Charlotte Niese

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Charlotte Niese
Charlotte Niese 1912

Charlotte Niese (* 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, Herzogtum Holstein; † 8. Dezember 1935 in Altona) war eine deutsche Schriftstellerin, Heimatdichterin und Lehrerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charlotte Niese wurde als Tochter von Emil August Niese, Pastor im damals dänischen Burg auf Fehmarn und später Seminardirektor in Eckernförde, geboren. Ihre Mutter Benedicte Marie Niese war eine geborene Matthiessen. Charlotte bestand in Eckernförde die Prüfung zur Lehrerin an Höheren Töchterschulen und unterrichtete als Hauslehrerin in der seit 1866 preußischen Provinz Schleswig-Holstein, in der Rheinprovinz sowie als Internatserzieherin in Montreux. Danach zog sie zu ihrer inzwischen verwitweten Mutter nach Plön (1873–1876) und begann mit der Veröffentlichung eigener Prosatexte, anfangs noch unter dem männlichen Pseudonym Lucian Bürger.

1884 ließ sie sich in der Großstadt Altona nieder, wo auch Verwandte mütterlicherseits lebten, 1888 zog sie nach Ottensen, das 1889 Altonaer Stadtteil wurde. Als Lehrerin brauchte sie nicht mehr zu arbeiten, denn Charlotte Niese wurde eine der bekanntesten holsteinischen Heimatschriftstellerinnen.

Sie engagierte sich nicht nur in ihrem literarischen Gesamtwerk für die Verbesserung der Bildungs- und Berufschancen von Frauen, sondern stand zeitweise auch der Ortsgruppe des Verbandes Norddeutscher Frauenvereine in ihrer Wahlheimat Altona vor. Aber obwohl sie als Kind selbst erfahren hatte, wie ihre sechs Brüder (der Althistoriker Benedikt Niese war einer davon) allesamt eine höhere Schulbildung erhielten und wissenschaftliche Laufbahnen einschlugen, während der Vater ihr und ihrer Schwester dies – dem Geist der Zeit entsprechend – verwehrte, beschrieb Niese letztlich doch nur die gesellschaftlichen Grenzen der Frauen. Sich aktiv für deren Überwindung einzusetzen, wie es zur selben Zeit die auch nur wenige Fußminuten entfernt lebende sozialdemokratische Frauenrechtlerin Alma Wartenberg getan hat, hätte ihrem bürgerlich-konservativen Welt- und Rollenbild nicht entsprochen. Ihre „politischste“ öffentliche Stellungnahme war die Unterzeichnung eines Protestschreibens gegen die Einrichtung einer Straßenbahnlinie durch ihre Wohnstraße (1904).

Charlotte Niese starb 1935 in ihrem langjährigen „Poetenheim am Philosophenweg“ und wurde auf dem benachbarten Friedhof in Altona-Ottensen beigesetzt.

Literarische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Werke als Mädchenromane zu kategorisieren, griffe zu kurz, auch wenn sie im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zunehmend Eingang in Schulbücher fanden. Bevorzugte Themen ihres Œuvres waren detailreiche, stark romantisierte und häufig als historische Reisebeschreibung gestaltete Ereignisse, so beispielsweise das Schicksal adliger Emigrantinnen an der Person der Comtesse de Genlis in Altona nach der Französischen Revolution oder die Begegnung der schwedischen Gräfin Sibylle Cederstroem mit ihrem Landsmann, dem Grafen Stenbock, als dieser im 2. Nordischen Krieg 1713 Altona niederbrennen lässt. Daneben beschäftigte sie sich aber auch immer wieder mit niederdeutschen Sagengestalten (Klabautermann) und dem maritimen Milieu ihres Wohnumfeldes (etwa über den Fischerjungen Fiete aus Oevelgönne).

Der Stadtarchivar Paul Theodor Hoffmann beschreibt ihre Erzähltechnik als „den langen Atem, mit dem sie weniger schildert, als daß sie die Personen die Umwelt anschaulich erleben läßt“ und ihren Stil als „getragen von gelassener Nachsicht, leiser Ironie und freundlicher Herzensgüte“.

Insgesamt verfasste Charlotte Niese 60 Romane und Erzählbände.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cajus Rungholt (unter Pseudonym erschienen)
  • Licht und Schatten (1895)
  • Vergangenheit – Erzählung aus der Emigrantenzeit (1902)
  • Die Klabunkerstraße. Roman (1904)
  • Stadt, in der ich wohne (1908)
  • Minette von Söhlenthal (1909)
  • Allerlei Schicksale
  • Als der Mond in Dorotheens Zimmer schien (1917)
  • Aus dänischer Zeit (Bilder und Skizzen, Erinnerungen an die Kindheit in Burg)
  • Aus schweren Tagen
  • Das Lagerkind (Geschichte aus dem deutschen Krieg, erschienen 1914)
  • Der Verrückte Flinsheim und Zwei Andere Novellen (1914)
  • Barbarentöchter (Eine Erzählung aus der Zeit des Weltkrieges, erschienen 1915)
  • Das Tagebuch der Ottony von Kelchberg
  • Die Allerjüngste
  • Die Hexe von Mayen
  • Er und Sie
  • Geschichten aus Holstein (1896)
  • Nesthäkchen Gretel – Eine von den Jüngsten
  • Reifezeit
  • Reisezeit
  • Von denen, die daheim geblieben (1915)
  • Was Mahlmann erzählte
  • Philipp Reiffs Schicksale und andere Geschichten (um 1918)
  • Damals! Roman (1919)
  • Was Michel Schneidewind als Junge erlebte
  • Vom Kavalier und seiner Nichte (1919)
  • Von Gestern und Vorgestern – Lebenserinnerungen (1924)
  • Die Reise der Gräfin Sibylle (1926)
  • Schloß Emkendorf (1928)
  • Unter dem Joch des Korsen – Volksstück in 5 Aufzügen
  • Am Gartenweg, Eine Geschichte von klugen und törichten Menschen

Weiterhin erschienen mehrere Veröffentlichungen in der illustrierten Familienzeitschrift Die Gartenlaube. Ein Teil ihrer Romane und Erzählungen wurde auch übersetzt, unter anderem ins Flämische.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Griese: Charlotte Niese – Plöner Bürgerin, Heimatschriftellerin und Bestsellerautorin. Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön, Plön 2010. S. 208–222.
  • Rita Bake: Wer steckt dahinter? Nach Frauen benannte Straßen, Plätze und Brücken in Hamburg. 3. Aufl. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2003.
  • Friedrich Castelle: Charlotte Niese – eine literarische Studie. Grunow, Leipzig o.J. (vor 1928)
  • Förderkreis (Hg.): Ottensen-Chronik. Damit nicht alles in Vergessenheit gerät. Selbstverlag, Hamburg-Ottensen 1994.
  • Hans-Günther Freitag/Hans-Werner Engels: Altona. Hamburgs schöne Schwester. Springer, Hamburg 1982.
  • Paul Theodor Hoffmann: Neues Altona 1919–1929. Zehn Jahre Aufbau einer deutschen Großstadt. Bd. 2. Diederichs, Jena 1929.*
  • Wilhelm Lobsien: Charlotte Niese. Zu ihrem 60. Geburtstag. In: Illustriertes Universum-Jahrbuch 1914. Leipzig: Reclam, [1914], S. 229–230 (mit Bild).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Charlotte Niese – Quellen und Volltexte
 Commons: Charlotte Niese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien