Dagobertshausen (Malsfeld)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dagobertshausen
Gemeinde Malsfeld
Koordinaten: 51° 4′ 51″ N, 9° 30′ 31″ O
Höhe: 298 (285–313) m
Fläche: 4,79 km²
Einwohner: 300
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 34323
Vorwahl: 05661
Karte
Dagobertshausen von oben

Dagobertshausen, im örtlichen Platt Dobeltshüsen genannt, ist seit April 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Malsfeld im Schwalm-Eder-Kreis in Hessen.

Der Ort liegt in Nordhessen östlich des Hügelskopfs, dem Hausberg des Dorfes. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3427.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsansicht mit Wehrkirche
Geleitete Linden

Im Jahre 1106 wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt. Einer Sage nach leitet sich der Name Dagobertshausen vom merowingischen Frankenkönig Dagobert I. ab, der in dieser Gegend im Jahre 631 ein slawisches Heer geschlagen haben soll. Offiziell verwendet wird dieser Name aber erst seit 1747. Zuvor erscheinende Schreibweisen des Ortsnamens waren: Dageboldeshusun (1106), Dageboldishus (1194), Taboldeshusen (1253), Thabolshusen (1275), Tabelshusen (1453) und Dabelshausen (1585), womit die Sage wenig glaubwürdig erscheint. Dagobert I. soll zum Dank für seinen Sieg über die Slawen eine Kirche gestiftet haben, an deren Stelle in der Ortsmitte heute die kurz nach 1400 erbaute Wehrkirche steht.

Das Dorf war immer landgräflich-hessisch, und 1370 wird ein landgräfliches Untergericht Dagobertshausen erwähnt.[1] Ortsadelige sind in der Zeit von 1106 bis 1275 nachgewiesen, werden aber spätestens 1477 als ausgestorben genannt.[2] Ein oder mehrere herrschaftliche Höfe befanden sich jedoch noch bis ins 18. Jahrhundert in oder bei dem Dorf. (Ein Hof soll im Dabelshäuser Feld gelegen haben; er war 1585 im Besitz des hessischen Adelsgeschlechts derer von Nordeck und stand oberhalb des Wolfsgrabens.) Im Jahre 1453 hielt sich Landgraf Ludwig I. offensichtlich auf einem dieser Anwesen auf, als er in „Tabelshusen“ einen so genannten Anlassbrief ausstellte.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg wurden das Dorf und die Kirche 1636 von Kroatischen Truppen geplündert und teilweise durch Feuer zerstört.[4]

Am 1. April 1972 wurde Dagobertshausen in die Gemeinde Malsfeld eingegliedert.[5]

Wüstung Oberdagobertshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 1,5 Kilometer südwestlich der Dorfmitte, am östlichen Abhang des 392 m ü. NN hohen Hügelskopfs (früher Heidelbergskopf), befand sich einst die Siedlung Oberdabelshusen (Oberdagobertshausen), die im Dreißigjährigen Krieg zur Wüstung wurde.[6] Geringe Reste und Fundamente findet man heute noch vor dem großen Krater des ehemaligen Basaltsteinbruchs.

Schnegelshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls in der Gemarkung Dagobertshausen liegt der Schnegelshof, ein ehemaliges Vorwerk des Scholley'schen Ritterguts in Malsfeld. Wegen der Einkünfte aus diesem Hof wurde ein Jahrzehnte langer Streit zwischen dem Pfarrer von Dagobertshausen und der Familie Scholley geführt. Nach dem Aussterben der Herren von Scholley im Mannesstamm im Jahre 1829 gehörte der Hof als heimgefallenes Lehen zur bereits 1770 geschaffenen hessischen Staatsdomäne Elfershausen; diese wurde 1971 aufgelöst und aus dem Schnegelshof wurde ein privater Landwirtschaftsbetrieb.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1585: 28 Haushaltungen
  • 1747: 34 Haushaltungen
  • 1834: 248 Einwohner
  • 1895: 296 Einwohner
  • 1910: 379 Einwohner
  • 1939: 348 Einwohner
  • 1946: 528 Einwohner
  • 1950: 486 Einwohner
  • 1961: 346 Einwohner
  • 1970: 321 Einwohner

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann die erste Kirche oder Kapelle im Ort erbaut wurde, ist, trotz der Legende von der Kirchenstiftung Dagoberts I., unklar. Die erste urkundliche Erwähnung einer Ortskirche findet sich im Jahre 1194, als Erzbischof Konrad I. von Mainz die Schenkung der Kirche in Sipperhausen und deren Filialkirche in Dagobertshausen durch die Abtei Hersfeld an ihr (Tochter-)Augustinerinnenkloster Aua bestätigte. Bereits im Jahre 1228 gestattete Erzbischof Siegfried II. dem Kloster Aua, die beiden Kirchen an die Abtei Hersfeld zurückzugeben und gegen die zu Braach zu tauschen.[7]

Die heutige, für ein kleines Dorf recht gewaltige gotische Kirche mit ihrem wuchtigen Kirchturm und dem einschiffigen Langhaus wurde in der Zeit um 1403 bis 1411 erbaut. Der wuchtige Kirchturm war offensichtlich einst eine Bergwarte. Das oberste Geschoss des quadratischen, massiven Glockenhauses kragt etwas hervor und hat auf jeder Seite vier gleichartige Schießöffnungen. Anstelle des heutigen Walmdaches befand sich dort ursprünglich wohl eine Art Plattform, von der aus die Besatzung die Umgebung beobachten und sich gegebenenfalls verteidigen konnte. Wasserspeier am Fußgesims dieses Geschosses in der für eine Dorfkirche recht aufwendigen Form von speienden Tieren lassen diesen Schluss zu.

Das Erdgeschoss des Turms, das Langhaus und der Chor sind von Kreuzgewölben überspannt. An den Wänden des Kirchenschiffs befinden sich im oberen Bereich Reste frei gelegter Rankenmalereien sowie Schriftzüge. Im Chor ist ein Sakramentshäuschen aus dem 15. Jahrhundert mit Kreuzigungsrelief erhalten. Die ehemals vorhandenen wertvollen Glasmalereien der spitzbogigen Fenster sind teilweise in den Fenstern der Löwenburgskapelle in Kassel angebracht, teilweise liegen sie, nicht mehr zusammensetzbar, im Keller des Hessischen Landesmuseums in Kassel.[8]

Die Kirche liegt am Elisabethpfad und Jakobsweg. Wanderer und Pilger finden hier einen Tisch mit Wasser sowie eine Gebetswand vor. Die Kirche ist von März bis Ende Oktober jeden Tag von 9.00 bis 18.00 Uhr zugänglich; ansonsten findet sich ein Hinweis an der Kirchentür, wo der Kirchenschlüssel zu erhalten ist. Die Besichtigung des Glockenturmes ist nur nach vorheriger Anmeldung im Pfarramt möglich.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dagobertshausen (Malsfeld) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Landau: Beschreibung des Hessengaus. 1866, S. 168
  2. Hundelshausener Kopiar, fol. 23V, Landesbibliothek Kassel
  3. Regnerus Engelhard: Erdbeschreibung der Hessischen Lande Casselischen Antheiles, Erster Theil, Kassel, 1778, S. 197
  4. Die oft gehörte Behauptung, es habe sich um Kroaten des Generals Tilly gehandelt, ist so nicht haltbar, da Tilly bereits 1632 verstorben war.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 405.
  6. „Oberdagobertshausen, Schwalm-Eder-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Das Kloster Aua war zu diesem Zeitpunkt im Begriff, nach Blankenheim umzuziehen.
  8. Diese Angabe bezieht sich auf das Jahr 1916. Siehe: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Jahrgang 1916/17, S. 89
  9. Wehrkirche Dagobertshausen bei der ekkw, abgerufen im August 2015