Dettensee

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Koordinaten: 48° 25′ 15″ N, 8° 43′ 20″ O

Dettensee
Ehemaliges Gemeindewappen von Dettensee
Höhe: 524 m
Fläche: 2,94 km²
Einwohner: 537 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 183 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 72160
Vorwahl: 07451
Karte

Lage von Dettensee in Horb am Neckar

Dettensee ist einer von 17 Stadtteilen der Stadt Horb am Neckar. Das Dorf liegt im Südosten des Landkreises Freudenstadt im Bundesland Baden-Württemberg.

Die gegenwärtig 543 Einwohner zählende Ortschaft wurde urkundlich 816 erstmals als Tatinse erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Ort häufig den Besitzer, bis er 1803 an Hohenzollern-Sigmaringen fiel. Seither verblieb er bei allen Nachfolgeländern dieses Fürstentums. Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg erfolgte 1971 die Eingemeindung nach Horb.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemarkungsfläche ist 2,94 km² groß und liegt auf einer leicht welligen Hochebene, die von einigen kleineren Tälchen durchfurcht und von den Flüssen Neckar und Eyach begrenzt wird. Dettensee liegt auf einer Höhe von 541 m ü. NN und ist im Süden und Osten von Waldbestand, ansonsten von Acker- und Weideland umgeben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dettensee hat über die L459 Anschluss an das Horber Teilstück der Bundesstraße 32 und damit an die A 81. Das Dorf ist an das Netz der Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF) gebunden, wodurch eine direkte Busverbindung nach Sulz und Horb besteht.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dettensee verfügt über einen städtischen Kindergarten[1]. Grundschüler besuchen die Grundschule im Nachbarort Nordstetten.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Tageszeitung sind in Dettensee der Schwarzwälder Bote aus Oberndorf und die Südwest-Presse aus Ulm mit ihrer Regionalausgabe Neckar-Chronik vertreten. Außerdem erscheint einmal wöchentlich das „Mitteilungsblatt der Stadtteile Nordstetten, Dettensee, Isenburg“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dettensee wurde erstmals im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes entwickelte sich aus dem Personennamen Detwin über Tettensee und Dattensöw zu Dettensee. Im örtlichen Dialekt ist der Name Dätsail gebräuchlich.

Dettensee wechselte bis ins 19. Jahrhundert hinein häufig seine Besitzer. Seit 1715 war es im Besitz des Klosters Muri in der Schweiz. Ab 1803 gehörte es durch den Reichsdeputationshauptschluss zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen.

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert existierte in Dettensee eine große jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge und Friedhof. Noch 1903 lebten in Dettensee 19 Juden.[2] Die Tür der Dettenseer Synagoge kann zusammen mit dem Synagogensilber und anderen Erinnerungsstücken an die Dettenseer jüdische Gemeinde seit November 2011 als Teil der Dauerausstellung Spurensicherung – Jüdisches Leben in Hohenzollern in der ehemaligen Synagoge in Haigerloch besichtigt werden. Sie ist die einzige komplett erhaltene Synagogentür auf dem Gebiet des ehemaligen Landes Hohenzollern.[3]

Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude im Ort, unter anderem das Rathaus, zerstört. Der Ort kam am 1. Dezember 1971 im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform zur Stadt Horb am Neckar[4], die später Große Kreisstadt wurde.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen als Schmuck einer Bankgruppe im Ortskern von Dettensee

Das Wappen zeigt in Gold einen sechsstrahligen, roten Stern über erhöhtem blauen Wellenschildfluss. Der Wellenschildfluss bezieht sich sowohl auf die letzte Silbe des Ortsnamens als auch auf den nahegelegenen „Bodenlosen See“. Der Stern soll an die Herren von Neuneck, die Ortsbesitzer von 1596 bis 1620, erinnern, die einen goldenen Stern im roten Feld ihres Wappens führten. Um der heraldischen Farbregel, die über dem blauen Schildfluss kein rotes Feld zulässt, zu genügen, wurden die neuneckschen Farben umgekehrt.

Das Wappen wurde am 28. Februar 1969 vom Innenministerium verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vogteigebäude
  • Christof Ladislaus Graf zu Nellenburg erbaute das Vogteigebäude zusammen mit der übrigen Schlossanlage um 1585 im Renaissance-Stil. Bis zum Jahr 1653 erfolgte ein größerer Umbau im Stil des Barock. Das Schloss selbst wurde schon im frühen 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen. In den 1980er-Jahren erwarb der Architekt Albrecht Laubis das Gebäude und renovierte es unter Erhalt und Wiederherstellung großer Teile der ursprünglichen Bausubstanz. Seit 1992 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.[5]
  • Die Kirche, gewidmet dem heiligen Cyriakus, liegt im alten Ortskern nahe der Vogtei. Chor und Glockenturm stammen aus der Zeit um 1500. Das alte gotische Langhaus wurde im späten 16. Jahrhundert erweitert. Weitere Bauarbeiten fanden 1783 statt; das Kirchendach und möglicherweise die Stuckdecke stammen aus dieser Zeit. Im 19. Jahrhundert wurde die Sakristei erbaut. Das Gebäude besteht aus verputztem Bruchstein, im gotischen Teil sind auch hellbraune Sandsteinquader zu finden.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Sport- und Schützenverein SSV Dettensee bietet die Sportarten Tennis, Fußball, Schießen und Gymnastik an. Die Sportanlagen liegen außerhalb des Ortes Richtung Süden.
  • Der Gesangverein Liederkranz besitzt einen gemischten Chor, der auch als Kirchenchor aktiv ist.
  • Der Obst- und Gartenbauverein verwaltet die Kleingarten-Anlage Welle.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dettensee feiert man die schwäbisch-alemannische Fastnacht („Fasnet“). Traditionell findet am Fastnachts-Dienstag ein Umzug durch den Ort statt. Es gibt eine Narrenzunft mit zwei Figuren- die Schandle und die Hexen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maler, Fotograf und Erfinder Salomon Hirschfelder wurde am 16. Mai 1831 in Dettensee geboren. Er lebte lange Zeit seines Lebens in München, wo er am 10. Mai 1903 starb.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dettensee: Städtischer Kindergarten „Die kleinen Schlossgeister“, abgerufen am 18. Juli 2009
  2. www.jewishencyclopedia.com, abgerufen am 27. Juli 2008
  3. RTF.1 Nachrichten vom 10. November 2011
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 529.
  5. Schwäbischer Heimatbund: Träger des Denkmalschutzpreises 1992, abgerufen am 18. Juli 2009
  6. Herbert Zander: Salomon Hirschfelder, Leben und Werk eines Multitalents aus Hohenzollern. In: Hohenzollerische Heimat Jg. 53 Nr. 4 Dezember 2003. S. 59–64 und Nr. 1 März 2004 S. 1–5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dettensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien