Carl Gibson (Autor)

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Carl Gibson, 2017

Carl Gibson (* 1959 in Timișoara, Volksrepublik Rumänien) ist ein deutscher Fach- und Sachbuchautor und ehemaliger Bürgerrechtler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gibson wuchs in Sackelhausen im Banat auf. In Timișoara besuchte er das Nikolaus Lenau Lyzeum.[1] Carl Gibson ist Philosoph, Literaturwissenschaftler, Sach- und Fachbuchautor, Publizist, Schriftsteller, Historiker, Gründer und Leiter des „Instituts zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa“.[2] Von 1976 bis 1989 engagierte sich Gibson als Bürgerrechtler und Dissident in Rumänien.[3][4] 1977 wurde er in Bukarest verhaftet, als er versuchte, den Charta 77-Solidarisierungsappell des oppositionellen Schriftstellers Paul Goma zu unterzeichnen. Bis zu seiner Ausreise im Oktober 1979 opponierte Gibson teils individuell, teils im Rahmen des politisch-musischen Kreises OTB (rumänisch Organizaţia Timiş-Banat). Ebenfalls bestanden Kontakte zu deutschsprachigen Schriftstellern aus der Aktionsgruppe Banat und dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Kreis in Temeswar. Gibson wurde mehrfach von der Securitate verhört und zum Teil gefoltert.[5][6]

Nach der partiellen Zerschlagung der in Bukarest gegründeten Freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger SLOMR (Sindicatul liber al oamenilor muncii din România) gründete er zusammen mit 16 weiteren Sympathisanten der Freien Gewerkschaft die Regionalorganisation SLOMR Temeswar.[7] Nach seiner Verhaftung aufgrund des Vorwurfs, „eine anarchistische Organisation mit antisozialistischem Charakter begründet zu haben“, verbüßte er sechs Monate Gefängnishaft in der Anstalt Popa Șapcă, Timișoara.[8]

Nach seiner Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland setzte sich Carl Gibson weiter für demokratische Strukturen in Rumänien ein und trat als Sprecher der SLOMR im Westen auf.[9] Im Rahmen einer vom internationalen Gewerkschaftszusammenschluss Confederation Mondial du Travail World Confederation of Labour initiierten Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde unter anderem auch Carl Gibson angehört.[10] Die Untersuchung, in der die rumänische Regierung unter Nicolae Ceaușescu beschuldigt wurde, die von ihr ratifizierten Abkommen über allgemeine Bürgerrechte und gewerkschaftliche Freiheiten nicht respektiert zu haben, zog sich von 1981 bis 1984 hin und führte zur Freilassung langjährig verurteilter Gewerkschaftsgründer.

Ab 1982 studierte Gibson Politische Wissenschaft, Geschichte und Philosophie zunächst an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, später an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Universität Wien und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, bis er 1985 an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg wechselte. Nach seinem Abschluss (Philosophie, Germanistik, Geschichte) arbeitete er als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Carl Gibson veröffentlicht seit 1982 und ist journalistisch tätig; neben wissenschaftlichen Buchpublikationen schreibt er Essays. Gibson lebt seit 1992 überwiegend in Bad Mergentheim, wo er 1993 ein Institut für Wirtschaftsethik begründete. Im Jahr 2005 wurde dieses zur philosophischen Praxis ausgeweitet. Gibson publizierte mehrere seiner Werke online und betätigt sich als Blogger. Carl Gibson ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller im Rahmen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).[4]

Seit 2009 trat Carl Gibson als Kritiker[11] von Herta Müller auf; er warf ihr eine zeitweise opportunistische Haltung gegenüber dem Ceaușescu-Regime vor.[12][13] [14]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nietzsches Lenau-Rezeption. In: Sprachkunst. 1986, 2. Halbband, S. 188–205. (Österreichische Akademie der Wissenschaften).
  • Auftakt mit einer Bestie – oder: Zuckerbrot und Peitsche. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik. S. 120–126. Heft Nr. 1, 2007, Dinklage. Kapitel-Auszug aus: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur.
  • Roman Rocek: Dämonie des Biedermeier. Nikolaus Lenaus Lebenstragödie. Wien 2005. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik. S. 120–126 Dinklage, Heft Nr. 2, 2007, S. 132–134. Buchbesprechung von Carl Gibson.
  • Ion Caraion: Der Konflikt zwischen dem Bleibenden und dem Vergehenden. In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Herausgeber Traian Pop. Nr. 2, Ludwigsburg 2008, S. 66–72. Übersetzung aus dem Rumänischen von Carl Gibson.
  • Das kurze Aufleuchten von Widerstand. Die Gründung und Zerschlagung der ersten freien Gewerkschaft in Rumänien. In: Horch und Guck: Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der SED-Diktatur. Heft Nr. 3, S. 46 ff, Berlin, 2008. (online PDF; 1,8 MB)
  • Legitimer Protest gegen Ceaușescu-Diktatur. In: Siebenbürger Zeitung. 20. März 2009. (online)

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikolaus Lenau. Leben – Werk – Wirkung. (= Beiträge zur neueren deutschen Literaturgeschichte. Folge 3, Band 100). Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1989, ISBN 3-533-04206-5.
  • Bad Mergentheim und das Trinkwasser. Die Geschichte der Mergentheimer Wasserversorgung. R. Oldenbourg Verlag, München/ Wien 1994, ISBN 3-486-26258-0.
  • Erdgas für Tauberfranken und Hohenlohe. Der Aufbau einer leistungsfähigen Erdgasversorgung. Herausgegeben von der Contigas Deutsche Energie-AG und der Stadtwerke Bad Mergentheim GmbH. R. Oldenbourg Verlag, München/ Wien 1999, ISBN 3-486-26469-9.
  • Brunnen und Quellen in Tauberfranken. Ein Beitrag zur historischen Trinkwasserversorgung des Weinortes Markelsheim. Herausgegeben vom Stadtwerk Tauberfranken GmbH. Wesel Verlag, Baden-Baden 2004, ISBN 3-00-015136-2.
  • Brunnen und Quellen in Tauberfranken. Die historische Trinkwasserversorgung der Bad Mergentheimer Ortschaften Dörtel. Herbsthausen und Schönbühl. Herausgegeben vom Stadtwerk Tauberfranken GmbH. Wesel Verlag, Baden-Baden 2005, ISBN 3-00-017572-5.
  • Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. Chronik und Testimonium einer tragischen Menschenrechtsbewegung in literarischen Skizzen, Essays, Bekenntnissen und Reflexionen. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2008, ISBN 978-3-89754-297-6.
  • Mehr Licht: Die Geschichte der Stromversorgung in Bad Mergentheim. Stadtwerk Tauberfranken GmbH. Bad Mergentheim 2009, ISBN 978-3-00-027905-8.
  • Allein in der Revolte: Eine Jugend im Banat. Aufzeichnungen eines Andersdenkenden – Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2013, ISBN 978-3-89754-430-7[15]
  • Die Zeit der Chamäleons. Kritisches zum Leben und Werk Herta Müllers aus ethischer Sicht. Selbstverlag, Bad Mergentheim 2014, ISBN 978-3-00-045135-5.
  • „Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit“ - Herta Müllers erlogenes Securitate-Folter-Martyrium: Mit Hass, Hetze, Täuschung und politischer Protektion plagiatorisch zum Nobelpreis. Selbstverlag, Bad Mergentheim 2014, ISBN 978-3-00-045364-9.
  • Plagiat als Methode - Herta Müllers „konkreative“ Carl Gibson-Rezeption. Selbstverlag, Bad Mergentheim 2014, ISBN 978-3-00-045670-1.
  • Vom Logos zum Mythos!? Die Herta Müller-Maskerade im Brenn-SPIEGEL der ZEIT-Kritik. Selbstverlag, Bad Mergentheim 2015, ISBN 978-3-00-048502-2.
  • Koryphäen der Einsamkeit und Melancholie in Philosophie und Dichtung aus Antike, Renaissance und Moderne, von Ovid und Seneca zu Schopenhauer, Lenau und Nietzsche. Selbstverlag, Bad Mergentheim 2015, ISBN 978-3-00-049939-5.
  • Quo vadis, Germania, wohin steuert Europa? Selbstverlag, Bad Mergentheim 2016, ISBN 978-3-00-051989-5.[16]
  • Heimat, Werte und Kultur der Banater Schwaben in den Zerrbildern Herta Müllers - Das „deutsche Dorf im Banat“, „Reich der Grausamkeit“ und „Hölle auf Erden“!? Selbstverlag, Igersheim 2016, ISBN 978-3-00-053834-6, 642 S.[17]
  • Herta Müller im Labyrinth der Lügen: „Wir ersäufen dich im Fluss“ – Mythen, Märchen Münchhausiaden im „authentischen“ Lebensbericht der deutschen Nobelpreisträgerin für Literatur! Die „Unbeugsame“ als „Politikum“, ihre „Als ob“-Biographie aus der Retorte und DER FALL OSKAR PASTIOR: Nobelpreis für ein Plagiat!? Selbstverlag 2016, ISBN 3-000-53835-6.[18]
  • „AMERICA FIRST“, Trumps Herausforderung der Welt – Wille zur Macht und Umwertung aller Werte!? Selbstverlag, Igersheim 2017. ISBN 978-3-94733-700-2, 255 S.[19]
