Coltan

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Ein Stück Columbit-Tantalit (Coltan), 6,0 × 2,5 × 2,1 cm groß

Coltan (auch Koltan) ist ein Tantalerz. Der Name „Coltan“ leitet sich von der Mineralgruppe Columbit-Tantalit ab.

Chemische Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die chemische Zusammensetzung dieser Mineralgruppe ist sehr variabel: So sind die reinen Metalloxide Niobit (Columbit) und Tantalit als Endglieder einer natürlichen Mischungsreihe der allgemeinen chemischen Formel (Fe,Mn)(Nb,Ta,Sb)2O6 anzusehen. Unter den vielen Varietäten sind die wichtigsten das eisenreiche Mineral Ferrotantalit beziehungsweise Ferroniobit und das antimonreiche Stibiotantalit beziehungsweise Stibioniobit. Primär an Kristallingesteine, unter anderem an Alkali-Pegmatit-Gänge gebunden, finden sich diese Minerale häufig auch auf sekundärer Lagerstätte, etwa in Schwermineral-Seifen.

Förderung[Bearbeiten]

Im Jahr 2008 wurden weltweit 1195 t Coltan gefördert, dabei entfielen auf Australien 435 t, die Demokratische Republik Kongo 383 t, Brasilien 180 t, Äthiopien 77 t, Kanada 45 t, Ruanda 42 t und andere 43 t.[1]

Konfliktmineral[Bearbeiten]

Coltan wird als Konfliktmineral eingestuft.

Weltweit findet immer wieder der Coltanabbbau in der Region Kivu in der Demokratischen Republik Kongo Beachtung. Hier gewinnen Bergarbeiter aus dem Erdreich durch Nasssiebung und Schweretrennung Konzentrate für die weitere Verhüttung. Die Spitzenwerte in diesen Konzentraten liegen bei 40 bis 45 % Tantalit (Tantaloxid Ta2O5). Im Jahr 2003 konnten einzelne Schürfer noch bis zu 2000 US-Dollar pro Monat verdienen, wobei das durchschnittliche Jahreseinkommen in dem Land laut Weltbank bei 80 US-Dollar[2] und 2010 lt. US Department of State bei 189 US-Dollar lag.[3] Die Arbeitsbedingungen (inklusive Kinderarbeit) gelten als sehr inhuman.[4] Der Coltan-Boom hat für die Bevölkerung ähnliche soziale Folgen wie ein Goldrausch: Die Felder liegen brach, weil der Verdienst in den Bergarbeitercamps bis zu fünfmal höher als in der Landwirtschaft ist. Demgegenüber sind die Lebenshaltungskosten und die Konsumorientierung deutlich höher.[5] Das Coltan aus dieser Region ist oftmals mit radioaktiven Elementen und Zinnerzen (Kassiterit) vermischt.

Die hohen Gewinne für die Konzerne und die mangelnde staatliche Überwachung während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo führten zu völlig planlosem Raubbau, der gravierende Umweltschäden zur Folge hatte. Unter anderem wurden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Gorillas zerstört.[6]

Die Einnahmen aus dem Bergbau und mangelhaft kontrollierte Embargos ermöglichen den lokalen Milizführern die Bezahlung von Soldaten, den Kauf von Waffen und die Fortsetzung des Bürgerkrieges.

Verhüttung[Bearbeiten]

Rund die Hälfte des weltweiten Coltans wird von H. C. Starck aufgekauft und verarbeitet.[7] Weitere wichtige Verarbeiter sind Treibacher (Österreich), Cabot (USA), Mitsui (Japan) und Ulba (Kasachstan).[1]

Auch Glencore hat eine bedeutende Rolle im Coltan-Abbau in Zentralafrika. Glencore plant, über die Tochterfirma Katanga Mining Limited zum weltgrößten Förderer von Coltan zu werden. Die Schürfmengen sollen bis 2015 auf 30.000 t gesteigert werden. Glencore werden ungerechte Verträge, Missachtung von Menschenrechten und Steuerunterschlagung vorgeworfen.[8][9] Glencore bestreitet alle Vorwürfe.[10]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Coltan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Simone Schlindwein, Dominic Johnson: Wie das Blut vom Erz gewaschen wird. In: die tageszeitung. 4./5. Juli 2009.
  2. Michael Bitala: Krieg um Rohstoffe. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Juni 2003.
  3. Bureau of African Affairs: Background Note: Democratic Republic of the Congo In: US Department of State. 13. April 2011.
  4.  TV-Rückblick. Kongos verfluchter Schatz.. In: Der Spiegel. Nr. 35, 2008, S. 100 (online).
  5. Dieter Lohmann u. Nadja Podbregar: Im Fokus: Bodenschätze. Auf der Suche nach Rohstoffen. Springer, Berlin, Heidelberg 2012, S. 5-6.
  6. Sascha Koesch, Fee Magdanz, Robert Stadler: Handys bedrohen Gorilla-Bestand. In: Spiegel Online. 27. April 2008.
  7. Angeblich finanziert die Starck GmbH auch Rebellengruppen im Kongo.
  8. Chantal Peyer: Wie ein Weltkonzern ein Land ausbeutet: Das Beispiel von Glencore in der DR Kongo. (Zusammenfassung der Studie über Glencore auf deutsch)
  9. Chantal Peyer:Contrats droits humains et fiscalité: comment une entreprise dépouille un pays. Le cas de Glencore en République Démocratique du Congo.
  10. Plündern Rohstoffriesen schwache Entwicklungsländer aus? Tages-Anzeiger