Caroline von Linsingen

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Marianne Caroline Dorothee von Linsingen, genannt Caroline (* 27. November 1768 in Hannover; † 31. Januar 1815 in Blansko, Mähren) war die Tochter des kurhannoverschen Generals Wilhelm von Linsingen. Ihr wurde eine Heirat mit dem Herzog von Clarence, dem als Wilhelm IV. späteren König von Großbritannien und Irland und von Hannover nachgesagt.

Carolines Grabstein in Blansko

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vater Carolines Wilhelm von Linsingen[1] war Begleiter der Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz 1761 zu ihrer Heirat mit Georg III. nach London; auf diese Weise unterhielt er gute Beziehungen zum Londoner Hof.

Caroline erlitt nach 1792 einen Starrkrampf und wurde für tot gehalten. Der junge Arzt Dr. Adolph Meineke vertrat an ihrem Sarg vehement die Auffassung, sie sei nur scheintot, und rettete ihr so das Leben. Die beiden heirateten kurz darauf. Meineke fasste wirtschaftlich, auch nach einem Umzug nach Berlin, nicht Fuß. Er erhielt daraufhin eine Anstellung bei den Hüttenwerken des Altgrafen Salm-Reifferscheidt in Blansko in Mähren, wo Caroline verstarb. Das Grab auf dem Friedhof von Blansko ist erhalten. Meineke wurde später Kustos des Naturhistorischen Museums in Brünn und verstarb um 1832.

Caroline, die angebliche Ehefrau eines englischen Prinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caroline und der Prinz im Park von Pyrmont (Holzstich von Arthur von Ramberg nach einem Gemälde seines Onkels Johann Heinrich Ramberg)

Im Jahr 1880 wurde unter dem Titel Caroline v. Linsingen, die Gattin eines englischen Prinzen. Ungedruckte Briefe und Abhandlungen aus dem Nachlasse des Freiherrn K. v. Reichenbach, herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von * * * bei Duncker & Humblot ein angeblicher Briefwechsel zwischen Caroline von Linsingen und dem Herzog Wilhelm veröffentlicht, ohne dass die behauptete Herkunft aus dem Nachlass des vormals in Blansko tätigen Karl von Reichenbach nachprüfbar belegt wird.[2] Darin wird beschrieben, wie sie 1791 Prinz William kennen lernte, der während eines Aufenthalts in Hannover häufig im Hause Linsingen verkehrte, und dieser sich in Caroline verliebte.

Am 21. August 1791 soll ein schottischer Geistlicher in einer Waldkapelle bei Pyrmont William und Caroline heimlich getraut haben. Möglicherweise ist die Hattenser Kirche bei Ottenstein gemeint;[3] dem widerspricht das Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band Niedersachsen und Bremen, das die Kapelle in Welsede als Ort der Trauung angibt. Allerdings wird diese Mutmaßung nicht weiter erläutert oder gar belegt.[4] Bei der Trauung seien nur Carolines jüngerer Bruder Ernst von Linsingen und Lord Richard Dutton als Vertrauter des Prinzen als Zeugen zugegen gewesen. Beide Elternpaare der jungen Eheleute hätten erst ein Jahr später von der Trauung erfahren und sogleich die Auflösung dieser Ehe betrieben, in die beide Eheleute unter dem Druck der gesellschaftlichen Verhältnisse einwilligten. Der königlich-hannoversche Offizier Hans Georg Meyer soll das Kind dieser Beziehung gewesen sein.

In der Populärliteratur wurde der Stoff mehrfach aufgegriffen und ausgestaltet (s. Literatur). 15 Jahre nach dem Erscheinen der Biografie Carolines in der Allgemeinen Deutschen Biographie mit Schilderung des Sachverhalts meldete Ferdinand Frensdorff in seiner Biografie Wilhelms IV. in der Allgemeinen Deutschen Biographie Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung der Beziehung zwischen Caroline und Wilhelm an.[5] Heutzutage besteht – insbesondere in der englischen Fachliteratur – ein fast einhelliger Konsens darüber, dass eine eheliche Beziehung zwischen den beiden nie bestanden hatte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Caroline von Linsingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Linsingen. In: Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4., umgearb. und stark vermehrte Auflage, Band 10: Lackfarbe–Matelen, Eigenverlag, Altenburg 1860, S. 404.
  2. transliterierte Neuausgabe, Verlag epubli, Berlin 2012 (ISBN 978-3-7375-2362-2). 2. Auflage. (englisch) W. S. Sonnenschein & Allen, London 1881, archive.org
  3. Die Kapelle zu Hattensen. (Memento des Originals vom 18. Juli 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ottensteiner-hochebene.de Website des Fleckens Ottenstein, abgerufen am 3. September 2017.
  4. Kurt Brüning, Heinrich Schmidt (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 2: Niedersachsen und Bremen (= Kröners Taschenausgabe, Band 272). 5., verbesserte Auflage. Kröner, Stuttgart 1986, ISBN 3-520-27205-9, S. 319.
  5. Ferdinand Frensdorff: Wilhelm IV., König von Großbritannien und Irland, König von Hannover. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 13–20.
  6. Vgl. (Auswahl): W. Gore Allen: King William IV. Cresset Press, London 1960, S. 50. Jeremy Black: The Hanoverians The History of a Dynasty. Hambledon and London, London / New York 2006, S. 183. Grace E. Thompson: The Patriot King. The Life of William IV. E. P. Dutton, New York 1933, S. 27.