Canisius-Kolleg Berlin

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Canisius-Kolleg Berlin
Das Wappen des Canisius-Kollegs
Schulform Gymnasium
Gründung 1925
Adresse

Tiergartenstraße 30/31

Ort Berlin-Tiergarten
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 30′ 33″ N, 13° 21′ 17″ OKoordinaten: 52° 30′ 33″ N, 13° 21′ 17″ O
Träger Jesuitenorden
Schüler 848[1]
Lehrkräfte 67[1]
Leitung Gabriele Hüdepohl, Pater Tobias Zimmermann SJ[1]
Website www.canisius-kolleg.de

Das Canisius-Kolleg Berlin (kurz: CK) ist ein staatlich anerkanntes, privates katholisches Gymnasium in Berlin-Tiergarten unter der Trägerschaft des Jesuitenordens. Namensgeber ist der heilige Petrus Canisius, ein Jesuit aus dem 16. Jahrhundert.

1925 wurde die Schule gegründet. Die Nationalsozialisten schlossen sie 1940. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie am 1. Juni 1945 wiedereröffnet.

Jesuiten-Kolleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg Berlin ist eines von drei Jesuiten-Kollegien in Deutschland. Anders als dem Kolleg St. Blasien und dem Aloisiuskolleg ist ihm jedoch kein Internat angeschlossen. Stattdessen bietet die Schule zur Betreuung ein Tagesinternat, sowie Jugendaktivitäten in der ISG (Ignatianische-Schüler-Gemeinschaft) an.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule befindet sich in der Nähe des Potsdamer Platzes im sogenannten „Diplomatenviertel“, wo zahlreiche Botschaften, darunter Italien, Japan und Saudi-Arabien, ihren Sitz haben.

Gleichzeitig ist die direkte Umgebung der Schule durch den Großen Tiergarten, Berlins größten innerstädtischen Park, geprägt.

Unmittelbar südlich des Schulgeländes an der Köbisstraße befinden sich zwei Amerikanische Zürgelbäume, die wegen ihrer Schönheit als Naturdenkmal der Stadt Berlin ausgezeichnet sind.

Profil der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg sieht sich als Jesuiten-Gymnasium in der Tradition von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens. Es bietet in diesem Kontext Reflexionsfahrten – sogenannte „Oasen“ –, das Sozialpraktikum, Auslandsaufenthalte und Jugendarbeit in der ISG an.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Canisius-Kolleg Oberstufen-Bibliothek

Das Canisius-Kolleg gehört neben dem Französischen Gymnasium und dem Grauen Kloster mit mehreren hundert Bewerbungen jährlich zu den gefragtesten Gymnasien in Berlin.[2] Pro Klasse gibt es rund 30 Schüler, im Wechsel gibt es drei- und vierzügige Klassen-Jahrgänge. Die Gymnasialzeit beträgt acht Jahre. Die Mehrheit der Schüler ist römisch-katholisch getauft, etwa 20 % sind evangelisch.[3]

Das Canisius-Kolleg erhebt ein Schulgeld von 103 bis 206 Euro pro Monat (1236 bis 2472 Euro pro Jahr). Für finanziell schwächer gestellte Familien wird die Finanzierung des Schulgeldes bzw. der Klassenfahrtkosten durch die Schule übernommen. Der Verein Canisius Kolleg Freunde und Förderer e. V. und die Stiftung Canisius-Kolleg unterstützen das Kolleg finanziell.

Unterricht und extracurriculares Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religion ist Pflichtfach bis zum Abitur. Es kann auch als Leistungskurs im Abitur gewählt werden.

Die Schüler lernen ab der fünften Klasse Latein und Englisch sowie ab der achten Klasse Altgriechisch oder Französisch bzw. Französisch mit Naturwissenschaften-Profil. Ab der neunten Klasse kann fakultativ Japanisch als weiteres Fach (bis zum Abitur, jedoch nicht als Leistungskurs) gewählt werden.

Darüber hinaus stehen in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften weitere Fremdsprachenangebote zur Verfügung.

Die Schüler können an sportlichen und künstlerisch-musischen Arbeitsgemeinschaften teilnehmen, etwa Fotografie, literarisches Schreiben oder Theater.

Klassenfahrten und Reflexionsfahrten/Oasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist findet eine Klassenfahrt pro Schulzeit statt. In der siebten, achten, neunten und zwölften Jahrgangsstufe können die Schüler einer Klasse freiwillig gemeinsam mit einer Lehrerin und einem Lehrer sowie begleitenden Schülern aus der Oberstufe Reflexions- und Besinnungstage verbringen.

Auslandsaufenthalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der elften Klasse haben die Schüler die Möglichkeit, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Im Regelfall müssen die Schüler das Schuljahr in Deutschland wiederholen. Über Einzelfälle entscheidet die Schulleitung.

Sozialpraktikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Canisius-Kolleg ist seit dem Schuljahr 1987/1988 ein vierwöchiges Sozialpraktikum in der zehnten oder elften Jahrgangsstufe verbindlich. Sozialpraktika finden meistens in Einrichtungen mit Behinderten, Obdachlosen, Kindern oder alten Menschen in Pflegeheimen statt. Ziel ist es in Kontakt mit Menschen zu kommen, „die ausgegrenzt, benachteiligt, tabuisiert, ihrer Rechte und Würde beraubt oder aus anderen Gründen unter schwierigen Bedingungen leben müssen“[4]

Aufnahmeverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die rund 120 freien Plätze werden am Canisius-Kolleg Aufnahmeprüfungen durchgeführt. Sie bestehen aus einer schriftlichen Prüfung (Aufsatz, Mathematik) und einem mündlichen Gespräch.

Geschichte des Canisius-Kollegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1925 erhielt der Jesuitenorden, der im Deutschen Reich von 1872 bis 1917 verboten war, auf Anregung von Weihbischof Josef Deitmer und durch die Initiative von Bernhard Lichtenberg die Genehmigung „zur Errichtung einer privaten katholischen höheren Lehranstalt für die männliche Jugend“. Allerdings untersagte das Kultusministerium der Schule, den Namen Canisius-Kolleg zu führen. So erhielt das Kolleg offiziell den Namen des damaligen Standortes in Berlin-Charlottenburg: Gymnasium am Lietzensee.

Anfang der 1930er-Jahre hatte die Schule über 500 Schüler und war damit die zweitgrößte Jungenschule in Deutschland. In einer anderen Quelle werden für ein Schuljahr (1930/31) 93 Sextaner angegeben.[5] 1936 verfügte die nationalsozialistische Regierung schrittweise die Schließung der Schule, die im März 1940 endgültig vollzogen wurde. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das alte Schulgebäude vollständig zerstört.

Am 1. Juni 1945 erhielt die Schule bei ihrer Wiedergründung offiziell den Namen Canisius-Kolleg Berlin. An den Berliner Magistrat richtete Pater Klein SJ im Namen der fünf katholischen höheren Schulen die Bitte um Wiedereröffnung des Schulbetriebes, auf die nach Beschluss der Alliierten Kommandantur im Frühjahr 1946 die Zustimmung erfolgte.[6] Der Unterricht wurde zunächst an verschiedenen Orten in der Stadt erteilt. Nachdem das 1947 erworbene Gebäude auch mit Hilfe der Schüler wiederhergestellt worden war, wurde die Schule im neuen Haus im gleichen Jahr mit 500 Schülern in zwölf Klassen eröffnet. Bis 1974 war das Canisius-Kolleg ein reines Jungen-Gymnasium. Heute steht die Schule Jungen und Mädchen offen.

Das Grundstück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert war der Tiergarten ein umzäuntes, kurfürstliches Jagdgebiet, dessen südliches Ende an der heutigen Tiergartenstraße verlief. Das Gebiet südlich des Tiergartens blieb zunächst unbebaut. Am Ende des 18. Jahrhunderts begannen hier vermögende Berliner Bürger Sommer- und Landhäuser zu bauen.

1799 ließ sich der geheime königliche Rat Mölter auf dem Grundstück Tiergartenstraße 31 ein Landhaus bauen, dessen Architekt Friedrich Gilly war; das benachbarte Grundstück Nr. 30 blieb unbebaut.

Im Lauf der Zeit bildete sich hier das Tiergartenviertel als stadtnahes Villenviertel südlich des Tiergartens heraus. So ließ sich 1863 der Bankier David Hansemann von dem Architekten Friedrich Hitzig auf beiden Grundstücken 30 und 31 eine Doppelvilla errichten, die auch seinen Repräsentationswünschen genügte.

Das Haus blieb erhalten bis zu seinem Abbruch im Jahr 1936. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Tiergartenstraße in ein Diplomatenviertel – vor allem ab 1938, als für den Bau der „Welthauptstadt Germania“ ausländische Vertretungen hierhin umgesiedelt wurden. Nicht realisiert wurde der Plan, auf dem Grundstück das Hindenburghaus mit vier Geschossen als Interessenvertretung der Ostmärkischen Verbände zu errichten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Tiergartenstraße zunächst eine Ruinen-, dann weitgehend eine Brachlandschaft – ein Zustand, der sich erst nach dem Fall der Mauer langsam änderte.

Das Gebäude der Firma Krupp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma Krupp erwarb das Grundstück Tiergartenstraße 30/31 im Jahr 1936. Sie errichtete hier ihre Berliner Firmenvertretung, nachdem sie wegen der nach 1933 einsetzenden Hauptstadtplanungen ihre bisherigen Räumlichkeiten in Berlin-Mitte aufgeben musste. Das neue Haus war mehr als ein Verwaltungsgebäude – es sollte den Industriekonzern repräsentieren und Räume für die Inhaberfamilie und Gästewohnungen für leitende Mitarbeiter aufnehmen. Architekten des 1937 fertiggestellten Gebäudes waren Paul Mebes und Paul Emmerich.

Auch die Ausstattung des Hauses war repräsentativ angelegt. Die aus dem bei Krupp entwickelten Nirosta hergestellte Haupteingangstür wurde auf der Weltausstellung in Paris 1937 mit einem Preis ausgezeichnet. Sie ist heute in der Villa Hügel in Essen zu sehen.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg leicht beschädigt, blieb aber in seiner ursprünglichen Gestalt und in vielen Ausstattungsdetails bis heute erhalten. 1947 gab die Firma Krupp ihre Repräsentanz in Berlin auf und verkaufte das Haus an den Jesuitenorden.

In den Jahren 1999/2000 wurden die Fassade und der Eingangsbereich des Gebäudes mit Mitteln der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung restauriert.

Der Erweiterungsbau von 1979/1980 wurde vom Architekten Klaus Rüdiger Pankrath entworfen. Die Aus- und Umbauten in den Jahren 1999/2000 fanden unter der Leitung von Günter Ecker (TU Berlin) mit dem Architekten Rolf Rave statt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Das Gästehaus auf dem Gelände des Canisius-Kollegs in Berlin trägt den Namen des 1944 wegen Hoch- und Landesverrats zum Tod durch den Strang verurteilten Jesuiten Alfred Delp (1907–1945).

Missbrauchsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Januar 2010 wurde ein Brief des damals amtierenden Rektors Pater Klaus Mertes an vermuteten mehr als 600 ehemaligen Schülern bekannt. Darin geht es darum, dass am Canisius-Kolleg in den 1970er- und 1980er-Jahren durch zwei Patres von 100 Lehrern ein systematischer sexueller Missbrauch stattgefunden hat, ein Missbrauch, der aber nicht weiter in Tiefe und Form erläutert wurde:[7] „Mit tiefer Erschütterung und Scham“, schrieb Mertes, „habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen.“[8] Der Öffentlichkeit wurde der Inhalt des Briefes infolge des Artikels "Canisius-Kolleg: Missbrauchsfälle an Berliner Eliteschule" [9] bekannt, welcher aufgrund seiner aufklärenden Funktion mit dem Wächterpreis gewürdigt wurde und als Auslöser der Missbrauchsdebatte im Frühjahr 2010 gilt.

Einer der beiden verdächtigen Patres hat die Vorwürfe eingestanden und sich als damals psychisch krank bezeichnet,[10] juristisch gesehen ist der Missbrauch jedoch wahrscheinlich verjährt.[11] In den zahlreichen Darstellungen der Schüler und im Ergebnis der ausführlichen Missbrauchsberichte der Beauftragten wurde endlich näher beschrieben, worin dieser Missbrauch bestand und sich bei einem inzwischen aus dem Orden ausgetretenen Pater und heutigen verheirateten Familienvater, inzwischen in Chile lebend, erwiesen, dass er als "Sadist" tätig war: Der damalige Sport- und Religionslehrer schlug ausgesuchte Schüler außerhalb des Unterrichts mit Begründungen etwa von "Ungezogenheit", "Stören des Unterrichts", etc. zeitweise schmerzhaft mit einem Gürtel. Zum sexuellen Akt kam es zwar nie, aber die Zeit des verbreiteten Prügelns in der Schule war lange Zeit vorbei und die 70er- und 80er Jahre waren als post-68er diesbezüglich sehr aufgeklärt und das Schlagen von Kindern, besonders in einer Institution wie Kindergarten und Schule waren untersagt und längst nicht mehr als Kavaliersdelikt zu übersehen. Was zwar in vielen Familien noch reichlich üblich war und noch nicht mit dem Kinderschutzparagraphen 8A bestraft wurde, weil dieser erst ab dem Jahr 2005 seinen Anfang nahm, war bei Schutzbefohlenen etwa in einer Schule verboten. Die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung beauftragte Anwältin Ursula Raue spricht inzwischen von etwa 30 Opfern.[12] Anfang Februar gab Pater Stefan Dartmann S.J., Provinzial der vereinigten deutschen Provinzen des Jesuitenordens, weitere 15 Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg sowie an der katholischen Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg, am Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und eine noch unbekannte Zahl in Göttingen, Hildesheim, Spanien und Chile bekannt.[13] Zeitgleich konzentrierten sich die Medien nicht mehr nur auf katholische Institutionen, sondern ebenso auf evangelische und konfessionslose Jugendeinrichtungen und fanden auch dort, sogar in zahlreichen DDR-Kinderheimen und Sportvereinen Missbrauch in verschiedenen Formen.[14][15][16]

Auf Spreeblick, dem Blog von Johnny Haeusler, selbst Absolvent des Canisius-Kollegs, haben viele ehemalige Schüler Kommentare hinterlassen, die darauf schließen lassen, dass die Vorwürfe schulintern bekannt waren, aber ignoriert wurden.[17] Pater Karl Heinz Fischer S.J., Rektor des Kollegs zwischen April 1981 und Juni 1989, bestätigte, dass ihm bereits 1981 Vorfälle bekannt wurden.[18] Einige Missbrauchsopfer haben sich zusammen mit den Geschädigten anderer Jesuiteneinrichtungen in dem Forum Eckiger Tisch organisiert.[19]

Inzwischen hat sich der Vorgang zu einem bundesweiten Skandal ausgeweitet, der im Brennpunkt des Medieninteresses steht. Unter anderen musste der bekannte Jesuit Bernhard Ehlen, zeitweise Lehrer am Canisius-Kolleg, mehrere Missbrauchsfälle in Hannover eingestehen.[20] Der Missbrauchsskandal setzte die deutschen Bischöfe unter Zugzwang. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) teilte darauf hin mit, dass das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung der nächsten Vollversammlung gesetzt worden sei. Diese fand vom 22. bis zum 25. Februar 2010 in Freiburg im Breisgau statt.[21] Eine Entschädigung seitens der Einrichtung ist bis April 2012 noch nicht erfolgt.[22]

Trotz der Missbräuche bleibt die Zahl der Anmeldungen beim Canisius-Kolleg ungewöhnlich hoch. Sogar Kinder betroffener Schüler aus jener Zeit wurden auch aktuell am Berliner Jesuiten-Kolleg für den Besuch der Schule angemeldet.[23]

Die ISG am Canisius-Kolleg (früher GCL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg umfasst – gemäß jesuitischer Tradition – neben dem grundständigen Gymnasium die Exerzitien und die Ignatianische-Schüler-Gemeinschaft (ISG) als außerschulische verbandliche Kinder- und Jugendarbeit. Die Vorgänger-Institution nannte sich GCL (Gemeinschaft Christlichen Lebens), sie stellt neben der Schule, unter dem Dach des Kollegs, eine eigenständige Institution dar, welche eine Stadgruppe des zweiverbandlichen Jugendverbandes KSJ (Katholische Studierende Jugend) im Diözesanverband Berlin ist. Schule und ISG bilden somit das Werk Canisius-Kolleg SJ.

Die Jugendarbeit am Jesuitenkolleg möchte nach dem Prinzip „Jugend leitet Jugend“ einen Rahmen zur zweckfreien Begegnung Kinder und Jugendlicher bieten. Dabei soll nach dem Schulprofil Raum zur Einübung von Verantwortung, Selbstorganisation und Demokratie und zur Erfahrung des Religiösen gegeben werden – was zur Förderungsozial-emotionaler Kompetenzen führen kann. Im Wesentlichen geht es darum, einen Beitrag zur Entwicklung einer freien Persönlichkeit zu leisten, die sich ihres Verstandes frei bedienen kann, sowie unterscheidungs- und entscheidungsfähig ist.

Von den Schülerinnen und Schülern des Kollegs sind circa 560 Mitglieder des Jugendbereiches, davon sind 71 im „Engagement für andere“ (P. Pedro Arrupe S.J., einstiger Generaloberer der Jesuiten) in verantwortlichen Positionen aktiv (als Gruppenleiterinnen und -leiter, als Stadtgruppenleitung, in der Mitarbeit im Schulungsteam oder junge Erwachsene in der Praxisbegleitung von Leiterrunden). (Stand März 2010)

Die ISG hat als sogenannte „Congregatio Mariana“ ihren Ursprung am römischen Kolleg im Jahr 1563. Die Geschichte am Canisius-Kolleg reicht bis in das Jahr 1947 zurück. Im Rahmen der Neugründung des Jesuitenkollegs nach der Zwangsschließung wurde sie als Jugendverband der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL) in Berlin gegründet. Im Jahr 2009 trat die Stadtgruppe aus der J-GCL aus und in die KSJ ein.

Im Rahmen der oben erwähnten Missbrauchsfälle hat Manfred von Richthofen, früher Sportlehrer am Kolleg, die damaligen Nachmittagsaktivitäten der „Congregatio“ in der B.Z. als Zentrum des Problems („Pestbeule“) bezeichnet, obwohl später dem Lehrer Manfred von Richthofen Fälle von Prügel nachgesagt wurde.[24] In den frühen 1980er Jahren wurde die Jugendarbeit am Kolleg demokratisiert, so dass z. B. auch der Geistliche Leiter gewählt werden muss und auch abgewählt werden kann. In der fünfjährigen praxisbegleitenden Ausbildung der Gruppenleiterinnen und -leiter spielen Themen wie Nähe und Distanz, Feedbackkultur, und die Wahrnehmung von und der Umgang mit Grenzverletzungen eine wichtige Rolle.[25]

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Vereins der Freunde

Seit 1948 gibt es den Verein Canisius Kolleg Freunde und Förderer e. V. (früher: Verein der Freunde des Canisius-Kollegs), der 2008 rund 500 Mitglieder hat.[26] Der jährlich stattfindende „CK-Ball“ wird unter anderem vollständig vom Verein der Freunde finanziert.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rektoren – Leiter des Hauses des Jesuiten-Ordens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gymnasium am Lietzensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1928–1936: Pater Theo Hoffmann SJ (erster Rektor des Canisius-Kollegs)
  • 1936–1940: Pater Lambert Claßen SJ (bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten)

Canisius-Kolleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947–1954: Pater Paul Mianecki SJ
  • 1954–1960: Pater Johannes Baptist Schoemann SJ
  • 1960–1966: Pater Johannes Maniera SJ
  • 1966–1968: Pater Georg Karp SJ
  • 1968–1975: Pater Heinz Wanke SJ
  • 1975–1977: Pater Norbert Baumert SJ (als Vize-Rektor)
  • 1977–1981: Pater Rolf-Dietrich Pfahl SJ
  • 1981–1989: Pater Karl-Heinz Fischer SJ (erstes Mal)
  • 1989–1994: Pater Hans-Georg Lachmund SJ
  • 1994–1996: Pater Karl-Heinz Fischer SJ (zweites Mal)
  • 1996–2000: Pater Hermann Breulmann SJ
  • 2000–2011: Pater Klaus Mertes SJ
  • Ab 6. Mai 2011: Pater Tobias Zimmermann SJ[27]

Direktoren – Leiter der Jesuiten-Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gymnasium am Lietzensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1925–1940: Pater Georg Hahn SJ
  • 1936–1940: Pater Heinrich Klein SJ (Vertreter)

Canisius-Kolleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1945–1963: Pater Heinrich Klein SJ
  • 1963–1985: Pater Johannes Zawacki SJ
  • 1985–1993: Pater Robert Gelberg SJ
  • 1993–1997: Pater Heinrich Köster SJ
  • 1997–2006: Georg Ehrmann, erster Nichtjesuit als Schulleiter
  • 2006–2007: Margarete Sartorius (kommissarisch)
  • seit 2007: Gabriele Hüdepohl

Bekannte Lehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste ehemaliger Schüler des Gymnasiums Canisius-Kolleg Berlin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canisius-Colleg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Canisius-Kolleg.de – Willkommen beim Canisius-Kolleg Berlin; September 2007
  2. Jan-Martin Wiarda: Schulkampf in Berlin. In: Die Zeit, Nr. 11/2005
  3. Canisius-Kolleg.de – Schulprofil (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive)
  4. Homepage CK – Grundinformation Sozialpraktikum (Memento des Originals vom 17. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.canisius-kolleg.de
  5. Erich Klausener (Aus dem Berliner Diözesanarchiv): Haben wir Berliner Katholiken Grund zum Optimismus?, S. 25 unten; abgerufen am 23. September 2018.
  6. siehe Annaliese Kirchberg: Ein Unikat, in: Jahrbuch für das Erzbistum Berlin 2005, hrsg. vom Morus Verlag, Berlin 2004, S. 67.
  7. Das Schweigen muss gebrochen werden. In: Berliner Morgenpost, 28. Januar 2010
  8. Bericht auf stern.de, 29. Januar 2010
  9. Online-Artikel "Canisius-Kolleg: Missbrauchsfälle an Berliner Eliteschule" auf dem Titelblatt der Berliner Morgenpost vom 28. Januar 2010
  10. Jesuitenpater: „Das Unrechte meines Tuns war mir immer klar“. In: Hamburger Abendblatt, 11. Februar 2010
  11. Schüler an Jesuiten-Gymnasium jahrelang missbraucht. In: Der Tagesspiegel, 28. Januar 2010
  12. Spiegel Online, vom 6. Februar 2010
  13. vgl. Jesuiten: Missbrauch an zahlreichen Schulen bei focus.de, 1. Februar 2010 (aufgerufen am 1. Februar 2010)
  14. https://www.tagesspiegel.de/wissen/missbrauch-in-ddr-jugendheimen-kinder-als-staatsfeinde/9661360.html
  15. Claudia Kade: Sexueller Missbrauch: Die Gefahr lauert auch im Sportverein. In: welt.de. 24. November 2013, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  16. Jan Reschke: Missbrauch im Sport: Trainer als Täter. In: Spiegel Online. 26. März 2010, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  17. Sexueller Missbrauch am Canisius-Kolleg auf spreeblick.com
  18. Schulleitung wusste früh vom Missbrauch. In: Spiegel Online, 2. Februar 2010
  19. Website des Forums Eckiger Tisch
  20. Bericht@1@2Vorlage:Toter Link/www.fr-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. der Frankfurter Rundschau
  21. Dunkles Gesicht der Kirche: Zahl der Missbrauchsfälle steigt weiter, Stern-Online, 8. Februar 2010
  22. http://www.taz.de/Betroffener-vom-Canisius-Kolleg-erzaehlt/!92156/
  23. https://www.domradio.de/nachrichten/2011-01-21/canisius-kolleg-ein-jahr-nach-offenlegung-der-missbrauchsfaelle
  24. Interview. In: B.Z., 5. Februar 2010
  25. Claudia Keller: Spielend Grenzen setzen. In: Der Tagesspiegel, 5. Februar 2010
  26. Verein der Freunde des Canisius-Kollegs
  27. Tobias Zimmermann wird Rektor auf Jesuiten.org