de Havilland Aircraft Company

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
De Havilland Aircraft Company
Firmensymbol
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1920
Auflösung 1964
Sitz Hatfield, Großbritannien
Branche Luftfahrtindustrie

Die de Havilland Aircraft Company Limited war ein 1920 von Geoffrey de Havilland gegründeter britischer Flugzeug- und Flugmotorenhersteller mit Sitz in Edgware, später Hatfield. Bekannt wurde das Unternehmen durch den Doppeldecker Gipsy Moth, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzte Mosquito und das erste strahlgetriebene Verkehrsflugzeug der Welt, die DH 106 (Comet).

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Jahre[Bearbeiten]

Gipsy Moth

Die de Havilland Aircraft Company ging am 25. September 1920 aus der in Konkurs gegangenen Aircraft Manufacturing Company hervor, von der Geoffrey de Havilland Teile der Produktionsanlagen übernahm. Der Firmensitz lag zunächst am Flugplatz Stag Lane in Edgware. Unternehmensziel war die Herstellung und Reparatur von Flugzeugen sowie von Flugzeugausrüstungen.

Zunächst wurden nur Flugzeuge gewartet. Bald entstand jedoch eine kleine Anzahl von selbst konstruierten Flugzeugen, hauptsächlich für das Luftfahrtministerium, aber auch für die neu entstandenen Fluglinien. De Havilland konnte sich 1921 mit Ronald Eric Bishop einen außerordentlich talentierten Konstrukteur sichern, der maßgeblich für die Erfolge der Firma verantwortlich zeichnete.

Da de Havilland mit den bestehenden Flugmotoren unzufrieden war, begann die Firma selbst auf Basis französischer Modelle und unter Verantwortung von Frank Halford mit der Produktion von Flugmotoren. So entstand der Gipsy-Motor.

Mit diesem Motor entstand ab 1928 die lange Serie der bis in den Zweiten Weltkrieg hinein produzierten Moth-Typen, die als Privatflugzeug, aber auch als militärischer Trainer eingesetzt wurden. Einige dienten sogar als leichtes Passagierflugzeug.

D.H.88 Comet

1934 zog das Unternehmen nach Hatfield um. In diesem Jahr gelang es auch, mit der D.H.88 das MacRobertson-Luftrennen für sich zu entscheiden. Von diesem Flugzeug geht eine direkte Linie zu dem ebenfalls ganz aus Holz hergestelltem Flugzeug Mosquito, von dem während des Zweiten Weltkrieges über 7.000 Stück hergestellt wurden.

1940 erwarb de Havilland Anteile am britischen Flugzeughersteller Airspeed aus Portsmouth, der unter anderem Trainingsflugzeuge und Lastensegler produzierte. Im Juni 1951 kam das Unternehmen vollständig in den Besitz von de Havilland.

Nach einem Kontakt mit Frank Whittle begann man mit der Entwicklung einer neuen Flugzeuggeneration mit Strahltriebwerken. Frank Halford analysierte den Whittleschen Entwurf und vereinfachte ihn. Daraus entstand das Goblin-Triebwerk, das in die Vampire eingebaut wurde. Deren Erstflug erfolgte im September 1943.

Ab 1944 wurde die Motorenabteilung als de Havilland Engine Company selbständig geführt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

D.H.106 Comet

Nach dem Krieg versuchte man zunächst, mit der D.H.108 die Schallmauer zu durchbrechen. Bei Probeflügen brach eine Maschine in der Luft auseinander, wobei der Pilot Geoffrey de Havilland Junior, der Sohn des Firmengründers, umkam. Während die Untersuchungen noch andauerten, gelang es dem US-Amerikaner Chuck Yeager, mit der Bell X-1 die Schallmauer zu durchbrechen. Kurze Zeit später gelang dies auch mit einem weiteren, nur leicht veränderten Exemplar der D.H.108.

Man konzentrierte sich daraufhin bei de Havilland auf den Passagierflugzeugbau und brachte mit der Comet auch das erste wirtschaftlich erfolgreiche Düsenpassagierflugzeug auf den Markt, das seinen Erstflug 1949 absolvierte und ab 1952 in den Liniendienst ging. Jedoch führte eine Unfallserie mit dem neuen Typ und den zunächst unerklärlichen Totalverlusten zweier Maschinen 1954 zu einer Einstellung der Produktion und zu einem Startverbot.

Die Ursache lag in Rissen der Druckkabine des Flugzeuges, hervorgerufen durch Materialermüdung. Der Druckwechsel belastete die Druckkabine in einer für die damaligen Entwickler neuen Art und Weise, so dass diese Effekte nicht in die Konstruktion einbezogen waren. Die Konstruktion musste komplett neu ausgelegt werden. Die Erkenntnisse von de Havilland wurden allen anderen Herstellern ebenfalls zur Verfügung gestellt, um weitere Menschenleben nicht zu gefährden. In dieser Zeit gewannen die amerikanischen Konkurrenten Boeing und Douglas in der zivilen Luftfahrt die Oberhand. De Havilland blieb fast nur der britische Markt mit den staatlichen Fluggesellschaften.

Daher konzentrierte man sich auf die Entwicklung strategischer Langstreckenflugkörper. So entstand die mit einem Flüssigkeitsraketentriebwerk ausgerüstete Blue Streak, die jedoch nie bei der Truppe eingeführt wurde. Eine Zeit lang versuchte man, die gewonnenen Erkenntnisse für die erste Stufe einer zivilen Rakete zu verwenden, aber auch das gab man schließlich 1973 auf.

Ende der Unabhängigkeit[Bearbeiten]

1959 wurde de Havilland auf Betreiben der britischen Regierung Teil der Hawker Siddeley-Gruppe, die die Motorenabteilung anschließend in das Unternehmen Bristol Siddeley einbrachte.

1962 versuchte de Havilland mit der Trident nochmals im Markt für Verkehrsflugzeuge Fuß zu fassen, jedoch konnte sich nur die BEA für diesen dreimotorigen Jet entscheiden.

1963 wurde der Markenname de Havilland aufgegeben. Alle Flugzeuge wurden seitdem unter der Bezeichnung Hawker Siddeley verkauft.

Niederlassungen in Übersee[Bearbeiten]

de Havilland Canada (DHC)[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: de Havilland Canada

Das kanadische Tochterunternehmen entstand 1928. In den ersten Jahren wurden Flugzeuge der britischen Mutter gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Entwicklung eigener Modelle. Das Unternehmen ging in den 1970er Jahren erst an Boeing, dann an Canadair, später Bombardier Aerospace.

Heute besitzt Bombardier die Rechte am Modell DHC-8. Die Rechte an den Modellen DHC-1 Chipmunk, DHC-2 Beaver, DHC-3 Otter, DHC-4 Caribou, DHC-5 Buffalo, DHC-6 Twin Otter, DHC-7 gehören seit Februar 2006 der kanadischen Viking Air Limited, die die Produktion der DHC-6 Twin Otter wieder aufnehmen wird.

de Havilland Australia (DHA)[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Hawker de Havilland

Die 1927 gegründete australische Tochter übernahm zunächst den Vertrieb und die Wartung der Produkte des Mutterunternehmens. Seit 1939 existierte eine eigene Flugzeugproduktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand als Eigenentwurf die DHA-3 Drover. DHA wurde 1965 in Hawker de Havilland umbenannt und gehört heute zu Boeing.

Produkte[Bearbeiten]

Flugzeuge[Bearbeiten]

Militärische Typen mit Strahltriebwerken

Zivile Typen mit Strahltriebwerken

Militärische Typen mit Kolbenmotoren

Zivile Typen mit Kolbenmotoren

Eindecker

einmotorige Doppeldecker

zwei- bis viermotorige Doppeldecker

Experimentalflugzeuge

Strahltriebwerke[Bearbeiten]

Flugmotoren[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: De Havilland Aircraft Company – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien