Johann Vincenz Cissarz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Johann Vincenz Cissarz, um 1914

Johannes Joseph Vincenz Cissarz (* 22. Januar 1873 in Danzig; † 22. Dezember 1942 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Maler, Graphiker, Zeichner, Innenarchitekt, Plakat- und Buchkünstler und Gestalter von Kunsthandwerk.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Wilhelm Gerstung entworfenes Weinetikett
Buchschmuck bei Lothar von Kunowski (1903)

Cissarz studierte von 1891 bis 1894 an der Kunstakademie Dresden bei Leon Pohle und Hermann Freye. 1895 wurde er für ein Jahr Meisterschüler des belgischen Historienmalers Ferdinand Pauwels. Nach dem Studienende wurde er 1897 als selbständiger Graphiker in Dresden tätig. Sein erstes eigenes Werk war ein Altargemälde. Daneben wurde er durch Gebrauchsgraphiken, wie Firmengraphiken, Schutzmarken und Bildplakate bekannt, die zu den ersten ihrer Art in Deutschland zählten. Ferner gestaltete er mehrere Publikationen des 1896 gegründeten Verlags Eugen Diederichs mit Buchgraphiken.

Er gehörte zu den frühesten künstlerischen Mitarbeitern der Deutschen Werkstätten Hellerau. Als solcher gestaltete er Tapeten und Zimmereinrichtungen. Beispielsweise entwickelte er in enger Zusammenarbeit mit Karl Schmidt-Hellerau 1898 den ersten Schrank aus Sperr- bzw. Schichtholz. Um 1900 war er für die Altdeutsche Weberei Stein und Mull in Alsfeld tätig, die Textilmuster verwendete er 1904 auch als Buchschmuck.

Von Mai 1903 bis Oktober 1906 war er Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie. Für die Ausstellung der Künstlerkolonie 1904 in Darmstadt gestaltete Cissarz neben dem Ausstellungsplakat und dem umfangreichen Katalog auch drei komplette Zimmereinrichtungen. Ein großes Wandbild von ihm "Drei Frauen am Meer" schmückt den Blauen Salon im Dippelshof bei Darmstadt.

Für die Weltausstellung in St. Louis entwarf Cissarz 1904 ein Gemälde zur 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, das seinen Platz im Musikzimmer des Deutschen Hauses fand und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Im Oktober 1906 erfolgte seine Berufung als Lehrbeauftragter für Buchausstattung an den Lehr- und Versuchswerkstätten des Vereins Württembergischer Kunstfreunde in Stuttgart. Ab 1908 war Johann Vincenz Cissarz Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[1] 1909 wurde er Professor an der heutigen Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Cissarz nahm 1914 an der Leipziger Bugra teil und erhielt dort den Großen Preis für seine grafische Arbeit. Von 1916 bis 1933 war er Leiter der Meisterklasse für freie Malerei am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Dort unterrichtete er weiter bis 1939. 1937 wurde er für seine Mitarbeit am Olympischen Dorf Berlin ausgezeichnet.

Sein Sohn war der Lagerstättenkundler Arnold Cissarz (1900–1973).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cissarz, Johann Vincenz. In: Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 7: Cioffi–Cousyns. E. A. Seemann, Leipzig 1912, S. 14 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Gustav E. Pazaurek: Johann Vincenz Cissarz. In: Das Plakat, Jg. 8 (1917), Heft 3, S. 171–179 (Digitalisat).
  • Autor: Cissarz, Johann Vincenz. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 444.
  • Latein von Professor J. V. Cissarz, Stuttgart 1913. In: Wolfgang Kermer (Hrsg.): Zwischen Buch-Kunst und Buch-Design. Buchgestalter der Akademie und ehemaligen Kunstgewerbeschule in Stuttgart: Werkbeispiele und Texte. Edition Cantz, Ostfildern-Ruit 1996, ISBN 3-89322-893-4, S. 53.
  • Graham Dry, Buchkunst in Dresden. In: Jugendstil in Dresden – Aufbruch in die Moderne. Hrsg. Gisela Haase u. a., Staatliche Kunstsammlungen, Kunstgewerbemuseum Dresden 1999, S. 130-6, mit Katalog der ausgestellten Bücher.
  • Henriette Stuchtey: Cissarz, Johann Vincenz. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 19, Saur, München u. a. 1998, ISBN 3-598-22759-0, S. 300.
  • Dresdner Geschichtsverein e.V.: Gartenstadt Hellerau. Der Alltag einer Utopie. Sandstein, Dresden 1997, ISBN 3-910055-42-7, S. ?.
  • Ulrich Schulte-Wülwer: Künstlerinsel Sylt. Heide 2009, S. 162.
  • Graham Dry. Nietzsche-Kult und das Recht auf neue Schönheit. Peter Behrens und die Verlagseinbände der Darmstädter Künstlerkolonie 1899–1914. In: Einband-Forschung. Nr. 38, hrsg. Staatsbibliotk zu Berlin, April 2016, S. 66–75.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johann Vincenz Cissarz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Cissarz, Johann Vincenz (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (abgerufen am 14. März 2016).