Sulz am Neckar

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sulz am Neckar
Sulz am Neckar
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sulz am Neckar hervorgehoben
Koordinaten: 48° 22′ N, 8° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Rottweil
Höhe: 443 m ü. NHN
Fläche: 87,6 km²
Einwohner: 11.891 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 72172,
72160 (Oberhof),
72186 (Weiherhof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 07454
Kfz-Kennzeichen: RW
Gemeindeschlüssel: 08 3 25 057
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Obere Hauptstraße 2
72172 Sulz am Neckar
Webpräsenz: www.sulz.de
Bürgermeister: Gerd Hieber
Lage der Stadt Sulz am Neckar im Landkreis Rottweil
Donau Landkreis Freudenstadt Landkreis Tuttlingen Ortenaukreis Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aichhalden Bösingen (bei Rottweil) Deißlingen Dietingen Dornhan Dunningen Eschbronn Epfendorf Fluorn-Winzeln Hardt (Schwarzwald) Lauterbach (Schwarzwald) Oberndorf am Neckar Rottweil Rottweil Schenkenzell Schiltach Schramberg Sulz am Neckar Villingendorf Wellendingen Vöhringen (Württemberg) Zimmern ob RottweilKarte
Über dieses Bild

Sulz am Neckar ist eine Stadt in Baden-Württemberg am Oberlauf des Flusses Neckar.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb sowie zwischen Stuttgart und dem Bodensee am Neckar auf einer Höhe von 410 bis 675 m ü. NHN. Sulz hat mit einer Größe von 87,60 km² das größte Gemeindegebiet im Landkreis Rottweil.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Sulz gliedert sich in die Kernstadt Sulz mit ihren zwei Stadtbezirken Sulz-Kastell und Sulz-Schillerhöhe sowie in die neun Ortsteile Bergfelden, Dürrenmettstetten, Fischingen, Glatt, Holzhausen, Hopfau, Mühlheim, Renfrizhausen, Sigmarswangen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Siedlungsspuren datieren aus der Keltenzeit, belegt durch eine Reihe von Grabhügeln und eine Viereckschanze.

Ein römisches Kastell (Kastell Sulz) wurde um das Jahr 74 n.Chr. auf einer südlich des heutigen Stadtkerns liegenden Anhöhe erbaut. Heute befindet sich dort der Stadtbezirk Sulz-Kastell mit einem Industriegebiet.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert in das Jahr 790 als „villa publica Sulza“. Den Namen verdankt die Stadt ihren Salzquellen, die über Jahrhunderte hinweg die Stadtgeschichte prägten. Die ersten Besitzer der Saline waren im 11. Jahrhundert die Grafen von Sulz. Wohl ab 1250 herrschten die Herren von Geroldseck über die Stadt und die Salinen, während die Grafen von Sulz auf Randbesitzungen zurückgedrängt wurden; der Vorgang ist noch nicht restlos erhellt. Zum Herrschaftsbereich der Grafen von Sulz gehörten auch Lossburg und die Täler hinter Schenkenzell.

Die Herren von Geroldseck waren auch die Erbauer der Burg Albeck südwestlich der Stadt. 1284 verlieh König Rudolf von Habsburg Sulz das Stadtrecht. Die Stadt war zwischen 1301 und 1473 Sitz der hier residierenden Linie der Geroldsecker, die allerdings im 15. Jahrhundert trotz einiger Erbschaften einen steten wirtschaftlichen Niedergang erlebten und schließlich unter massivem Druck 1473 an Württemberg verkaufen mussten.

Die Herrschaft der Geroldsecker nach der 1519 erfolgten Vertreibung Herzogs Ulrich von Württemberg durch den Schwäbischen Bund war nur ein Zwischenspiel, das 1534 mit der Rückkehr des Herzogs endete. Den Geroldseckern blieb nur der Titel „von Geroldseck und Sulz“.

Das württembergische Sulz war lange Zeit die einzige Saline des Landes. Die Stadt brannte innerhalb der Stadtmauern zweimal (1581 und 1794) fast komplett nieder. Es dauerte zwei Jahre, sie wieder aufzubauen; in der Zwischenzeit wurde sie immer wieder von französischen Soldaten geplündert. Als 1803 die viel ergiebigeren Salzwerke am Kocher württembergisch wurden, verlor die Stadt ihren wirtschaftlichen Rang als Salzstadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Sulz am Neckar ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof errichtet. 1944 vernahmen und folterten im ehemaligen Amtsgerichtsgefängnis Gestapoleute polnische Zwangsarbeiter, die verdächtigt wurden, im Zusammenhang mit einer Widerstandsorganisation zu stehen. Dabei fanden mindestens sieben der Inhaftierten den Tod.[2]

In Erinnerung an die frühere Bedeutung der Salzgewinnung aus Sole wird seit dem Neubau des Freibads das Schwimmbecken mit Sole gefüllt und ist damit das einzige Solefreibad im Umkreis.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Reformation ist Sulz evangelisch. Die evangelische Kirchengemeinde Sulz verfügt über sieben Pfarrämter, zudem haben die Stadtteile Fischingen und Glatt eine eigene evangelische Kirchengemeinde. Alle zusammen gehören zum evangelischen Dekanat Sulz. Die Stadt ist zudem Sitz des Kirchenbezirks Sulz der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Der Dienstsitz des für den evangelischen Kirchenbezirk Sulz a. N. zuständigen Schuldekans befindet sich in Freudenstadt. Die Berneuchener Bewegung innerhalb der evangelischen Kirche besitzt ihr Zentrum im ehemaligen Kloster Kirchberg.

