Mühringen

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Mühringen
Ehemaliges Gemeindewappen von Mühringen
Koordinaten: 48° 25′ 8″ N, 8° 45′ 21″ O
Höhe: 418 m
Fläche: 4,93 km²
Einwohner: 965 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 196 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 72160
Vorwahl: 07483
Karte
Lage von Mühringen in Horb am Neckar
Mühringen mit Schloss Hohenmühringen im Hintergrund
Katholische Kirche in Mühringen
Jüdischer Friedhof Mühringen (Kulturdenkmal)

Mühringen ist ein Stadtteil von Horb am Neckar. Der Ort liegt rund acht Kilometer von der Kernstadt entfernt und zieht sich vom Eyachtal (auf einer Höhe von 401 m ü. NN) den Hang hinauf bis zum Schloss Hohenmühringen. Mühringen hat etwa 1000 Einwohner.

Es gibt einen Bahnhof der Hohenzollerischen Landesbahn im Tal, die Ortschaft ist Station eines deutschen Jakobswegs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Mai 786 wurde Mühringen zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Am 1. Dezember 1971 wurde der Ort in die Stadt Horb am Neckar eingegliedert.[1]

Mühringen besitzt einen jüdischen Friedhof, der im Wald zwischen Mühringen und Eyach liegt.[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1983 erinnert ein Gedenkstein am Aufgang zum Rathaus/Grundschule an die in der NS-Diktatur verfolgte Jüdische Gemeinde Mühringen und ihre beim Novemberpogrom 1938 beschädigte Synagoge.[3] Die Synagoge wurde 1960 abgerissen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Mühringer Mikwe, in Eigenleistung durch Privatpersonen vollständig restauriert.
  • Schloss Hohenmühringen – Insgesamt eine Mischung aus Mittelalter, Renaissance und Neugotik. Im Mittelpunkt steht der mittelalterliche Bergfried, Heidenturm genannt, mit neugotischem Zinnenaufsatz. Eingefasst wird dieser von einem im 16. Jahrhundert errichteten dreistöckigen Speicher, dem "Neuen Bau". An diesen wurden 1857 im neugotischen Stil mehrere Gebäude, inklusive einer Schlosskapelle, angebaut.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nathanael Weil schrieb in seiner Zeit als Rabbiner in Mühringen (1745–1750) den größten Teil seines bekannten Talmud-Kommentars.

Der wohl bekannteste Mühringer ist der Gründer der Berlitz Sprachschulen, Maximilian Delphinius Berlitz, der als David Berlitzheimer am 14. April 1852 in Mühringen zur Welt kam, später nach Amerika auswanderte und dort die weltweit bekannte Sprachschule gründete.

Ein besonders origineller „Mühringer“ scheint der in Mühringen in den Jahren 1873 und 1874 tätig gewesene Rabbinatsverweser Jakob Stern gewesen zu sein. Er brachte es immerhin fertig, nachdem er 1882 mit dem Judentum gebrochen hatte, seinen Bruch dadurch für jedermann sichtbar zu dokumentieren, dass er sich am Sabbat (wohl in Stuttgart?) auf dem Marktplatz vor die Synagoge setzte und dort Schinkenbrötchen aß.

Auf Schloss Hohenmühringen lebte Oscar Freiherr von Münch, der von 1890 bis 1893 für die Deutsche Volkspartei den Wahlkreis Württemberg 8 (Freudenstadt, Horb, Oberndorf, Sulz) im Deutschen Reichstag vertrat.[5] Am 29. Oktober / 5. November 1903 wurde er vom Landgericht Stuttgart wegen Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten verurteilt.[6] Am 27. Februar 1893 hielt Münch in der 53. Sitzung des Reichstags eine Rede, die er vor allem dazu nutzte, seine persönlichen Probleme mit der Justiz darzulegen. Sein Mandat nutze er auch später noch zur Darlegung von angeblichen Unzulänglichkeiten des Rechtssystems.[7][8] In der zweiten Hälfte seines Lebens war Münch in diverse Gerichtsverfahren verwickelt, u. a. weil er im Jahr 1900 mit einer Pistole auf seinen Knecht geschossen hatte. Über seine Version der verschiedenen Verfahren veröffentlichte er diverse Schriften.[9][10][11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emily C. Rose: Als Moises Kaz seine Stadt vor Napoleon rettete. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1436-0.
  • 1200 Jahre Mühringen – Ein Geschichts- und Heimatbuch. Ortsverwaltung Horb-Mühringen, Horb 1986.
  • „Mühringer Hausgeschichte(n)“ Die Geschichte von Mühringer Häusern und ihren Bewohnern. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Gemeindeverwaltung Horb-Mühringen, ISBN 978-3-928213-16-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mühringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 529.
  2. Renate Karoline Adler, Nina Michielin: Gräber im Wald: Lebensspuren auf dem jüdischen Friedhof in Mühringen; Dokumentation des Friedhofs der über 300 Jahre in Mühringen ansässigen jüdischen Gemeinde und des Rabbinats Mühringen. Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1828-5.
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 49.
  4. Wolfgang Willig: Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg. Eine kulturhistorische Spurensuche. Selbstverlag Willig, Balingen 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 226.
  5. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 241
  6. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. 8. Legislaturperiode. 2. Session 1892/93. Band 2. Von der 32. Sitzung am 28. Januar 1893 bis zur 60. Sitzung am 7. März 1893. Von Seite 733 bis1489. Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1893, S. 1153.
  7. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. 8. Legislaturperiode. 2. Session 1892/93. Band 2. Von der 32. Sitzung am 28. Januar 1893 bis zur 60. Sitzung am 7. März 1893. Von Seite 733 bis1489. Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1893, S. 1284 ff.
  8. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. 8. Legislaturperiode. 2. Session 1892/93. Band 2. Von der 32. Sitzung am 28. Januar 1893 bis zur 60. Sitzung am 7. März 1893. Von Seite 733 bis1489. Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1893, S. 1309 f.
  9. Oskar Freiherr von Münch: Ein Kommissionsgeschäft des Bankdirektors (Ludwig) Colin, Kgl. Geh. Hofrath ..., und meine Gefängnisstrafe. Ein Ausschnitt württembergischer Regierung. Verlag Magazin, Zürich 1893.
  10. Oskar Freiherr von Münch: Erwiderung auf die Mitteilungen des Württemberg. Kesselrevisionsvereins gegen meine Broschüre betr. meineidige Gutachten der pp. Bach, Bantlin und Klein. Stuttgart 1905.
  11. Oskar Freiherr von Münch: Die Amtsverbrechen des württembergischen Landgerichtsrats Rau und Genossen gegen mich und alle zwecks ihrer Ableugnung amtlich aufgestellten Behauptungen nebst meinen Würdigungen letzterer. Verlag Sittenfeld, Berlin 1910.