Deglobalisierung

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Mit dem Begriff Deglobalisierung wird ein wirtschaftspolitischer Kurs von Staaten oder Staatenbündnissen beschrieben, die sich von einer weiteren Weltmarktintegration distanzieren.

Um verschiedene politische Zielsetzungen zu erreichen, sei eine Nichterfüllung der WTO-Regeln notwendig, um z. B. durch Kapitalverkehrskontrollen, Protektionismus für heimische Industrien und gezielte Subventionen eigenständige Wirtschaftskraft zu fördern. Als Beispiel wird von Deglobalisierungs-Befürwortern oft auf die asiatischen Tigerstaaten hingewiesen, die dieser Strategie gefolgt seien und somit von Entwicklungsländern zu Industrieländern aufgestiegen sind. Wirtschaftsentscheidungen sollten sich nicht an der Marktlogik, sondern an Fairness, Solidarität und Sicherheit orientieren.

Während für diese Staaten der Schritt zu einer Deglobalisierung vor allem der Förderung einer eigenständigen Wirtschaft zugutekam, fließt heutzutage ein weiterer erheblicher Aspekt mit ein. Durch die Globalisierung werden die Staaten quasi gezwungen, einen Schritt in Richtung Deglobalisierung zu machen. Wirtschaftliche und soziale Verflechtungen werden auf globaler Ebene unterbrochen, um den eigenen Staat zu schützen. Dies ist mit erheblichen Kosten verbunden, deren Auswirkungen sich in verschiedenen Sektoren niederschlagen. So gehen im Zuge der Deglobalisierung die Produktionszahlen, die Beschäftigung, der Welthandel, die ausländischen Investitionen sowie die grenzüberschreitende Mobilität stark zurück.

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Schon in der Vergangenheit zeigten sich die Auswirkungen der Deglobalisierung in einer großen Depression, wie man anhand des Beispiels der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg, in den 1920er und 1930er Jahren, sehen konnte.

Prozesse der Deglobalisierung[Bearbeiten]

Einer der Prozesse der Deglobalisierung ist der Handelsprotektionismus. Zu ihm gehören beispielsweise wirtschaftspolitische Eingriffe wie die Auferlegung von Konjunkturpaketen, die Subventionierung der eigenen Wirtschaft oder die Anhebung von Importzöllen. Letzteres findet besonders oft Anwendung in Schwellen- und Entwicklungsländern, deren einheimische Nachfrage gering ist und wo eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht. Aufgrund verhältnismäßig niedriger Produktionskosten im Inland wird vom Import oftmals abgesehen. Verfolgen nun mehrere Länder in derselben Zeitspanne diese Strategie, führt dies zu einem Rückgang des Welthandels und somit zu einem Rückgang der Produktion sowie der Beschäftigung.

Zum Protektionismus gehört ebenfalls der ökonomische Nationalismus, bei dem die im Inland produzierten Waren und die inländische Beschäftigung beispielsweise durch Subventionierungen an Attraktivität gewinnen. Daraus folgt, dass die Investitionen im Ausland reduziert werden, oftmals auf Kosten der im Ausland ansässigen Unternehmen, deren Handel dadurch stark beeinträchtigt wird.

Auch der Finanzprotektionismus ist ein Prozess der Deglobalisierung. Er beinhaltet Rettungspläne für vorrangig inländische Banken, sodass der Kapitalfluss ins Ausland sinkt. Betrachtet man auf diesem Hintergrund die zunehmende Währungskonkurrenz, wird die Deglobalisierung und ihre Auswirkungen greifbar: Die Länder versuchen den Wert ihrer Währung durch expansive Geldpolitik niedrig zu halten, um ihre Exportgüter attraktiver zu machen. Da nicht nur ein Land, sondern mehrere Länder diese Währungspolitik verfolgen, um konkurrenzfähig bleiben zu können, bleibt der nominale Wert der Währungen zwar gleich, der reale Wert jedoch sinkt. Dies führt eine massive Inflation und Senkung der Kaufkraft mit sich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bello, Walden: De-Globalisierung. Widerstand gegen die neue Weltordnung., Hamburg 2005.
  • Manfred Julius Müller: Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!, 2002, ISBN 3831135886.
  • Niggli, Peter: Nach der Globalisierung. Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert., Zürich 2004.