenburg bei Ramberg in der Pfalz. Sie liegt auf einer 492 Meter hohen Bergkuppe, die das Modenbachtal überragt, nahe dem Pass „Drei Buchen“ an der Straße von Ramberg nach Edenkoben.

Es handelt sich bei ihr um eine der ältesten Burgenanlagen der Pfalz, deren Name auf die Wörter „Meister“ und „Saal“ bzw. auf den Begriff „Meister des Saales“ zurückgeht. Es steht deshalb zu vermuten, dass auf Meistersel die Ministerialen der Reichsburg Trifels ansässig waren. Die andere Bezeichnung „Modeneck“ rührt allerdings von dem nahe gelegenen Modenbachtal her.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg kann auf eine fast 1000 Jahre währende Geschichte zurückblicken, denn sie wird erstmals in einer auf den Dreikönigstag des Jahres 1100 datierten Schenkungsurkunde des Bischofs von Speyer, Johann I. von Kraichgau, erwähnt, der die Burg in jenem Jahr dem Bistum übergab. Ihr exaktes Gründungsdatum ist unbekannt, es wird jedoch im 11. Jahrhundert vermutet.

Ende des 12. Jahrhunderts erhielt die Anlage den Status einer Reichsburg und diente vermutlich dem Schutz der Burg Trifels. Während dieser staufischen Zeit nannte sich das Rittergeschlecht derer von Meistersel nach ihr. Einige seiner Mitglieder wurden mehrmals als Burgvögte erwähnt: so 1198 der Reichsministeriale Heinrich von Meistersele, danach Siegfried von Meistersel sowie Ulrich und Jakob von Meistersel. Als die Familie im Jahr 1277 im Mannesstamm ausstarb, fiel die Burg zurück an König Rudolf von Habsburg, der um 1300 die Herren von Ochsenstein, ein elsässisches Adelsgeschlecht, mit ihr belehnte.

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Besitz geteilt und die Anlage somit zur Ganerbenburg. Bis zu acht Adelsfamilien hatten einen Anteil an ihr. Unter den Besitzern finden sich 1391 Kurfürst Ruprecht II. von der Pfalz und ab 1404 der Bischof von Speyer, Raban von Helmstatt.

Während des Deutschen Bauernkrieges wurde Burg Meistersel im Jahr 1525 teilweise niedergebrannt, jedoch bald darauf wieder aufgebaut. Erst Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges besiegelten das Ende der Anlage. Ein Wiederaufbau wurde nicht vorgenommen, und sie verfiel zur Ruine.

1935 kam die Burg in den Privatbesitz des Ludwigshafener Fabrikanten Friedrich Raschig. Bis etwa 1995 wurde sie von dessen Erbengemeinschaft verwaltet. Schlagzeilen machte der nächste Eigentümer, der die Burg Anfang 2006 über ein Internet-Auktionshaus verkaufen wollte. Nachdem berichtet wurde, dass der Meistbietende enge Kontakte zur NPD habe, erklärte die Landesregierung von Rheinland-Pfalz im April 2006, sie werde ihr Vorkaufsrecht ausüben, da eine Privatperson mit der Unterhaltung des Denkmals überfordert sei. Unabhängig vom folgenden Rechtsstreit begann das Land 2009 mit Sicherungsmaßnahmen im Wert von 50.000 Euro. Im März 2010 einigten sich die damalige Privateigentümerin und das Land Rheinland-Pfalz in einem Vergleich vor dem Amtsgericht Marburg: Die Burg kam in den Besitz des Landes, das der bisherigen Eigentümerin im Gegenzug 7500 Euro zahlte.[1] Die weiteren Kosten für die Sanierung wurden durch landespflegerische, geotechnische und denkmalpflegerische Untersuchungen ermittelt. Im August 2011 haben sich der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und das Finanzministerium auf die notwendigsten Sicherungsarbeiten geeinigt.[2] Im darauf folgenden Oktober wurde mit den Instandsetzungs-Arbeiten begonnen.[3] Mit den Sicherungs- und Ausbauarbeiten, die bis in das Jahr 2017 andauern werden, investiert das Land etwa drei Millionen Euro in die Burg. In dieser Zeit ist die Ruine eine Baustelle und für Besucher das Betreten verboten.[4]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Anlage befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und ist stark einsturzgefährdet. Ihre erhaltenen, eindrucksvollen Mauer- und Grabenreste lassen aber heute noch die frühere Dreiteilung der Burganlage erkennen.

Felsentreppe zur Oberburg

Das nördlich gelegene, von einer Umfassungsmauer umgebene Vorwerk ist durch einen breiten, aus dem Felsen geschlagenen Halsgraben von der Kernburg getrennt. Seine Ursprünge datieren in das 15. Jahrhundert.

Die Kernburg gliedert sich in eine Ober- und eine Unterburg. Letztere besaß früher als Verbindung zum Vorwerk eine aufwändige, doppelte Toranlage, von der nur noch das innere Spitzbogentor erhalten ist.

Die Mehrheit der Gebäude in der Unterburg sind heute vollkommen oder nahezu verschwunden. Lediglich der Gewölbekeller und Mauerreste des so genannten „steinernen Hauses“ existieren noch.

Die Oberburg liegt auf einem 15 Meter hohen, schmalen Felsen. Sie war von der Unterburg aus durch eine in den Fels geschrotete Treppe erreichbar. Ein bei ihrem Bau absichtlich ausgespartes Teilstück war in früheren Zeiten durch eine Holzkonstruktion überspannt, die im Verteidigungsfall zerstört werden konnte, um so den Zugang zur Oberburg zu sichern.

Wie im Falle der Unterburg sind auch die Bauten der Oberburg nur noch in Resten erhalten. Kunsthistorisch bedeutsam ist dabei eine Fensternische des gotischen Palas, die ein viergeteiltes Fenster mit gleich hohen Spitzbögen aufweist, wie man es sonst nur noch im Elsass finden kann.

Interessant ist auch die Konstruktion des Burgbrunnens, dessen Brunnenkammer durch eine Felsentreppe von der Oberburg erreichbar ist. Sein Schacht ist von dort aus durch den Felsen getrieben und auch von der Unterburg aus zugänglich. Als zusätzliche Wasserversorgung verfügte die Oberburg über eine Zisterne, von der noch einige Mauerreste erhalten sind.

Von der Oberburg hat man einen weiten Blick bis in die Rheinebene, aber auch auf den Trifels, die Ramburg und große Teile des Pfälzerwaldes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Bernges: Felsenburgen im Wasgau. 6. Auflage. BINSY, Wuppertal 2005, ISBN 3-930376-25-3, S. 237–240.
  • Alexander Thon (Hrsg.): „... wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg“. Burgen in der Südpfalz. 2. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1570-5, S. 106–111.
  • Alexander Thon, Jürgen Keddigkeit: Burg Meistersel. Eine Einzelstudie aus dem „Pfälzischen Burgenlexikon“. In: Burgen und Schlösser. Jg. 42, Nr. 1, 2001, ISSN 0007-6201, S. 40–47.
  • Alexander Thon, Rolf Übel, Dieter Barz: Meistersel. In: Jürgen Keddigkeit (Hrsg.): Pfälzisches Burgenlexikon (= Beiträge zur pfälzischen Geschichte. Band 12/3). Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2005, ISBN 3-927754-54-4, S. 533–548.
  • Rolf Übel: Ramburg, Meistersel, Frankenburg, bei Ramburg Kreis Südliche Weinstraße (= Burgen der Südpfalz. Band 3). Verlag für Burgenkunde und Pfalzforschung, Landau 1999, ISBN 3-929893-07-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Meistersel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Rheinpfalz. Südwestdeutsche Zeitung. Ausgabe vom 11. März 2010.
  2. Die Rheinpfalz. Südwestdeutsche Zeitung. Ausgabe vom 1. Juli 2011.
  3. Die Rheinpfalz. Südwestdeutsche Zeitung. Ausgabe vom 30. November 2011.
  4. SWR-Landesschau: Sperrung und Baukosten, 11. März 2015, Zugriff am 1. März 2016.