Comminges

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Vallée du Comminges

Das Comminges (okzit-gasgon: Comenge) ist eine historische Provinz im Süden Frankreichs. Sie umfasst die südliche Hälfte des heutigen Département Haute-Garonne, entsprechend den Arrondissements von Saint-Gaudens und Muret.

Die größten Ortschaften der Region sind Saint-Gaudens, Muret, Saint-Bertrand-de-Comminges, Miramont-de-Comminges und Frontignan-de-Comminges.

Geschichte[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Wappen von Comminges
Das seit dem XVII. Jahrhundert verwendete Wappen, nach einer fehlerhaften Darstellung des älteren.

Die Region im Römischen Reich[Bearbeiten]

Während der Antike war in dieser Region das aquitanische Volk der Konvener beheimatet. Die Römer errichteten dort um 27 v. C. die Kolonie Lugdunum Convenarum (Siedlung des Gottes Lugh der Konvener), das heutige Saint-Bertrand, auch Comminica genannt wo König Herodes Antipas sein Exil nahm und verstarb. Seit 17 n. C. gehörte Comminges zur kaiserlich-römischen Provinz Gallia Aquitania, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Novempopulana.

Die Region im Reich der Goten und Franken[Bearbeiten]

Seit 410 war das Comminges dem westgotischen Reich von Tolosa zugehörig. Nach dessen Niederlage in der Schlacht von Vouillé 507 gehörte die Region zum Reich der Franken. Im Jahr 585 belagerte König Guntram I. in Comminges den Usurpator Gundowald und tötete ihn.

Das Herzogtum der Gascogne[Bearbeiten]

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wanderten Basken in das Comminges ein was nun zu deren Herzogtum, der Gascogne, gehörte.

Die Region im Mittelalter[Bearbeiten]

Bedingt durch die Instabilität des gascognischen Herzogtums etablierte sich zu Beginn des 10. Jahrhunderts eine gräfliche Dynastie in Comminges welche auch das Couserans in ihren Besitz brachte. Als Stammvater dieses Grafengeschlechtes gilt ein Asnarius (Anar/Aznar) der wahrscheinlich baskischer Abstammung war. Seine genaue Herkunft ist unklar, doch wird er oft der Familie der Grafen von Aragon zugerechnet. Ob Asnarius selber schon als Graf amtierte ist ebenfalls unklar, auch die ihm zugerechnete Gründung der Abtei von Auch ist umstritten. Jedenfalls sind erst dessen Söhne Roger I. und Arnaud I. als Grafen überliefert, wobei die Grafschaft von der Linie Rogers gehalten wurde während Arnaud und seine Nachkommen nur in einem Teil des Comminges gräfliche Rechte innehatten die aber schon von Roger dem Alten aufgegeben wurden.

St-Bertrand-de-Comminges: Chorgang der Kathedrale

Nachdem die Grafen im 11. Jahrhundert unter dem Einfluss der Grafen von Toulouse standen, unterstellten sie sich seit dem späten 12. Jahrhundert der Lehnshoheit der Könige von Aragon. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war Comminges ein Schauplatz des Albigenserkreuzzuges zu dessen prominentesten Gegenspielern der Graf Bernard IV. zählte. Am 12. September 1213 fand dabei vor der zu Comminges gehörenden Stadt Muret eine der größten Schlachten dieses Kreuzzuges statt. Seit dem Vertrag von Meaux-Paris 1229 mussten die Grafen schließlich die Oberhoheit von Frankreich anerkennen.

Im Gegensatz zu den benachbarten Grafen von Toulouse, Foix oder Armagnac gelang es den Grafen von Comminges nicht ihre Macht auf benachbarte Territorien auszudehnen weshalb sie ständig zwischen den führenden Mächten der Region lavieren mussten um ihre Position zu erhalten. So scheiterte zum Beispiel 1362 in der Schlacht von Launac ein Versuch sich der Umklammerung der Grafen von Foix zu entledigen.

Nach dem Tod der letzten Erbin von Comminges wurde die Grafschaft mangels eines Erben 1443 der königlichen Krondomäne hinzugefügt. 1462 belehnte König Ludwig XI. den Bastard von Armagnac Jean de Lescun mit Comminges. Dieser war ein unehelicher Sohn des Bischofs von Aire-sur-Adour Arnaud-Guillaume de Lescun und der Annette (Anne) d’Armagnac-Termes. Seit 1461 war Jean ein Marschall von Frankreich. Nach dessen Tod 1473 folgte ihm Odet d’Aydie nach, der mit einer Cousine Lescuns verheiratet war. Obwohl d'Aydie eine Erbin hatte, wurde Commingens nach seinem Tod 1498 endgültig mit der Krondomäne vereint, dennoch sollten seine Nachkommen den Titel eines Comte de Comminges weiterführen.

Die Region im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Seit 1716 war Comminges der Généralité d’Auch unterstellt und war in den Generalständen von 1789 mit 8 Abgeordneten vertreten.

Comminges als Sitz eines Bistums[Bearbeiten]

Vom Beginn des 6. Jahrhunderts bis 1807 war Comminges auch der Sitz eines Bistums welches der Erzdiözese von Auch unterstellt war.

Liste der Grafen von Comminges [Bearbeiten]

Das Haus Comminges war ab dem 10. Jahrhundert die wichtigste Familie der französischen Pyrenäen. Die Grafen von Comminges besaßen die Grafschaft Comminges.

Haus Comminges (Hauptlinie) Teilgrafen von Comminges (Linie Couserans)
Name Herrschaft Verwandtschaft
Roger I. um 930 bis ca. 955 Bruder von Arnaud I.
Arnaud II. ???? Sohn des Vorherigen
Roger II. bis ca. 1035 Sohn des Vorherigen
Eudes bis ca. 1035 Bruder des Vorherigen
Arnaud III. bis ca. 1070 Sohn von Roger II.
Roger III. bis ca. 1105 Sohn des Vorherigen
Bernard I. bis nach 1145 Sohn des Vorherigen
Bernard II. bis vor 1153 Sohn des Vorherigen
Dodon (Bernard III.) bis nach 1176 Bruder des Vorherigen
Bernard IV. bis 1225 Sohn des Vorherigen
Bernard V. 1225-1241 Sohn des Vorherigen
Bernard VI. 1241-1295 Sohn des Vorherigen
Bernard VII. 1295-???? Sohn des Vorherigen
Bernard VIII. 1312 Graf, 1336 bezeugt Sohn des Vorherigen
Peter Raimund I. bis 1341 Bruder des Vorherigen
Peter Raimund II. 1341-1376 Sohn des Vorherigen
Margarethe 1376-1443 Tochter des Vorherigen
1443 bis 1462 mit der Krondomäne vereint.
Jean de Lescun 1462-1472
Odet d’Aydie 1472-1498
Endgültige Vereinigung mit der Krondomäne.
Name Herrschaft Verwandtschaft
Arnaud I. bis vor 957 Bruder von Roger I.
Roger der Alte 957-1012 Sohn des Vorherigen
Raimund bis ca. 997 Bruder des Vorherigen
Bernard bis ca. 998 Sohn des Vorherigen
Nachkommen in Razès (bis 1062), Carcassonne (bis 1067) und Foix (bis 1428)

Berühmte Personen der Region[Bearbeiten]

  • François de Belleforest (* 1530 Comminges; † 1. Januar 1583 Paris), französischer Schriftsteller, Dichter und Übersetzer der Renaissance

Weblinks[Bearbeiten]