  • Merkels Deutschland-Experiment. Westliche Werte im Umbruch – Anstand und Würde oder Demagogie und Opportunismus? Der verlogene Politiker und die „kranke“ Demokratie - zum geistig-moralischen Niedergang einer Kulturnation. Selbstverlag, Igersheim 2017. ISBN 978-3-947337-01-9, 382 S.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Gibson: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. Chronik und Testimonium einer tragischen Menschenrechtsbewegung in literarischen Skizzen, Essays, Bekenntnissen und Reflexionen. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2008.
  2. Carl Gibson: Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, 19. August 2012.
  3. siebenbuerger.de (PDF; 86 kB), Siebenbürger Zeitung, Elisabeth Packi: Widerstand gegen die Ceauşescu-Diktatur, 10. August 2009.
  4. a b vs-baden-wuerttemberg.com.au, Verband deutscher Schriftsteller: Carl Gibson, 22. Dezember 2011.
  5. rti-radio.de (Memento vom 12. Januar 2010 im Internet Archive) Radio Transylvania International: Interview mit Carl Gibson, 27. August 2008, abgerufen im September 2008.
  6. fnweb.de (Memento vom 13. Februar 2009 im Internet Archive), Fränkische Nachrichten: Gibson aus Bad Mergentheim: Symphonie der Freiheit beleuchtet die Menschenrechtsbewegung in Rumänien - Der Zeitzeuge legt Buch mit 400 Seiten vor, 2008.
  7. siebenbuerger.de, Siebenbürgische Zeitung: Carl Gibson: Legitimer Protest gegen Ceauşescu-Diktatur, 20. März 2009, abgerufen am 30. Mai 2009.
  8. halbjahresschrift.homepage.t-online.de, Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik: Interview mit Carl Gibson: Antikommunistischer Widerstand, 2008, abgerufen am 11. Oktober 2009.
  9. siebenbuerger.de, Siebenbürgische Zeitung: Widerstand gegen die Ceauşescu-Diktatur, 21. August 2009, abgerufen am 11. Oktober 2009.
  10. Report No. 236 (Vol. LXVII, 1984, Series B, No. 3) Bericht des Weltverbandes der Arbeitnehmer
  11. Hans-Peter Kuhnhäuser: Carl Gibson bezichtigt Literatur-Nobelpreistraegerin der Lüge und des Plagiats (Memento vom 3. Januar 2015 im Internet Archive). In: Tauber-Zeitung. 29. Juli 2014.
  12. Christine Henschel: Herta Müller. In: Walther Killy, Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Literaturlexikon: Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. Band 8, Verlag Walter de Gruyter. Berlin/ New York 2010, ISBN 978-3-11-022047-6, S. 338. (online)
  13. Inge Braune: Carl Gibson gegen Herta Müller. In: Fränkische Nachrichten. 22. Oktober 2013. (online)
  14. Tauber Zeitung: Ex-Regimegegner kämpft weiter, 21. Februar 2015.
  15. Carl Gibson: Allein in der Revolte: Eine Jugend im Banat. Aufzeichnungen eines Andersdenkenden – Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2013, ISBN 978-3-89754-430-7.
  16. Hans-Peter Kuhnhäuser: Über die Folgen der Globalisierung. In: Fränkische Nachrichten vom 21. Mai 2016.
  17. Heimat, Werte und Kultur der Banater Schwaben in den Zerrbildern Herta Müllers - Das „deutsche Dorf im Banat“, „Reich der Grausamkeit“ und „Hölle auf Erden“!? In: Buchhandel.de vom 19. August 2016.
  18. Herta Müller im Labyrinth der Lügen: „Wir ersäufen dich im Fluss“ – Mythen, Märchen Münchhausiaden im „authentischen“ Lebensbericht der deutschen Nobelpreisträgerin für Literatur! Die „Unbeugsame“ als „Politikum“, ihre „Als ob“-Biographie aus der Retorte und DER FALL OSKAR PASTIOR: Nobelpreis für ein Plagiat!? In: Buchhandel.de vom 14. Oktober 2016.
  19. Carl Gibson: „AMERICA FIRST“, Trumps Herausforderung der Welt – Wille zur Macht und Umwertung aller Werte!? In: lovelybooks.de von 4. August 2017.
  20. Carl Gibson: Merkels Deutschland-Experiment. Westliche Werte im Umbruch – Anstand und Würde oder Demagogie und Opportunismus? Der verlogene Politiker und die „kranke“ Demokratie - zum geistig-moralischen Niedergang einer Kulturnation. Selbstverlag, Igersheim 2017. ISBN 978-3-947337-01-9, 382 S. In: manz.at vom August 2017.