Corydoras

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Corydoras
Corydoras semiaquilus

Corydoras semiaquilus

Systematik
Kohorte: Otomorpha
Unterkohorte: Ostariophysi
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Unterordnung: Loricarioidei
Familie: Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)
Gattung: Corydoras
Wissenschaftlicher Name
Corydoras
Lacepède, 1803

Corydoras ist eine Gattung von Fischen aus der Familie der Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae). Die Gattung gehört zur Unterfamilie der Panzerwelse (Corydoradinae), die sich von der Unterfamilie der Schwielenwelse (Callichthyinae) durch das Fehlen einer Knochenplattenreihe zwischen Rücken- und Fettflosse und die geringere Größe unterscheidet. Die zwischen 3 und 12 cm großen Tiere zeichnen sich durch einen charakteristischen Körperbau (Doppelreihe von Knochenplatten, dachziegelartig von vorn nach hinten überlappend: Panzerplatten) und sehr variable Färbung aus. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Artbestimmung ist (unter anderem) die Ausprägung und die Anzahl der Zähnung (Odontoden) auf den Pektoralstacheln. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich bei diesen Welsen um Bodenfische, die jedoch als Darmatmer bei mangelndem Sauerstoffgehalt im Wasser in regelmäßigen Abständen an die Wasseroberfläche schwimmen können, um dort atmosphärischen Sauerstoff aufzunehmen und am Boden zu veratmen. Das Phänomen der Darmatmung ist auch unter optimalen Hälterungsbedingungen zu beobachten, wenngleich seltener. Aus der Fähigkeit zur Darmatmung kann nicht auf eine größere Toleranz gegenüber mangelnder Wasserqualität geschlossen werden.

Der Name Corydoras (deutsch etwa „mit Helm und Speer“) leitet sich von griechisch kory („Helm“) und dory („Lanze“, „Speer“) ab und bezieht sich vermutlich auf die den Körper panzernden Knochenplatten und den stachelartigen ersten Strahl der Brustflossen.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Gattung umfasst das ganze tropische und subtropische Südamerika, das Amazonasbecken, das zentralbrasilianische Hochland, die nördliche Pampa Argentiniens und ebenso z. B. die Karibikinsel Trinidad. Diesen geographischen Angaben entsprechend sind die einzelnen Arten an zum Teil sehr unterschiedliche Verhältnisse angepasst. Corydoras kommen im Weißwasser (z. B. Marañón, Río Huallaga, Rio Branco, Río Napo, lehmfarben, mineralreiche Schwebstoffe), Schwarzwasser (z. B. Rio Negro, teerbraun bis colafarben, huminstoffreich, sauer) und Klarwasser (Zentralbrasilien, Rio Guyana, schwach sauer) vor. Die in der Fachliteratur zitierten Corydoras-Biotopbeschreibungen machen deutlich, wie unterschiedlich auch die Temperaturverhältnisse sein können. So sind Corydoras-Arten im zentralbrasilianischen Hochland an Temperaturschwankungen von 8 bis 10 Grad Celsius zwischen dem wärmsten und kältesten Monat gewöhnt. Im Guayanaschild anzutreffende Arten indes leben bei nahezu konstanten Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius.

Sozialverhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam ist den allermeisten Corydoras-Arten das gesellige Verhalten. Einzeln oder pärchenweise kommen praktisch nur Arten der Corydoras acutus-Gruppe vor. Eine artgerechte Aquarienhaltung erfordert – bis auf die genannte Ausnahme – eine Gruppenhaltung (mindestens 6 Tiere pro Art) und Pflanzen, an welche die meisten Arten ihre Eier heften. Arten der Acutus-Gruppe können hingegen ein recht ausgeprägtes Territorialverhalten aufweisen und kommen auch in der Natur nicht in Gruppen der eigenen Art, sondern eher alleine, paarweise oder auch zusammen mit anderen meist ähnlich gefärbten kurzschnäuzigen Corydoras-Arten vor.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rote Mückenlarven, Tubifex, Enchyträen (alle: lebend) werden gern genommen. Unter Aquarienbedingungen ist hochwertiges Trockenfutter (in Tablettenform) eine gute Ergänzung. In der Fachliteratur mehrfach berichtet und häufig zu beobachten ist die Aufnahme von Detritus (Schweb- und Sinkstoffe organischer Herkunft aus pflanzlichen und tierischen Gewebeteilen) vom Bodengrund. Mulm wird daher ständig durchwühlt und gefressen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt inzwischen fast 160[2] gültige Arten. Corydoras gilt als paraphyletische Sammelgattung, d. h., dass die Gattung nicht alle Nachkommen der jüngsten gemeinsamen Stammform umfasst. So stehen die Arten der inzwischen nicht mehr als valide angesehenen Gattung Brochis z. B. verwandtschaftlich innerhalb der Gattung Corydoras und, wie eine jüngste Studie zeigt, auch die Gattungen Aspidoras und Scleromystax. Die Autoren der Studie, die darin Fälle von Müllerscher Mimikry zwischen verschiedenen Corydoras-Arten zeigen, untersuchten insgesamt über 400 beschriebene und unbeschriebene Corydoras-Arten und Farbformen, teilten sie in neun Verwandtschaftslinien (inklusive Aspidoras und Scleromystax) und schlugen für einige neue Gattungsnamen vor.[3][4][5]

Vereinfachtes Kladogramm der Panzerwelse nach Alexandrou et al.[3][4]

  Corydoradinae  

 Corydoras acutus-Gruppe (Corydoras s. str.)


   

 Aspidoras


   

 Scleromystax


   


 „Microcorydoras“


   

 „Gastrodermus“, Corydoras elegans-Gruppe + Aspidoras pauciradiatus



   

 Corydoras paleatus-Gruppe


   

 „Osteogaster“, Corydoras aeneus-Gruppe


   

 spitzschnäuzige Panzerw. (incl. „Brochis“)


   

 „Hoplisoma“, kurzschnäuzige Panzerwelse









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Corydoras acutus-Gruppe (Corydoras Sensu stricto)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freischwimmende Zwergpanzerwelse („Microcorydoras“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corydoras elegans-Gruppe („Gastrodermus“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corydoras paleatus-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corydoras aeneus-Gruppe („Osteogaster“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitzschnäuzige Panzerwelse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurzschnäuzige Panzerwelse („Hoplisoma“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht zugeordnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corydoras sp. CW009, bisher unbeschriebene Art.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Zarske: Corydoras. 2004, S. 258.
  2. Corydoras auf Fishbase.org (englisch)
  3. a b Markos A. Alexandrou, Claudio Oliveira, Marjorie Maillard, Rona A. R. McGill, Jason Newton, Simon Creer & Martin I. Taylor: Competition and phylogeny determine community structure in Müllerian co-mimics. Nature 469, 84–88 (Januar 2011), doi:10.1038/nature09660 Supplementary Information (5.9M) (PDF; 6,2 MB)
  4. a b Markos A. Alexandrou & Martin I. Taylor: Evolution, ecology and taxonomy of the Corydoradinae revisited (PDF; 0,3 MB)
  5. Ingo Seidel: Neue Erkenntnisse über die Verwandtschaftsverhältnisse bei Panzerwelsen in Aquaristik Fachmagazin Nr. 223 Februar/März 2012, Tetra-Verlag GmbH, ISSN 1437-4854

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Corydoras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien