Burgrest Kastelberg

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Burgrest Kastelberg
Südseite des Turmstumpfes

Südseite des Turmstumpfes

Entstehungszeit: 1100 bis 1200
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Burgrest, Gräben
Ständische Stellung: Adlige
Ort: Ballrechten-Dottingen
Geographische Lage 47° 51′ 3,6″ N, 7° 42′ 17,6″ OKoordinaten: 47° 51′ 3,6″ N, 7° 42′ 17,6″ O
Höhe: 439,5 m ü. NHN
Burgrest Kastelberg (Baden-Württemberg)
Burgrest Kastelberg
Blick von der Aussichtsplattform auf den Turmrest
Castellberg von Südwesten

Burgrest Kastelberg (Aussprache-Besonderheit ist das stumme e bei Kastel) bezeichnet die Ruine einer Höhenburg auf dem 439,5 m ü. NHN[1] hohen, zu Ballrechten-Dottingen gehörenden Bergkegel Castellberg. Sie befindet sich 1200 Meter nördlich der Kirche der Stadt Sulzburg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scherbenfunde am Castellberg belegen dortige „Ansiedlungen während der Bronzezeit, der Urnenfelderkultur und der Hallstattzeit“, und bereits „in vorgeschichtlicher Zeit wurde der gesamte Berg mit einer Wallanlage befestigt“.[2] Entgegen auch anders lautenden Internet-Texten[3] konnte bisher eine römische Besiedelung des Bergs nicht bestätigt werden.[2][4]

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wurde im 12. Jahrhundert erbaut, möglicherweise von den Herren von Üsenberg, die zumindest im Zusammenhang mit der Burg auf dem „Schlössleberg“ von Sulzburg in dieser Zeit als Besitzer einer Burg auf dem Kastelberg in Frage kommen. Auch aus der urkundlichen Nennung eines „Rudofus de Castilhovin“ im Jahr 1203 schließt man auf das Vorhandensein einer Burg auf dem Castellberg, die dann 1342 im Tennenbacher Güterbuch als Burgstall genannt ist.[2] Der Burgerrichtung ging eine vermutlich prähistorische, bronze- und früheisenzeitliche Höhensiedlung, möglicherweise eine keltische Fliehburg, voraus, von der ein Abschnittswall mit vorgelagertem Graben im Gelände unweit der Burgstelle zeugt. Der mittelalterliche Burgplatz liegt auf der sanften Kuppe des Höhenrückens des Castellbergs.

Burganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingefasst von einem ca. 7 m tiefen und bis zu 8 m breiten Ringgraben, erhebt sich das rund 36×16 m große, rechteckige Burgplateau. In seinem Nordteil hat sich ein etwa fünf Meter hoher Turmstumpfrest mit einer Grundfläche von etwa 10×10 m und 3,6 Meter starkem Mauerwerk erhalten.[5] Die vier Ecken dieses ehemaligen Bergfrieds sind in etwa nach den vier Himmelsrichtungen orientiert. Der Turminnenraum zeigt noch die aus bis zu 0,5 m großen regelhaften Kalkbruchsteinmauerblöcken ausgeführte Innenverschalung. Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert belegen ein weiteres, wohnturmrartiges Gebäude am südlichen Ende der Anlage.

Castellbergturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Burgresten befindet sich der Castellbergturm, ein stählerner Aussichtsturm auf dem Castellberg, der am 2. September 1962 vom Schwarzwaldverein, Ortsgruppe Sulzburg, eingeweiht wurde,[6] mit gutem Ausblick auf die Rheinebene und das Markgräflerland, jedoch ohne Rundumblick. Burgreste und Aussichtsturm sind frei zugänglich.

Castellberg und Fohrenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Castellberg zählt zu den Schwarzwald­vorbergen, ebenso wie die ähnlich bewachsene, rund 1 km Luftlinie nördlich vom Castellberg gelegene Nachbarkuppe namens Fohrenberg, 432,3 m ü. NHN hoch.[1] Um den Castellberg führt ein etwa 2,5 km langer Rundweg, wohingegen der Panoramarundweg um den Fohrenberg rund 6 km Länge misst. Die Castellbergkuppe ist Naturschutzgebiet und umfasst etwa 10 Hektar. Sie ist bewaldet, und die sonnigen Süd- und Westhänge des Castellbergs sind Rebflächen. Weinbau ist dort seit über 1000 Jahren belegt.[3] Die Rebbauflächen sind seit 1784 – seit und durch Markgraf Karl-Friedrich – bis heute weitgehend gleich geblieben.[3] 16,5 ha der Rebfläche am Castellberg ist Steillage, der Rest, 148,5 ha, ist Hanglage.[3] Der Boden ist mittelschwer, bestehend aus sandhaltigem, kalkhaltigem Lehm.[3] An Rebsorten gibt es Gutedel, Müller-Thurgau, Burgundersorten und Gewürztraminer.[3]

Trockenmauern und zum Teil relativ lange, steile Steintreppen finden sich in den Südlagen des Berges.[3] Der Arbeitskreis für Natur und Umwelt sowie die Gemeinde in Ballrechten-Dottingen haben die sanierungsbedürftigen Trockenmauern und Treppen insbesondere 2009 umfassend saniert.[3] Vor allem im nicht kultivierten Bereich finden sich seltene „Gehölz- und Halbtrockenrasengesellschaften, wie Flaumeichen, Dürrwurz, Immenblatt, Akelei, Seidelbast, Elsbeeren und Mehlbeeren“.[6] Außerdem aus der Familie der Orchideen: Nestwurz, Helmknabenkraut, rotes und weißes Waldvögelein, Pyramidenorchis, Stendelwurzen, Mücken-Händelwurz und großes Zweiblatt.[6]

Die Gottesanbeterin soll im Spätsommer beobachtbar sein. Es gibt hier öfter Vorkommen seltener Vogelarten wie Grasmücken, Neuntöter und Wendehals.[6] Der Castellberg ist gut durch Wege und Rundwege erschlossen – in den Weinbergen mit schöner Aussicht in die Umgebung.

Gerichtseiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unzerstörte Gerichtseiche (2007)

Eine touristische Besonderheit ist die Gerichtseiche beim Wanderpark- und Waldspielplatz an der Castellberg-Hütte, nahe den Castellhöfen, ca. 500 m nordöstlich der Burg. Die Eiche ist über 400 Jahre alt und – weil krank – auf ca. 7 m Höhe gekürzt und vom Freiburger Künstler und Holzbildhauer Thomas Rees, die natürlichen Formen nutzend, künstlerisch gestaltet (Fertigstellung zum 1. Mai 2007). „Der Stamm hat einen Umfang von 7 m und einen Durchmesser von 2 m, die unteren 2 m sind hohl“. Dargestellt sind ein Gehängter, flankiert von seinem Henker, einem Kreuz und einer trauernden Frau, einem wartenden Rabenvogel und einem Drachen mit zweigeteiltem Schwanz, der mit seinen Krallen die schwarzen Seelen von der Richtstätte fortträgt, der Geist des Baumes als Gesicht an der Ostseite, Teufel und Schlange, Apfel, Kelch als biblische Symbole, ein mit der Hand nach Trauben greifender Winzer sowie Treppen, Höhlen, Tore, Fenster, Hütten, Türme und Zinnen auf der Spitze des Baumes, als Erinnerung an die frühe Besiedelung der Gegend durch Kelten und Römer mit deren Befestigungsanlagen und Burgen.[7] In der Silvesternacht 2016/17 wurde die Gerichtseiche durch Vandalismus zerstört, indem im Inneren Böller gezündet wurden. Zwei Drittel des Werkes sind zerstört, die unteren zwei Meter sind dabei völlig verbrannt. Der Künstler will aus den Resten etwas Neues gestalten.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mark Rauschkolb: Dottingen (Ballrechten-Dottingen, FR). In: Alfons Zettler, Thomas Zotz (Hg.): Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Südlicher Teil: Halbband A-K. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-7366-5, S. 144–152
  • Friedrich-Wilhelm Krahe: Burgen des deutschen Mittelalters. Grundriss-Lexikon. Sonderausgabe, Flechsig Verlag, Würzburg 2000, ISBN 3-88189-360-1, S. 320
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band – Kreis Lörrach; S. 159 Digitalisat
  • Eduard Christian Martini: Der Kastelberg bei Sulzburg In: Schau-ins-Land, Band 2 (1874/75), S. 56, 63, 71 online bei UB Freiburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgrest Kastelberg, Ballrechten-Dottingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gerichtseiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b c Castellberg Burg Ballrechten-Dottingen bei Badische-Seiten.de
  3. a b c d e f g h Ballrechten-Dottinger Castellberg bei Bezirkskellerei.de
  4. laut Auskunft der Abteilung für provinzialrömische Archäologie der Universität Freiburg, Außenstelle Villa urbana in Heitersheim
  5. Eintrag zu Burgrest Kastelberg in der privaten Datenbank „Alle Burgen“., Zugriff am 20. Januar 2012.
  6. a b c d Castellberg bei Badische-Seiten.de
  7. Gerichtseiche bei Freiburg-Schwarzwald.de
  8. Nach Brandanschlag auf Gerichtseiche: Künstler und Bürgermeister wollen ein Zeichen setzen, Sabine Model, Badische Zeitung, 10. Januar 2017, abgerufen 21. März 2017