Carl Feilitzsch

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Carl Ludwig Gustav Freiherr von Feilitzsch, auch Karl Ludwig Gustav Freiherr von Feilitzsch (* 2. April 1901 in München; † 7. August 1981 ebenda) war ein deutscher Komponist.

Er komponierte in einer expressiven musikalische Sprache, die zwar tonal orientiert bleibt, aber die Dissonanz weiter emanzipiert und sie als Ausdrucksmittel für die Disparatheiten der modernen Welt und die Dramaturgie seines Musiktheaters einsetzt. Dabei entwickelte  er eine Kompositionsmethode, in der er mithilfe einer „Dissonanzentabelle“ die verschiedenen Schärfegrade organisierte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feilitzsch wurde am 2. April 1901 in München geboren. Seine musikalischen Neigungen wurden früh gefördert. Auf Weisungen des Elternhauses absolvierte er nach dem Abitur 1920 am Wilhelmsgymnasium München[1] ein Jurastudium in München, das er 1925 mit dem Referendar-Examen an der Ludwig-Maximilians-Universität abschloss. Allerdings studiert er daneben auch Musiktheorie bei Adam und August Reuß an der Münchener Akademie der Tonkunst, der heutigen Hochschule für Musik und Theater München. Nach seinem Beschluss Musiker zu werden wird er 1927–1929 Kompositionsschüler von Hermann Wolfgang von Waltershausen an der Akademie, einem Protagonisten der „Münchner Schule“ um den jungen Richard Strauss und Ludwig Thuille, deren Anfänge bei Josef Gabriel Rheinberger und Alexander Ritter liegen.

In dieser Zeit komponiert Feilitzsch bereits Opern: 1928 findet die Uraufführung der Oper „Die Rote Fackel“ mit Texten von Karl Kraus im Stadttheater Nürnberg mit großem Erfolg statt. 1929 bringen die Opernhäuser in Plauen und Ulm seine vierte Oper „Konrad und Marie“ zur Aufführung.

1931 absolviert er die Abschlussprüfung an der Akademie der Tonkunst und besucht bis 1935 die Meisterklasse für dramatische Komposition bei Hermann Wolfgang von Waltershausen. Nach 1933 ist er auch Praktikant im operndramaturgischen Seminar von Hans Pfitzner.

1935 wird sein musikalischer Werdegang drastisch unterbrochen. Der Direktor der Akademie für Tonkunst wird durch ein Mitglied der NSDAP ersetzt. Kurze Zeit später ergeht ein Verbot der Vorträge von Feilitzsch an der Akademie auf Grund von „Zweifeln an der weltanschaulichen Zuverlässigkeit“ des jungen Komponisten.

1939 tritt er einer in Berlin und München tätigen Widerstandsgruppe um Eugen Polzin und Franz Graf v. Otting u. Fünfstätten bei. 1940 Heirat mit seiner entfernten Cousine Gerda Freiin v. Feilitzsch und schließlich Eintritt in die NSDAP, da seine Verhaftung durch die Gestapo drohte. 1940–41 Teilnahme am Russlandfeldzug. Nach Rückkehr entstehen seine Hauptwerke: „Apokalypse“, nach Texten aus der Offenbarung des Johannes, die Opern „Lechbrucker Elegie“, „Metamorphosen der Liebe“, „Waldemar Dae“ und „Der Müller und sein Kind“.

1943 tritt er zum Römisch-Katholischen Glauben über, ein bedeutsamer Schritt als Mitglied einer Familie, der zu den ersten sieben reformierten Familien in Deutschland zählte: Die Vettern Philipp von Feilitzsch (1473–1528/1532) und Fabian von Feilitzsch (vor 1457–1537/38) gehörten zu den von Friedrich III. (Sachsen) ("Friedrich der Weise von Sachsen") bereitgestellten Getreuen, die Luther in Schutzhaft nahmen.

Ab 1945 arbeitet Feilitzsch mit dem Kabarett Die Schaubude und mit Erich Kästner zusammen. Es entstanden die sozialkritischen Kompositionen Die Hinterbliebenen und Hurra Wir Sterben.[2]

16. Januar 1947 erfolgt ein Schiedsspruch der 1. Spruchkammer München im Entnazifizierungsverfahren mit „nicht belastet“ und der Befreiung von allen Verfahrenskosten.[3]

1949 kommt sein Hauptwerk „Die Apokalypse“ als Radioübertragung im Bayerischen Rundfunk konzertant zur Aufführung.[4]

1951 Uraufführung „Die Apokalypse“ in der Bühnenfassung im Brunnenhof der Münchner Residenz, die noch in Ruinen liegt (22. Oktober 1951), mit fünf folgenden Aufführungen sowie weiteren Aufführungen in Oldenburg und Tutzing.[5]

1952 Produktion der Filmversion der „Apokalypse“ (Preis bei der Film Biennale in Venedig,1958),

1954 Erscheint das Typenpsychologische Buch „K2M oder die Hypothese von der Nebelsäule“, eine Systematik der Charakterkunde, Recht Verlag, München.

Zwischen 1949 und 1967 fanden 32 Aufführungen seiner Opern und Ballette statt. In der Zusammenarbeit mit Oskar Sala und dessen Mixtur-Trautonium experimentierte er mit elektronischer Musik. Er übernimmt auch die musikalische Leitung von Inszenierungen der Werke Bertolt Brechts (wie „Mutter Courage“, 1950 an den Kammerspielen oder in Schallplattenaufnahmen der Deutschen Grammophon  wie bei „Therese Giehse singt aus Mutter Courage“, Polydor GmbH, Best. Nr. 34064). Zu den Aktivitäten dieser Jahre zählen ferner Hörspiele mit Erick Kästner, Paul Alverdes und Felix-Eberhard von Cube, eine Musikversion von Nestroy’s „Die Träume von Schale und Kern“ (Salzburger Festspiele 1952), zahlreiche Theatermusiken am Residenztheater, den Münchner Kammerspielen und für Kurzfilme, darunter „Das Glaswerk“ (1961), ein Industriefilm für die Jenaer Glaswerke der Schott A. G. oder „Der Münchner im Himmel“ (1962) ein Zeichentrickfilm nach Text von Adolf Gondrell mit  Kompositionen für Mixtur-Trautonium.

1964 erhält Feilitzsch den Schwabinger Kunstpreis.[6]

Seit den frühen 1960er Jahren engagierte sich Feilitzsch vermehrt öffentlich für den Umweltschutz. 1969 gründete er „Die grüne Aktion“ zusammen mit MdB Dr. Franz Gleißner, eine der ersten deutschen Bürgerinitiativen für Umweltbelange. Damit  kämpfte er erfolgreichen gegen die Rodung des Hofoldinger Forst, um dort den Bau des neuen Münchner Flughafens zu verhindern. Er verfasst politische Essays und Aufsätze (wie „Umweltschädiguns-Nostalgie und die Zerstörung der Liturgie“).


Ab 1970 unterrichtet er privat Komposition und Orchesterleitung. Der Dirigent Enoch zu Guttenberg wird sein bedeutendster Schüler. In den letzten Lebensjahren findet eine Zusammenarbeit mit der Chorgemeinschaft Neubeuern  statt.

Karl Freiherr von Feilitzsch starb am 7. August 1981 in München nach langem Krebsleiden.[7]

Zu seinem 100. Geburtstag erhält er in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Würdigung als Komponist und engagierter Kämpfer für Natur- und Umweltschutz.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner künstlerischen Arbeit ging es ihm vor allem um psychologisch vertiefte und dramatisch eindringliche Darstellungen. Zentral war dabei seine  Auseinandersetzung mit Tod, Gewalt und Faschismus. Aber sie wurde getragen von einem weit drüber hinaus gehenden Engagement für eine real gelebte Verantwortung im politischen und gesellschaftlichen  Zeitgeschehen.[8]

Als sein Hauptwerk betrachtete Feilitzsch das musikalische Drama Die Apokalypse. Das Werk vertont aus dem Text der (dem Evangelisten Johannes zugeschriebenen) „Geheimen Offenbarung“ nach Art einer Kantate mit stark rhythmisierten Jazzelementen als eindringliche Warnung vor  Krieg, Atom-Katastrophe und Naturzerstörung. Der Bayerische Rundfunk übertrug die konzertante Uraufführung 1949 als „Musik gegen den Krieg“. Der Film von 1954, der unter seiner Regie entstand, vermittelt einen authentischen Eindruck seiner Interpretationsvorstellung.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opern
  • Die Rote Fackel (1928). Text von Karl Kraus
  • Konrad und Marie (1929)
  • Apokalypse
  • Opern Lechbrucker Elegie
  • Metamorphosen der Liebe
  • Waldemar Dae
  • Der Müller und Sein Kind
  • Der Student von Prag
Kabarett
  • Die Hinterbliebenen
  • Hurra Wir Sterben

Aufführungsverzeichnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Die Apokalypse. Nachtstudio des Bayerischen Rundfunks, München, September 1949
    • Ende Gut Alles Gut. Münchener Kammerspiele, München, 31. Dezember 1949
    • Madame Aurélie, Münchner Kammerspiele, München, 1. Februar 1950
    • Der Tod des Handlungsreisenden (DE), Kammerspiele München 26. April 1950
    • Der Student von Prag. Schauspielhaus München, München, 1. Mai 1950
    • Romeo und Jeanette. Hörspiel des Bayerischen Rundfunks, München, 23. September 1950
    • Viel Lärm um nichts, Münchner Kammerspiele, München, 18. Dezember 1950
    • Der eingebildete Kranke, Münchner Kammerspiele, München, 20. Februar 1951
    • Häuptling Abendwind, Münchner Kammerspiele, München, 20. Februar 1951
    • Dantons Tod. Münchener Kammerspiele, München, 5. Juli 1951
    • Die Apokalypse. (Uraufführung) Theater im Brunnenhof, München, Oktober 1951
    • Minna von Barnhelm, Münchner Kammerspiele, München, 6. November 1951
    • Die Erbin, Münchner Kammerspiele, München, 8. Dezember 1951
    • Die Ehe des Herrn Mississippi, (UA) Münchner Kammerspiele, München,26. März 1952
    • Die Träume von Schale und Kern. Salzburger Festspiele, Salzburg, Juli 1952
    • Der Widerspenstigen Zähmung. Münchener Kammerspiele, München, 17. Januar 1953
    • Die tätowierte Rose, Münchner Kammerspiele, München, 24. Februar 1953
    • Maria und Elisabeth, Münchner Kammerspiele, München, 16. März 1953
    • Der Bauer als Millionär, Münchner Kammerspiele, München, 23. April 1953
    • Don Juan oder die Liebe zur Geometrie, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 21. Mai 1953
    • Ein Engel kommt nach Babylon, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 22. Dezember 195
    • Film  Apokalypse
    • Gigi, Münchner Kammerspiele, München, 12. Januar 1954
    • Warten auf Godot, Münchner Kammerspiele, München, 27. März 1954
    • Sodom und Gomorrha, Münchner Kammerspiele, München, 15. April 1954
    • Beatrice und Jeanette. Südwestfunk, Baden-Baden, Juni 1954
    • Hamlet, Münchner Kammerspiele, München, 12. Juli 1954
    • Der steinerne Engel, Münchner Kammerspiele, München, 26. November 1954
    • Eröffnung des indischen Zeitalters, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 17. März 1955
    • Das Dunkel ist Licht genug, Münchner Kammerspiele, München, 24. Mai 1955
    • Der gute Mensch von Sezuan, Münchner Kammerspiele, München, 30. Juni 1955
    • Victoria, Kunt Hamsun. Akademie Theater, Wien, September 1955
    • Elisabeth von England, Münchner Kammerspiele, München, 28. September 1955
    • Die Apokalypse. Oldenburger Schloß, Oldenburg, Oktober 1955
    • Das kalte Licht, Münchner Kammerspiele, München, 21. November 1955
    • Victoria. Lessing Theater, Nürnberg, Januar 1956
    • Victoria. Theater am Aegi, Hannover, Februar 1956
    • Victoria. Landestheater, Coburg, Februar 1956
    • Victoria. Stadttheater, Bern, Februar 1956
    • Wallensteins Tod, Münchner Kammerspiele, München, 21. Februar 1956
    • Nach Damaskus, Münchner Kammerspiele, München, 10. April 1956
    • Oberst Chabert. ARD, 20. Mai 1956
    • Der Besuch der alten Dame, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 28. Mai 1956
    • Herrenhaus, Münchner Kammerspiele, München, 12. Juli 1956
    • Der Ritter von Mirakel, Münchner Kammerspiele, München, 10. Januar 1957
    • Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 10. Januar 1957
    • Der Marquis von Keith, Münchner Kammerspiele, München, 6. April 1957
    • Bei Tag und bei Nacht, Residenztheater München, München, 9. Juli 1957
    • Elektra, Münchner Kammerspiele, München, 8. August 1957
    • Tumult im Narrenhaus, Residenztheater München, München, 13. März 1958
    • Macbeth, Münchner Kammerspiele, München, 24. Juni 1958
    • Die Apokalypse. Verfilmung, Venedig, Mai 1959
    • Unter die Lupe Genommen. Kurzfilm (Condor Films AG), Zürich, Juni 1959
    • Die Herzogin von Langeais, (UA) Residenztheater München, München, 11. Januar 1959
    • Mittagswende, Münchner Kammerspiele, München, 10. Juni 1960
    • Der Perser, Münchner Kammerspiele, München, 7. Februar 1961
    • Die Heilige Johanna. Deutsches Theater, München, 1. Juli 1961
    • Das Käthchen von Heilbronn, Residenztheater München, München, 9. September 1961
    • Wie es euch gefällt, Münchner Kammerspiele, München, 16. Dezember 1961
    • Gewitter am See, (UA) Münchner Kammerspiele, München, 18. Februar 1964
    • Macbeth, Residenztheater München, München, 11. Mai 1964
    • Die Träume von Schale und Kern. Schauspielhaus Zürich, 31. Dezember 1964
    • Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, Residenztheater München, München, 20. Februar 1965
    • Der Florentinerhut, Münchner Kammerspiele, München, 5. Mai 1965
    • Der Werbeoffizier, Residenztheater München, München, 13. Februar 1966
    • Die Freier, J.v. Eichendorff. Residenztheater München, München, 1967
    • Messe in Es (1967). Jesuitenkirche St. Michael, München, 2. April 2016 (UA)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresbericht über das Wilhelms-Gymnasium zu München 1919/20.
  2. Schaubude im neuen Glanz. In: Süddeutsche Zeitung, 16. September 1948.
  3. Beglaubigte Abschrift in der Personalakte d. Hochschule f. Musik u. Theater, München
  4. Rezension in: Münchner Merkur v. 9. 9. 1949; Radiowelt v. 25. 9. 1949
  5. Mitteilungsblatt der Münchner Uraufführungsbühne e. V. Nr. 1/1951 v. 12. 11. 1951 u. Aufführungsverzeichnis
  6. Münchner Merkur v. 16/18. 5. 1964; SZ v. 16. 5. 1964; SZ v. 11. 9. 1964; SZ v. 14. 9. 1964
  7. Nachruf: Karl Freiherr von Feilitzsch. In: Münchner Merkur, 11. August 1981, S. 9.
  8. Komponist und Kämpfer: Zum Tode von Karl v. Feilitzsch. In: Stadtanzeiger, Nr. 61, 13. August 1981.