Callwey

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Callwey GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 1884
Sitz München, Deutschland Deutschland
Leitung Marcella Prior-Callwey
Branche Buchverlag
Website www.callwey.de
Verlagsgründer Georg D.W. Callwey im Alter von 30 Jahren (1885)
Gründungsurkunde Callwey Verlag vom 1. Januar 1884
Johann Vincenz Cissarz: Verlagssignet

Callwey ist ein 1884 gegründeter deutscher Verlag mit Sitz in München und wird in vierter Generation von Marcella Prior-Callwey geführt. Das Programm umfasst heute Bücher und Webseiten zu den Themen Architektur, Design, Garten, Mode, Gastgeber, Kochen, Reise und Lifestyle. Callwey lobt mehrere branchenspezifische Wettbewerbe aus. Zudem entwickelt der Verlag für internationale Unternehmen exklusive Buchprojekte und porträtiert Menschen, Unternehmenshistorien, Themen und Regionen. Der Firmensitz ist in München.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis 1930[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag wurde 1884 von Georg D.W. Callwey, unter der Firmierung Georg D.W. Callwey (Verlag) GmbH & Co. KG in München gegründet. Callwey publiziert in den Themenbereichen Planen und Gestalten rund ums Haus, Lifestyle, Wohnen, Design, Architektur, Landschaftsarchitektur, Handwerk und Restaurierung. Das Angebot reicht von einem umfangreichen Buchprogramm in den Themen Bauen, Wohnen, Garten und Kochen über Fachzeitschriften in den Bereichen Architektur und Handwerk wie "Der Baumeister", "Garten und Landschaft", "Topos", "Die Mappe", "Stein" und "Restauro" bis hin zu Angeboten an digitalen Produkten, Veranstaltungen, Awards, Symposien, Jahrbüchern und Dienstleistungen des Corporate Publishing.

Der Verlag erlangte nationale Bekanntheit, als er 1894 von Ferdinand Avenarius 50 % der Anteile an der Zeitschrift Der Kunstwart übernahm, die sich um die Jahrhundertwende zum führenden Bildungsblatt des mittleren Bürgertums entwickelte. Avenarius und Callwey leisteten bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 einen wichtigen Beitrag zur Kulturgeschichte. Ihre Schriften, darunter viele für den Dürerbund verlegte, hatten einen großen Einfluss auf die Erziehung der Jugend, insbesondere von Studenten und Volksschullehrern, und waren der Lebensreformbewegung zuzurechnen.

Parallel wurde das Programm um die Bereiche Architektur und Handwerk erweitert und Fachzeitschriften wie Mappe (bereits 1886) und der Baumeister (1904) übernommen. Später kamen Fachzeitschriften wie Stein (1951) und Garten+Landschaft – Zeitschrift für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung (1956) hinzu.

In den Jahren 1901 und 1902 kaufte Callwey die Druckerei Rudolf Abt sowie die Königliche Hofbuchdruckerei Kastner & Lossen in der Finkenstraße; sie firmiert fortan als Druckerei Kastner & Callwey. 1954 bezog die Druckerei an der Weihenstephaner Straße 27 einen Neubau; im Zuge der Finanzierung übernahm Max Hirmer 50 % der Anteile. 1989 schließlich verkauften Callwey und Hirmer die Druckerei, die nach wie vor unter dem Namen Kastner & Callwey existiert.[1]

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Februar 1930 starb Callwey im Alter von 75 Jahren. Sein Schwiegersohn Karl Baur übernahm die Verlagsleitung. 1933 war er stellvertretender Vorsteher des Verlegervereins und 1938 Präsident des Internationalen Verlegerkongresses. Karl Baur war seit 1930 Mitglied in der NSDAP. 1941 brach er mit der Partei.[2] Er wurde seiner Ehrenämter enthoben und die Papierzuteilung wurde entzogen. 1944 wurden sowohl das Verlagsgebäude als auch die Druckerei bei Luftangriffen der Alliierten zerstört, der Callwey Verlag musste seine Tätigkeit einstellen.

Baur wurde bei der Entnazifizierung mit einem zeitweisen Berufsverbot in der Buchbranche belegt. Die Callwey-Zeitschrift Baumeister erschien daher zunächst bei Hermann Rinn. Bis 1948 hatte Baur den Callwey Verlag wieder aufgestellt und konnte nun die Zeitschrift und andere „ausgeliehene“ Titel zurückholen. Der Verlag gewann schnell wieder an Bedeutung, in dem er Fachliteratur wie z. B. die Handbücher zur Bau- und Raumgestaltung auflegte, die konkret zum Wiederaufbau beitrug. Im Bereich der Biographien stieß als weiterer prägenden Autor Carl Jacob Burckhardt zum Verlag, dessen Richelieu-Biographie bei Callwey erschien. 1965 zog der Verlag von der Innenstadt Münchens an die damalige Peripherie nach Berg am Laim und vereinte an der Weihenstephaner Straße wieder Verlag und Druckerei.

Während der dritten Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Karl Baurs 1984, der bereits 1976 aus der Geschäftsleitung ausgetreten war und die Verantwortung an seine Frau Margarete Baur-Heinhold und seinen Sohn Helmuth Baur-Callwey abgegeben hatte, übernahmen die Geschäftsführung Helmuth Baur-Callwey und dessen Frau Veronika Baur-Callwey. Wichtige Autoren und Themenfelder in dieser Verlagsperiode: Werke von Otl Aicher (u. a. Die Küche zum Kochen) sowie Biographien und Kulturgeschichten wie Otto Krätz (u. a. Goethe und die Naturwissenschaften). Ab Mitte der 80er Jahre bis etwa 2000 erschienen eine Vielzahl an Büchern über Uhren; mit in der Spitze über 50 lieferbaren Titeln das wohl umfangreichste Programm weltweit (Beispiele: Taschenuhren; Armbanduhren – 100 Jahre Entwicklungsgeschichte; Rolex – 3621 Uhren).

Im Jahr 1996 wurde der Laterna Magica Verlag übernommen, der sich auf Bücher zur Praxis der Fotografie spezialisiert hatte.[3] Das Programm wurde mittlerweile eingestellt.

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 wurden die Geschwister Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey zu alleinigen Geschäftsführern bestellt.[4] Unter ihrer Leitung startete der Verlag ins Corporate Publishing- und Content Marketing-Geschäft und schaffte damit neben Zeitschriften und Büchern ein drittes Geschäftsfeld. Seit 2011 lobt der Verlag jährlich stattfindende Wettbewerbe aus. Durch Awards wie „Häuser des Jahres – die besten Einfamilienhäuser“, „Wohnbauten des Jahres – Ausgezeichneter Wohnungsbau“, „Best of Interior – die besten Wohnkonzepte“ oder „Gärten des Jahres – die schönsten Privatgärten“ kuratiert der Verlag mit Hilfe unabhängiger Jurys die besten Beispiele des Jahres. Ab 2013 bringt der Verlag auch Kochbücher heraus; bedeutende Titel u. a. Tantris, Burger Unser oder My Way von Tim Raue. Seit 2019 firmiert die Fachmediensparte als eigenständiges Medienhaus unter der Leitung von Dominik Baur-Callwey als Georg GmbH & Co. KG;[5] Georg Media bündelt die Fachmedien des Callwey Verlags und die digitalen Plattformen NXT-A und New Monday. Der Buchverlag bleibt Namensträger von Callwey und wird in vierter Generation von Marcella Prior-Callwey als unabhängiges Familienunternehmen geführt.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachmedien erscheinen seit der Aufteilung in zwei GmbHs bei Georg Media:

Für das Fachgebiet der Landschaftsarchitektur verfügt der Verlag mit seinen Titeln Topos (englischsprachig, vier Ausgaben pro Jahr) und Garten + Landschaft (monatlich auf Deutsch) über weitere Fachzeitschriften. Außerdem erscheint 8-mal jährlich das Fachmagazin für Restauratoren und Kunsthandwerker Restauro.

Im Buch-Verlag erscheinen pro Jahr ca. 40 Novitäten. Lizenzen werden weltweit verkauft, u. a. in die USA und nach Japan.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmuth Baur-Callwey: 125 Jahre Callwey: 1884-2009. Callwey, München 2009, ISBN 978-3-7667-1884-6, S. 38 und 50–51.
  2. Karl Baur: Wenn ich so zurückdenke ... Ein Leben als Verleger in bewegter Zeit. Vorwort Heinz Friedrich. dtv, München 1985, ISBN 978-3-423-10514-9.
  3. Laterna Magica Verlag (Memento vom 12. März 2013 im Internet Archive) bei fotonexus, abgerufen: 27. Oktober 2021
  4. Generationswechsel bei Callwey: Lutz Bandte übergibt an Dr. Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey | BuchMarkt. 30. Oktober 2009, abgerufen am 4. November 2021 (deutsch).
  5. Georg Media. In: neue balan – campus der ideen. Abgerufen am 4. November 2021.
  6. news networld Internetservice GmbH: Wir sind nicht nur schöne Bilderbücher. 27. Oktober 2021, abgerufen am 4. November 2021.
  7. Tischkultur 2022 | Der große Preis der Tableware-Branche | Callwey Verlag. Abgerufen am 28. Juli 2022 (deutsch).