Die Römisch-katholische Kirche ist in den reformatorischen Umwälzungen des 16. Jahrhunderts zunächst aus Sulz verschwunden. Mit dem erneuten Zuzug von Katholiken wurde jedoch ein katholisches Stadtpfarramt gegründet.

Zudem sind in der Stadt die Volksmission entschiedener Christen, die Freie Baptisten Gemeinde Sulz, eine Neuapostolische Kirchengemeinde, die Zeugen Jehovas und eine Islamische Gemeinde vertreten.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden folgende Gemeinden nach Sulz am Neckar eingemeindet:

  • 1. Januar 1972: Bergfelden, Hopfau und Mühlheim am Bach
  • 1. März 1972: Fischingen
  • 1. Januar 1974: Holzhausen, Renfrizhausen und Sigmarswangen
  • 1. Januar 1975: Dürrenmettstetten und Glatt

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[3]
Wahlbeteiligung: 48,1 % (2009: 50,7 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,1 %
31,5 %
15,4 %
12,0 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-1,4 %p
-0,8 %p
+15,4 %p
-0,3 %p
-12,9 %p
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Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgender Verteilung der 24 Sitze (+4) im Gemeinderat:

  • FWV: 41,1 % 10 Sitze (+1)
  • CDU: 31,5 % 7 Sitze (±0)
  • GRÜNE 15,4 % 4 Sitze (2009 nicht angetreten)
  • SPD: 12,0 % 3 Sitze (+1)
  • nicht mehr angetreten: Grüne Liste (2009: 12,9 % 2 Sitze)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Sulz unterhält eine Städtepartnerschaft mit

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sulz liegt an der Gäubahn (Stuttgart–Singen) und ist Regional-Express-Halt. Es verkehren stündlich Züge nach Stuttgart und Rottweil und zweistündlich weiter nach Singen (Hohentwiel).

Sulz ist über die Bundesautobahn 81 (WürzburgGottmadingen) und die Bundesstraße 14 (StockachWaidhaus) zu erreichen. Die Stadt ist 60 km von Stuttgart und 100 km vom Bodensee entfernt.

Sulz verfügt über ein Ultraleichtfluggelände. Außerdem befindet sich hier das Drehfunkfeuer (VOR) Sulz (116,10 MHz).

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albeck-Gymnasium
  • Lina-Hähnle-Realschule
  • Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule
  • Elly-Heuss-Knapp Schule, Kaufmännische Schulen Sulz mit Wirtschaftsgymnasium
  • Volkshochschule

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freibad susolei (Schwimmbecken mit Sole (Salzwasser) gefüllt)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sulz liegt an der Hohenzollernstraße und an der Römerstraße Neckar-Alb-Aare, die beide an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Marktplatz

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Bauernfeind-Museum im Gebäude Untere Hauptstraße 5
  • Kultur- und Museumszentrum im Wasserschloss Glatt
  • Römerkeller-Museum im Bereich des ehemaligen römischen Kastells Sulz
  • Das Atelier der Kunststiftung Paul Kälberer im Ortsteil Glatt enthält eine Ausstellung mit Gemälden und Grafiken Kälberers

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Burg der heutigen Ruine Albeck wurde Ende des 13. Jahrhunderts durch den Freiherr von Geroldseck errichtet und am 30. Dezember 1688 durch ein französisches Streifkorps zerstört und angezündet.
  • Das Kloster Kirchberg ist ein ehemaliges Dominikanerinnenkloster. Heute dient es als evangelisches Tagungs- und Einkehrhaus.
  • Die Bernsteinschule, ehemalige Kunstakademie im früheren Kloster der Franziskaner-Brüder in Bernstein.
  • Der 1998 errichtete 24 m hohe Aussichtsturm Mettstetten steht unweit westlich des Sulzer Ortsteils Dürrenmettstetten. Seine Aussichtsplattform befindet sich genau auf 700 m ü. NHN.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakat von Oliver Michael Gutmann, einem Enkelsohn Paul Schmids
  • Paul Schmid, geboren am 28. Februar 1895 in Sulz am Neckar, gestorben am 27. Dezember 1977 in Sulz am Neckar. Literat, Schriftsteller, Mundartdichter und Kunstmüller. Verleihung der bislang letzten Ehrenbürgerwürde im Jahre 1966.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart Schmetterling-Verlag, ISBN 3-89657-138-9, S. 349ff.
  3. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2014/Gem.asp?325057
  4. Webseite von Dürrenmettstetten - Freizeit
  5. vgl. Irene-Annette Bergs: Schweickher, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 44 f. (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sulz. Alte Stadt am jungen Neckar. Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadtrechtsverleihung. Hrsg. von der Stadt Sulz am Neckar. Sulz am Neckar, 1984.
  • Christoph Bühler: Die Herrschaft Geroldseck. Studien zu ihrer Zusammensetzung und zur Familiengeschichte der Geroldsecker im Mittelalter. In: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Band 96. Stuttgart 1981.
  • Christa Schmidt-Lotz: "Das Vermächtnis des Bischofs. Historischer Roman Oertel und Spröder Verlags-GmbH+Co.KG 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sulz am Neckar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien