Diagnosis ex juvantibus

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Diagnosis ex juvantibus ist ein lateinischer Ausdruck für deutsch: „Klärung der Diagnose vom Heilerfolg her“. Damit ist gemeint, dass durch die Wahl der Therapie und durch den eventuell auftretenden Heilerfolg auf die Krankheitsursache geschlossen wird.[1]

Der Ausdruck Ex non juvantibus wird in Situationen angewendet, in denen eine in der Regel zum Abklingen der jeweiligen Symptomatik führende Therapie keinen Erfolg zeigt.

Das Prinzip „Diagnosis ex juvantibus“ stellt ein nosologisches Kriterium der Klassifikation neben anderen dar, wie etwa klinisches Bild, Pathologie, Krankheitsverlauf etc.

In der Diskussion um die Alternativmedizin (wie Handauflegen, Homöopathie) ist die Diagnosis ex juvantibus durchaus von Belang, da Befürworter mit der Begründung „Wer heilt, hat recht“ oft auf (angebliche) Behandlungserfolge verweisen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gabe einer Zuckerlösung bei Verdacht auf eine Unterzuckerung bei Diabetikern.
  • Die Diagnose eines durch Alkoholentzug bedingten Delirium tremens kann selten durch die Gabe von Alkohol erfolgen, da dann die Symptome verschwinden. Meist ist das Delirium tremens durch Alkoholgabe nicht zu beenden. Ähnliches gilt für die teils dramatischen Entzugserscheinungen bei Opiatabhängigkeit, die durch Verabreichung von Morphin binnen Sekunden völlig zum Verschwinden gebracht werden können. (Wobei es durch die Gabe der Substanzen selbstverständlich zu keiner Heilung der Suchtproblematik kommt, sondern nur zu einer „Heilung“ der Entzugssymptomatik).
  • Die Diagnose von Intoxikationen (Benzodiazepine, Opiate) kann gestellt werden, indem man die entsprechenden Gegenmittel verabreicht (bei Opiaten z. B. Naloxon).
  • Der quälende Bewegungsdrang beim Restless-Legs-Syndrom bessert sich in kürzester Zeit dramatisch durch die Gabe von Levodopa oder die Applikation von Apomorphin.
  • Die häufigste Form von Blutarmut ist die Eisenmangelanämie. Seltenere Ursachen sind zum Beispiel Vitamin B12-Mangel oder Probleme mit dem Knochenmark (Leukämien, knochenmarkverdrängende Tumore). Eine Diagnose der Eisenmangelanämie kann erfolgen, indem der Patient zusätzliches Eisen zu sich nimmt und dann feststellt, ob die Anämie verschwindet oder nicht.
  • Beim Normaldruckhydrocephalus oder Pseudotumor cerebri durch Lumbalpunktion und Ablassen von ca. 40 ml Liquor.
  • Eine Steroidstoßtherapie bei Verdacht auf Erkrankungen, die auf Cortisongabe ansprechen
  • Gabe von Schmerzmitteln bei unruhigen Demenz-Patienten, die keine Angaben machen können.
  • Probetherapie bei Symptomen, die eine Refluxkrankheit vermuten lassen.
  • Toxoplasmosebehandlung bei immungeschwächten Patienten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ex juvantibus. In: Maxim Zetkin-Schaldach: Wörterbuch der Medizin. dtv, München 1980, ISBN 3-423-03029-1, S. 414.