Claudio Puntin

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Claudio Puntin (2012)

Claudio Puntin (* 1965 in Zug) ist ein Schweizer Klarinettist, Komponist, Musikproduzent und Goldschmied italienischer Abstammung.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Puntin spielte in seiner Jugend mit seinem Bruder und seinem Vater auf der Mundharmonika Volksmusik auf Bauernfesten im italienischen Friaul. Mit 9 Jahren fing er an, Klarinette zu spielen. Von 1981 bis 1985 erlernte Puntin den Beruf eines Goldschmiedes an der Schule für Schmuckgestaltung Luzern und erhielt 1985 den Prix Golay Buchel Schmuck und Design. Von 1987 bis 1993 studierte er in Köln und Rotterdam Klarinette, Bassklarinette, Jazz und zeitgenössische Musik. Er nahm regelmässig an Lehrveranstaltungen von Sergiu Celibidache teil, den er als einen seiner wichtigsten Lehrer bezeichnet.

Er gründete verschiedene Formationen wie das Schorn Puntin Duo (mit Steffen Schorn) mit dem er von 1990 bis 2013 weltweit tourte. Es folgten diverse Ensembles wie Quipu, das Claudio Puntin Trio (mit Anders Jormin und Miroslav Tadić), «Essence of North» mit der isländischen Geigerin Gerdur Gunnarsdóttir, «clap you» Kompositionsauftrag für die Tage neuer Musik Donaueschingen 2000, das World Clarinet Quartet (mit Gabriele Mirabassi, Luca Raele und Paulo Sérgio Santos), den «Balkan Clarinet Summit», SEPIASONIC, das «Trio Dolce Vita», das Barockensemble «Lamento Project», das Oktett «Sepiasonic» und zusammen mit Martina Taubenberger das Festival Tonspuren.

Als Komponist und Produzent realisierte er Musik für Hörspiele, Filme, Theater und Ausstellungen, u. a. zu: Vermessung der Welt (Daniel Kehlmann), Rot ist mein Name (Orhan Pamuk), Soundless Wind Chime (Berlinale 2009). Als Solist ist er in diversen Filmen zu hören wie Jenseits der Stille, Nur über meine Leiche, Pünktchen und Anton (1999). Er vertonte 10 Bilder von Anselm Kiefer für die Bundeskunsthalle Bonn. Die Konzertsuite «AROMA, imaginative Spaces for Clarinet, Bassclarinet, Electronics and Orchestra» wurde vom finnischen Dirigenten Osmo Vänskä in Auftrag gegeben und von ihm zusammen mit dem Minnesota Orchestra und dem Komponisten als Solisten am 11/12. Nov. 2016 in der Orchestra Hall Minneapolis MN uraufgeführt.

Er hat in Produktionen der Berliner Operncompany Novoflot als Musiker, Komponist, Arrangeur und Schauspieler mitgewirkt. Für das Schauspielhaus Köln schrieb er zusammen mit Alexandra Naumann das Musiktheaterstück «Von Menschen Tieren und anderen Instrumenten», spielte die Klezmer-Klarinette bei «Anatevka» und wirkte im Stück «Tankstelle der Verdammten» mit. Als Filmmusik- Komponist schrieb er die Soundtracks zu diversen Filmen u. a.: «Soundless Windchime» und «Stoma» von Kit Hung, «Sunset in Venice» (Kurzfilmpreis Venedig) von Spiros Taraviras, «Teatatoo» von Robert Schmidt-Gill und wirkte als Studiomusiker in Filmen wie: "Jenseits der Stille” (Oscar nomination), «Neger, Neger, Schornsteinfeger», «Das fliegende Klassenzimmer» u. a. mit.

Seine Zusammenarbeit schliesst Musiker diversen Genres mit ein, so u. a.: Steve Reich, Sidsel Endresen, Jan Bang, Skuli Sverrisson, Emiliana Torrini, Ingo Metzmacher, Osmo Vänskä, Markus Stockhausen, Jim Black, Anders Jormin, Florian Weber, Kristjan Randalu, Carla Bley, Steve Swallow, Anders Jormin, Hermeto Pascoal, Nils Wogram, Dave Liebman, Wolfert Brederode, Martyn Heyne, Nik Bärtsch, Martin Fondse, Fred Frith, u. v. a.

2011 gründete er das Elektro-Akustik Trios Ambiq zusammen mit Samuel Rohrer und Max Loderbauer. Ambiq setzt ACO's (Acoustic Controlled Oscillator), Trigger und andere Verfahren ein um u. a. modulare Synthesizer von Klarinetten und Schlagzeug kontrollieren zu können. Tracks von Ambiq wurden von diversen DJs remixed. Neben Thomas Fehlmann, Tobias., Margaret Dygas, ist vor allem die Zusammenarbeit mit Ricardo Villalobos hervorzuheben. Mit ihm zusammen haben Ambiq in einigen Live-Konzerten ihre neue Form freier elektronischer Musik einem DJ-orientierten Publikum nahe bringen können.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1998 bis 2008 unterrichtete er an der Musikhochschule Köln, von 2009 bis 2013 war er Dozent für Jazz-Klarinette am JIB Universität der Künste Berlin, er gibt internationale Masterclasses und Workshops u. a. an: California Jazz Conservatory, Musikhochschulen in Trento, Helsinki, Beijing, Bangkok, Hanoi, Luzern, Leipzig, Dresden, Arnhem, Belgrad, La Paz, Santiago. Unter seinen Studenten waren unter anderem Nils Klein, Annette Maye, Peter Ehwald, Kati Brien, Victor Wolf, Charlotte Greve.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Duo mit Schorn war Puntin 1991 Finalist der European Jazz-Competition Leverkusen, gewann 1993 den ersten Preis des Musik-Kreativ Wettbewerbs Frankfurt und 1994 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen sowie den Southern Comforts Jazz-Musician of the Year, 1999 den Essener Jazzpott, 2000 erhält er das Werkjahr des Kantons Zug, 2004 wird er erster Preisträger des WDR-Jazzpreis in Köln.

Claudio Puntin 2007 in Frankfurt/M

Diskographische Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • «Ambiq 2» Ambiq (arjunamusic) 2015
  • «Ambiq» Ambiq (arjunamusic) 2015
  • «Sepiasonic» Sepiasonic (arjunamusic)
  • «Post Scriptum» Wolfert Brederode Quartet (ECM)
  • «Currents» Wolfert Brederode Quartet (Edition of Contemporary Music (ECM))
  • «Ylir» Gerdur Gunnarsdottir/Claudio Puntin (Edition of Contemporary Music (ECM))
  • «Balkan Clarinet Summit» (Piranha 2015)
  • «clap you» Claudio Puntin (JazzHausMusik 2000)
  • «Mondo» Claudio Puntin (JazzHausMusik 1998)
  • «Cor» Puntin/Rohrer/Esteves (Blueserge 2010)
  • «Berge versetzen» Claudio Puntin & Lucerne-Jazz-Orchestra (Unit Records 2010)
  • «East» Claudio Puntin & Gerdur Gunnarsdottir String Quartet (Unit Records 2011)
  • «Elephants Love Affair» Schorn Puntin Duo (NCC 1993)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Claudio Puntin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien