Dauermarke

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Eine Dauermarke ist eine Briefmarke (Freimarke), die eine längere Zeit von der Post in einer zunächst unbegrenzten Auflagezahl ausgegeben wird. Eine Dauermarke ist meistens ein Teil einer Briefmarkenserie, die unterschiedliche Werte der jeweiligen Marken vereint. Sie kann aber auch als Einzeldauermarke vorkommen. Das Motiv kann beliebig von der Postverwaltung gewählt sein, das Design wird aber während der Ausgabezeit nicht deutlich verändert. Neben den Dauermarken gibt es die Sondermarken und Automatenmarken.

Mittlerweile hat es sich aber mehr und mehr ergeben, dass auch einzelne zunächst als Sondermarke ausgegebene Marken in einer dauermarkentypischen Auflage herausgebracht werden und demzufolge auch dementsprechend oft auf Briefsendungen zu finden sind. Bei den Ausgaben der Bundesrepublik Deutschland hat beispielsweise der Rosengruß (MiNr. 2321) eine Auflage von über 900 Millionen Stück erreicht.

Historische Entwicklung der Dauermarke[Bearbeiten]

One Penny Black

Die Dauermarke ist die älteste Form der Briefmarke. Aufgrund dessen wird häufig das Wort Briefmarke oder Freimarke als Synonym für sie verwendet. Bei der weltweit ersten Dauer- und Briefmarke handelte es sich um die britische One Penny Black, die am 6. Mai 1840 in den Verkehr kam. Die weltweit ersten Dauermarken wurden meist noch in kleinen Sätzen oder gar nur als einzelne Werte, wie der Sachsendreier, ausgegeben.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts bürgerte es sich ein, größere Dauermarkenserien auszugeben, um möglichst viele Portostufen mit einer Briefmarke abdecken zu können. Diese Freimarken waren meist einheitlich gestaltet und unterschieden sich nur in Wertangabe und Farbe. Die charakteristischen Motive dieser Zeit waren Wappen, Herrscher und Ziffernzeichnungen, die meist einfarbig dargestellt wurden.

Heute neigt man dazu, mehrfarbige Dauermarkenserien mit verschiedenen Motiven auszugeben. Diese sollen meist das ausgebende Land repräsentieren, aber nicht so auffallend wie Sondermarken sein. In vielen Ländern werden Dauermarken in Bogenform, Rollenform und in Markenheften abgegeben. Dauermarkenserien erscheinen meist nicht an einem Tag, sondern über mehrere Monate oder Jahre verteilt.

Philatelistische Aspekte[Bearbeiten]

Dauermarken sind das klassische Sammelgebiet der Philatelie.

Ein Briefmarkensammler fängt meist mit einer Ländersammlung an, d. h. er sammelt parallel Dauermarken und Sonderausgaben. Wird er dann durch diese Tätigkeit angeregt, nicht nur lose Marken, sondern auch komplette Briefe zu sammeln, muss er sich zwar nicht zwangsläufig, aber doch meist auf eine Dauermarkenserie spezialisieren.

Dabei beschäftigt sich ein Sammler mit den Besonderheiten einer jeden Serie, wie beispielsweise Zähnungs- und Papierunterschiede, sowie besonderen Frankaturen und Ähnlichem.

Das hängt teilweise auch davon ab, welches Land man sammelt und ob man sich auf eine ältere klassische Ausgabe (geht für manche nur bis zum Jahr 1875 [Gründung des europäischen Postvereins]) oder mehr auf eine semiklassische oder moderne Ausgabe festlegt. Aufgrund ihrer sehr hohen Auflage gehört jedoch der größte Teil, vor allem der neueren Ausgaben, zur philatelistischen Massenware.

Der Vorteil einer Spezialisierung ist, dass man mit Hilfe dieser mit Dauermarken frankierten Briefe alle möglichen Portostufen (In- und Auslandsbriefe, Nachnahmen, Einschreiben, Expressbriefe u. ä.) und ihre zeitliche Entwicklung darstellen kann. Sondermarken finden nicht überall Verwendung, besonders dann nicht, wenn es solche mit Zuschlag sind.

Dauermarken von Deutschland[Bearbeiten]

Deutsche Reichspost[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1872–1875 Brustschildausgabe
1875–1889 Ziffern und Reichsadler
1889–1900 Ziffern und Reichsadler II
1900–1921 Germania und Repräsentative Darstellungen des Deutschen Kaiserreichs
1900–1919 Kaiseryacht SMS Hohenzollern (Ausgabe für die Deutschen Kolonien)
1921–1923 Ziffernzeichnungen, Arbeitergruppen, Posthorn (Inflation)
1923–1924 neue Ziffernzeichnung
1924–1926 neuer Reichsadler
1926–1928 berühmte Deutsche
1928–1933 Reichspräsidenten Friedrich Ebert, Paul von Hindenburg
1933–1941 Paul von Hindenburg (Medaillon)
1941–1945 Reichskanzler Adolf Hitler

Saargebiet und Saarland[Bearbeiten]

Ausgabejahre Bereich Währung Motiv
1920–1921 Saargebiet Mark verschiedene Ausgaben des Deutschen Reichs und Bayern mit Aufdruck „Saargebiet“ oder „Sarre“
1921 Saargebiet Mark Landschaftsbilder (I)
1921–1923 Saargebiet Franc Landschaftsbilder (I)–(III)
1925 Saargebiet Franc Madonna von Blieskastel
1926–1934 Saargebiet Franc Landschaftsbilder (IV)–(VIII)
1947 Saarland Reichsmark Berufe und Ansichten aus dem Saarland (I) „Saar I“
1947 Saarland Franc Berufe und Ansichten aus dem Saarland (II) „Saar II“
1948 Saarland Franc Wiederaufbau des Saarlandes „Saar III“
1949–1951 Saarland Franc Industrie, Handel, Landwirtschaft und Kultur „Saar IV“
1952–1955 Saarland Franc Ansichten aus dem Saarland „Saar V“
1957 OPD Saarbrücken Franc Bundespräsident Theodor Heuss (ohne Währungsbezeichnung)
1957 OPD Saarbrücken Franc Bundespräsident Theodor Heuss (mit Währungsbezeichnung)

Alliierte Besetzung[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1945–1948 diverse Ausgaben

Deutsche Post, SBZ und DDR[Bearbeiten]

Ausgabejahre Bereich Währung Motiv
1945–1946 verschiedene OPD der SBZ Reichsmark verschiedene Ausgaben
1946–1948 SBZ (zusammen mit amerikanischer und britischer Besatzungszone) Reichsmark Gemeinschaftsausgaben der Alliierten Besetzung
1948 SBZ Mark Gemeinschaftsausgaben der Alliierten Besetzung mit Bezirksstempelaufdruck
1948 SBZ Mark verschiedene Ausgaben mit Aufdruck „Sowjetische Besatzungszone“
1948–1949 SBZ Mark Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft (mit Wasserzeichen Kreuzblumen)
1950–1953 DDR Mark Präsident Wilhelm Pieck
1952–1953 DDR Mark Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft (mit Wasserzeichen DDR Posthorn)
1953–1959 DDR Mark Fünfjahrplan
1961–1972 DDR Mark Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht
1973–1989 DDR Mark Aufbau in der DDR
1990 DDR D-Mark Bauwerke und Denkmäler

Deutsche Bundespost Berlin[Bearbeiten]

Ausgabejahre Motiv übliche Verwendung Gültigkeit bis
1948–1949 Alliierte Besetzung (Gemeinschaftsausgabe Überdruck) 1948–1949 31. März 1949 (Schwarzaufdrucke)
31. Januar 1950 (Rotaufdrucke)
30. Juni 1951 (Grünaufdrucke)
1949–1954 Berliner Bauten 1949–1956 31. Dezember 1958
1956–1963 Berliner Stadtbilder 1956–1961
1-Pf.- und 3-Pf.-Ausgabe länger
31. Dezember 1964
1-Pf.- und 3-Pf.-Ausgabe bis 31. Dezember 1970
1959–1959 Bundespräsident Theodor Heuss (Medaillon) 1959–1961 31. Dezember 1964
1961–1962 Bedeutende Deutsche 1961–1966 31. Dezember 1970
1964–1965 Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten I 1964–1966 31. Dezember 1991
1966–1969 Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten II 1966–1970 31. Dezember 1991
1966–1967 Brandenburger Tor 1966–1971 31. Dezember 1991
1970–1973 Bundespräsident Gustav Heinemann 1970–1975 31. Dezember 1991
1971–1974 Unfallverhütung 1971–1977 31. Dezember 1991
1975–1982 Industrie und Technik 1975–1987 31. Dezember 1991
1977–1982 Burgen und Schlösser 1977–1987 31. Dezember 1991
1986–1990 Frauen der deutschen Geschichte 1986–1990 31. Dezember 1991
1987–1990 Sehenswürdigkeiten 1986–1990 31. Dezember 1991

Deutsche Bundespost, Deutsche Post AG[Bearbeiten]

Ausgabejahre Motiv übliche Verwendung Gültigkeit bis
1951–1952 Posthorn 1951–1954 31. Dezember 1954
1954–1957
1960 (fluor. Papier)
Bundespräsident Theodor Heuss 1954–1961 31. Dezember 1964
1959–1959 Bundespräsident Theodor Heuss (Medaillon) 1959–1961 31. Dezember 1964
1961–1965 Bedeutende Deutsche 1961–1966 31. Dezember 1970
1964–1965 Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten I 1964–1966 30. Juni 2002
1966–1969 Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten II 1966–1970 30. Juni 2002
1966–1967 Brandenburger Tor 1966–1971 30. Juni 2002
1970–1973 Bundespräsident Gustav Heinemann 1970–1975 30. Juni 2002
1971–1974 Unfallverhütung 1971–1977 30. Juni 2002
1975–1982 Industrie und Technik 1975–1987 30. Juni 2002
1977–1982 Burgen und Schlösser 1977–1990 30. Juni 2002
1986–2003 Frauen der deutschen Geschichte 1986–2006 30. Juni 2002
mit Euro- oder Mischbezeichnung: unbegrenzt
1987–2004 Sehenswürdigkeiten 1987–2006 30. Juni 2002
mit Euro- oder Mischbezeichnung: unbegrenzt
2005– Blumen 2005– unbegrenzt

Dauermarken von Österreich[Bearbeiten]

Kaiserreich Österreich[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1850–1858 Wappenausgabe 1850
1858–1860 Kaiserkopfausgabe 1858
1860–1863 Kaiser Franz Joseph I (Medaillon)
1863–1867 Wappen (Medaillon)

Kaiserreich Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1867–1883 Kaiser Franz Joseph I
1883–1890 Ziffer mit Wappen
1890–1900 Kaiserkopfausgaben in Kreuzer/Guldenwährung
1900–1908 Kaiserkopfausgaben in Heller/Kronenwährung
1908–1916 Jubiläumsausgabe
1916–1919 Wappen, Kaiser und Krone

Republik Deutsch-Österreich[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1919–1922 Posthorn, Wappen, Allegorie und Parlament

Republik Österreich (1. Republik)[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1922–1925 Landwirtschaft, Gewerbe, Industrie, Wissenschaft und Kunst
1925–1929 Ziffernserie
1929–1934 Erste Landschaftsausgabe
1934–1938 Erste Trachtenserie

Republik Österreich (2. Republik)[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1945–1948 Zweite Landschaftsausgabe
1948–1957 Zweite Trachtenserie
1957–1973 Österreichische Baudenkmäler
1973–1984 Landschaften aus Österreich
1984–1992 Stifte und Klöster in Österreich
1992–1996 Kunstwerke aus Stiften und Klöstern in Österreich
1996–2002 Sagen und Legenden aus Österreich
2002–2007 Ferienland Österreich
2007–2011 Blumen
2011– Kunsthäuser

Dauermarken der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz werden üblicherweise nicht alle Wertstufen durch eine einzige Dauerserie abgedeckt. Die Marken mit niedrigeren Wertstufen haben anderen Motive als die mit mittleren oder hohen Werten. Daher ist auch die Zahl der Dauerserien größer als in anderen Ländern. Zur Einordnung sind jeweils die Wertstufen der einzelnen Serien mit angegeben.

Die angegebenen Ausgabejahre enden mit der letzten im Michel-Katalog geführten Ausgabe oder Unterart. Die Marken können noch wesentlich länger verausgabt und verwendet worden sein.

Ausgabejahre Wertstufen
in Rappen bzw.
Centimes
Motiv
1843–1849 verschiedene Kantonalmarken in verschiedenen Währungen, darunter Zürich 4 und Zürich 6, Doppelgenf und die Basler Taube
1849–1852 Ortspost- und Rayonmarken der Schweizer Bundespost
1854–1862 sitzende Helvetia ungezähnt (Strubel-Ausgabe)
1862–1881 sitzende Helvetia gezähnt
1882–1906 2–15 Ziffernmuster
1882–1907 20–300 stehende Helvetia
1907 2–5 Tellknabe
1907–1909 10–15 Helvetiabrustbild (zwei Motive)
1908–1940 20–300 sitzende Helvetia
1909–1934 1–7,5 Tellknabe (neues Motiv)
1914–1933 10–30 Tell mit Armbrust
1914–1931 300–1000 Landschaftsbilder
1924–1940 90–200 Wappen
1934–1948 3–40 Landschaftsbilder (in verschiedenen Zeichnungen und Druckarten)
1938–1955 300–1000 historische Darstellungen (Querformat)
1941–1959 50–200 historische Darstellungen (Hochformat)
1949 3–70 Landschaften und technische Motive
1960–1968 5–350 postgeschichtliche Figuren und Bauwerke
1961 300–2000 Evangelisten (Holzschnitzereien)
1970–1987 10–50 Wertziffer
1973–1980 100–350 Architektur und Kunsthandwerk
1973–1975 5–80 Landschaften
1977–1984 5–90 Volksbräuche
1982–1986 100–450 Tierkreiszeichen und Landschaften
1986–1989 5–90 Postbeförderung
1989–1994 275–500 Mensch und Beruf
1990–1995 10–200 Tiere
1991–1993 50–80 Bergseen
1998 10–180 Bilder der Schweiz
2000 10–70 Schneekugeln
2000–2001 90–400 Tourismus
2002 10–100 Insekten
2002–2003 200–500 Mineralien
2003–2003 10–100 Heilpflanzen
2003–2005 15–220 Design-Klassiker der Schweiz
2006–2008 85–240 einheimische Vögel
2006–2008 200–500 alte Obstsorten

Großbritannien[Bearbeiten]

Jahre Motiv
1952–1967 Dauermarkenserie Elisabeth II. (Wilding)
1967– Dauermarkenserie Elisabeth II. (Machin)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dauermarken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien