Turul

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Turul am Budaer Burgpalast

Der Turul ist ein Fabelwesen aus dem ungarischen und türkischen Mythenkreis. Der Vogel hat Ähnlichkeiten mit einem Adler und mit einem Falken (Gerfalke, Falco rusticolus altaicus oder Würgfalke, Falco cherrug). Das Wort Turul kommt vermutlich aus dem Alttürkischen.

Bedeutung, Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Árpád mit Schild auf dem sich das Symbol des Turul befindet (Ungarische Bilderchronik)

Laut einer Sage soll ein Turul im Jahr 819 Emese im Schlaf geschwängert und ihr im Traum prophezeit haben, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde, der der Urahn vieler Könige sein würde.[1] Dieser Sohn bekam den Namen Álmos, nach dem Wort álom, das Traum bedeutet. Im Sagenkreis um die Landnahme der Ungarn spielte ebenfalls ein Turul eine große Rolle: er soll die Ungarn nach Pannonien geführt haben. Diese Legenden werden in den ungarischen Chroniken, wie z. B. in den Gesta Hungarorum oder in der Budaer Bildchronik beschrieben. Der Turulvogel war auch in der Kultur anderer Völker präsent: er verziert nicht nur Gegenstände der Magyaren, sondern auch die der Hunnen und Awaren. Der Turul hat bis heute eine symbolische Bedeutung für die Ungarn: er weist auf die Ursprünge, auf den „Urvater“ der Ungarn hin. Er hält oft ein Schwert in seinen Fängen.

Laut dem Chronisten Simon Kézai, war der Turul mit der Krone von Attila bis zur Zeit von Prinz Géza das militärische Abzeichen der Ungarn: Banerium quoque regis Ethelae, quod proprio scuto gestare consueverat, similitudinem avis habebat, quae hungarice turul dicitur, in capite cum corona. Mark von Kalts, Ungarische Bilderchronik[2][3]

In der Ungarischen Bilderchronik des Markus von Kált wird vermerkt: Eleud[4], dem Sohn des Ugeg[5], wurde in Skythien von Eunodbilia[6] ein Sohn geboren, der den Namen Almus [Álmos] bekam, weil seine Mutter, als sie schwanger war, davon träumte, dass ein Vogel mit der Gestalt eines Habichts zu ihr kam und dass ihrem Mutterleibe ein reißender Bach entströmte, der in fremden Landen anschwoll. Daraus ersah man, dass aus ihrem Leibe glorreiche Könige hervorgehen sollten. Da nun das Wort "Traum" in unserer Sprache "alm" [álom] heißt und seine Geburt im Traum angekündigt worden war, bekam er den Namen "Almus" [Álmos]...[7]

Der Turul wird aber auch von politischen Gruppierungen wie den Pfeilkreuzler oder Neonazis verwendet.[8]

Turul-Darstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Turul-Darstellungen in Ungarn sind:

Einer der Turul auf der Freiheitsbrücke
Der Turul auf einer Briefmarke einer ungarischen Dauermarkenserie
Errichtet wurde es 1896 zum Andenken an den Sieg über Fürst Swatopluk bei Bánhida. Es ist mit einer Flügelbreite von 15 m auch das größte Vogeldenkmal in Mitteleuropa.

Von 1900 bis 1916 war der Turul auf ungarischen Briefmarken zu sehen, z. B. „Turul über Stephanskrone“, eine besonders schöne Darstellung zeigt die Kriegshilfsmarke Michel Nr. 185 (40 + 2 Filler) von 1916.[9]

Außerhalb der Grenzen des heutigen Ungarns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turul als Wappentier

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turul ist in der ungarischen Heraldik ein Wappentier. Als Fabelwesen stellt er eine Mischung aus dem Adler und dem Falken dar. Im Wappen der Gemeinde Tatabánya ist er als ein von einem Felsen auffliegender Vogel dargestellt. Im Wappen von Siebenbürgen war er Wappentier[10].

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turuldarstellungen in Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turuldarstellungen außerhalb der Grenzen des heutigen Ungarns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ungarische Bilderchronik des Markus von Kált (Chronik de Gestis Hungarorum) aus dem Jahre 1358, deutsche Ausgabe, Corvina Verlag, Budapest 1961.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursprungssaga der Árpádendynastie
  2. Kálti Márk: Képes krónika. 2010, abgerufen am 6. Juli 2020 (Latein).
  3. Die ungarische Bilderchronik (Deutsche Ausgabe). Corvina Verlag, Budapest 1961.
  4. Eleud ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit 'Levedi' identisch, den Konstantinos Porphyrogenetos den ersten Fürsten der Ungarn nennt.
  5. Der Name entbehrt jeglicher historischer Grundlage.
  6. 'Eunodbilia' ist eine Zusammensetzung, die aus den Personennamen 'Eune' und 'Enech' [Emese] entstand.
  7. Ungarische Bilderchronik (Deutsche Ausgabe), S. 95
  8. Faschistische Vorbelastung des Turul-Symbols, im Artikel Alle böse außer uns der Österreichischen HochschülerInnenschaft.
  9. Michel Briefmarken Katalog
  10. Árpád von Klimó: Nation, Konfession, Geschichte. Zur nationalen Geschichtskultur Ungarns im europäischen Kontext (1860–1948) (= Südosteuropäische Arbeiten. Bd. 117). Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56746-2, S. 219 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Habilitations-Schrift, 2001).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Turul – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien